Wossidia
krigen Prä
s. krig', kriggst, kriggt, krigen, Prät. kreg',
Part. krägen, kaum je nach umgangssprachlicher Art Prät. kriggte,
Part. kriggt kriegen 1. bekommen a. mit sachlichem, auch persönlichem Objekt: wecker bidden deit, dei kriegt ok wat Matth. 7, 8; 'de wat krycht, de hefft wat' Gry. Lb. 2, R 4
a; dat (gutes Essen) mag oll Gos'hirersch ok, se kriggt 't man nich RoRostock@WarnemündeWarn; för Geld is allens tau krigen; donn hett dei König Krieg krägen ist in Krieg verwickelt worden (Erzählstil des Märchens) RoRostock@VölkshagenVölksh; dunn kreg hei Raup von den Herrn Amtshauptmann (wurde gerufen, geladen) Reut. 3, 346; PaParchim@SuckowSuck; dor kreg' ick Urkund, dat ... Nachricht (1889) RoRostock@RibnitzRibn; hei hadd' dor 'n strengen Verbott up (œwer) krägen (1889) LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; (1890) Wa; irst ganz gegen Morgen kreg sei ok 'n Og' vull (Schlafes) Stillfr. Köst. 2, 65; hei kriggt Bang' wird bange (1891) MaMalchin@GielowGiel; hei hett kein Bäternis wedder krägen ist nicht mehr genesen (1885) GüGüstrow@GülzowGülz; ick hadd' 'n Dalslagg krägen war umgefallen Wa; ick kann dor keinen Klauk in krigen es verstehen (1887) RoRostock@RibnitzRibn; üble Laune, närrischen, verrückten, krankhaften Anfall, lustigen Einfall:
hei kriggt 't all wedder GüGüstrow@BützowBütz; wenn ein dat kriggt, kriggt hei 't tauierst in 'n Kopp; he kriggt dat öfter epileptische Anfälle Sta Stargard@MirowdorfMirowd; nu würd hei schir den Dullen krigen Derb. 1, 41; wenn Vadder Gothmann sinen Spaßigen kreg (zu spaßen anfing) Stillfr. Köst. 2, 3;
sall 'n lütten Jung krigen Luk. 1, 13; dee hett ok 'n Vizebuer to Hus krägen ihm ist ein Sohn geboren (1885) RoRostock@KühlungsbornKühl; 'wen ick wat krege up dem wege' Schlue 44; ebenso wohl auch zu verstehn: wenn de Gös' leggen, fangen de Frugenslüd' an to krigen gebären Wa; ein Kalf wir nich to krigen zur Welt zu bringen WaWaren@WredenhagenWred; dat is jo tau 'n jung' Hunn' krigen zum Tollwerden HaHagenow@LankLank; wenn wi nu Ostern krigen wenn nun wieder Ostern ist Wa; is man selten, dat se (die Tollense) Ies kriggt zufriert StaStargard@NeubrandenburgNBrand; wer die letzte Garbe bindet, zu dem sagt man: Du hest 'n Wulf (Has') krägen Gü; ... 'n Hund ... Ma; ... 'n Ollen ... Ma, Wa, Sta; wenn jemand bei der Ernte schlapp macht: dei hett 't Oornkind krägen Schö, Schw, Ha, Wi; ... 't Austkalf ... Ro; Anzeichen für Gewitter: dei Käuh krigen den Birs'worm Ma, Ro, Wi; ... 'n Krummstart Schö, Schw, Wi; dei Rogg' is grad' bi 't Ohr krigen kriegt gerade Ähren Wa. b. mit präpositionalen Bestimmungen: De Kierl, den se tom Mann nu kriegt, De hätt förwahr en good Gesicht Bahrdt 1, 164; auch verkürzt: sei hett ehren Koorl krägen; ähnlich: sei hett Herrn
N. krägen als Dienstherrn Wa; einen to Narren krigen; Schläge: wat up 'n Puckel, an 'n Dœz krigen; ick heff em to Ruh krägen beruhigt Wa; ick heff dat ut 'n Kopp krägen vergessen (1887) SchöSchönberg@KlützKlütz; 'Wen wy man balde gelt up de Handt kregen' Schlue 45; dor würd' alles up 'n Stock krägen in Auktion verkauft RoRostock@FresendorfFres; einen Gegenstand int Og' krigen erblicken GüGüstrow@KuchelmißKuch; auch
vör Ogen krigen: Stillfr. Köst. 2, 7; beliebt ist folgende Verbindung: kreg 't mit dei Angst (wurde ängstlich) Luk. 1, 12; Wenn de 't mit Ängsten kriggt Reut. 5, 184; sei ... kreg 't mit de Nerven 6, 450; ... mit en Fewer ... 2, 60; ... mit de Hitt ... Bri. 1, 122; 5, 71; so krigt dat Frölen dat mit Lüsten L. Reinh. Gött. 35; häufig ist mit beim
subst. Infinitiv:
de kregen dat ok mit Stillswigen Bri. 3, 46;
kreg 't ... mit dat Jammern Stillfr. Köst. 2, 90; 1, 329; gegen Harwst hen kriggt he (die Serradella)
dat mit Wassen Loep. 117; Nd. Kbl. 17, 63
b; 16, 36. c. mit prädikativem
Adj. und
Part. Prät.: dat künnen se gor nich klauk krigen verstehn (1887) HaHagenow@RedefinRed; hett dat künnig krägen erfahren, erzählen hören (1887) SchöSchönberg@CarlowCarl; se kregen dat utfünnig stellten fest, erkundeten RoRostock@RibnitzRibn; sitdäm ick dat utfünnig maakt krägen heff Wa; dei (Arzt) hett mi (hett den kranken Arm) wedder gaut krägen gesund gemacht LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; StaStargard@TeschendorfTesch; dei Salw hett dat all' wedder heil krägen (1885) Gü Güstrow@GülzowGülz; sei kriegen uns nich dod 2. Kor. 6, 9; dei Ogen, den Büdel apen krigen öffnen; einen dinghaft krigen verhaften; ick häw 'n fast krägen zum Schweigen gebracht Fromm. Mdaa. 2, 222; nahdäm heff ick den Globen nich faster krägen keinen festeren Glauben gewonnen RoRostock@WarnemündeWarn; denn' hebben wi dus krägen ihn zum Verlierer im Kartenspiel gemacht (1885) Kühl; ick krig' jo nich dat Fauder satt Klage des Bullen; dor kreg' dei Snei mi fat't überfiel mich (1887) HaHagenow@RedefinRed; Wagtsm. Ann. 70; Bri. 2, 249; he is nich fat't to krigen man kann ihn nicht fassen Wa; se hebben em gefangen krägen gefangen genommen RoRostock@RibnitzRibn; he hett dat all farig lopen krägen (1885) Kühl; ick heff em dor nich nah fraag't krägen nicht danach fragen können WaWaren@ZiddorfZidd; dat heff ick gäben krägen als Geschenk erhalten Ro Rostock@BartenshagenBartensh; denn kreg' he angeranzt wurde gescholten StaStargard@NeubrandenburgNBrand; kreg' einen afgeräten Schelte (1887) HaHagenow@RedefinRed; dor hett he em mit rett't krägen damit hat er ihn gerettet StaStargard@ZippelowZipp.
d. mit dem
subst. Infinitiv zur Bezeichnung des Beginns einer Handlung oder eines Zustandes, die Hinzufügung des reflexiven Dativs ist häufig: dat Stillswigen krigen verstummen: Bri. 2, 146; 3, 145; (1887) HaHagenow@RedefinRed; kreg ... dat Vertellen von ... (fing an zu erzählen) Stillfr. Köst. 2, 56; sei krigen sick dat Schellent RoRostock@Groß SchwaßGSchwaß; de kreg sick irst dat Schellen, ... dunn kregen s' sick dat Slagen Reut. 1, 120; kreg' sick mit sine Fru dat Prügeln Müll.-Friese 9; se hebben sick dat Vertürnen krägen WaWaren@VipperowVipp; Bri. 4, 151; dat Liggen krigen bettlägerig werden: Derb. 2, 50; dat Slapen krigen einschlafen Wa; dat Jammern, dat Grugen, dat Beswimen, dat Lopen krigen und ähnl.; donn kriggt he sick dat Ringent mit em StaStargard@KrickowKrick; dor kregen de Lüd' Danzent för wurde den Leuten eine Tanzerei gewährt Friedl; dor kriggt se sick 't Lachen bricht in ein Gelächter aus Wa; denn kreig' hei väl Utlachen wurde tüchtig ausgelacht Ratz. Bilder 1, 77; donn kreg' dei dat Vörmeigent das Amt des Vormähers StaStargard@Miltzow-HolzendorfMiltz; dei hett dat Swinhäuden krägen bei der Ernte schlapp gemacht allgem.; dei oll Kauh hett doch noch 't Bullen krägen Gü Güstrow@LaageLaage; selten der unbestimmte Artikel und das possessive Pronomen: de König kriggt 'n Kloppen ant Finster jem. klopft bei ihm an WaWaren@JabelJab; wenn hei sin richtig Uppassen kriggt (1889) RoRostock@RibnitzRibn; bei dat als Obj. steht mit vor dem Inf.:
kreg' 't mit dat Lopen Stillfr. Köst. 2, 66; mehr Belege ob. b. e. mit Infinitiv mit zu: Ick heft tho hüren krigt (Ro 1741) Kohf. Hg. 27, 3; se hebben de Muer nich to stahn krägen StaStargard@FeldbergFeldb; sei hebben 't nich tau seihn kregen Matth. 13, 17; hei kriggt sick ein Minschen tau hollen Stillfr. Köst. 2, 166; dor wull ick mi nich bi tau hollen krigen laten Wa Waren@WredenhagenWred; selten ohne 'zu': se krigen sick packen Wa.
f. rezipr.: sei krigen sick noch sie werden sich noch verheiraten Mi 46
b. 2. fassen, packen: hei is krägen worden sie haben ihn gefaßt Wa Waren@JabelJab; stählen is nich verbaden, œwer dat Krigenlaten HaHagenow@BoizenburgBoiz; krigen spälen Greif spielen allgem.; dor hebben de Reh krigen in späält im Kornfelde SchöSchönberg@CarlowCarl; danzt ji man to, ick krig' juch noch wedder sagte der Musikant Wa; dat Hanning ... Mariken üm de Ribben kreg Derb. 1, 230; Wat hett he (der Jäger) krägen geschossen? Leddigen Lop un beschäten Pann Wa; donn hadden wi dat Füer krägen das Seefeuer erreicht RoRostock@RibnitzRibn; as wi de Höögde von Drontheim kregen Warn; wenn wi dat Anker nich krigen künnen nicht fassen Dierh; donn kriggt se (die Hexe auf dem Scheiterhaufen) Füer fängt an zu brennen Wa; StaStargard@NeustrelitzNStrel; Wat gifft 't tau äten? Hack un Plück un Krig''t-in-'n-Pott SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; wat för arm krigen stehlen Wa; dor heff ick dat (die Sage) in mi krägen gehört, gelernt (1887) RoRostock@BargeshagenBarg; dor hett em dat Spök krägen gepackt, überrascht Wa Waren@PoppentinPopp; dor kreg' mi dat Gewitter erreichte mich StaStargard@LichtenbergLicht; wenn einen de Rägen dorbi kriggt (überfällt) Loep. 136; sünst kriggt em (den Raps) de Stangenmad' (kriegt unter) 103; mi kreg' de Nägelworm ich bekam (1887) RoRostock@RibnitzRibn. 3. besorgen, schaffen, zustandebringen: is dat woll tau krigen? ist das wohl zu erreichen? Mi 46
b; ick krig' ehr so wit ich bringe sie dazu PaParchim@GoldbergGoldb; he hett em to krägen verleitet Wa; laten S' dat man so, dat is nich anners to krigen Wa; mit 'n Hackelssniden hadd' de Grotjung' nicks tau krigen zu tun GüGüstrow@BandowBand; se hebben dat nich tau Geld krigen künnt zu Geld machen WiWismar@PoelPoel; he (der Glockengießer) hett de Klock nich in Klang krigen künnt zum Tönen bringen Pa; wer sin Dochter wedder int Lachen kreg' Wo.
V. 2, 320
b; se hebben s' doch von em krägen sie von ihm befreit StaStargard@Groß ZierowGZier; von dei Tit an hett hei nich Bier oder Brammwin tau bruken krägen sie sind ihm mißraten WaWaren@Groß GievitzGGiev; willn em to grugen krigen grauen machen StaStargard@WulkenzinWulk; hergahn hett se ehr nich krägen hat nicht erreicht, daß sie hergegangen ist SchwSchwerin@NeuendorfNeuend. 4. mit Ortsbestimmung: dei hett sick den Kopp gegen dei Bök krägen an der Buche gestoßen (1885) GüGüstrow@GülzowGülz; nu krigen se mi up de Rüm aufs freie Feld, Rda. des Verlierers beim Kartenspiel (1885) Ro; sei hett em ut 'n Hus' krägen überredet, das Haus zu verlassen WiWismar@Klein GörnowKGörn; hei hett dat Ünnelst nah baben krägen ist mit dem Wagen umgeworfen HaHagenow@RedefinRed; einen tau Gräffnis krigen bestatten (1887) ebda; wi kœnen dat nich all' glik tau Kopp krigen erledigen (1887) ebda; ick heff em nich tau Sprak krägen nicht sprechen können GüGüstrow@KobrowKobr; tau Schick krigen fertigmachen, schaffen. 5. nehmen: krig' di man wat tau äten Ro; dorup kreg' jo nu Dörchläuchten ok Wüürt (fing an zu reden) Bri. 3, 94. 6. sehr beliebt sind Wortspiele zwischen den verschiedenen Bedeutungen von krigen: dat will wi woll krigen, säd' de Afkat, dor meint hei dat Geld
V.-H.-Kal. 1869, 6; Bri. 2, 141; wenn jem. fällt: Hest ok wat krägen (einen Schaden, eine Wunde)? Nee, wer süll mi hier wat gäben? SchöSchönberg@WarnowWarn; Rätsel: Wenn hier 'n Pund Botter twei Mark kost't, wat krigen s' denn in Hamborg för 'n Fäuder Heu? (Twei Pierd') GüGüstrow@JürgenshagenJürg. 7. Zss.: af-,
an-,
be-, bi-, dal-,
dörch-, hen-, her-,
in-,
mit-, nah-, œwer-,
rüm-,
rut-, tau-, tausamen-, trügg'-,
tüschen-,
üm-, ünner-,
up-,
ut-, vör-, vull-,
wedder-,
wegkrigen. — Mnd. krî
gen. — Br. Wb. 2, 872; Dä. 254
b; Da. 116
b; Kü. 2, 217; Me. 3, 821.