Wossidia
hebben haben; Formen des Prä
s.: heff, hest, hett, a. hefft, noch Babst, hebben, hebben und hefft, hebben; des Prät.: hadd' gesprochen und oft auch geschrieben har, hadd'st, hadd', hadden, hadden und hadd't, hadden, a. Spr. auch hedde Dietr.
V. Lohe; Rost.-Osl. Hand. (K); selt. mod. hei hädd' Derb., härr und
harr Ritt. Gr.;
Part.: hatt;
Konj. Prä
s.: de hebb Babst 3, 37; Prät.: gleich dem Indik.; Sonderbelege: 'se hebt sick' 3. Plur. Ind. Laur. im Nd. Jb. 13, 45; hebb' ick (Gü 1828) Nd. Jb. 62, 167; vielfach heck (lautlich hęk) hab ich; die Form hewwen gebrauchen
u. a. Reut. und Stillfr., die Aussprache hemm' ist häufig zu hören. I. bildet als Hilfsverbum 1. das Perfektsystem von trans. Verben: hei hett mi 't seggt; ick hadd' em all lang' nich mihr seihn; So heft se sick versööpt Babst 1, 27; 'he hedde ... einen anslag gemaket' Dietr.
V. Lohe 18; 'alse unse olderen ... dat ... beseten, bruket unde gehad hebben' (1400) UB. 24, 19; 'alze dat ... dorp ... Ludecke Buckstock ... unde ik ... bezeten unde haed hebbet' (1400) 25; dat heck mi nich verwohrt das hab ich nicht gemerkt GüGüstrow@KobrowKobr; sowie von imperfektiven intrans. Verben: hei hett slapen, hulpen, arbeit't; namentlich auch bei den Verben der Bewegung, sofern diese in ihrer Dauer vorgestellt werden, und den Verben der Ruhe: 'ik hebbe rant unde lopen' Red. Ost. 429; 'Gy hebbet to myner scholen gan' 1278; 'Ik hebbe gheleghen by deme tune' 1655; 'Ik hadde so mer (fast) to langhe seten' 1660; wird jedoch das Ergebnis oder das Ziel der Bewegung ins Auge gefaßt, nehmen die Verben der Bewegung sin im Perf. an,
vgl.:
he hett danzt, aber he is kamen; he hett den heelen Weg gahn: is nah de Stadt gahn; he hett lopen: dat Fatt is utlopen; dor hett 'n ollen Mann up 'n Schimmel räden; den Schauster hett dat so arm gahn; he hett em begegent; hebben di nahfolgt Matth. 19, 27;
solang' as dat Kuurn wossen hett HaHagenow@DüssinDüss; ick heff mi ball dot follen: ick bün von 'n Bœhn follen; auch sin und bliben wird mit hebben verbunden: 'Ik hebbe ghewesen mank der joden schare' Red. Ost. 383; 'Dor wolde ik hebben so langhe bleven' 1189; dieser Gebrauch ist nur noch in Resten faßbar: dor möt doch wat von wääst hemm' etwas dran gewesen sein Meckl. 32, 90; Arme lütje Spreen, hadd'st du buten bläben Wo.
V. 2, 1780; heute gilt durchaus: he is wääst, bläben; Lit.: Muss. Spr. 48; Wigg. Gr. 75; Lier. 7. 2. eigentümliche Konstruktionen: ick hew 't so von den Herrn œwerkamen 1. Kor. 11, 23, worin hew den vollen Sinn 'besitzen' hat und œwerkamen als Prädikativum zu gelten hat,
d. h. 'ich habe es als etwas Übertragenes'; dieselbe prädikative Verwendung des Partiz. liegt vor in folgendem Falle: he hett se (die Schlange) giern rutstött hebben wullt wollte sie gern aus dem Walde vertreiben GüGüstrow@RothspalkRothsp; ick säd' em, dat hadd' ick nich giern dan ich würde es nicht gern tun SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; ne Zigarr hadd' ick woll hatt hätte ich gern HaHagenow@RedefinRed; ebenso merkwürdig ist hebben in Verbindung mit intaukamen: dei hett dei halwe Welt intaukamen Wa;
s. inkamen 3; höchst auffällig in passiver Konstruktion: he hett utgehaugt hebben süllt ausgehauen werden RoRostock@KröpelinKröp;
dat hadd' afrott't wääst HaHagenow@RedefinRed; dee (Pferd) hett beslahn worden RoRostock@RibnitzRibn; se hett verstüürt worden GüGüstrow@RothspalkRothsp; dor sœlt de Hunn' faudert worden hebben SchöSchönberg@HambergeHamb; dat (der See) sall utwäuhlt worden hebben HaHagenow@LübtheenLübth; dor sœlen weck uphängt worden hebben WiWismar@MecklenburgMeckl. 3. umschreibt ein Verbum, indem es sich mit dessen
subst. Inf. verbindet: as ick dor min Wahnen hadd' wohnte PaParchim@WerderWerd; dor hadden de Flessens ... ehr Wahnent hatt Stillfr. Sl. 6; hadd dor sin Wirken Köst. 1, 309; as ick min ierst Gahn dor hadd' zuerst dort verkehrte HaHagenow@ZarrentinZarr; wenn de Man dat Afnähment hadd' WiWismar@PoelPoel; wil hei kein Koppbräken hadd' nicht zu grübeln brauchte Wa; sitdem hei dat Regieren hett PaParchim@WerderWerd; de Baas hett 't Anhaugen der Vormann der Schiffszimmerleute Wi; hahr sin Spaßen mit de lütten Dirns L. Reinh. Gött. 35; he hadd' sin Schribent dor noch betrieb sein Schreibwerk RoRostock@RibnitzRibn; he hett 't Laxieren den Durchfall GüGüstrow@RothspalkRothsp; he hett dat Frieren (das Fieber) Hey. Kam. 148; ick hadd' min Tarrent pflegte zu necken Lu; se hett ehr Upliggent noch düller sucht es noch mehr zu betreiben WaWaren@LevenstorfLev; es tritt dazu der Begriff des Könnens oder Müssens: dor hett he 't Dörchkikent kann durch die Öffnung hindurchsehen WaWaren@PenzlinPenzl; dor hadd' ick 't Utsöken konnte aussuchen Wa; hest sülwst man knapp dat Gahn Camm. Vadd. 181; ick hadd' 't Gahn gor nich mihr konnte nicht mehr gehn WaWaren@Alt RehseARehse; Fromm. Mdaa. 2, 228; he hett dat Sehn nich mihr HaHagenow@RedefinRed; de Schultenknecht hadd' dat Anseggen durfte ansagen, hatte zu befehlen RoRostock@ParkentinPark; wi (Bauern) hadden dat Mastineggen mußten die Mast in der Forst eineggen WiWismar@GoldebeeGold; ick hadd' dat Breewenreisengahn RoRostock@RibnitzRibn; ick hadd' 't Brugent mußte (als Mädchen) brauen MaMalchin@NeukalenNKal; dei hett dat Weckent up 'n Hoff muß morgens wecken RoRostock@AltheideAHeide; de Hochtidenbidder hadd' dat Updrägen SchwSchwerin@CrivitzCriv; weitere Belege Nd. Kbl. 17, 62
b; auch im Gen.: he harr en grot Labens dorœwer Dolb. Küst. 159. 4. zum Akk.-Obj. tritt ein Inf. mit tau, seltener ohne tau: he hett all' de Göder to 'n Decken hatt war Dachdecker für alle Güter WaWaren@LevenstorfLev; denn' heff ick to mahlen hatt das war mein Mahlgast Wa; ick heff em uptowohren hatt er hat mir aufgewartet MaMalchin@DevenDev; as he de Stütt grad' vör sick to stahn hett WaWaren@MalchowMalch; wo har s' de ollen Finger vull Ring' to sitten Zand. Bill. 189;
wi hebben weck (Küken) uttositten Wa Waren@PenzlinPenzl; he wull alles to regieren hebben Jab;
se hebben dat dor all' rümtoliggen StaStargard@KrickowKrick; he hadd' em antofaten hatte ihn angefaßt Roll; dat sall keiner tau weiten hebben erfahren Wi Wismar@PoelPoel; ick wull se to hollen hebben halten Ro Rostock@KühlungsbornKühl; dem vielfach bezeugten he hett dor eenen Unkel to wahnen steht einmaliges, mehr umgangssprachliches ick heww dor en Stück Fründschaft wahnen bei Reut. 6, 345 gegenüber; ebenso gewöhnlich: wi hebben ehr Dochter tau deinen hatt als Dienstboten Lu Ludwigslust@TewswoosTewsW; Warl; Lu; aber auch einmal: ick hadd' 'n Brauder deinen in
N. WiWismar@WarinWar; so erklärt sich denn dei hebben väl liden hatt mit dei Franzosen RoRostock@AltheideAHeide durch Ausfall eines tau; ebenso: hei hett ne Lus up 'n Haut krupen hatt Wa. 5. das Akk.-Obj. nimmt ein prädikatives
Adj. oder eine adverbiale Bestimmung zu sich: he hett dat dag's so dull warm er leidet unter der Hitze WiWismar@Klein GörnowKGörn; de Franzos' hett em so fram hatt bei den Franzosen ist er so zahm gewesen NKlost; se hebben den Barg holl hatt ausgehöhlt HaHagenow@WittenburgWitt; denn hebben s' (die Pferde) de Köpp so wacht halten die Köpfe so wach aufgerichtet Ro Rostock@RibnitzRibn; ick heff min Fru twee Johr krank hatt Wa;
se hett all' de Eier verlustig LuLudwigslust@GöhlenGöhl; hei ... hett twei Fruugens dodt (zwei Ehefrauen sind ihm schon gestorben) Reut. 7, 307; gleich geordnet wird die präpositionale Verbindung gesetzt: söß (Kinder) heck (hab ich)
in 'n Läben, vier heck all dot RoRostock@AltheideAHeide;
hei hadd' s' all' drei tau Dod' LuLudwigslust@TewswoosTewsW; so hadd' hei dat in Willen so plante er es Ma Malchin@GielowGiel; hei hadd' dat tau 'n Wuurt gebrauchte den Spruch oft LuLudwigslust@Alt JabelAJab; dat hadden dei Ollen so von 'n Glow RoRostock@RibnitzRibn; (sei) hadd' 't mit dat Lopen Stillfr. Köst. 2, 237; 1, 256. 6. sprw. Rda.: een Heww-ick is bäter as teihn Hadd-ick: Bri. 2, 46; hadd' ick nich ... lockt die Gegenrede hervor: hadd' 'ck nich schäten, hadd' de oll Fru seggt, wir 'ck all œwer 'n Barg WaWaren@SchwarzSchwarz; ja, hadd' 'ck man nich kackt, hadd' de Hund seggt, denn hadd' 'ck 'n Hasen krägen RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD. II. als Vollverbum 1. haben, halten, besitzen a. mit pers. Subj. und Obj.: 'Metteke Berndes, de nu Hinseken Lůtzowen heft' (zum Manne hat; HaHagenow@WittenburgWitt 1388) UB. 21, 264; sick hebben verheiratet sein: so lang' hebben se sick all GüGüstrow@KobrowKobr; wist du mi hammen, will ick di hammen, wi willn beid' ein Schöttel hammen, ick din Farken, du min Swin, dat sall unser Ausspruch sin WaWaren@GievitzGiev; min Mudder heff ick länger hatt blieb länger am Leben als mein Vater SchöSchönberg@CarlowCarl; he will eenen ganz hebben ganz besitzen, ausnutzen Ha Hagenow@RedefinRed; mit pers. Subj. und sachl. Obj.: 'Myne Sara, hebbe nu gude nacht' Schlue 34; (sei) Hett 'n Brunen (ein erhitztes Gesicht) as de Naet inne Slu Seem. Hä. 76; dei hahr ehr Wunne (wunderte sich) Welln. Volk 69; he hett keen Sprak sagt nichts Wa; wat einer hett, dat hett hei SchwSchwerin@PampowPamp; Reut. 3, 310; wat een hett, dat weet man woll, man nich, wat een kriggt Bri. Volkssp. 25; haste was, so kannste was in Eile Wa; dee hett ok alles, wat he hebben möt ein Pferd mit allerlei Fehlern Wa; in de Bibel heff wi 't jo lesen wir es ja StaStargard@HolldorfHolld; dor hett he noch lang' wat an damit hat er noch lange zu schaffen, daran hat er noch lange Vorrat RoRostock@KlockenhagenKlock; sei hett grot Wäsch up 'n Tun HaHagenow@RedefinRed; wenn 'n Mäten wat hebben süll der Schwangerschaft beargwöhnt wurde WaWaren@KieveKieve; Röb; wenn dei Gäst all 'n beten veel hebben (reichlich getrunken haben und trunken sind) Joh. 2, 10; as hei 't so an sick hadd (wie es seine Gewohnheit war) Luk. 4, 16; und
adv. Bestimmung: '(der Schiffer) hedde inne etlike guder ... van Bertram Benen' Rost.-Osl. Hand. (K.) 66; wi hadden den Wind platt (gerade)
von achtern Wo. Seem. 2, 149; hebben wi em up 'n Vörweg? ist er der Nächste? (beim Lachsskat) HaHagenow@RedefinRed; halten für: dei hebben sei dorför (für eine Hexe) hatt Wa; einen tau Narren hebben; dat wull hei nich hatt hebben nicht wahr haben, nicht zugeben Wa; Schö Schönberg@CarlowCarl; dat heft! Zwischen- und Schlußbemerkung eines Redners, das beachtet, merkt euch, daran denkt besagend Mantz. Ruh. 2, 49. b. mit sachl. Subj. und Obj.: dei Fichten hebben Grenz bilden die Grenze Wa Waren@JabelJab; se (die Wicken) hewwen blot in dröge Johren Pris (stehn im Preise) Loep. 100; Subj. ist ein krankhafter Zustand oder ein Quälgeist, Obj. ein Mensch oder lebendes Wesen: em hett 't er ist verrückt RoRostock@WarnemündeWarn; dei (der Rausch)
hett em all SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; wo hett di de Draus hatt! wo bist du nur gewesen! HaHagenow@RedefinRed; hett he di oder ritt he di oder kriggt he di? bist du verrückt? RoRostock@RibnitzRibn; he hett keen Lüs', de Lüs' hebben em Wa; seltsam: wenn dat kol Wäder hett wenn es kaltes Wetter gibt (1887) HaHagenow@RedefinRed. c. refl. sich benehmen, verhalten, anstellen, geben: 'dat ick mie meüt hebben aß ne Bruht' (1711) Kohf. Hg. 8, 2; as Kinner hebben s' sick Matth. 11, 16; Wo hadden Jie Ju denn dorby? (Ro 1741) Kohf. Hg. 27, 3; ick weit mi nich to hewwen Lehm. Ith. 18; ick ward' mi woll ierst 'n bäten hebben (zieren), hadd' de Diern seggt, œwer du bruukst mi jo nich glik lostolaten GüGüstrow@BorkowBork; heff di man nich so, säd' de Buer un kettelt sin Fru mit de Meßfork Wi Wismar@NeuklosterNKlost; mit Präp.: dor möt sick de Minsch nah hebben danach richten LuLudwigslust@TewswoosTewsW; dat ji jug dunntaumals so üm mi hadden (an mir Gefallen fanden) Gal. 4, 15; sei hett sick so üm ehr (verstorbenen) Kinner hatt so gejammert GüGüstrow@BoitinBoit; hei harr sick schier up dei Arbeit ... as wenn ... (drängte so nach ...) Wagtsm. Mart. 34; mit
adv. Bestimmung: dat hett sick all' wunderlich es trägt sich wunderlich zu MaMalchin@RemplinRempl; so hett sick dat so stehts damit HaHagenow@RedefinRed; Abfertigung: dat hett sick wat, wenn ne Sprat breckt (ironisch: das nützt wohl was) H. Schrö
d. Buerh. 1, 55; Hett sick wat tau Stäwelmaken! (da ists mit Stiefelmachen aus) Reut. 7, 456; hir hett sick wat tau wirken! 2, 315; mit Jesus Christus sin Geburt œwerst hadd' sick dat so Matth. 1, 18; auffällig ohne Reflexiv: denn hadd' sei so fram (1895) MaMalchin@ChemnitzChemn. 2. bekommen, erzielen, ergreifen: magst mi liden, kannst mi krigen, wist mi hebben, kannst man seggen HaHagenow@BoizenburgBoiz;
dat wir nich anners to hebben Wa Waren@RöbelRöb; wenn dat irgens to hebben wir zu machen war Schö; wi möten dat (Korn) to Bœhn hebben zu Boden schaffen RoRostock@RibnitzRibn; sei wullen uns tau 'n Snacken hebben verleiten WaWaren@RöbelRöb; hei wir nich tau Sprak tau hebben war zu einer Unterredung nicht zu bewegen RoRostock@BentwischBentw; dei Kohl würd' so kort stött, as hei tau hebben wir wie irgend möglich GüGüstrow@GülzowGülz; dor is nicks gegen tau hebben das ist nicht zu ändern Lu Ludwigslust@ConowCon; mit 'n Mal is dat nich tau hebben so plötzlich ist es nicht zu machen RoRostock@GelbensandeGelb; dor is kein Grund tau hebben zu finden Bast; dei Wagen is nicht lostauhebben wääst nicht von der Stelle zu kriegen SchwSchwerin@PeckatelPeck; dat is nicht fuurttauhebben RoRostock@RibnitzRibn; dei (die kleinen Quecken) sünd gor nich tau hebben mit der Egge zu fassen Kühl; dei (Pferde) sünd gor nich tau hebben, so wälig sünd sei zu regieren Ribn; mit Präp.: wat sei dorut hadd Stillfr. Köst. 2, 83; dor hett hei 'n Frölen mit er hat eine Tochter mit ihr gezeugt Wa; teihn Kinner heff ick mit min Fru hatt RoRostock@RibnitzRibn; mit Sachobj.: Plummen müßten drei Dag' hebben brauchten zum Ausbacken drei Tage Zeit WaWaren@Alt RehseARehse; dat will de Körper nich mihr hebben dem ist der alte Körper nicht mehr gewachsen Wa; as dat dei Ierd' hebben deit zur Erde gefallen ist WaWaren@LevenstorfLev. — Zss.: af-,
an-,
be-,
in-, vör-,
weghebben. — Mnd. hebben. — Br. Wb. 2, 608; Dä. 180
b; Kü. 1, 703; Me. 2, 680.