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grimmen

mhd. bis sprichw. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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44 in 21 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grimmen

Bd. 9, Sp. 354
grimmen , urspr. starkes vb. aus derselben wurzel, die im adj. grimm vorliegt; ahd. nur selten bezeugt (s. u. 2); auch alts. grimman toben, wüthen; ags. grimman toben, rasen, brüllen; bis ins 13. jh. nur stark, im 14. vollzieht sich der übergang in die schw. flexion; auch mnl. nur schwach; im 17. jh. abgestorben (s. u. 1). 11) urspr. 'mit den zähnen knirschen'; frendere Dief. 246c; diese grundbedeutung bleibt lange lebendig: grummen sy mit iren zenden uber mich erste deutsche bibel 7, 290 (ps. 34, 16); grimmen, dasz maul aufsperren, die zän blecken, zusammen beissen, frendere dentibus, ringere Henisch 1744; zunächst also offenbar von thieren. die bedeutung wandelt sich auf der einen seite in fremere Dief. 246c; rugire 503b: geswigen ist des lewen limmen und der lewinne grimmen md. Hiob 1650 Karsten; so vielfach im mhd., vgl. mhd. wb. 1, 573b; wann der löw anfaht grimmen Seb. Münster cosmogr. 1437; im bilde: die von Nusz grymmeten als die behern, die das widderwere zu thune begern Stolle thüring. chron. 117 lit. ver.; aber nicht nur von tönen des zornes, sondern auch des schmerzes: die werdint dar nach grimmende in deme helleviure pred. des 13. 14. jhs. 74, 22 Leyser; ich grimmete von sûchten mîns hertzen (rugiebam ps. 37, 9) ndrh. psalmenübers. 39 Janota. auf der anderen seite entwickelt sich, indem das psychologische moment in den vordergrund gerückt wird, die bedeutung saevire Dief. 531b, furire 253b, ohne dasz doch eine scharfe trennung der beiden bedeutungszweige möglich wäre; schon ahd. furit crimmit ahd. gl. 1, 154, 18; er (Achilles) gram unde bram Herb. v. Fritzlar troj. 4575; auch von schmerzlicher erregung: sô grimmet ir herze mit bitterem jâmer myst. 1, 351, 6; öfter in übersetzung von ps. 2, 1 (quare fremuerunt gentes): warumbe grimmetend die lüte Staub-Tobler 2, 733 (15. jh.); das oft und lange gebrauchte part. präs. scheint adjectivische bedeutung, ähnlich 'wüthend', angenommen zu haben: sie lauffen in der alten stad wie die grimmende beeren Schütz hist. rer. pruss. 5, f 4a; der schreckliche grimmende brüllende löw Gryphius teutsche ged. (1698) 1, 734; auch mit präpos.: es ist (des menschlichen blutes) wenig fast gnuog und zuo vil vergossen, man hat fast gnuog gegrimmt anainander umbzuobringen Spalatinus klage d. frids (1521) h 1a; ob ir sie (die armen) verseeret, ... mein zorn wird grimmen über euch Waissel chron. (1599) 154b; schwächer 'murren': und si grummen (var. grimten) wider si (das weib, das Jesu füsze salbte, Marc. 14, 5) cod. Tepl. 1, 66; öfter in bestimmter sphäre im sinne von 'keifen': darnach sein sie die gantzen nacht schwetzig, kippeln und keifen, grymmen und zannen Albr. v. Eyb dtsch. schr. 1, 6; ebenso mnd.: het he se gan, se karde weder, het he se wesen vro, se gram Schiller-Lübben 2, 147a; eigen ein paar mal bei Murner: 'ein drohendes, trotziges ansehen, gebaren haben': die jugend grimpt in waffen gar Äneis (1543) 277a; ähnlich 252b; das vb. stirbt als wort lebendiger rede im 17. jh. ab; die wörterbücher schleppen es weiter: grimmen et frequentius ergrimmen fremere, ira furibunda corripi Stieler 703; grimmen irasci, ergrimmen acerbe irasci Wachter 615; bei Voigtel wb. 2, 133b als veraltet bezeichnet; nur ganz vereinzelt in poetischer sprache: grimm' immerfort, spei feuer! regengüsse! Herder 25, 39; hasz, der noch im stillen grimmet Rückert 1, 127, hier also mit der jüngsten bedeutungsnüance des nomens, s. 2grimm B 3. 22) sehr gern als subst. infinitiv: das grimmen primo est contractio vultus et fremitus oris Stieler 703; gewöhnlich näher an das subst. grimm herangerückt, öfter geradezu im wechsel mit ihm: welcher ist der unmessig zorn seiner tobheit (var. seins grimmens) erste dtsche bibel 4, 228; auch umgekehrt: auff das der herr von dem grimmen seines zorns abgewendet werde 5. Mos. 13, 17 (vgl. 2grimm B 1 a); s. auch ps. 37, 8 var.; Hiob 21, 30; deren hertz entzündt und erfült ist mit funcken des grimmens, zorns und wütens Aeg. Albertinus Lucifers königr. 132, 16 Liliencron; planeten, mond und element lieszen ihr grimmen blicken Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 228; fähet einmal zornigklich mit grossem grimmen und grammen an Lindener katzipori 86 lit. ver.; lasz ab, lasz ab, und widerkehr von deinem tobn und grimmen Ringwald evang. g 8b; zumeist auf md. boden; obd. mit dem swm. grimme (s. o. 2grimm A 2) zusammengeflossen und höchstens im gen. noch von ihm zu trennen; in neuerer zeit nur ganz vereinzelt u. mit verändertem sinne (entsprechend 2grimm B 3): die verstockt in grimmen selber sich verstimmen Rückert 1, 121. 33) von interesse ist die bedeutungsentwicklung von 'knirschen' zu 'schauern' (vgl. grieseln sp. 265 f.), die sich im schweiz. findet: eim grimmen ab schaudern Staub-Tobler 2, 733; der grimmen (auch grīmmen) neben 'zähneknirschen' auch 'schauder infolge von entsetzen, schmerz, selbst frost u. ä.' ib.; wohl urspr. subst. inf., aber formal mit dem subst. grimm, grimme vermengt; so auch in dem (leider quellenlosen) citat: daz eym uszdringt kalt, grym und sweisz; es gand mir grymen durch myn bluet quelle von 1555 bei Staub-Tobler 2, 734, woselbst weitere nachweise. 44) erst spät und nicht häufig erscheint ein grimmen, das sich wie eine causativbildung zum adj. ausnimmt: grimmen irritare, exasperare, provocare ad iram Wachter 615; was ihn das ärgern, grämen, grimmen musz maler Müller 2, 46; es grimmt mich aber noch, dasz sie es wagten, nach euch zu forschen Hesekiel Nürnberger tand 1, 326; vermuthlich handelt es sich nur um eine unter der einwirkung von grimm erfolgte umdeutung der häufigen wendung es grimmt (= krimmt) mich, s. 2grimmen.
5681 Zeichen · 118 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    grimmenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +14 Parallelbelege

    grimmen swv. ich grimmede von sûchten mîns hertzen (rugiebam a gemitu cordis mei) Jan. 39.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    grimmenst. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +7 Parallelbelege

    grimmen , st. V. nhd. knirschen, schallen, murren, keifen, zürnen, wütend sein (V.), grimmig sein (V.) Hw.: s. grisgrimm…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grimmen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Grimmen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordet. 1) † Grimmig seyn, in einen wüthenden Zorn gerathen; e…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    grimmen

    Goethe-Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    1 grimmen ärgern, mit Gram, schmerzlicher Erregung erfüllen [ Nereus: ] Sind’s Menschenstimmen .. ? | Wie es mir gleich …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grimmen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Grimmen , Kreisstadt im preuß. Regbez. Stralsund, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Berlin-Stralsund und der Eisenbahn Tri…

  6. modern
    Dialekt
    grimmen

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    grimme n [krìmə Felleri. ] mit den Nägeln kneifen. s. auch kramme n .

  7. Sprichwörter
    Grimmen

    Wander (Sprichwörter)

    Grimmen Der soll bekommen das Grimmen, der mir einschenkt schlimmen.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grimmen

25 Bildungen · 13 Erstglied · 7 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von grimmen 2 Komponenten

grim+men

grimmen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grimmen‑ als Erstglied (13 von 13)

grimmenclīche

KöblerMhd

grimmenclīche , Adv. Vw.: s. grimmiclīche

grimmenöl

DWB

grimme·noel

grimmenöl , n. : grimmöl ... für die kinder, wann sie grosse leibwehe leiden Hohberg georg. cur. aucta 447 a . —

Grimmenstein

GWB

grimmen·stein

Grimmenstein 1 Name eines alten Weimarer Hauses, einmal als ‘Raub- und Rattennest’ apostrophiert T1,125,1 v 14.10.80 B6,379,3 CarlAug 28.10.…

grimmenstich

DWB

grimmen·stich

grimmenstich , m. , jägerausdruck: also benennen einige das, was ein angeschossen wildstück macht ... wann es sonderheitlich tödtlich verwun…

Grimmenthal

Meyers

grimmen·thal

Grimmenthal , Hospital in Sachsen-Meiningen, Kreis Meiningen, an der Hasel, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Plaue-Ritschenhausen und Eisena…

grimmenwasser

DWB

grimmen·wasser

grimmenwasser , n. , aqua carminativa, ' ein herrliches mittel in blehungen, colick- und magen-beschwerungen ' Chomel öcon. lex. 4, 1354 ; v…

grimmen als Zweitglied (7 von 7)

bauchgrimmen

DWB

bauch·grimmen

bauchgrimmen , n. colicus dolor. Maaler 51 a ; wiewol nun iren der kindsgepfrengten frawen das bauchgrimmen etwas ungewont war. Garg. 103 a …

begrimmen

DWB

beg·rimmen

begrimmen , atrociter corripere, reprehendere, nnl. begrimmen: mit widerlegen, bedingen, begrimmen, bemüht und brüstet mancher sich. Göthe 4…

e(n)tgrimmen

Idiotikon

e(n)tgrimmen Band 2, Spalte 733 e(n)tgrimmen 2,733

ergrimmen

DWB

ergrimmen , in form und bedeutung schwankend, 1 1) das alte intransitivum rugire, ferocire, fremere, incendi ira, irasci war noch starkformi…

vergrimmen

DWB

ver·grimmen

vergrimmen , verb. ergrimmen: da in ( den raben ) aber der hirt also vergrimmet ersach, lief er hinzu, fieng in. Steinhöwel Esop (1569) 75 a…

Ableitungen von grimmen (5 von 5)

begrimmen

DWB

begrimmen , atrociter corripere, reprehendere, nnl. begrimmen: mit widerlegen, bedingen, begrimmen, bemüht und brüstet mancher sich. Göthe 4…

entgrimmen

DWB

entgrimmen , incendi ira, vgl. ergrimmen : doch unser geist entgrimmt. Gryphius 1, 13 .

ergrimmen

DWB

ergrimmen , in form und bedeutung schwankend, 1 1) das alte intransitivum rugire, ferocire, fremere, incendi ira, irasci war noch starkformi…

vergrimmen

DWB

vergrimmen , verb. ergrimmen: da in ( den raben ) aber der hirt also vergrimmet ersach, lief er hinzu, fieng in. Steinhöwel Esop (1569) 75 a…

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APA
Cotta, M. (2026). „grimmen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grimmen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „grimmen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grimmen/dwb. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „grimmen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grimmen/dwb.
BibTeX
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