ruhen,
verb. quiescere. II.
Formales. denominativbildung zu ruhe.
die formale entwickelung läuft der des substantivs parallel. die regelmäszigen formen des älteren hd. sind mhd. ruowen,
spät ahd. ruowon, ruowen.
entsprechend im mnd. rowen, rouwen,
mnld. roeuwen, rouwen, ruwen.
häufiger und früher begegnet im ahd. râwon, râwen,
das auch noch im mhd. und mnd. gebräuchlich ist. schon im mhd. finden sich verkürzungen zu ruon, ruoen, ruote, geruot,
md. rûn, rûen (
vgl. Lexer
mhd. wb. 2, 553).
aus diesen bildungen entsteht dann im 16.
jahrh. die heutige form mit diakritischem h:
pausare, ruhen
vel under-ruhen. Dief.
gloss. 418
b.
daneben bietet das frühere nhd., besonders in oberdeutschen quellen, noch die ältere gestalt des wortes mit inlautendem w: ruowen,
quiescere Dasypodius. Maaler 339
a.
mit verhärtung des w
zu b,
wie sie auch mhd. vorkommt (
vgl. Lexer
a. a. o.), ruben: sie hat gar wenig schlaffen oder ruben mö
gen. Zimm. chron. 4, 130, 32.
in oberdeutschen mundarten haben sich derartige formen erhalten: rueben Stalder 2, 287; ruaba Schöpf 566. Frommanns
zeitschr. 3, 399; rueba Tobler 372
b.
veraltet ist das aargauische ruewe. Hunziker 212.
mhd. ruogen, rûgen (
vgl. Lexer 2, 553)
hält sich auch noch im älteren nhd., es ist bei Luther
das regelmäszige: ah wolt jr nu schlaffen und rugen?
Matth. 26, 45; denn des morgens hebt man alle werck an, und endet sie des abends, und ruget des nachts.
werke 1, 41
b; ach mein herzliebes Jesulin mach dir ein rein, sanft bettelin zu rugen in meins herzen schrein.
kinderlied bei Gödeke-Tittmann
liederb. 197, 51.
verwandtes bieten heutige mundarten: aargauisch rueje Hunziker 212;
baslerisch rueije Seiler 242
b.
weiteres s. unter ruhe oben sp. 1417. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11) ruhen
ist zunächst ablassen, sich erholen von mühe und anstrengung, dann allgemeiner das rasten von thätigkeit. II@1@aa)
vom menschen. der kämpfer, der wanderer, der arbeitende ruht: sechs tage soltu erbeiten und alle deine werck thun. aber am siebenten tag ... soltu kein erbeit thun, noch dein son, noch deine tochter, noch dein knecht, noch deine magd, noch dein ochse, noch dein esel, .. auf das dein knecht und deine magd ruge, gleich wie du.
5 Mos. 5, 14;
sprichwörtlich: nach getahner arbeit ist gut ruhen. Stieler 1633; von hütten was erfülletalumbe das velt, dâ si solten ruowennâch ir arebeit.
Nib. 1296, 3; doch solltest du, o herr, wohl lange ruhen können? Drollinger 283; doch warum in dieser zeit an die arbeit treten? frühling ist ein hohes fest: laszt mich ruhn und beten! Uhland 36. ruhen
nach gefahr und noth: der herr hat die ruten der gottlosen zubrochen, die ruten der herrscher, welche die völker schlug .. nu ruget doch alle welt und ist stille, und jauchzet frölich.
Jes. 14, 7.
nicht immer ist die rast den menschen angenehm: dâ ruowet er, daʒ was im leit, wan schif, diu wâren unbereit.
Trist. 3861. nicht ruhen bis: nicht ruhen als bis man es fertig gemacht. Frisch 2, 134
b; ich will nicht ruhen bis ich rein von dem hinterbliebenen zeug bin. Göthe
tageb. 1, 105
Weim. ausg. sprichwörtlich: ruhe nicht, bis du gewissenruhe gefunden hast. Simrock 8585.
bei Luther
in gleichem sinne: sie rugen nicht, sie haben denn schaden gethan.
spr. Sal. 4, 16.
häufig auf schlaf und tod bezogen: II@1@a@aα) ruhen
im schlaf Frisch 2, 134
b: (
an einen knaben:) ruh sanft, so lange dir das lied der amme noch erschallt. Hölty 123
Halm; als sie den greis wahrnahm, wie er ruht in athmendem schlummer. Voss 2, 274; gelenk sind hald die krampferstarrten glieder, wenn er gestärkt dem tag entgegen ruht. Göthe 41, 4; die jünger sprachen: herr, schläft er, so lasz ihn ruhn. Rückert 11, 88. jemandem wohl zu ruhen wünschen: so hab' ich denn nichts lieber hier zu thun, als euch zum schlusz zu wünschen wohl zu ruhn. W. Müller
ged. 1, 21. II@1@a@bβ) ruhen
im tode: daselbs (
im tode) rugen doch die viel mühe gehabt haben.
Hiob 3, 17; er ruhet jetzo sanft und wohl, ...
plenissimus locus quietis in tumulo ei concessus est. Stieler 1634. ruhe sanft!
als zuruf an einen todten. ebenso ruhe in frieden: nun ruhe denn, o freund im frieden, dem wir anjetzt zu grabe gehn! Drollinger 271; hier ruht ...
als inschrift auf grabsteinen: wenig zeilen, die den grauen sandstein überfüllen, melden wer hier ruhe. Hölty 50
Halm; o weh! lasz ruhn die todten! Bürger 15
a; führst du (
traum der jugend) mit wehmuth zurück im schleier schimmernder nächte holde gestalten, die längst bei den entschlafenen ruhn? Arndt 88; verklungen ist der kampfestos und Lützow's wilde jagd; und du (
Körner) einst, bruder, ihr genosz ruh'st schweigend in der nacht. Rückert (1882) 1, 80. in der erde, im grabe ruhen
u. ähnl.: die richtig fur sich gewandelt haben, komen zum friede, und rugen in jren kamern.
Jes. 57, 2; der reiche ruhet unter dem marmelstein; der arme im schosz der erden. Schuppius
schriften 699; die todten ruhen in der erde. Frisch 2, 134
b; bis ich werd' im kühlen grabe neben meinen vätern ruhn. Hölty 153
Halm; ein jüngling ruhet hier in unsrer mutter (
der erde) schoos. Gotter 1, 144.
vom ruhen im schlafe, aber mit beziehung auf das ruhen im tode: warte nur, balde ruhest du auch. Göthe 1, 109. II@1@bb)
von menschenähnlich gedachten wesen, so von gott, vom teufel, vom thier in der fabel: und also volendet gott am siebenden tage seine werck die er machet, und rugete am sibenden tage, von allen seinen werken die er machet. 1
Mos. 2, 2; schwächer zwar, doch waltet der pabst, und die winzigen päbstlein ... welche sich schlüssel geheim nachbildeten, fachen die glut an; dasz wir (
teufel), obgleich gern ruhend, aus zwang fortschmoren und spuken. Voss 2, 257;
mnd. id (
das pferd) sprack to deme manne: 'sytte wat aff! ik byn möde, laet mi wat rouwen!
Reinke de Vos 5093. II@1@cc)
von thieren: sechs tage soltu deine erbeit thun, aber des siebenden tags soltu feiren, auff das dein ochs und esel rugen.
2 Mos. 23, 12. II@1@dd)
von belebt oder thätig gedachtem. II@1@d@aα)
auf sinnlichem gebiete: der fusz des wanderers, die hand des arbeitenden ruht.
von der taube Noahs: da aber die taube nicht fand, da jr fusz rugen kund, kam sie wider zu jm in den kasten.
1 Mos. 8, 9. auge und ohr ruhen: obgleîch die zunge schweigt, die augen ruhen nicht. Rachel
bei Steinbach 2, 312; zehnmal räumlicher wird dann unser stübchen dir bedünken, wo vor zischen, fragen, winken, ohr und auge ruhen kann. Göckingk 1, 57. die glieder, die gebeine ruhen im grabe: fünf jahre sind es schon, dasz deine werten glieder in ihrer grube ruhn. Drollinger 112;
Rosse. wo ist Duncans leiche?
Macduff. nach Kolmeshill gebracht, der heilgen gruft, wo die gebeine seiner väter ruhen. Schiller
Macbeth 2, 13. das werkzeug des arbeitenden ruht: hast du der töchter noch mehr, die lieber sitzen, und stille weibliche arbeit verrichten, da ist's noch besser; die nadel ruht im jahre nicht leicht. Göthe 1, 343. die waffen ruhen: o du schwert des herrn? wenn wiltu doch auffhören? fare doch in deine scheide und ruge.
Jerem. 47, 6; nicht ruh'n soll dieser degen, bis er sich in österreich'schem blute satt gebadet. Schiller
Wallenst. tod 4, 7; die waffen ruhn, des krieges stürme schweigen.
jungfr. von Orl. 4, 1; tief in der scheide ruhe das schwert.
braut von Messina 138; was ist's da uns der pfeil im köcher ruht, dasz ihr vor unserm anblick euch entsetzt? H. v. Kleist 1, 129. die wirkende natur scheint im winter zu ruhen; das fruchtbringende gefilde, der acker ruht,
wenn er brach liegt: sechs jar soltu dein land beseen, und seine früchte einsamlen, im siebenden jar soltu es rugen und ligen lassen.
2 Mos. 23, 11. das wogende meer, der rauschende wald, die säuselnde luft ruht: wie die luft so fürchterlich still ruht kurz vor dem sturm. Bettina 1, 144; nun ruhen alle wälder. P. Gerhardt 60
Gödeke. geräusche ruhen,
so der donner der geschütze: dragoner rasseln in den feind und seine donner ruhen. Schiller 1, 233. II@1@d@bβ)
unsinnlich, der geist, die seele ruht: Augustinus spricht: du hast uns gemacht zu dir, darum mag unser herz nit ruwen, bis das es ruwet in dir. Keisersberg
seelenpar. 68
b; denn was kriegt der mensch von aller seiner erbeit und mühe seins hertzen, ... denn alle seine lebtage schmertzen mit gremen und leid, das auch sein hertz des nachts nicht ruget.
pred. Sal. 2, 23. arbeit
und thätigkeit ruhen: alle bäuerliche arbeit ruhte. Häusser
d. gesch. 4
2, 231; bei selten ruhendem kriege. Freytag
bilder 1
8, 62. das gefecht ruht; eine verhandlung, ein geschäft ruht: kein gott erscheint, kein engel zeigt sich mehr, die wunder ruhn, der himmel ist verschlossen. Schiller
jungfrau 5, 6.
daher die wendung etwas ruhen lassen: laszt's ruhn bis morgen. es ist ein geschäft, hab' heute keine fassung. Schiller
Piccol. 4, 7. kraft ruht: ja, wenn die kühne kraft nicht ruhen kann, so mag er kämpfen mit dem element. 3, 4. II@1@ee)
die bezeichnung dessen, wovon man sich ruhend erholt, wird durch die präposition von
mit dem verb. verknüpft: denn wer zu seiner ruge komen ist, der ruget auch von seinen wercken, gleich wie gott von seinen.
Ebr. 4, 10; ja, der geist spricht, das sie (
die todten) rugen von jrer erbeit.
offenb. 14, 13; von der reise ruhen. Stieler 1633; vom studiren ruhen.
ebenda; wir wollen einmal von geschäften ruhn. Schiller
Wallenst. tod 3, 4; von der müdigkeit ruhen;
in älterer sprache hier auch der gen.: si ruoweten der mude nâch des weges arbeit.
leben der heil. Elisab. 612. vor dem feinde nicht ruhen können,
nunquam per hostem quietum esse. Steinbach 2, 312; vor (
prae) arbeit nicht ruhen können. II@1@ff)
formelhaft verbunden erscheinen ruhen
und rasten (
vergl. oben sp. 153): tief in uns liegt diese schöpferische kraft, die das zu erschaffen vermag, was seyn soll, und uns nicht ruhen und rasten läszt, bis wir es auszer uns oder an uns, auf eine oder die andere weise, dargestellt haben. Göthe 19, 338; nimmer rasten, nimmer ruhn will das eitle menschenherz. Arndt 70. II@22)
der begriff des wortes entwickelt sich dann zu dem des bewegungslosen verharrens. II@2@aa)
zunächst von lebendigem, am selben orte verweilen, meist unter engem anschlusz an 1,
mit dem nebenbegriff der bequemen, behaglichen unthätigkeit: unter Phaidra ruht Chloris auf den knieen der Thyia. Göthe 44, 106; von der abendkühle des dämmernden strauches umsäuselt, ruhte das glückliche paar. Hölty 40
Halm; gebet harm und grillenfang, gebet ihn den winden; ruht bei frohem becherklang unter grünen linden. 197; ruhe nur so fort auf dem lager dort. Göthe 1, 243; er (
der kleine) ruht in der wiege so sanft, so traut. Chamisso 2, 159; will ruhen unter den bäumen hier, die vöglein hör' ich so gerne. Uhland 57.
mit verinnerlichung der beziehung: an der brust des freundes, der geliebten ruhen;
im bilde: ist leben doch des lebens höchstes gut! ein rasender, der es umsonst verschleudert! erst will ich ruhn an seiner wärmsten brust. Schiller
M. Stuart 3, 6.
vom thier: welheu hüenr ob irn airn niht ruoent, die siechent und werdent krank. Megenberg 196, 14. II@2@bb)
dann allgemein von körperlichem und in bildlicher anwendung an 1,
c und d sich anlehnend. II@2@b@aα)
absolut: nach Zeno ruht der fliegende pfeil;
bildlich: so kamen, indem man das reich zu organisiren dachte, vorerst die bisher ruhenden gegensätze in demselben zur sprache. Ranke
sämmtl. werke 1, 80; (
der weise) sucht den ruhenden pol in der erscheinungen flucht. Schiller 11, 88.
manchmal geradezu, wie '
sich befinden',
ohne dasz an den gegensatz zur bewegung gedacht wird; im bilde: siehe, hier klebt mein geist angefroren an die eisscholle, und dort deckt die nacht alle hinter einander ruhende himmel auf. J. Paul
Hesp. 1, 275; das köpfchen ruhet und drücket den arm. Göthe 1, 279.
dann auch wie '
lasten': die orange, die schwer ruht, als ein goldener ball. 299. II@2@b@bβ)
häufiger mit präpositionen verbunden: w ruget es (ein ietlich ding) basz, weder in seiner eignen statt, da es sein sol und unverruckt ist. Keisersberg
Maria himmelf. 10
b; aber unten im haus ruhet, besorgt von dir, der gekelterte wein. Hölderlin 19.
freier: drauszen ... ruhete ein seliger abend auf den roth übersonnten fluren. J. Paul
Hesp. 4, 7; wie lockt der warme sonnenschein, der auf dem spiegel (
des sees) ruht. W. Müller
ged. 1, 85
Müller. bildlich: im hertzen des verstendigen ruget weisheit.
spr. Sal. 14, 33; zorn ruget im hertzen eines narren.
pred. Sal. 7, 10; ihm (
dem kinde) ruhen noch im zeitenschoosze die schwarzen und die heitern loose. Schiller 11, 307; der erfolg ruht in des himmels hand.
braut von Messina 2037. das auge, der blick ruht auf jemandem: ach (
gott) lasz doch, wie du pflegst zu thun, dein aug auf meinen augen ruhn. P. Gerhardt 93
Gödeke; die hand des herrn ruget auff diesem berge.
Jes. 25, 10; und es wird eine rute auffgehen von dem stam Isai, und ein zweig aus seiner wurtzel frucht bringen. auff welchem wird rugen der geist des herrn, der geist der weisheit und des verstands. 11, 2; denn der geist, der ein geist der herrligkeit und gottes ist, ruget auff euch. 1
Petr. 4, 14; der geist Gustav Adolphs ruhte noch auf den männern, denen er die verwaltung des reichs anvertraute. Schiller 8, 304; gottes hand ruht schwer auf diesem lande. fluch, segen ruht auf jemandem, auf einer sache: in der stille des klosters und geräusche der welt sind tausend handlungen geheiligt und geehrt, auf denen ihr (
der natur) fluch ruht. Göthe 20, 268; gottes segen ruht auf diesem hause; verdacht, schuld: das gröszte unglück dabey ist, dasz derselbe (
der held des stücks) den auf ihm ruhenden verdacht gar nicht ahndet. Schiller 10, 213; schuld ruht, bedeutende, mir auf der brust. H. v. Kleist 2, 56. last der geschäfte, verantwortung, verbindlichkeit ruht auf jemandem: das gesetz, kraft welches auf ihnen (
gewissen personen) eine verbindlichkeit ruht. Kant 5, 23. auf einem gebäude, einem gute ruht eine verpflichtung,
d. h. der eigenthümer hat sie zu erfüllen: die gift und gabe zu erheben so auf dem oberhofe ruht. Immermann
Münchh. 1, 188; auf einem gegenstande ruht eine abgabe, eine steuer.
verbindungen wie ruhen auf, in ...
im sinne von '
gestützt werden, seinen halt finden': der grund ruhet auf einem steine. Steinbach 2, 312; der balcke ruhet auf der säule. Frisch 2, 134
b; künstliche himmel ruhn auf schlanken ionischen säulen. Schiller 11, 87; eher wird das sieb zum fasz, worin sicher ruht der wein. Arndt 70.
so vielfach in übertragener bedeutung: auf gesetzmäsziger fortpflanzung des menschengeschlechts ruht grösztentheils die geschichte. Göthe 24, 211; jede nationaldichtung musz schal seyn oder schal werden, die nicht auf dem menschlichsten ruht. 25, 103; genau besehen entsteht aber alsdann immer mehr ein kunststück als ein kunstwerk, welches auf einem würdigen gegenstande ruhen soll. 104; es ist genugsam bekannt, dasz die griechischen götter und helden nicht auf moralischen, sondern auf verklärten physischen eigenschaften ruhen. 26, 328; die bedingte, beschränkte, ausübende kunst ruht auf dem bedürfnisz. Schiller 14, 4; gleichwol muszt' er für die auf einer schönen selbstständigkeit ruhende bescheidenheit Augusti's ... achtung tragen. J. Paul
Tit. 1, 20; seitdem ruht überall die königsmacht auf reich, schatz und volk. Freytag
bilder 1
8, 186; die gesammte christliche kirche des mittelalters ... ruhte auf einer verbindung des heidenthums mit den christlichen dogmen. 245. ein schlusz, der auf falschen voraussetzungen ruht; nur auf der wahrheit ruht die wahrsagung. Schiller
Wallenst. tod 3, 9; euer heil ruht in dem festen bunde nur mit England.
jungfr. von Orleans 2, 2; in sich, auf sich, auf seinem dasein ruhen: eine Juno, die auf ihrer majestät und frauenwürde ruht, eine in sich versenkte Minerva sind gegenstände, die gleichsam nach auszen keine beziehung haben, sie ruhen auf und in sich. Göthe 38, 39; der vater, der jetzt in seiner grösze und in seinem leiden auf sich ruht. 49; ein wohlhabender, behaglicher auf seinem dasein ruhender mann. 44, 17. II@2@cc)
das mystische ruhen der seele in gott,
als das ende ihrer bewegung durch alle himmel in den obersten unbeweglichen (
bei der meditation): alsô sol diu sêle nâch der erkriegunge manicvaldikeit des himels in der besitzunge der tougine in sich ziehen an die einikeit des ruowenden himels, der vor ir ist.
d. myst. 2, 215, 12; alsô nimt diu sêle alliu dinc von dem vater und hât alliu dinc in dem sune und weiʒ alliu dinc in dem heiligen geiste, unde dâ von wirt si mit der besitzunge aller dinge ruowende in gote âne ende. 215, 37; wiltu in gott ruwen, so beschleusz deine auszwendigen sinn. Keisersberg
seelenpar. 68
b.
noch nachklingend im nhd.: wie wohl ist mir, o freund der seelen, wenn ich in deiner liebe ruh!
geistl. lied von W. C. Dreszler († 1722). II@33)
transitiver und reflexiver gebrauch, im sinne von 1:
mnd. he rowede sine mode ledematen (
gliedmaszen). Schiller-Lübben 3, 515
b; wenn du dein haupt doch, theure königin, an diesem treuen busen ruhen wolltest! H. v. Kleist 1, 120; willst du auf weichen teppichen, o jüngling, die glieder ruhn? 129; es war ein tag, da hätt ich froh mein leben gegeben, einmal nur die heisze stirn an dieser brust zu ruhn. Geibel
Brunhild 5, 5. sich ruhen:
mnd. de bodde was mode, rouwede sick hyr wat. Schiller - Lübben 3, 515
b.
übertragen: darauf ich mich ruhen und verlassen kann. Claudius 7, iv. II@44)
aus der alten verbindung geruowet sîn,
ausgeruht sein, geruht haben, die schon ahd. begegnet (so ih dechêina uuîla gerûouuet bin a persecutione. Williram 42, 2),
erklären sich die folgenden anwendungen des part. prät.: II@4@aa)
geruht habend (
vergl. gramm. 4, 70): wo sich die sach, scharmützel oder schlacht, dermaszen so lang verzög oder wäret, sollen und werden die müden umb frische geruheten an jhr ort abgewechszelt. Fronsperger
kriegsb. 1, 162
b; nimmt uns die geruheten rosse .. weg. Schweinichen 1, 135; nû half niuwan sîn sterke den baʒ geruoweten man. H. v. Aue
Erec 6918; dem boten dô bereitet wart geruote pfert und niuwe kleit.
Mai u. Beaflor 104, 9; dô nerte mich mîn meisterschaft und mîn wol geruotiu hand.
klage 600.
das part. bekommt so den adjectivischen sinn '
frisch, voll neuer kraft'
und wird daher in älterer sprache auch gesteigert (
vergl.gestärkter, geschwächter
u. ähnl.): ie als sie ein wîle zugen, sô hieʒ mans aber halten, ... daʒ sie deste geruoter quæmen zuo dem strît.
Lohengr. 4999. II@4@bb)
ruhe habend, in ruhe: daʒ danne immer mîn lîp müese sîn vor aller nôt geruowet unz an mînen tôt. H. v. Aue
büchl. 2, 88;
im sinne von '
ruhig, frei von sorge'
gesteigert: daʒ wir den (
krieg) mit solichem nucz und eren erobern, daʒ wir und unsir nachkomm deste geruwter in kunftigen zîten siczen sollent.
quelle v. 1384
bei Janssen
Frankf. reichscorr. 1, 14.
freier: darnach wil ich zechen und haben ganz gerute tag mit singen unde sprechen. H. Sachs
meisterl. 123, 30
Gödeke. das neuere hd. hat diesen gebrauch fallen gelassen. II@55)
in älterer sprache begegnet die unpersönliche wendung es ruht mich
mit der bedeutung '
ich empfinde das bedürfnis nach ruhe': in diesem eingenommenen futter lief ich wol 4 meilen, .. wäre auch noch weiter kommen, wann mich nicht wieder zugleich gehungert, gedurstet und geruhet hätte.
Simpl. 3, 330, 5
Kurz. II@66)
substantivierter infinitiv: sus quam der dritte vrîtac in dem der priester aber lac und nâch gebete rûens pflac.
pass. 45, 26
Köpke; nun ist keine hoffnung mehr, auch ist kein ruhen, bis ich kehr in das schwarze todtenmeer. P. Gerhardt 234
Gödeke; tiefsten ruhens glück besiegelnd herrscht des mondes volle pracht. Göthe 12, 252.