verschrecken,
verb. erschrecken, verscheuchen, besonders in der älteren sprache und mundartlich: mhd. verschrecken Lexer
handwb. 3, 218,
mnd. vorschrecken Schiller-Lübben 5, 437
a,
niederl. verschricken,
percellere pavore, incutere terrorem; terrere, perterrere .. stupefacere, consternare, exsternare; percelli pavore, perterrefieri, terrore concuti, consternari, obstupere, obstupescere Kilian;
auch dän. forskrække,
schwed. förskräcka.
absterrere .. verschricken Dief.
gl. 5
c; to male vor
schrecken nov. gl. 4
b;
comminari .. vorschricken
gl. 135
c;
cunctare .. vorscrecken, vorscherken 162
c;
percellere .. verscrecken 424
c;
nhd. noch im 16.
jahrh. üblich, später selten. von den wörterbüchern hat es auszer Campe
nur Frisch: verschrecken, ist
vulg. soviel als erschrecken einen,
terrere 2, 224
a;
in mundarten sehr verbreitet, besonders schweizerisch und nd., s. Stalder 2, 351. Hunziker 83. Tobler 187
b. Seiler 112
b. Kehrein 1, 431. (
unterrhein.) Müller-Weitz 255. Jecht 119
a (
mansfeld. varschrecken), Frischbier 1, 441
a,
nd. verschrecken Schambach 266
a. Danneil 239
b. Woeste 295
a; verschrikken, verschrekken Stürenburg 315
b. ten Doornkaat Koolman 1, 462
a.
auch nhd. begegnet verschricken.
die flexion ist stark und schwach. mhd. ist die scheidung so durchgeführt, dasz starkes verschrëcken
intransitive, schwaches verschrecken
transitive bedeutung hat, s. Lexer
handwörterb. a. a. o. ebenso sind im heutigen oberd. beide noch geschieden: ferschrëke
intrans. (i ferschrike, ferschruk, ferschroke)
und ferschreke
transitiv Hunziker
a. a. o. im
nd. dagegen greift die starke flexion auch in die transitive bedeutung hinüber,
s. die belege. bei Schambach
a. a. o. ist nur die starke flexion angegeben (verschrecken,
pers. verschrâk,
plur. verschreiken,
conj. verschreike,
part. verschrocken,
imp. verschrik). 11)
intransitiv: Isaac vorschrak grotes vorschreckendes.
1 Mos. 27, 33
bei Schiller-Lübben
a. a. o.; des vorschrucken de Romer.
d. städtechr. 7, 70, 29; wante hedde unse leve here uns synen hillighen licham hijr ghelaten in de ghedaente (
äuszere gestalt) des vlesches unde des blodes, wij solden dar lichte voer verschricken to untfangen. Joh. Veghe 19, 16
Jostes; mit durchschimmern der ursprünglichen bedeutung des aufspringens, auffahrens (
vgl.schrecken): enes nachtes verscrac siu van eime drome.
d. chron. 2, 93, 26;
nhd. darab sie übel verschrocken, den nechsten gen Hechingen gangen und das den amptleuten angezaigt.
Zimm. chr.2 1, 451, 8
Barack. ganz selten mit schwacher flexion: dô sêgen se dat it êne juncfrouwe was, unde vorschreckeden alle gans sêre. Vruwenlof. van Sunte Marinen
hrsg. von C. Schröder 16;
nld. verschrickende peerd. j. schouw,
equus pavidus; verschrickt j. verslaeghen,
perculsus pavore. Kilian (1777) 2, 723
b;
dagegen alterthümelnd: verschrick nit. Mörike
erz. (1878) 228. 22)
reflexiv: he verschruk sük fan de dönner. ten Doornkaat Koolman 1, 462
a; was hab ich mich verschrocken. Frischbier 2, 441
a;
vgl. der richtige Berliner 88
a. Müller-Weitz 255. Woeste 295
a. Schambach 266
a; sie hat sich ja an meinem beispiel verschrecken sollen. Anzengruber (1897) 3, 131. 33)
transitiv. 3@aa)
in alter bedeutung, aus der lage bringen: schweiz. einen fuss verschrecken,
ihn verstauchen. Tobler 187
b,
vgl. theil 9,
sp. 1671 (schrecken 3,
a);
nd.: man kann't nich verschrikken off verwrikken,
nicht bewegen noch verrücken; de kette an't schippsanker verschrikken, verschrikkeln,
die ankerkette um ein weniges verlegen, aufziehen oder aufwinden, was mit einer springenden bewegung geschieht. Stürenburg 315
b;
freier: damit das geprege und bilde gottes fein zu grunde in unsern newen hertzen angehe, und wir nicht verschrickt und verruckt werden. Mathesius
Sarepta (1571) 114
a;
den zustand verändern, z. b. wasser anwärmen, vgl. Tobler 187
b. Hunziker 83. Schmid 480;
s. oben theil 9,
sp. 1671 (schrecken 3,
b);
vermindern, verschwenderischer oder diebischer weise: na, ihr habt das brot gut verschrocken,
ihr habt tüchtig davon gegessen; die butter ist ziemlich verschreckt,
es ist mehr davon gebraucht, als erforderlich gewesen wäre; der knecht hat den hafer verschreckt. Frischbier 2, 441
a. 3@bb)
durch plötzliche erregung von furcht auffahren machen, vertreiben: verschrecken, durch angethanen schrecken verjagen. verschreckt, durch angethanen schrecken vertrieben. Hulsius (1616) 354
b;
ebenso bei Campe: '
durch schrecken vertreiben, entfernen'. einen verschrecken, wegschrecken.
er bezeichnet diese anwendung als die allein schriftgemäsze. wir verschreckten und verjagten sie alle mit einander. Rollenhagen
ind. reisen 97.
mundartlich ist verschrecken
in der bedeutung von erschrecken, einen in plötzliche starke furcht versetzen, weit verbreitet; vgl. Jecht 119
a. Seiler 112
b. Hunziker 83; aber das muss dich nit verschrecken. Anzengruber (1897) 2, 147.