Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
bei Präp.
bei Präp.
bei Präp. mit Dativ nordd. (umgangssprachlich) Adv. Die Präposition ahd. bī, auch bi (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. bī, nl. bij, aengl. bī, bi, be, engl. by, got. bi ist verwandt mit griech. amphí (ἀμφί) und lat. amb(i)- ‘ringsum, um … herum, auf beiden Seiten’ (s. Ampel, Amphibie, amputieren), die auf ie. *ambhi ‘um … herum, zu beiden Seiten’ zurückgehen, und näher mit der unter um (s. d.) behandelten Präposition, die auf schwundstufigem (den Akzent auf der zweiten Silbe tragendem) ie. *ṃbhí beruht. Germ. *bi hat den ersten Wortteil des ie. Kompositums aufgegeben (s. die parallele Entwicklung beim Zahlwort beide) und wird in den westgerm. Sprachen unter Akzenteinwirkung gelängt. Während um die Ausgangsbedeutung ‘um … herum’ bis heute bewahrt hat, weist germ. *bi sie nur noch im Got. (das kein *um kennt) auf. Dagegen hat sich im Westgerm. sehr früh eine semantische Entwicklung vollzogen, die sich im Got. bereits anbahnt, die Bedeutungsentwicklung zu ‘bei, an, zur Seite von, nahe’. Neben der präpositionalen hat germ. *bi auch adverbiale Funktion, die einzelsprachlich unterschiedlich ausgeprägt bzw. verlorengegangen ist. Als Adverb begegnet bei schon seit dem Ahd. fast nur noch in Verbindung mit anderen Adverbien wie herbei, nahebei, nebenbei, vorbei, beisammen; einige wie dabei, hierbei, wobei waren früher trennbar (heute noch umgangssprachlich im Nordd. hier hat er bei gelacht, wo sind wir bei stehengeblieben?). Es erscheint ferner in unfest zusammengesetzten Verben, die den Zustand der Nähe (beiliegen, -wohnen, -sitzen, -stehen) oder das Erreichen der Nähe bezeichnen (beifallen, -kommen, -springen). Dazu treten an Verben sich anschließende nominale Zusammensetzungen wie Beigabe, -lage, -trag, -tritt, -hilfe, beiläufig, aber auch solche ohne verbale Grundlage wie Beiblatt, -geschmack, -name, -wagen. Die Präposition bei drückt räumliche Nähe aus (bei ihm, bei sich haben, bei Tisch, bei Berlin) sowie enge Berührung (jmdn. bei der Schulter packen). Sie bezeichnet die Gleichzeitigkeit eines Zustands, Vorgangs mit einem anderen (bei dem Regen fanden wir unter einem Baum Schutz, bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, daß …), einen Begleitumstand (er schläft bei geöffnetem Fenster), die Bedingung (Wasser kocht bei 100 Grad), den Grund (bei deinen guten Augen brauchst du keine Brille), eine Einräumung (bei all seinen Verdiensten hatte er aber auch einen Fehler). Sie steht in Abhängigkeit von Verben (bei einem Konzert mitwirken), von Adjektiven (mir ist nicht wohl bei dem Gedanken), in fester Verbindung mit sein (bei der Arbeit sein) und in der Wendung bei weitem, die einen starken graduellen Unterschied ausdrückt.