schilderei,
f. bildliche darstellung, gemälde (
vergl. schildern);
im nl. ist schilderij
in diesem sinne die allgemein gültige bezeichnung (schilderije
pictura Kilian)
und die verbreitung des wortes auf deutschen gebiete ist auf nld. einflusz zurückzuführen. während das wort in der sprache des 17.
und 18.
jahrh. sehr häufig ist, ist später der gebrauch desselben sehr eingeschränkt. im vorigen jahrh. versuchte man einen begrifflichen unterschied zwischen gemälde
und schilderei
aufzustellen, s. bei Adelung
unter dem worte. 11)
die thätigkeit des malers (
so ungewöhnlich): also hat auch Horatius die picturam der poesi die schilderey der poeterey vorziehen wollen. Philander 2, 867; eine bildnerei, die färben, und eine schilderei, die in stein hauen will, sind lauter abarten. Herder
z. schön. litt. u. kunst 19, 41. 22)
bildliche darstellung, gemälde: die schilderey,
pictura, tabula picta, imago, simulacrum, effigies. Stieler 1794. Steinbach 2, 413. Jacobsson 3, 601
b. schilderei
bezeichnet sowol das gemälde als gegenstand wie die darstellung durch malen, zeichnen: ich erinnere mich dasz, da ich in Holland studirete, war eine sonderliche pestis animorum unter den reichen leuten, wegen der schildereyen und tulipanen. Schuppius
schriften 99; nach langer müh kam er auf die gemächer, die er mit allerhand schildereyen auszputzen sollte. Weise
erzn. 7
neudruck; als in währender mahlzeit ein mahler kam, und allerhand schildereyen zu verkauffen hatte. 15; der ähnlichkeit, welche zwischen einer schilderey und der sache waltet.
discurse der mahler 1, 20; es musz uns dieses vorkommen, wie eine schilderey, da ein körper nur auf seiner vornehmsten seite vorgestellet ist. J. E. Schlegel 3, 117; saszen zwey blinde bey einer schilderey (
in alterthümelnder sprache). Klopstock 12, 147; der fechtsahl war mit lauter schildereyen von berathschlagungen ... ausgeziert. Wieland 19, 19; ich habe die engel mehr als einmahl auf schildereyen blasen sehen. Claudius 1, 32; kein theil des gesichts .. kann in der schilderei (
portrait) .. abgeändert werden. Kant 10, 76; diese schildereyen (
vorher gemählde), in felder abgetheilt. Göthe 39, 148; diese schilderei (
hier freier von einer durch marionetten vorgestellten pharaobank) trug er ins spielzimmer. J. Paul
Tit. 2, 104; glänzender saal. auf den wänden schildereien spanischer sitten und naturscenen. Müllner
schuld 3, 1
bühnenanw.; er konnte keinen blick verwenden von der reizenden gauklerin, die ihn gleich den zaubergestalten auf den alten fabelhaften schildereien umschwebte. Eichendorff (1864) 3, 131; mit verwunderung glaubte Florio, in allen den damen, die er in diesen letzteren schildereien erblickte, die schöne herrin des hauses deutlich wieder zu erkennen. 141; da doch ein ieder weisz, dasz in den schildereyen allein die ähnlichkeit das auge kan erfreuen. Canitz (1727) 97; hier scheint ein flaches eis, worunter öfters gras sich zu erhalten weisz, als ob es eine schilderey, so würcklich mit crystall bedecket, sey. Brockes 1, 256; drauf viel tausend schildereyen schneller, als der schnellste blitz, sich formiren. 2, 280; der eingang zeigt sogleich in einer schilderey, dasz dies des caffeegotts geweihter tempel sey. Zachariä
renomm. 3, 67; (
verallgemeinert:) wird wohl der geist durch schilderey ergezt, wann unser aug ein schwarzer staar verletzt? E. v. Kleist 1, 147 (1760); ein groszer tapezierter saal gieng mitten durchs gebäude, mit schildereien ohne zahl — die schönste augenweide! — Hölty 25
Halm; die wollustreichen schildereyn, die über allen thüren hangen. Gotter 1, 19;
von einer darstellung durch feuerwerk: ein langer grüner gang, durch den der neger sie zum schönsten gartensahle leitet, wird plötzlich vor ihren augen zu einer galerie von schildereyen, wozu Vulkan die farben bereitet. Wieland 5, 6 (
Amadis 12, 5);
in alterthümelnder sprache: betrachtet mir das werk (
den ofen) genau! mir deuchts ein ganzer münsterbau; mit schildereien wohl geziert, mit reimen christlich ausstaffiert. Möricke (1889) 1, 198.
einzelne nd. mundarten brauchen das wort gern. Woeste 229
a (schillerigge). ten Doornkaat Koolman 3, 122
a;
eine bildung mit fremder endung ist schilleraats,
gemälde, schilleratsen,
nachen (
aus Hamburg-Altona) Schütze 1, 49. Firmenich 1, 42
a (
Kiel). 33)
bildlich und in übertragener anwendung im sinne von darstellung (
vergl. schilderung): erst nach meinem tode sollen diese schildereyen bekannt werden. Rabener (1777) 4, 13; sie enthalten eine getreue schilderey des menschlichen herzens. Lessing 3, 161; wie wenn nun, zum beispiele, der Grieche eine vortreffliche schilderei in den herrlichsten hexametern dargestellt hätte, den armen Deutschen aber verliesze völlig seine ganz anders articulirte sprache, diese schilderei, nach sinn, ausdruck und wohlklang, in deutschen hexametern zu verhomerisiren? Bürger 176
b; sie erschöpfte ihre einbildungskraft um die meinige zu erhitzen; aber ihre schildereyen machten nicht den mindesten eindruck auf mich. Wieland 12, 90; vielleicht gewinnt das herz des dichters auf unkosten seiner dramatischen schilderei. Schiller 2, 363; aus diesem grunde schäzzen mädchen eine vollkommene weibliche schönheit und grazie ungemein hoch in der schilderei des romans. J. Paul
Quint. Fixlein 14; für mein jetzigs leben wüszt ich nichts bessers als die schilderei meines nächsten.
briefe 127; so scheinen mir alle begebenheiten lehrreiche schildereien. Fichte
über die franz. revol. iv; zwischen den ledertapeten dieser räume oder unter den alten schildereien der mutter natur. Freytag
handschr. 2, 440; und solte mein gemälde gleich so weit von Thümmels schilderey (
der schilderung einer schlittenfahrt) verschieden bleiben, als eine ros' und eine hyazinth. Göckingk 2, 227 (1781); lasz mich (
o natur) deine schildereyn nur beschauen. 3, 66 (1782).