Schichtung, die Lagerungsform der unter dem Einfluß eines beweglichen Mediums (Wasser, Luft) und der Schwerkraft zum Absatz gelangten Sedimentgesteine; sie äußert sich in der Trennung der Gesteine durch untereinander annähernd parallele Flächen (
Schichtungsflächen, Schichtflächen), die
bei verhältnismäßig geringem Abstand eine große Ausdehnung besitzen, in einzelne
Tafel- oder plattenförmige Lagen (
Schichten,
Strata). Vgl. Tafel »Gebirgsbildungen«, Fig. 1, und Tafel »Bergformen III« sowie II, Fig. 13. Die einzelnen Schichten werden entweder nur durch eine
Schichtungskluft (
Schichtungsfuge) oder durch eine dünne Lage verschiedenen Gesteinmaterials (
Zwischenmittel, Besteg) voneinander getrennt, wie
z. B. die Schichten des Muschelkalks durch dünne Tonlagen. Ost sind die Schichten selbst nach Material voneinander verschieden, sei es, daß eine einzelne abweichend beschaffene Schicht (Bank) einer Mehrzahl gleichartiger Schichten eingelagert ist (Steinkohle zwischen Schieferton- und Sandsteinschichten), sei es, daß verschiedenartig ausgebildete Schichten wiederholt miteinander wechseln. Mitunter wird die S. bei im ganzen gleichartigem Gesteinsmaterial durch Verschiedenheit der Farbe, des Korns
etc. angedeutet (
z. B. bei Buntsandstein).
auch erscheinen manche Gesteine nur durch die zonenartige Anordnung von Einschlüssen geschichtet (Feuersteine in der weißen Kreide). Die Schichten zeichnen sich in der Regel durch eine deutliche
Schieferung (
s. d.) oder sogen. plane Parallelstruktur aus; zuweilen haben sie, zumal bei sandigen, unter dem Einfluß von Wind oder bei starker Wellenbewegung abgesetzten, aber auch bei gewissen kalkigen Gesteinen, außerdem noch eine
Querschichtung (
Kreuzschichtung, Übergußschichtung, ungleichförmige und diskordante Parallelstruktur,
Diagonalschichtung,
s. d.), indem zwischen Teilen von untereinander paralleler S. wiederholt Lagen eingeschlossen sind, die eine quer oder schräg verlaufende S. zeigen. Die
Schichtungsflächen unterscheidet man als
Unter- (
Sohl-) und als Ober- (
Dach-)
Fläche; ihr senkrechter Abstand voneinander gibt die
Mächtigkeit, die Ausdehnung parallel zu den Begrenzungsflächen die
Verbreitung der Schicht. Auf der Dachfläche einer Schicht sind oft Versteinerungen angehäuft, oder man beobachtet Wellenfurchen, netzförmige Leisten, Tierfährten, Pseudomorphosen nach Steinsalz. Sehr mächtige Schichten heißen
Bänke (
z. B. Buntsandstein); Schichten von technisch wichtigem Material (
z. B. Steinkohle) nennt man
Flöz (
s. d.) oder
Lager (Eisensteinlager
etc.). Nähern sich bei der Verbreitung der Schicht Dach- und Sohlfläche immer mehr und mehr bis zur Berührung,
so keilt sich die
Schicht aus. Die Durchschnittsfläche einer Schicht mit der Erdoberfläche ist ihr
Ausgehendes (ihr
Ausstrich), das zum
Schichtenkopf wird, wenn die Schicht mit der Erdoberfläche einen rechten oder doch annähernd rechten Winkel bildet. Stellt sich das Auskeilen schon nach verhältnismäßig geringer Verbreitung in allen Richtungen ein, so besitzt die Schicht eine andre Form der Lagerung, die der
Linse (
lentikulare Einlagerung,
z. B. Steinsalz, Gips). Von mehreren übereinander liegenden Schichten ist diejenige, die unmittelbar
über einer bestimmten Schicht liegt, deren
Hangendes (
s. d.), die unmittelbar unter derselben befindliche deren
Liegendes; das letztere ist der Bildung nach älter, das Hangende jünger. Eine Mehrheit von Schichten wird als
Schichtenreihe oder
Schichtensystem bezeichnet (Weiteres
s. Geologische Formation). Die einzelnen Schichten eines solchen Systems können dem Material nach gleich oder verschiedenartig sein. Bei Ungleichheit des Materials ändert sich die Beschaffenheit der einzelnen Schichten zuweilen ganz allmählich. Ist das Material der nächsten Schicht von dem der vorausgehenden durchaus verschieden, so kann der Fall eintreten, daß die dritte Schicht das der ersten, die vierte das der zweiten wiederholt: es zeigen dann die die Schichten bildenden Gesteine eine
Wechsellagerung. Schichten und Schichtensysteme sind der Lage nach
söhlig oder
schwebend, wenn sie horizontal oder nahezu horizontal verlaufen. Abweichungen von dieser Richtung werden durch die Beobachtung des
Streichens und
Fallens (
s. d.) der Schichten vermittelst Kompasses und Gradbogens bestimmt. Zeigen zwei aufeinander folgende Schichtensysteme untereinander parallele S., so sind sie
konkordant (gleichförmig), im entgegengesetzten Falle
diskordant (ungleichförmig). In der Bildung konkordanter Systeme hat keine größere zeitliche Unterbrechung stattgefunden, während zwischen der Ablagerung diskordanter Systeme ein Zeitraum liegen muß, in dem das ältere System aus seiner ursprünglichen, horizontalen Lagerung gebracht wurde (
s. Artikel »Geologische Formation«, S. 597, und zugehörige Tafel II, Fig. 2 u. 4). Greift ein Schichtensystem über die Grenzfläche gegen ein älteres konkordant unterlagerndes Schichtensystem hinaus, indem es ein größeres Verbreitungsgebiet als das letztere besitzt, so spricht man von einer
übergreifenden oder
transgredierenden Auslagerung (
Transgression). In der Richtung der Verbreitung der Schichten können Schichtensysteme dadurch ineinander übergehen, daß sich zwischen die Schichten des einen zuerst dünne, nach einer bestimmten Richtung aber immer mächtiger werdende Schichten eines verschiedenartigen Materials eindrängen, bis sie zuletzt das System allein zusammensetzen. Da die mittlern Partien unter solchen Verhältnissen Wechsellagerung zeigen und die abwechselnden Schichten nach entgegengesetzten Richtungen sich auskeilen, so spricht man von einem Übergang durch
auskeilende Wechsellagerung. Die Schichten haben sich mehr oder weniger horizontal abgelagert, sind aber vielfach infolge späterer Bewegungen in der Erdrinde ausgerichtet und gefaltet worden (
vgl. Tafel »Bergformen II« sowie
Artikel »Geologische Formation«, S. 597, und zugehörige Profile, auch Tafel »Gebirgsbildungen«, Fig. 4, und Tafel
»Metamorphismus«, Fig. 1 u. 6). Sind die Schichten bis zur senkrechten Stellung ausgerichtet, so sind sie
saiger oder
stehen auf dem Kopf; sind sie um mehr als 90° ausgerichtet, so bezeichnet man sie als
überkippt. Fallen die Schichten von den Seiten (
Flügeln, Schenkeln) aus einer Linie (
Muldenlinie, Muldenachse) zu, so entsteht eine
Mulde (
Synklinale), fallen sie von allen Seiten einem Punkte (
Muldentiefstes) zu, so entsteht ein
Kessel (
Becken, Bassin). In beiden Fällen sind die Schichten
synklin,
d. h. sie fallen einander zu. Sind umgekehrt die Schichten
antiklin, zeigt ein Schichtensystem einen höchsten Punkt im Innern, von dem die Schichten allseitig abfallen, so ist
es kuppelförmig und wird zum
Sattel (
Gewölbe, Antiklinale), wenn kein Punkt, sondern eine Linie (
Sattellinie, Antiklinalachse) das Höchste der Schichten bildet. Fehlt dieses Höchste infolge späterer Erosion, so entsteht ein
Luftsattel. Die Schichten einer
Kuppel oder eines Beckens schneiden die Horizontalebene in einer in sich zurücklaufenden geschlossenen Linie, der Streichlinie, sie haben einen
umlaufenden Bau. Schließen sich Sättel und Mulden aneinander, so spricht man von einer
Faltung, von gefalteten und gebogenen Schichten und unterscheidet unter den Falten
stehende, bei denen die Flügel symmetrisch zu der Mittellinie (Achse) des Sattels und der Mulde gestellt sind,
schiefe, bei denen die Neigung der Flügel gegen die Mittellinie eine ungleiche ist,
überkippte, wenn die Flügel nach derselben Seite einfallen, und
liegende, bei denen die Flügel eine fast horizontale Lage besitzen.
Isoklinalfalten sind solche, deren Schenkel mehr oder weniger parallel stehen. Waren die auf die Schichten einwirkenden seitlichen Kräfte nicht stark genug, um sie deutlich zu falten, so entstand oft nur eine Runzelung, Kräuselung,
Fältelung, zickzackförmige Knickung oder Biegung der Schichten, oder gar nur eine Rippung oder Kräuselung der Schichtungsflächen. Eine eigentümliche, sogen.
fächerförmige Schichtenstellung findet sich zuweilen im starkgefalteten Gebirge,
z. B. in den Alpen (
s. Tafel »Geologische Formationen I«, Fig. 1, und Tafel II, Fig. 3, sowie Artikel »Gebirge«, Textfigur 1, S. 409); hierbei lehnen sich an eine zentrale Zone von senkrecht gestellten Schichten nach rechts und links geneigte, der zentralen Partie zufallende Schichten
an. Vgl. auch die Artikel »Dislokation, Hebung, Lagerung und Verwerfung«.