kindeskind,
n. enkel, mhd. kindes kint,
nl. kindskinderen
pl. 11)
für enkel
schlechthin ist es nicht gewöhnlich: wo kinder sind frölich und frisch, lachen und sitzen um den tisch, sonderlich da kindskinder sein, die sprechen 'mein groszvaterlein'.
N. Hermann
haushaltung Mathesii verteutscht, Nürnb. 1564; o meine Agnes, o mein kindeskind. H. v. Kleist 1, 117 (160). 22)
aber es dient zu ausdrücklicher und deutlichster hervorhebung des verwandtschaftsverhältnisses, wie auch sohnessohn (Opitz 1, 245), kindessohn, kindestochter; 'kindeskinder erleben'
von einem der groszvater wird ( Adelung)
klingt stolzer als enkel.
daher gewöhnlich im älteren gerichtlichen stil in erbschaftsbestimmungen u. dgl. (
wie bruderkind, schwesterkind, muhmenkind
u. a., s. u. kind II, 2,
d, ebenso vatervater, vaterbruder, mutterbruder, tochtertochter);
sonst meist nur wenn kind
vorausgeht, vgl. παιδὸς παῖς Od. 19, 404,
παίδων παῖδες Il. 20, 308,
παῖδες καὶ παίδων παῖδες Tyrt. 3, 29. 30: storbe (
stürbe) ein man und frouwe und liszen kindeskint und nicht kint, di kindeskint habin glich teil an eres eldervatere eder eldermutere gute.
stadtrecht von Clingen v. j. 1353, Michelsen
rechtsdenkm. aus Thür. 192; will sich ein mann vorander (
heiraten), der do kindeskinder hat, nach absterben seines weibes, der sall sich von erst und vorhin theilen und entscheiden (
auseinander setzen) mit den kindeskindern, wan die selbigten kindeskinder an irer vatter und mutter stat tretende sein.
Arnstädter stadtr. des 15.
jh. das. 28. 35; du solt im lande Gosen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine kinder und deine kindskinder.
1 Mos. 45, 10; und kamen also in Egypten, Jacob und alle sein same mit im, seine kinder und seine kindskinder mit im, seine töchter und seiner kinds (
so) töchter. 46, 7; das der herr streiten wird wider Amalek von kind zu kindskind.
2 Mos. 17, 16; der du die missethat der veter heimsuchest auf kinder und kindskinder bis ins dritte und vierde gelied. 34, 7; und Hiob lebet nach diesem hundert und vierzig jar, das er sahe kinder und kindeskinder bis in das vierde gelied.
Hiob 42, 16; und lebet bis in das fünfte geschlecht und sahe seine kinder und kindskinder.
Tob. 14, 15; ich wil deines namens gedenken von kind zu kinds kind.
ps. 45, 18; man wird dich fürchten, so lange die sonne und der mond weret, von kind zu kindes kinden.
ps. 72, 5.
seltner ohne vorausgehendes kind: der gute wird erben auf kinds kind.
spr. Sal. 13, 22; vom herrn wird man verkündigen zu kinds kind.
ps. 22, 31. deins namen will gedenken ich von kind zu kinds kind ewiglich. H. Sachs 5, 38
a; fürnämlich sagt die gselschaft frei, sie wolt bei treu der aidgenoszen ... auch dise fanen in gegeben zu gdächtnus solcher treu aufheben und die denkpfenning stäts anhenken kindskinden, Strasburg zugedenken. Fischart
gl. schiff 1002; o got, gib deine gnad dasz sie kindskinder sehen. Weckherlin 362 (1, 4). 33)
nachkommen, späte nachkommen überhaupt, wie schon u. 2
oft mit gemeint; ebenso wird enkel
gebraucht, aber kindeskind
drückt das besser aus, denn es weist für die gedanken gleichsam auf ein endloses wiederholen des kindes
hin (
wie 'lange lange'
u. ä.),
vgl. kindeskindeskind
unter 6: es musz bezahlen kindes kind, die nach viel hundert jahren sind.
froschmeus. V 3
a (2, 1, 6); er pflanzet die gerechtigkeit auf kindeskind mit langer zeit. ich meine derer kindeskind, die seines bundes hüter sind. Opitz 3, 172 (
ps. 103); es sollen stets die eltern diese sachen von hand zu hand bekandt und ruchtbar machen, dasz die es auch verstehn, die noch nicht sind, und bringen es so fort auf kindeskind. 4, 149 (
ps. 78); so haben Tantals enkel .... den kindeskindern nahverwandte mörder zur ewgen wechselwuth erzeugt! Göthe 9, 45; wo wir nur durchgekommen sind, erzählen kinder und kindeskind nach hundert und aber hundert jahren von dem Holk noch und seinen scharen. Schiller 322
a. 44)
wie in Schillers
letzter stelle kindeskind
pluralisch gemeint sein musz, so hat sich in der formel kind und kindeskind
überhaupt der alte plural (
s. sp. 708)
unvermerkt erhalten. man vergleiche bei Luther: lebet er noch zwei und vierzig jar und sahe seine kindskind.
Tob. 14, 1; meine wort .. sollen von deinem munde nicht weichen noch von dem munde deines samens und (
deiner) kindskind.
Jes. 59, 21,
vgl. u. 2
ps. 45, 18
mit 72, 5.
man fühlt es aber jetzt collectivisch (
als sing.)
oder als indeclinable formel: auf einmal soll ich kind und kindeskind vergraben. A. Gryphius 1, 456; deren man noch bei kind und kindeskinde gedenke. Bürger
verm. schr. 1797 1, 358 (
Il. 3, 287); besitzen erblich bis auf kindeskind. Dahlmann
dän. gesch. 2, 58; das erbt auf kind und kindeskind. 55)
noch im 16.
jh. war übrigens die zusammensetzung nicht fest, daher pluralisch auch: und sehest deiner kinder kinder.
ps. 128, 6.
so mhd. kinde kint,
z. b. geswisterîde kinde kint, daʒ sint geswisterîde eninkel.
Schwabensp. 6, 1.
goth. barnê barna (
schwed. barnabarn
kindeskind, dän. barnebarn).
ähnlich noch im 17.
jh.: man wird von deinem ruhm die kinder lehren singen und kinder - kindes - kind, o kühner freiheit - retter. Freinsheim
teutscher tugentspiegel H 2
a. 66)
auch der urenkel nämlich ward auf diese weise bezeichnet: ich sage noch einmal, lebt hin in süszer ruh, bisz kindeskindeskind drück euer augen zu. Logau 1, 1, 16,
geschrieben 'kindes, kindes, kind'; erhalt die eh im segen, die sich von dir entspinnt, lasz sie sich, vater, regen durch kindes kindeskind. S. Dach N 3
b; kindeskindes-kind
pronepos Steinbach 1, 853,
der auch ansetzt kindes-kindes-kindes-kind
abnepos; kinds-kinds-kind Frisch 1, 514
c,
noch ostfries. kindskindskinner
urenkel Fromm. 4, 355; und wenn sich dann der steine kräfte bei euren kindes-kindeskindern äuszern, so lad' ich über tausend tausend jahre sie wiederum vor diesen stuhl. Lessing 2, 281,
Nathan 1779 149,
für nachkommen in unendlicher reihe. Die art der zusammensetzung ist unsicher, der doppelte gen. gibt leicht anstosz, zumal dem ohre, daher auch andere formen: wo einer versturbe und liesze nicht kinder des lesten grads, als sohne und tochter, sondern sohns und tochter kinder, dieselbigen, sie sein gleicher gesippe, als kindes kint, als die hephen, oder ungleicher als die undern nephen, als kindes kint und kindes kint kint und so fort, dieselben sollen zu gleicher theilung in die stemme miteinander erben.
Arnstädter stadtr. von 1543, Michelsen
rechtsd. 86; das recht hat sich von kind zu kindkindskind verstammet. Dietr. v.
d. Werder
Ariost 5, 67, 1. Stieler 948
gibt underkindeskind
pronepos, proneptis, vgl. vorhin underneffe.
genauer kindskindsun
und kindskindtochter Dasypodius 363
a.
man bezeichnete die stufen auch einfacher und genauer als diu vierden, fünften, sehsten kint
Schwabensp. 6, 1,
daher das (verwandt) 'zu den dritten kinden'
u. a. sp. 710 2,
d.