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Schielen

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
15 in 14 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Schielen

Bd. 17, Sp. 756
Schielen (Strabismus), eine Störung in der Assoziation der Augenbewegungen, Bei der nur das eine Auge sich auf einen zu fixierenden Punkt einstellt, während das andre an diesem Punkt vorbeisieht. Je nachdem die Blicklinie des schielenden Auges vor, hinter, über oder unter dem zu fixierenden, Punkte vorbeischießt, besteht S. nach innen (S. convergens) oder nach außen (S. divergens), nach oben (S. sursum vergens) oder nach unten (S. deorsum vergens). Wegen dieser Abweichung der Blicklinie des schielenden Auges von der Richtung des fixierenden Auges fallen die Bilder ein und desselben Gegenstandes nicht auf gleichwertige Netzhautstellen: es besteht deshalb sehr oft Doppeltsehen, namentlich beim erworbenen S. Bei angebornem S. oder bei S., das in frühester Kindheit aufgetreten ist, fehlt das Doppeltsehen fast immer. Ein Schielender, der doppelt sieht, ist sehr oft im Zweifel über die wahre Lage der Objekte, ebenso entgeht ihm der Vorteil des stereoskopischen Sehens und der Schätzung von Entfernungen. Man unterscheidet zwei Arten des Schielens: das unbewegliche S. (Lähmungsschielen, S. paralyticus) und das bewegliche S. (S. concomitans). Bei ersterm ist das schielende Auge infolge einer Lähmung der betreffenden Augenmuskeln ganz unbeweglich nach einer bestimmten Richtung gewandt, oder es kann nur noch einen Teil der normalen Bewegungen ausführen. Die Ursachen dieser Lähmungen sind sehr mannigfaltig: Krankheiten des Gehirns, der Nerven, aber auch Diphtherie, Diabetes, Rheumatismus, Vergiftungen, Verletzungen kommen in Betracht. Auch kommen Lähmungen der Augenmuskeln angeboren vor. Beim beweglichen (konkomittierenden) S. ist die Beweglichkeit des abgelenkten Auges nicht gestört, es kann vielmehr allen Bewegungen des gesunden Auges folgen, freilich immer dabei in seiner abgelenkten Stellung bleibend (S. monolateralis). Dabei kann bei gewissen Blickrichtungen das bisher schielende Auge die Fixation übernehmen, dafür tritt dann das bisher fixierende Auge in Schielstellung (S. alternans, Wechselschielen). Das konkomittierende S. ist zumeist Folge einer Refraktionsanomalie, von Übersichtigkeit oder Kurzsichtigkeit. Durch Korrektion dieser Anomalien durch geeignete Brillen kann, namentlich im Beginn des konkomittierenden Schielens, eine Beseitigung erzielt werden; andernfalls bleibt nur die Schieloperation übrig, ein gänzlich ungefährlicher Eingriff, der in kurzer Zeit das Leiden beseitigt. Bleibt ein Auge dauernd in Schielstellung, so wird es nach und nach immer schwachsichtiger (Amblyopsie aus Nichtgebrauch). Die Behandlung des Lähmungsschielens hat zunächst die Ursache der Lähmung zu berücksichtigen und zu beseitigen, eventuell kommt dann auch hier die Schieloperation in Frage. Vgl. Schweigger, Klinische Untersuchungen über das S. (Berl. 1881) und Die Erfolge der Schieloperation (Wiesb. 1895); Alfred Gräfe, Motilitätsstörungen des Auges (in Gräfe-Sämisch, Handbuch der gesamten Augenheilkunde, 2. Aufl., Leipz. 1898) und Snellen u. a., Operationslehre (ebenda 1902 f.); Worth, Das S. (deutsch, Berl. 1904); Schoen, Das S. (Münch. 1906).
3101 Zeichen · 45 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schielen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    schielen s. schilhen.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schielen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schielen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich schief seyn bedeutet, aber nur in eng…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schielen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Schielen (strabismus) , abnorme Stellung der Augen, bei der die Sehaxen beider Augen nicht nach demselben Gegenstande ge…

  4. modern
    Dialekt
    schielenschw.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schielen schw. : 1. 'einen Augenfehler haben, bei dem beide Augen nicht parallel geradeaus blicken', schiele [mancherort…

  5. Sprichwörter
    Schielen

    Wander (Sprichwörter)

    Schielen 1. Besser geschielt als gar blind. (S. Schel.) – Körte, 5306; Winckler, XIX, 64; Braun, I, 3851. »Ich will euch…

  6. Spezial
    schielen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schie|len vb.intr. ciaré en crusc, ciodlé (ciödla). ▬ auf einem Auge schielen ciodlé da n edl.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schielen

5 Bildungen · 2 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von schielen 2 Komponenten

schi+elen

schielen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schielen‑ als Erstglied (2 von 2)

Schielender

Wander

schiel·ender

Schielender 1. Der Schielende spottet den Blinden. Aehnlich die Chinesen Cahier, 2039. Die Russen dagegen: Der Schielende zieht den Blinden …

schielen als Zweitglied (1 von 1)

anschielen

DWB

anschielen , oculis limis, ludibundis intueri: Diane schielt den erdkreisz an mit halbem angesicht. Gryphius 1, 225 ; Philemon schielt ihn a…

Ableitungen von schielen (2 von 2)

beschielen

DWB

beschielen , limis aspicere oculis: nun mag der kronentragende obermönch mit allen seinen purpurbemäntelten mönchlein das kanonsrecht, wie w…

Erschielen

Campe

Erschielen , v. trs. schielend erfahren, heimlich absehen. Etwas erschielen. Das Erschielen.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schielen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schielen/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „schielen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schielen/meyers. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schielen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schielen/meyers.
BibTeX
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