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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

bei

Bd. 1, Sp. 1346
bei , apud, ad, von dieser partikel war schon sp. 1202 unter be die rede, sie wurde mit bin und bauen zusammengestellt, und bei scheint sich zu bi, wie beo, beon, bium zu bin zu verhalten. dem be für bi liesze sich bo für ein älteres bu vergleichen, doch bu und bau treten nirgend als lose deutsche partikeln auf. gilt es einen sinnlichen begrif von bei aufzusuchen, so bietet sich die vorstellung des wohnens und seins höchst angemessen dar, bei bedeutet nähe und anwesenheit im bereich und umkreis von personen oder sachen, was dann auf andere zustände anwendung findet; hierin beruht der zusammenhang des räumlichen bei mit den abstractionen περί und um, die sich in den urverwandten partikeln abhi und ἀμφί entfalten. das goth. bi erscheint nur selten als ein sinnliches wort, meist als ein abgezognes in der meinung unseres um, d. h. des ahd. umpi, folglich gr. ἀμφί, skr. abhi; umpi aber, ags. ymbe würden in ihrem ersten anlautenden theil ohne goth. analogie sein, ergäbe sich nicht die vermutung, dasz sie aus verschmolznem undbi hervorgegangen sind (wie andbahts zu ampaht, lindburg zu limburg, hindbere zu himbere wird), welchemnach auch skr. bhi sich als einfache form, abhi als zusammengesetzte darstellt. in umpi ist pi = goth. bi der wesentliche bestandtheil, und bi nicht durch aphaeresis aus undbi, vielmehr um durch apocope aus umpi entsprungen. alle bedeutungen des bei und um müssen aber zurückgeleitet werden auf die vorstellung des seins und wohnens, des beiwohnens und umwohnens, des ἀμφί, περί und circa. chez aus casa, hos aus hûs, hiâ aus heiv und hiu sichern den ursprung des bei aus bau und beon vollends. Diese chez, hos und hiâ sind jedoch weit sinnlicher und beschränkter geblieben als bei. hos hat nur den persönlichen bezug auf haus und schutz und geht nicht auf sachen, obschon man allmälich einn. hosbunden beigebunden, hosfölgende beifolgend wagte, vielmehr den deutschen ausdrücken nachahmte. Das franz. chez, unsinnlicher als das it. in casa, sp. en casa ist gleichwol sinnlicher als bei, das uns längst nicht mehr den gedanken an bau und haus rege macht. wir sagen noch gekauft bei Gerson, verlegt bei Reimer, chez Reimer, nicht aber ich bin bei mir, wie je suis chez moi, im sinne von zu hause, sondern er ist nicht bei sich bedeutet uns apud se non est, il est hors de lui, was sich freilich verstehn liesze, er ist abwesend, seine seele nicht in ihrer wohnung. du warst lange nicht bei mir, hast mich nicht besucht; er iszt heute bei mir zu mittag (in meinem hause), aber ich freue mich, dasz ich wieder bei mír bin, wieder daheim; bei mír, bei mír zu hause verfährt man anders; verschieden von jenem béi mir. Wol aber heiszt es bei uns (in unserm hause) kam feuer aus; bei uns (in unserm lande) thut man so; ich wohne bei Blumes (gramm. 4, 261), in Bl. hause. vgl. auch beiführen = heimführen. Bei und an, bei und zu berühren und vertreten sich oft, wer bei dem berge, steht auch an dem berge; die stadt liegt am Rhein, beim Rhein; setze dich bei mich ist was setze dich zu mir; ich führe das kind bei der hand, an der hand; dem ab, von der hand sind entgegengesetzt bei der hand, an der hand, zu der hand; die reihe ist nun an mir, bei mir; man spannt die pferde an einander, bei einander, zu einander. Nur ist, wer genauer zusieht, die nähe von an und zu stärker und gerader, als die von bei, in bei liegt ein neben, zur seite, im umkreis, circa: der an das feuer gehende berührt es mit seinen füszen, der zu dem feuer gehende geht unmittelbar darauf los, ohne es schon erreicht zu haben, der bei das feuer gehende naht sich von der seite; ich stecke den ring an den finger, bei wäre daneben; sie hat das band an sich gesteckt, bei sich, wäre in die tasche; wir sitzen am tische, zu tische, auch wol bei tische, doch von dem neben hin gesetzten hiesze es, dasz er bei tische, nicht daran sitze. II. Bei, die praeposition. an ist gerecht für den acc. wie den dat., nachdem es nahen oder bleiben (bewegung oder ruhe) ausdrückt. auch bei regiert beide casus, zu hingegen für nahen oder bleiben allein den dat. statt des bei der ruhe hatte die alte sprache oft den instrumentalis. I@AA. bei des nahens. Frisch 1, 91c und Adelung haben die ansicht, dasz bei nicht mit dem acc. construiert werden solle, nur mit dem dat., dasz es zwar heisze ich bin bei dir, ich stehe, liege bei dir, aber ich komme zu dir, stelle, lege mich zu dir und nicht bei dich. I@A@11) wahr ist, die strengen mhd. dichter scheinen keinen acc. auf bei, nach verben der sinnlichen bewegung folgen zu lassen, hin und wieder, schon im 13 jh., dringt er aber doch ein. Lachmann schreibt mit recht: ir sweher zuo zir saʒ dernidr. Wh. 251, 5, ohne einmal anzuführen, dasz die cass. hs. 113b liest: ir sweher bî si saʒ darnider; in Glichesers Reinhart heiszt es 641: eines tages dô gie Isingrîn wider daʒ selbe hûs in den walt, was der umarbeiter ändert in: er gienc bî daʒ hûs in den walt; si vrâgete, ob her gerûchte nider bî sie sitzen? gr. Rud. 21, 12; dô huob sich mîn heriscraft ûf bî daʒ waʒʒer. Alex. 4809. Weism.; si legite sich bî irn vater. Athis D, 48; daʒ er dehein ander wîp legete mêr bî sînen lîp. Herb. 8507; ûf slahen daʒ gezelt bî die linde ûf daʒ velt. Heinr. Trist. 4704; dô man diu wâpen bî in truoc. Bit. 8942; er schicte sich bî in. pass. H. 83, 54; disen meiden unde dînen knehten hilf bî dich hin zuo gote. 391, 71, wo zuo undzusammen gebraucht sind mit dem unterschiede, daszmehr den sinn von neben und zur seite, zu den von hin zu hat; bî die ist gesatzt aldâ Maria Magdalenâ. pass. K. 5, 25; sô hât man allerleige merterêre bî in gesatzit. myst. 1, 35; das sind lauter denkmäler aus dem mittleren Deutschland, dessen spuren in der nhd. sprache überhaupt haften. I@A@22) derselbe acc. steht bei Luther ganz fest: als sie in nu sahen von ferne, ehe denn er nahe bei sie kam. 1 Mos. 37, 18; begrabt mich bei meinen vater. 49, 29; die kinder Israel sollen sich lagern ein iglicher in sein lager und bei das panier seiner schar. 4 Mos. 1, 52; tritt bei dein brandopfer. 23, 3; setze dich bei den stein Asel. 1 Sam. 20, 19; Joas aber ward begraben bei die könige zu Samaria. 2n. 13, 13; ward begraben zu Jerusalem bei seine veter. 14, 20; man begrub in bei seine veter. 15, 7; und ward begraben bei seine veter. 15, 38; gieng hin und trat bei das rad. Ez. 10, 6; und er kam hart bei mich. Dan. 8, 17; die weisheit des geringen bringt in zu ehren und setzet in bei die fürsten. Sir. 11, 1; gieng hinein und satzte sich bei die knechte. Matth. 26, 58; und da sie nicht konten bei in komen für dem volk (goth. ni magandans nêhva qiman imma faura managein). Marc. 2, 4; da er kam bei die stätte. Luc. 10, 32; funden sie tod, trugen sie hinaus und begruben sie bei iren man. apost. gesch. 5, 10; denn wo die heiligen und gelerten mit den gewaltigen und herrn, dazu mit den reichen, nicht wider, sondern bei das recht und die warheit tretten, wer wolt unrecht bleiben? Luther 1, 495a; die philister lagerten sich bei den Helfenstein. 4, 17b. I@A@33) ebenso brauchen ihn andere schriftsteller, zumal dichter: er hiesz in bei die andere sitzen. Fierabras D 5; es ist schon die axt den bewmen bei die wurzel gelegt. Casp. Guettel von evangel. warheit. Zwickau 1523. A 3; er lief umbher bei alle thier, und sprach, kompt doch zu helfen mir. Waldis Esop 1, 6; ich wil gehn bei den weidenpfad. Alberus 41; welchen (Christum) sie in gleichen grad bei die schaf und lämmer stellen. Fischart bienenk. 74b; ich wil mich bei das bad, darin sie pfleget zu baden, niedersetzen. Jul. v. Br. Sus. 1, 4; kommet ihr aber hie bei mich. 4, 1; es hat die himmelskunst disz ferner auch bedacht, und bei die wage hin den scorpion gesetzet. Opitz 1, 92; erkiest er ihm ein ort, an dem er frei kan sitzen, liegt etwan bei ein quell, sucht schatten an der bach. 1, 63; disz schiflein, das man mag bei deine muschel stellen. 2, 52; hier kan er wie er will, so lang er ist, sich strecken bei eine kühle bach. 2, 158; er wil ihn bei die fürsten hin aus dem geringen staube ziehn. ps. s. 217; sie kamen nahe bei die insel Malta. Arg. 2, 117; bei die princessin hingehen. 2, 198; drum wer anhängt allen zechen, ist auch kühnlich einzurechen in die tolle, wilde zunft bei das volk der unvernunft. Logau 1, 2, 13; die gans kom bei das fewr. ganskönig E 5; nimpt er ihn bei den ermel (faszt ihn an den ermel). pers. rosenth. 4, 3; der medicorum, so bei sie gehen. Philand. 1, 187; kamen bei eine vorneme statt. 2, 166; nahm er mich bei der hand, führte mich bei ein fenster. Schuppius 22; Richardi herz wurde bei die minoriten nach Oxford gebracht. Hahn 5, 42; trat dann dicht bei den engel, heran zu dem blutigen leichnam. Klopstock Mess. 12, 173; näher bei die schulter warf er, ich stiesz in das herz. werke 8, 230; bäume bei das grab zu setzen. 11, 95; Filangieris kommen diese tage bei mich zu tische. Göthe 28, 38; trat dieser mann zu mir und stellte mich bei fünf stücke auf den höchsten ort des schlosses. 34, 102; ich bitte mich bei Sie zu gast. an fr. von Stein 1, 294; setze den topf bei das feuer; stelle den stul an die wand; lege die gabel bei das messer; den apfel bei die kleider; du must nicht ausgehen, ohne geld bei dich zu nehmen; ich nehme die arme waise bei mich (ins haus). Die deutschheit dieser accusativfügungen wird sich nicht bestreiten lassen. sagt man doch auch mit zusammengesetztem verbum, ohne substantiv, das sich leicht ergänzt und nachfühlt, ich habe den topf beigesetzt, die gabel beigelegt. Göthe wuste ohne zweifel, dasz es sonst heiszt, bei einem zu tische sein, sich bei einem zu gast bitten; er wollte also etwas anderes durch den acc. ausdrücken, im brief an fr. von Stein könnte man vermuten: bei sie, neben sie, an ihre seite gesetzt. ein stellen auf den höchsten ort, bei, neben die fünf stücke ist lebhafter gesagt als bei den fünf stücken wäre. Wenn auch die herschende schriftsprache lieber gehn und kommen mit zu als mit bei verbindet, wird die trauliche rede das bei vorziehen: komm bei mich! setze dich her bei die andern! geh bei das feuer und wärme dich! es ist ein vortheil, kein nachtheil, dasz wir auf dreierlei weise sagen können: setze dich an das feuer, bei das feuer, zu dem feuer, und mit der vorstellung des bleibens auch noch auszerdem: setze dich an dem feuer nieder, bei dem feuer nieder. bei ist neben, an die seite, engl. by. Unangefochten heiszt es, bei seite gehn, einen bei seite nehmen, ziehen, rufen, etwas bei seite, wie zur seite legen: in seinem maul bei seit hat er an jedem ort ein langen zan. Forer fischbuch 200b, vgl. engl. beside, by the side. nnl. bezijden. I@A@44) nnl. hat dieser acc. weit gröszere ausdehnung. man sagt nicht nur iets bij iemand leggen, zetten, stellen, sondern auch liggen, zitten, staan bij iemand; bij de hand oder bij der hand zijn; iets bij de hand hebben; bij de haren trekken; bij de hand vatten; bij het licht bezien (bei dem licht besehn); bij de kerk wonen; het schip is bij de kaap gestrand u. s. w. I@A@55) das goth. bi verbindet sich häufig mit dem acc. in der bedeutung des gr. περί, lat. de (gramm. 4, 779), also auf die vorstellung von ἀμφί, circa zurückgehend. Doch heiszt es Luc. 6, 29 auch stautan bi kinnu, bei, an das kinn stoszen, zur bestätigung der nahen verwandtschaft zwischen an und bei, ihrem sinne wie der construction nach. während aber goth. qiman die praep. at, gaggan du neben sich hat, beidemal mit dem dat., findet sich Joh. 11, 19 gaqiman mit bi und dem acc., unserm nhd. kommen bei einen entsprechend. in solchen wörtern beobachtet jede sprache ihre eigenheit, keine aber ohne sich auch mit andern zu berühren. I@A@66) ahd. pi mit acc. in der bedeutung von wegen, um, für erläutern hinreichende beispiele bei Graff 3, 11. 12 und praep. 106. I@BB. bei des bleibens. I@B@11) das verbum substantivum mit bei. des unterschieds zwischen béi sich sein und bei sích sein wurde vorhin gedacht: du bist nicht béi dir heiszt, tui compos non es; du bist nicht bei dír, domi non es. wie ist dir? du bist nicht béi dir? Göthe 14, 220. er war heute frühe bei mir; du bist lange nicht bei ihm gewesen; allerlei thier das bei dir (in der arche) ist. 1 Mos. 8, 17; es ist auch viel stroh und futter bei uns. 24, 25; der jüngste ist noch bei unserm vater. 42, 13; wie ein tagelöhner und gast sol er bei dir sein. 3 Mos. 25, 40; dasz sie bei dir seien und dir dienen. 4 Mos. 18, 4; ich lis, das einmal brüder kamen zuo einem altvatter, die schwetzten vil, sanct Antonius kam auch zuo dem altvatter und fragt in und sprach: wie gevallen dir die brüder, die bei dir sein gewesen? da antwurt der altvatter, wol. allein das ir stal hat kein thür, wer da wil der got aus und ein, und entledigt den esel. Keisersb. sünden des munds 75b. Bei den leuten sein hiesz ehmals was heute unter den leuten, unter den menschen sein, in der welt leben, im gegensatz zu von den leuten sein, in der abgeschiedenheit leben; schon Walther sang 35, 17: lâ mich bî den liuten; Keisersberg: ich hab darnach gelesen von Platone, der was einist bei den leuten (in der welt, auf reisen), und iederman sagt von seltzamen dingen, die er in den anderen landen hett gesehen. sünden des munds 5b; aber bist du geladen und bist bei den lüten. 28b; und alle die das hören, werden auch dadurch geschedigt, wenn, so sie also bei inen selber (zu haus allein) seind, und an denselben menschen gedenken, so fallen sie in hoffertige gedenk. 27a; bei sinnen, bei verstande sein, bei sich, seiner sinne, seines verstandes mächtig; bei jahren sein, bejahrt, alt: ich bin bei jaren und ungestalt. fastn. sp. 1400; er ist schon stark bei jahren, bei hohen jahren; ist noch bei guten jahren; da man bei jahren, zugleich bei starkem leibe war. Klinger 9, 103; bei guter laune sein; er ist heute nicht bei laune; bei kräften, guter gesundheit sein; er ist noch bei voller kraft; ich bin nicht bei athem; er war nicht bei witz; er war nicht recht bei troste; beim leben, am leben sein, in vita esse; da er beim leben war. 2 chron. 10, 6; dasz das kind noch beim leben wäre. pers. rosenth. 7, 20. die irrlichter schienen wieder gut genährt und wol bei flammen. Göthe 15, 251. der sänger ist heute abend nicht bei stimme. bei gelde sein, bei vermögen; ich bin nicht bei gelde. Schuppius 582; wir sind nicht bei gelde. Göthe 14, 280; und wär ich bei geld, so wär ich bei sinnen. 12, 122. bei tische, beim essen, trinken sein; ich bin noch beim lesen, noch darin begriffen; wir sind beim ankleiden, ausziehen, baden; wenn herr Eberhard einmal beim erheben über die sphäre der sinnlichkeit ist. Kant 3, 355. Nicht anders verhalten sich bleiben und wohnen: bleib bei mir, verlasz mich nicht; Max, bleibe bei mir, geh nicht von mir, Max! Schiller 384a; er blieb bei sich, aber sasz todtenbleich da. Göthe 19, 280; sie bleibt nicht lange mehr bei kräften, bei vollen sinnen; ob Christus mit den thieren frölich sei gewesen, die bei im wonten in der wüste. Keisersb. sünden des munds 42a; man sicht gar bald bei was lüten er gewont hat. wonest du bei einem füller, du würst auch also, wonest du bei wüsten lüten, du würst auch wüst. 30a; ich wohne schon zehn jahre bei dem selben mann. I@B@22) jenem gehen, kommen, stellen, legen, setzen mit bei und dem acc. gegenüber gilt ein anlangen, stehen, liegen, sitzen, schlafen, ruhen mit bei und dem dativ, fühlbar hat bei etwas persönlicheres als an oder zu; stehen, liegen, sitzen bei mir kann nicht überall mit an mir und nirgends mit zu mir tauschen. du sitzest zu mir würde aussagen du näherst dich mir; du stehst, sitzest an mir müste durch hinzugefügtes nahe oder dicht deutlicher werden und käme dann auf eins heraus mit bei mir. vor sachen mögen bei und an wechseln: der arzt sitzt an oder bei dem krankenbette, aber nicht an, nur bei dem kranken; der vogel ruhte am gestade oder beim gestade; das haus steht am oder beim berge; dagegen wolan, lasz in diese nacht bei dir schlafen, und er schlief die nacht bei ir. 1 Mos. 30, 15. 16; und sie erwischt in bei seinem kleid und sprach, schlafe bei mir. 39, 7; er sah das ein bauer bei den andern bauern sasz in der urten und hort inen zuo, was sie redten. Keisersb. sünden des munds 76a; wo ein clapperman ist, wan der ob tisch bei den leuten sitzt, so redt er on underlasz und es mag niemant vor seinem tadern zuo kumen. 75a. Diese sinnlichen stehn, liegen, schlafen, wohnen bei einem und alle ähnlichen wörter können nun übertreten in die abstractere form beistehn, beiligen, beischlafen, beiwohnen, haben dann meistentheils dative der person neben sich und empfangen eine bestimmtere bedeutung. aus dem bei einem stehn entfaltet sich die vorstellung des helfens, aus dem bei einem gehn ein unpersönliches mir geht bei u. s. w. da die partikel bei dieser zusammensetzungen in gewissen lagen trennbar wird, so könnte zweifel entspringen, was im einzelnen fall gemeint sei, stehn bei oder beistehn? hier entscheidet aber die stelle der praeposition, die ihrem casus vorausgeht, und der partikel, die dem dat. nachfolgt. der praepositionale ausdruck ich stehe bei dir, ich will bei dir stehn hat gröszere sinnliche kraft als der blosz adverbiale ich stehe dir bei, ich will dir beistehn. dieser findet sich z. b. in folgender stelle: ain clausen stund mir nahen bei. Schwarzenberg 150, 2; jener aber in: und hörn, ob sie wölln bei uns stehn. Alberus 54b; die werden freilich bei uns stehn. 56b; wann ihr wolt, dasz euch wol sol gehn, so müszt ihr beieinander stehn. 148b. I@B@33) bei sich haben, im hause, in der tasche, am leibe, im kopfe, zur hand haben: sie hat nur ihre tochter bei sich; zur zeit seines todes hatte er niemand bei sich als einen alten bedienten; nam die kleider die sie bei sich im hause hatte. 1 Mos. 27, 15; also ist jetz Georg Friderich, der hat allein die tugenden bei sich. Weckherlin 428, herbergt alle tugenden. reiste ab und hatte alles bei sich was ihm von geld übrig war; ich habe keinen heller bei mir (sur moi); ich kann nicht mahlen, weil ich die farben nicht bei mir habe; das ich bei meinen handen habe. Ayrer proc. 1, 4; der abbé, der schon viel wein bei sich hatte, forderte das ganze geisterreich in die schranken heraus. Schiller 719; meine nase blutet und ich habe kein schnupftuch bei mir. I@B@44) halten, fassen, greifen, zupfen, nehmen, erwischen: die führ mir her bei ir sneweiszen hant. fastn. sp. 585, 1; bei den ohren, armen, beinen halten; beim kopfe, halse, beim rockzipfel fassen, nehmen, kriegen; wann der wolf das schaf bei der gurgel erwüschet, so hat er gewunnen. also der teufel, wan er uns bei dem frasz erwüschet, so hat er genuog. Keisersb. nd. d. m. 3b; wer da ringt mit eim und in erwischet bei der gurgel, der hat die sache wol gewunnen. also wann der tüfel einen bei dem hals erwischt des fraszes oder bei der macht der unküscheit. 9b; sich in die lefzen beiszen und bei dem bart ropfen, oder sich bei dem or pfetzen, da man dem knaben die meisen ausnimmt. 23a; als wan man ein hündlein imermeder bei den oren züpft. 42a; strecke deine hand aus und erhasche sie (die schlange) beim schwanz. 2 Mos. 4, 4; zupfe dich bei (an) deiner eignen nase; bei der nasen füren. Murners schelmenz. 7a; und sie erwischt in bei seinem kleid. 1 Mos. 39, 12; einen beim mantel niederziehen, beim kragen reiszen, bei den armen, ohren emporheben; etwan ein schrift oder zwo bei dem hals herbeizuziehen. Fischart bienenk. 91a; und liesze ine darzwischen bei dem hals greifen. 106b. bei sich behalten, verschweigen: du kannst nichts bei dir behalten; er wust auch, das in Judas hingeben wurd, er hat es aber niemants gesagt, er hat es bei ihm behalten. Keisersb. sünden des munds 73a; er hat sunst verheiszen soliche ding ze verschweigen und bei im ze behalten. 72a. erhalten: das erhielt mich beim leben. anfangen, anheben: fang nur bei dir selbst an (zu tadeln); ich fange beim letzten capitel, hinten an, früher sagte man an (gramm. 4, 860). I@B@55) kennen, merken, wissen, nennen: man kennt ihn leicht bei (an) seiner langen nase, bei seinem rothen haar; alle welt verachtet sie (die zweizüngigen menschen), dan man erkennt sie bei der grinthauben, die kümpt einem gar kum ab dem kopf. Keisersb. a. a. o. 68a; aber ich kenn dich bei den langen oren, dasz du ein esel bist. 9b; bei den dreien stucken wirst du wol innen, wie er ein mensch ist. 54a; das wissen die frauwen wol bei iren mannen, wenn sie zuo nacht heim kummen und foll seind, so sein sie frölich und guoter ding, und sunst nimmer. 9a; man erkennt den mann bei (an) seinen handlungen. einen bei (Luther sagt mit) seinem namen nennen; der nachtwandler erwacht, wenn man ihn bei namen nennt; denn sie feirten des freundlichen jüngferchen hochzeit, ach der schönen Luise. denn nur beim namen genannt sein wollte sie, schlecht und recht. 3, 526. I@B@66) schwören, betheuern. goth. svaran bi himina, bi haubida; ahd. suerian pî himile; mhd. swuor bî sînes vater sêle (gramm. 4, 847); bî dem eide sagen, eidlich versichern. MS. 1, 77b; bî dem eide jehe. 2, 47b; vriunt, ich sage dir bî got. Helbl. 7, 338. nhd. schwören bei gott, bei dem schwert, bei dem himmel, bei den sternen, bei allen himmlischen mächten; und Jacob schwur im bei der furcht seines vaters Isaac. 1 Mos. 31, 54; ich habe bei mir selbs geschworen spricht der herr. 22, 16; also auch soll im ein mensch ein straf uflegen, wenn er schwert bei gott, das er so dick ein helbling wöl geen umb gottes willen. Keisersb. sünden des munds 23a; als so du etwas verkaufest und schwerest bei got es ist gut. 2a; dann schwören wir herzlich bei ja und bei nein, im leben und tode getreu uns zu sein. Bürger; er schwur sich bei allem, was heilig und hehr, auf ewig zu ihrem getreuen. häufig aber mit ausgelassenem verbum: bei gott, beim himmel, bei allen heiligen; bei göle, medius fidius (sp. 1291); bei gott, ich kann nicht. Gotter 3, 90; bei meiner treue, par ma foi; bei meinem bart, par ma barbe; oho raupennest, das wer bei dem versteinigten steininen Stephan ein gar zu vil herbes und bitters pillulein auf einmal. bienenk. 45a; bei diesem licht, das uns zuerst begrüszt vor allen völkern. Schiller 531b; o gott, bei deinem sonnenschein, fast möcht ich nie geboren sein. Bürger 38a; ich will einst bei ja und nein vor dem zapfen sterben, (mihi est propositum in taberna mori). Auch, ich denke bei mir, ich sagte bei mir, ich überlegte bei mir im stillen, ich hatte bei mir beschlossen. I@B@77) gebieten, befehlen, verbieten, warnen, sich hüten sollen. es ist verboten bei dem strang, es wird bei wasser und brot verboten, geboten; bei leib und leben; mhd. unz iʒ diu kunegîn virbôt bî dem halse und bî der wide. kaiserchr. 10085. daher das häufige bei leibe, unter androhung von lebens und leibesstrafe, bei leibe nicht, ja nicht: hüte dich bei leibe, das du nicht mit deinem dünkel drein fellest. Luther 3, 432b; ein kind sol bei leib nicht sein gehorsam gegen vater und mutter verachten. 4, 414b; bei leib, laszt euch nit bereden. 6, 349b; man sol die beicht oder absolutio bei leib nicht lassen abkomen. 6, 520a; das kein einwoner berüren darf und alles bei leib auf der erden ligen bleibt. Frank weltb. 77b; bei leib seh zu! Alberus 12; thut solchs bei leibe nit! Waldis 141a; bei leib nit! Kirchhof wendunm. 324b; o nein, die decreten und decretalen müssen wir bei leib in ehren halten. bienenk. 30a; bei leib dasz (ne). Garg. 71b; nein bei leib. 204a; Petr. 216a; Simpl. 2, 380; das beileibe nicht! a. m. im Tockenb. 278; kommen mir vor wie die hecken, die meine bauern gar schlau um ihre felder herum führen, dasz ja kein hase drüber setzt, ja beileibe kein hase! Schiller 106a. auch bei dem eide, bei der strafe verbieten: das im bei seinem eid verbotten ist. Keisersb. a. a. o. 9a; und solchs bei strafe des bannes oder harter gefengnus. bienenk. 42a; bei strafe ewiger verdamnus. 50b. I@B@88) schwanger werden, zeugen, gebären, ein kind haben construierte die alte sprache mit bei (gramm. 4, 783. 853): alsus wart si derselben naht swanger bî ir bruoder. Greg. 229; bî der Gahmuret ein kint gewan, des disiu mære sint. Parz. 455, 21; ein mœrinne ûʒ Jetakranc Josweiʒ bî im gebar. Wh. 386, 19; o Fritz, lasz von dem hochmuet dein, ich trag bei dir ein kindelein. altd. bl. 2, 139; bleib si ein witwen, das si die letsten kind bi dem man uberkummen dester basz mechte erziechen. Tho. Plater 34. man kann treffend auslegen an der seite (des mannes oder der frau), und die nl. sprache bediente sich der praep. an: dit kint an u wan. Lanc. 24307; an hare wan hi enen sone. Maerl. 3, 268; aber auch ein abstractes von annehmen, wie das engl. by häufig für von steht und die gr. sprache zu τίκτειν ὑπό fügt. I@B@99) jenes kennen, erkennen unter 5 liesz bei und an zu, erlangt aber leicht die bedeutung durch: bei des menschen lieblicher gestalt und schönen geberden merkt man, dasz ein verstand und tugend dahinden ist. Alberus 1b. auch die verba senden, entbieten, schicken haben dieses bei = durch neben sich: ouch sante si bî ir dan. Iw. 3453; ir enbutet mirʒ bî ir. 7751; ohn das ich bitte, mir solchs bei diesem boten zu verstandigen. Luthers br. 3, 2; und schickens euch nun wieder bei eurem boten. 3, 123; und uns zukomen lassen bei diesem boten, der darauf ist ausgesandt. 3, 529; mir ist von meinem gnedigsten herrn von Menz ein kaiserlich mandat bi einem geschwornen botten zugeschickt. Reuchlin augensp. 2a; und also hab ich meinen ratschlag meinem gnedigsten herrn verschlossen und versorgt bi ainem geschwornen botten zugeschickt. 3b; den mörsel bei seinem schüler der frawen heimschicket. Bocc. 2, 77b; ich hab euch gschickt ein flaschn mit wein, und ein hafen mit pfeffer zu dem. der gardian sprach: mein herr, bei wem? der burger sprach: bei meinem son. H. Sachs IV. 3, 73d; Alba hab mirs zu spot gethan, dasz sie den brief bei im gschickt han. Ayrer 22a; den soll er auf dem mere tief bei eim botten euch zusenden. 369a; er ist zu Münster mein beichtvater gewesen und bei dieser post will ich an ihn schreiben. Schuppius 255; relation aus dem parnasso, welche bei jüngster post Mercurius anbracht hat. 564; dasz Paulus bei (unter) dem buchstaben anders nichts verstanden dann das gesatz. bienenk. 70a. I@B@1010) zuweilen nimmt bei die bedeutung von um und für an: er läszt sein leben bei ihm, um ihn; der wein brachte Alexandrum dahin, das er Clitum seinen besten freund umbracht, bei dem er sonst sein leben het gelassen. Frank trunkenh. C a; er würde das leben bei dieser wahrheit lassen; dasz sie wolten leib, hab, gut und blut bei einander aufsetzen und für einander in den tod gehen. Schuppius 545. den sinn von an hat bei in folgenden stellen: da beginnet der hund zu reden, warumb sie also bei ihm handelten? pers. rosenth. 1, 6; wie unchristlich Butyrolambius und sein anhang bei Antenorn (an Antenor) handeln, indem sie ihn bei dem gemeinen mann wollen stinkend machen. Schuppius 839. I@B@1111) sehr oft dient bei (neben) zu örtlichen, räumlichen bestimmungen und kann dann auf jedes verbum folgen: sihe so stehe ich hie bei dem wasserbrunn. 1 Mos. 24, 43; er wonete bei dem brunn des lebendigen und sehenden. 25, 11; mir treumete, ich stunde am ufer bei dem wasser. 41, 17; da wir bei den fleischtöpfen saszen. 2 Mos. 16, 3; da trat der engel des herrn in den pfad bei den weinbergen. 4 Mos. 22, 24; da kam er in ein dorf und wolt sich wermen, wann es was kalt, da sasz der priester bei dem feuer. Keisersb. sünden des munds 62b; und ha ha ha mach, das man das bei der pfalzen möchte hören. 49b; allerlei bilder bei allen wegen, auf allen straszen, in allen ecken aufrichten. bienenk. 20b; die feinde zogen sich schritt vor schritt kämpfend zurück und man focht noch bei den wagen; der Rhein ist bei Mainz breit; dicht bei dem zaun flog ein trupp vögel auf. Das verbum braucht gar nicht ausgedrückt, und kann entweder in einem substantiv enthalten, d. h. nachgefühlt sein oder hinzu gedacht werden: ein angenehmer aufenthalt bei den bäumen, eine wohnung bei dem meer, an der küste, goth. faur marein; die klage bei der tennen Atad. 1 Mos. 50, 11; der weisze berg bei Prag; die schlacht bei Hanau, ein pfalzgraf bei Rhein; Elisabeth pfalzgrävin bei Rhein. Weckherlin 337. Auch zur messung des raums: welche jagd bei einer halben meile vom dorfe angestellt war. pers. reiseb. 4, 43; indes wäre es doch möglich, dasz einmal auch ein alter künstler, nach ihrer art zu reden, der liebe und den grazien weniger geopfert und hier bei hundert meilen an die liebe nicht gedacht hätte. Lessing 8, 237; diese beiden städte liegen bei zehn meilen von einander fern. I@B@1212) noch öfter erscheint es bei zeitangaben, wozu man sich leicht ein participium denkt: ich arbeite nur bei tag (bei währendem tag, so lang es tag ist); bei anbruch des tags reiste er ab; alle züge des schlafenden erkannte ich bei anbrechendem tag; du wolltest entfliehen und bist noch da bei hellem tag?; welches noch heut bei tag (heutzutage) in allen mesbüchern geschriben stehet. bienenk. 203b; ein lämpchen gibt bei nacht seinem tische sparsames licht; seine augenschwäche verbietet ihm abends oder nachts bei licht zu lesen; heere von gedanken und sorgen quälen den schlaflosen bei stiller nacht; bei nacht sind alle kühe schwarz; wir harrten lange, er kam noch bei später nacht; als ein katz bei nacht. Keisersberg sünden des munds 9a; da kam der teufel in gestalt einer frawen bei nacht einist an sein zell und klopfet an. 57a; den juden ordentlich gefolgt, wie ein fromme nonn bei finster nacht irer priorin. bienenk. 54b; wenn bei geheimer nacht ümm sein geliebtes haus ein muntrer buhler wacht. Fleming 649; euch selber werdet ihr bei nacht ganz offenherzig eingestehn, dasz ihr den sonderling nur macht. Gökingk 1, 20; uns spricht der scheinfreund, so wie du, allein bei guten tagen zu. Hagedorn 3, 99; o wo ist bei unsern tagen kaiser Probus zu erfragen? Logau 1, 1, 92; dasz deine mutter dich neun monat hat getragen ist viel. jetzt duldet dich niemand nur bei neun tagen. 1, 4, 30; der hunger wird bei unsern tagen hinein, das reichthum ausgeschlagen. 1, 6, 6; meine mutter war der hunger. seit sie mich aus sich geboren, hat sie sich bei keinem tage noch zur zeit aus mir verloren. 2, 1, 91; wann den stab bei letztem tage Christus wird gerichtlich brechen. 3, 4, 74; alt von jaren, frisch von lastern ist die welt bei unsern tagen. 3, 3, 10; sanct Magnus, der heilig würmsturmer wöll den lieben catholischen imenstock für imenfraszen, hummeln und krautwürmen (raupen) bei disen heiszen hundstagen ritterlich beschirmen. bienenk. 51a; mein liebes kind, das ich bei dreien jaren gesäuget. 2 Macc. 7, 27; bei meinen jungen jahren kränkelte ich viel; do ich bei meinem vierzehnten jar zu Magdeburg in die schule gieng. Luther 6, 9b; darnach villicht bei eim halben jar. Tho. Plater 8; die was zwar wol bei sechzehen jaren. fastn. sp. 545, 16; (Mars) itzt aus dem himmel ist bei zweimal sieben jahren, und was noch drüber lauft. Fleming 65; indessen dasz der Mars bei zweimal sieben jahren annoch nicht grausam satt berennt und angefahren mein werthes vaterland. 70; bei sechsmal hundert jahren hat Rom sich frisch und stark bei kohle können sparen. 73; dem kriege zieh ich nach nun bei so vielen jahren. 110; es denkt mich noch ein spiel bei meinen jungen jahren, drin ich ein könig war, da andre knechte waren. Logau 1, 1, 84; fürs vaterland sein blut vergieszen hat weiland man zu rühmen wissen. das blut dem vaterland zu sparen ist jetzt ein ruhm bei unsren jahren. 1, 4, 58; Pulla hat in schwarzem tuche bei drei jahren zugebracht um den mann. verstehts nur eigen. dieses tuch das war die nacht. 3, 9, 50; frische läs von neuem rebenbaum, den Phöbus erst erfunden bei wenig jaren her. J. Romplers von Löwenhelt gebüsch seiner reimgedichte. dedic. s. 1; dasz sich bei etlichen jaren her vil schöner gaister herfürgethan. s. 9 der vorrede; der bettler freute sich lächelnd seiner list, denn bei (seit) jahren war er nicht so reich gewesen. Hegner molkenkur 3, 9; manna fiel am sabbath nicht, sonst bei allen morgen immer. Logau 2, zug. 67; da liesz er sie bei vielen wochen als brot und wasser nichts versuchen. 1, 7, 11; wie sehr er dich gesucht bei einer halben wochen. Fleming 649; mhd. bî der zît, bî der stunt, bî der vriste, tum; nhd. bei zeit, frühe; aber dank hab unser liebe frau von Antorf, dasz solchem bei zeiten mit allem fleisz und müh ist begegnet und vorkommen. bienenk. 5b; bei der zeit, tum; bei der hochzeit unseres töchterchens. Luise 3, 610; erinnere dich bei rechter zeit deines versprechens; sich bei zeit, bei früher zeit aufmachen; komm fein bei zeit, bei zeiten; hübsch bei zeiten; bei zeit gewent si (die kinder) guter ler. Schwarzenberg 127, 1; also guot übung bei der zeit macht angeborner laster queit. 143, 2; bei dieser tummen zeit. Logau 1, 5, 38; Deutschland, bei der alten zeit, war ein stand der redlichkeit. 1, 6, 18; die gelehrten sind nicht gerne von den alten und den rothen, dann sie sind bei allen zeiten untermischet mit den todten. 2, zug. 65; und so entdeck ich selbst, was, auch bei wachen stunden, ein Deutscher, ja sogar ein domherr ausgefunden. Hagedorn 1, 17; ich stelle mir oft bei müszigen stunden vor. Claudius 1, 21; heute schon bei frühen stunden war das schicksal der schlacht entschieden; bei weilen, interdum. Wickram rollw. 49; dasz auch bei weilen grosze schif undergehen. Petr. 108b; bei weilen zwei beieinander, bei weilen drei zugleich. bienenk. 177b. Wie bei zeit auch bei früher, guter tagszeit, bei sommerszeit, bei winterszeit, oder mit ausfallendem zeit, nur bei tags; bei anbrechenden tags. pers. baumg. 8, 6; bei sommers, bei winters. bei wind und wetter ausgehen, bei schönem wetter ausfahren; bei nacht und nebel ausziehen; bei eisigem regen und winden. Bürger. für einzelne dieser zeitbestimmungen gibt aber unsere heutige sprache dem an, in, zu den vorzug und sagt: am letzten tage, in meinem vierzehnten jahr, ni oder zu dieser zeit. zu bemerken ist auch der acc.: in dem hause, worin dieses geschlecht bei die dreihundert jahren (jahre) ihre wohnung gehabt. Brandts Taubmann s. 60, wie wir sagen: an die dreihundert jahre. I@B@1313) ausdrucksvoll bezeichnet bei vor pluraldativen, was wir sonst durch angehängtes weise wiedergeben, die sich folgende reihe: das gieng alles zu Noah in den kasten bei paren (männchen und weibchen paarweise) von allem fleisch. 1 Mos. 7, 15; der schwarzen mäntel lange zahl begleitet ihn bei paaren. Hagedorn 3, 115; alles lief bei haufen (turmatim) herzu, bei scharen (catervatim); da liegen sie bei haufen (haufenweise). richt. 15, 16; die feinde fliehen bei haufen; Luther setzt auch mit haufen: lasset sie sich setzen bei schichten (per convivia), ie funfzig und funfzig. Luc. 9, 14, wofür Marc. 6, 40 nach schichten; eine waare bei fässern, bei ballen, bei pfunden kaufen; was man bei groschen einnahm, bei thalern ausgeben; das korn liegt niedergemäht bei schwaden; etwas bei tropfen (guttatim) kosten; im beisein der alten verstellt sich die jugend, sie trinkt nur bei tropfen, sie durstet vor tugend. Hagedorn 3, 74; du bist ein tiefer, bitterer kelch, ach tränk ich dich nicht bei tropfen, leert ich mit einem zuge dich aus! Klopstock 2, 40. zwar rinnt in ihren kelch auch bittres wie in unsern, doch leicht zerflöszbar rinnts und bei tropfen. 2, 77. bei stufen (gradatim) aufsteigen. Besonders auch vor zahlwörtern: bei zweien, dreien, zehnen traten sie auf; bei dutzenden, hunderten, tausenden: die austern bei dutzenden verschlucken; die heiden wurden bei hunderten getauft; fieber, welche die fremden bei tausenden wegraften. Niebuhr 2, 612; wer sie bei tausenden will auf die probe nehmen, wie du gethan, hochweiser mann, musz sich bei tausenden der probe freilich schämen, wird drüber wild und lästert dann. Lessing 1, 9; ei was, es wär nicht geckerei, bei hunderttausenden die menschen drücken, ausmärgeln, plündern, martern, würgen, und ein menschenfreund an einzeln scheinen wollen? 2, 211; ein schlag mit seinem zauberstab heiszt welten um uns her bei tausenden entstehen. Wieland 9, 96; seiner edlen völker söhne kamen bei tausenden zur huldigung. Bürger 78a; die schranken der vernunft sind durchbrochen und der wahn drängt sich bei tausenden (in tausend gestalten? oder bei tausend menschen?) durch dieselbe lücke ein. Kant 10, 54. vgl. auch: er wiederholte es bei drein malen; er ächzt und heult bei tausend malen. Göthe 56, 13. Gleiche wirkung mit diesem dat. pl. hat ein wiederholter dat. sg. mit der praep. in der mitte: schar bei schar; mann bei mann (viritim); par bei par: sie näherten sich paar bei paar. Geszner Daphnis 10; stufe bei stufe; tropfe bei tropfen; stets pfeiler bei pfeiler zerborst und brach. Bürger 37a, was doch nicht meint pfeilerweise. statt bei darf aber auch an stehen: paar an paar, tropfe an tropfen (sp. 287), pfeiler an pfeiler, mann an mann. I@B@1414) verschieden ist die häufung zweier verschiedner substantive neben bei: er versichert bei treu und glauben; bei ehre und seligkeit; er wird bei haut und haar gestraft; es wird alles bei heller und pfenning bezahlt; es trift zu bei heller und pfenning, convenit ad numum. in beiden letzten stellen hat bei die bedeutung von bis auf, bis zu, usque ad, wie es auch vor einfachem subst. der fall ist: es trift bei einem haar zu; ich verspendierte alles bei éinem heller. Simpl. 1, 178; und ist dieser haufen fast gar bei éinem (bis auf einen) jämerlichen umbkomen. Fronsp. 3, 137a; vgl. auch bei pfennigen genau sein. Leisewitz br. s. 219. I@B@1515) bei vor persönlichen wörtern, wie lat. apud: bei gott ist ruhe und friede; bei gott gnade zu erwerben. bienenk. 38b; bei gott ist erbarmen; bei gott ist kein erbarmen, o weh, oh weh mir armen. Bürgers Lenore; bei dem adel herscht stolz und übermut; bei rath (dem Frankfurter senat) wurden überlegungen gepflogen. Göthe 24, 28; mein glück steht bei dir; es steht jetzt bei ihm zu entscheiden; bei den lutherischen war es mein eheweib, bei euch ist es mein kebsweib. bienenk. 39b; den schlüssel muosz man bei gott holen. Keisersb. sünden des munds 82b; wir lesen bei den dichtern; ich habs bei Göthe gelesen; es kommt bei Lessing vor; er hat bei Niebuhr gehört; er steht gut angeschrieben beim alten herrn; aber der knabe Samuel gieng und nam zu und war angeneme bei dem herrn und bei den menschen. 1 Sam. 2, 26; er ist verhaszt bei allen leuten. I@B@1616) vermischte fälle des bei vor substantiven. wir brachten den abend bei spiel und tanz zu (inter ludum et choream); als Carlos mit der königin und mir beim spielen sasz. Schiller ... vor dem spiegel geht der morgen und beim spiel der abend hin. Gotter 1, 49; beim trunk (inter bibendum) gehört ein könig, so wars vor alter zeit, der, trinkt ein gast zu wenig, ihm dreimal drei gebeut. Voss 4, 135. bei holz, bei kohlen kochen: dasz die Sabaei bei den weihrauchbäumen kochen, wie wir bei dem eichen und büchen holze. Schuppius 151. das wort gottes sei ein liecht, bei dem (quo lucente) der dieb ergriffen werd. bienenk. 35a; was ist es denn wunder, wann auch der röm. kirchen bei dem geruch des worts gottes onmächtig wird? 35b. sehr oft hilft bei in der rede übergänge und zwischensätze bilden: bei diesem handel kam manches bisher verborgen gehaltne an den tag; bei solcher lage der sache ist es rathsamer abzustehn; bei solchem anlasz müssen wir bedacht sein unser altes recht zu behaupten; bei diesem streit hattest du doppeltes unrecht; ich rathe, bei der groszen theuerung, die jetzt herscht, mit dem kauf noch zu warten; jener (Laertes) war, bei allen seinen fehlern, mit seinen sonderbarkeiten wirklich ein interessanter mensch. Göthe 19, 111; bei (trotz) allem nachforschen konnte man den körper nicht finden. 20, 273; aber ach, schon fühl ich bei dem besten willen befriedigung nicht mehr aus dem busen quillen. 12, 65; wenn sein gegner ihm bei gelegenheit (data occasione) denselben streich spielt. Kant 5, 119. Nah genug liegt auch ein übertritt des bei in die bedeutung von nach: ich werde dir gleich bei (nach) meiner ankunft schreiben; bei gethoner arbeit ist guot feiren. Frank spr. 1, 61b, wenn, nachdem die arbeit gethan ist, wie goth. die praep. at dem absoluten particip in solchem sinn vorsteht (gramm. 4, 898). einen wechsel bei sicht, nach sicht bezahlen. I@B@1717) bei vor adjectiven, nur in einzelnen, bestimmten fällen. I@B@17@aa) bei weitem, longe, utique; bei weitem nicht, minime; o bei weitem nit. Fischart bienenk. 14b; dies ist bei weitem besser, er ist bei weitem der schönste, longe pulcherrimus; das ist bei weitem noch nicht alles. Adelung wollte bei weiten, wozu die mhd. bî langen, be langen (tandem). Er. 8406. Fuoʒesbr. 86, 76. Diut. 1, 403. 412. 428. 429 stimmen würden, wo sie nicht auf ein dunkles ahd. pi langanemo (Graff 2, 229) zurückgehen, das nicht vom adj. lanc herrühren kann. doch heiszt es schimpf und ernst 247 gleichfalls bei langem, endlich, in die länge hin. das mhd. adv. wîten, ohne praep., ist aber ahd. wîteno. man sagt ferner, ich kann bei nahem, das buch nahe gehalten, nicht lesen, vgl. beinahe. es ist alles beim alten, es soll beim alten bleiben. bei vielem, was er weisz, ist zu tadeln, dasz ers nicht versteht anzuwenden; man kommt auch bei wenigem aus. bei allem, was du mir sagst, beruhige ich mich. bei allem dem, bei dem allem, bei alle dem (ahd. pi alliu, allû, pi diu alliu), trotz dem: bei alle dem ist er ein ausgezeichneter mann; bei alle dem bliebe noch viel zu wünschen übrig; die armen fakirn, bei allem dem, ihr schicksal war hart. Wieland 8, 191; bei allem dem war ihm doch, als ob ihm eine leise stimme in seinem busen sage, Danischmend könnte sich demungeachtet über ihn zu beklagen haben. 8, 417; jene fragen würden wir bei allem dem doch nicht beantworten können. Kant 2, 266; bei allem diesem ist ihr urtheil nur negativ. 8, 513. I@B@17@bb) vor superlativen: sie kämpelten mir haar und bart beim zierlichsten. Simpl. 1, 634; das ist beim allerbesten. 2, 90; Ludwig sahe nicht beim liebsten, dasz Sigismundus sich an das ostgothische haus verheuratet. 3, 361. heute sagt man: aufs zierlichste, am besten, sah es nicht allzu gern. IIII. Bei als adverb. II@11) sind verba zusammengesetzt mit bei, so kann es sich in den bekannten lagen der fügung lostrennen und ihnen nachtreten. den unterschied der frei zu dem einfachen verbum gesetzten praeposition bei von dem adverb der composita lehrte die erste anmerkung zu I, B. kaum aber darf man zweifeln, dasz die composita eben aus jener ursprünglich losen stellung der praeposition erwachsen sind, die gehemmtere bewegung zugleich mit einem wechsel der bedeutung zusammen hieng. zuerst hiesz es ich stehe bei dir, ich will bei dir stehen, hernach ich stehe dir bei, ich will dir beistehn. die praeposition geht im alter der adverbialpartikel voran. der hund springt bei mir drückt ganz die sinnliche vorstellung aus er geht in sprüngen neben mir; der hund springt mir bei aber schon die abgezogne des helfens, er springt heran, um mich zu schützen. in jenem springen bei mir war noch kein gedanke der hülfe. von den bei dem tisch sitzenden männern unterscheiden sich die beisitzenden dadurch, dasz sie dem amte, dem rechte nach diese stelle, um ihnen obliegende geschäfte zu verrichten, einnehmen. dem zusammengesetzten wort tritt ein begrif hinzu, der zwar durch den sinnlichen bedingt, noch nicht entfaltet darin enthalten war. meiste ähnlichkeit haben die zusammensetzungen mit an, doch so, dasz sich feinere unterscheidungen für jede dieser partikeln entfalten. II@22) vor dem nomen nimmt schon die partikel feste stelle ein, d. h. das bei in beistand, beisitz kann sich gar nicht mehr abtrennen, wie in beistehen, beisitzen zuweilen noch; mit andern worten, bei haftet am nomen, wie an der indirecten verbaläuszerung, während die directe es noch los liesz. der indirecte infinitiv kann alsbald nominal werden und das beistehen, beisitzen drückt aus was beistand, beisitz. häufig führt dies bei die vorstellung des nebenher bestehenden, geringeren, unechten mit sich: beischmack, beiweib (concubine), beischlag (falsche münze), beiname, ungünstiger nebenname. II@33) die zusammensetzungen mit be, welches ein geschwächtes bei ist, sind weit zahlreicher, stehn aber doch in merkbarem, wiewol fernerem verhältnis zu jenen auf bei. bestehen, bespringen, besitzen rühren an beistehen, beispringen, beisitzen und bestand, besitz an beistand, beisitz. allein mit dem geschwächten laut scheint auch die sinnlichkeit der vorstellung bei in diesem be gemindert, und jene oben am goth. bi hervorgehobene abstraction entsprungen. meistens sind die verba mit be transitiva und den acc. verlangend, die mit bei intransitiva, von einem dat. begleitet; als composita müssen dagegen die mit be an alter denen mit bei vorausgehen, weil dies erst allmälich und später am einfachen verbum haftete, das untrennbare be von alters her. darum entfernen sich auch die bedeutungen. bestehen heiszt den feind umstehen, angreifen, der besitzende behauptet das durch leiblichen sitz in seine gewalt genommene feld. Hin und wieder bricht dennoch die verwandtschaft zwischen beiderlei zusammensetzungen durch. so reicht das intransitive bestehen schon nahe an stehen bei etwas; beschaffen an beischaffen; bewohnen nahe an bei einem wohnen, beiwohnen; behelf an beihülfe; beseit an beiseit; behändigen, behende an bei der hand; befleischt an bei fleische; bejahrt, betagt an bei jahren, tagen sein. in dem wort beibehalten finden sich beide partikeln zusammen, nicht anders, doch unmerklicher, in beibleiben. neben befahren vereri gilt beifahr metus, timor. II@44) los wird also das adverbium nach dem gesetz dieser composition überhaupt in der directen verbaläuszerung: ich stehe dir bei, stehe du mir bei; in der indirecten durch zwischentretendes zu: dir bei zu stehen, was wir schreiben dir beizustehen. kühnere rede wagt auch noch einschiebung anderer wörter, wie wenn Logau, an die fichte, singt: ich pflege mich dir bei in freies blaw zu paaren. 1, 8, 99 s. 192, was sich nehmen läszt dir beizupaaren oder bei dir zu paaren. II@55) gern treten der partikel auch noch andere, zur verstärkung, vor, gar bei, ganz bei, dicht bei, nahe bei: nun zuo dem ersten so ist hinderred ein gemeine sünd, wann von disem laster gar bei (beinahe) die ganz welt verdirbet. Keisersb. sünden des munds 28a; aber es verderben darumb nit alle menschen, sunder gar bei, das ist vil menschen verderben damit. 28a; aber also genouw wil ich ietz nicht davon reden, sunder durcheinander, wann hadern und zanken seind gar bei zwo hosen eins thuochs. 41b; die gar bei unzaliche lest und bürdin. hell. lewe 27; die gar bei der mann kellerin sein. post. 3, 6. nächstdem häufen sich anbei, vorbei, nebenbei, wofür auch beian, nebenher und beiher gelten: das beiher! (das sei nebenbei gesagt). Lessing 2, 173; beiab, beizu für nebenab, nebenzu, nebenhin sind selten. II@66) nicht ganz unauflösbar sind die pronominalanlehnungen dabei, wobei, herbei, hierbei: man kann ja den teufel nirgend so wol bei kennen, als bei der lügen und zwiespeltigkeit im glauben. Luther 3, 286, d. i. nirgendwobei; wo der lügengeist regiert, da ist der mordgeist auch bei. 4, 438a = dabei ist auch d. m., wir sagen heute, da ist der mordg. auch dabei; dann da ist kein vortheil bei. bienenk. 60b; nicht was ich hörte, wo ich selbst bei war, erzähl ich, Perser. Stolberg 15, 143, wobei ich selbst war. denn zusammengesetztes bei ist, bei war läszt sich hier nicht annehmen. Die trauliche volkssprache gestattet sich dergleichen sonderungen leichter: da bin ich gern bei, da will ich auch bei sein; wo die schriftsprache meint wiederholen zu müssen: da bin ich gern dabei, da will ich auch dabei sein, oder sich mit bloszem dabei begnügt. II@77) in einem fall ist es nicht leicht über praeposition oder adverb zu entscheiden. seinem begriffe nach war bei das lat. circa, circiter, welche partikeln ebenso zwischen beiden redetheilen schwanken; der form nach wäre circa praeposition, circiter adverb, allein jenes wird auch adverbial, dieses praepositional verwandt. die bedeutungen schwimmen in einander über. auf die blosze adverbialpartikel kann, unbehelligt von ihr, der casus folgen, den die satzfügung fordert, bald ein nom., bald ein acc. und so heiszt es: da sie daselbs gewonet hatten bei zehen jar. Ruth 1, 4; die erste schlacht war bei zwenzig man. 1 Sam. 14, 14; und irer waren bei viertausend, ὡς τετρακισχίλιοι, vulg. quasi quatuor milia. Marc. 8, 9; denn es waren bei fünftausend mann. Luc. 9, 14; bei vierzig jar lang. ὡς τεσσαράκοντα ἔτη. apost. gesch. 13, 18; und schrieen bei zwo stunden. 19, 34; und hieb im bei ein viertel des schilts ab. Aimon q 4; da harrt er bei ein halbe stund. Alberus 41b; dasz er bei hundert stämm hieb ab. 144; ich weisz, dasz bei 400 geistliche in der stadt sind. pers. rosenth. 2, 30; dasz das feuer bei vierhundert familien an den bettelstab gebracht habe. Schiller 189; dann traten bei dreiszig seminaristen nach und nach auf. Göthe 27, 258; die zeichnung ist bei sieben fusz lang. 29, 91; dasz ein solcher zustand bei drei wochen dauerte. 30, 305. Allein zuweilen geht dieses bei aus der vorstellung beinahe in die praeposition über und hat dann den dat. neben sich: und es war bei eim opha gersten. Ruth 2, 17; und es begab sich nach diesen reden bei acht tagen. Luc. 9, 28, wo im original ὡσεὶ ἡμέραι ὀκτώ, vulg. fere dies octo, auch steht bei Ulfilas svê dagôs ahtau, und so würde apost. gesch. 13, 18 bei vierzig jaren lang, wie neuere ausgaben gewähren, zulässigsein (vgl. sp. 1353). Die partikeln auszer (sp. 1031), ausgenommen (sp. 874), das mhd. wan und âne zeigen ähnliche schwankung zwischen adverb und praeposition. wenn es aber im expertus in trufis cap. 12 heiszt: sitzen vor die kirche bei nackend und zittern jämmerlichen vor den leuten, so kann über die bedeutung beinahe, fere kein zweifel obwalten. dies bei = beinahe gewähren noch andere bücher des 15. 16 jh.: do Hannibal hette bi die stat gewunnen. Königshofen s. 56; er gab im ein harten stosz, dasz er bei kraftlos worden were. Pontus 53. (vgl.gar bei unter 5).
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Bei

    Campe (1807–1813) · +5 Parallelbelege

    Bei . I) Ein Verhältnißwort, welches den dritten und den vierten Fall zu sich nimmt. 1. Mit dem dritten Falle, dient es …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    bei

    Goethe-Wörterbuch

    bei Schreibung in Br u Tgb nahezu ausschließl ‘bey’, in Werken u natwiss Schr — gemäß den Editionsprinzipien von WA (vgl…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Bei

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Bei , s. Beg .

  4. modern
    Dialekt
    bei

    Bayerisches Wörterbuch · +7 Parallelbelege

    bei Band 2, Spalte 2,93–97

  5. Spezial
    bei

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    bei praep. 1 (in der Nähe von) dlungia, davijin a, tla vijinanza de: bei Bruneck dlungia Bornech; bei m Teich dlungia le…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit bei

2.255 Bildungen · 2.204 Erstglied · 46 Zweitglied · 5 Ableitungen

bei‑ als Erstglied (30 von 2.204)

Bei(j)eli

Idiotikon

Bei(j)eli Band 4, Spalte 909 Bei(j)eli 4,909

Bei(j)eⁿ

Idiotikon

Bei(j)eⁿ Band 4, Spalte 911 Bei(j)eⁿ 4,911

Bei(j)i

Idiotikon

Bei(j)i Band 4, Spalte 909 Bei(j)i (II) 4,909

Bei(n)

Idiotikon

Bei(n) Band 4, Spalte 1293 Bei(n) 4,1293

Bei(n)abschīsser

Idiotikon

Bei(n)abschīsser Band 8, Spalte 1347 Bei(n)abschīsser 8,1347

Bei(n)brëch

Idiotikon

Bei(n)brëch Band 5, Spalte 313 Bei(n)brëch 5,313

Bei(n)brëcher

Idiotikon

Bei(n)brëcher Band 5, Spalte 339 Bei(n)brëcher 5,339

Bei(n)brëcheⁿ

Idiotikon

Bei(n)brëcheⁿ Band 5, Spalte 315 Bei(n)brëcheⁿ 5,315

Bei(n)brëchi

Idiotikon

Bei(n)brëchi Band 5, Spalte 341 Bei(n)brëchi 5,341

Bei(n)brüchel

Idiotikon

Bei(n)brüchel Band 5, Spalte 378 Bei(n)brüchel 5,378

bei(n)chlingeldürr

Idiotikon

bei(n)chlingeldürr Band 13, Spalte 1359 bei(n)chlingeldürr 13,1359

bei(n)chringeldürr

Idiotikon

bei(n)chringeldürr Band 13, Spalte 1359 bei(n)chringeldürr 13,1359

Bei(n)chue

Idiotikon

Bei(n)chue Band 3, Spalte 95 Bei(n)chue 3,95

Bei(n)chübel

Idiotikon

Bei(n)chübel Band 3, Spalte 114 Bei(n)chübel 3,114

Bei(n)deck

Idiotikon

Bei(n)deck Band 12, Spalte 1207 Bei(n)deck 12,1207

bei(n)dick

Idiotikon

bei(n)dick Band 12, Spalte 1251 bei(n)dick 12,1251

Bei(n)dutti

Idiotikon

Bei(n)dutti Band 13, Spalte 2091 Bei(n)dutti 13,2091

bei(n)dürr

Idiotikon

bei(n)dürr Band 13, Spalte 1359 bei(n)dürr 13,1359

Bei(n)dürrliⁿg

Idiotikon

Bei(n)dürrliⁿg Band 13, Spalte 1359 Bei(n)dürrliⁿg 13,1359

Bei(n)fuegen

Idiotikon

Bei(n)fuegen Band 1, Spalte 701 Bei(n)fuegen 1,701

Bei(n)fueter

Idiotikon

Bei(n)fueter Band 1, Spalte 1138 Bei(n)fueter 1,1138

Bei(n)g(e)rüst

Idiotikon

Bei(n)g(e)rüst Band 6, Spalte 1541 Bei(n)g(e)rüst 6,1541

Bei(n)heirech

Idiotikon

Bei(n)heirech Band 2, Spalte 1315 Bei(n)heirech 2,1315

bei(n)hert

Idiotikon

bei(n)hert Band 2, Spalte 1645 bei(n)hert 2,1645

Bei(n)holz

Idiotikon

Bei(n)holz Band 2, Spalte 1256 Bei(n)holz 2,1256

Bei(n)hūs

Idiotikon

Bei(n)hūs Band 2, Spalte 1720 Bei(n)hūs 2,1720

Bei(n)hūstürnli

Idiotikon

Bei(n)hūstürnli Band 13, Spalte 1661 Bei(n)hūstürnli 13,1661

Bei(n)hǖslimäder

Idiotikon

Bei(n)hǖslimäder Band 4, Spalte 75 Bei(n)hǖslimäder 4,75

bei(n)lōs

Idiotikon

bei(n)lōs Band 3, Spalte 1432 bei(n)lōs 3,1432

bei als Zweitglied (30 von 46)

galaubei

KöblerGot

*galaubei , sw. F. (n) nhd. Glanz, Kostbarkeit, Pracht ne. splendour, magnificence Hw.: s. galaufs* Q.: prov. galaubia, Pracht, Gamillscheg …

laubei

KöblerGot

*laubei , sw. F. (n) nhd. Glanz ne. splendour Vw.: s. *ga- E.: s. laufs (2)

anbei

DWB

anbei , una, simul, gilt für steif und geschäftsmäszig, ist jedoch kürzer und wollautender als hierbei, nebenbei, daneben: anbei sende die v…

dabei

DWB

dabei , adv. ahd. dâr bî, mhd. dâ bî, derbî, altsächs. thar bi, altfries. therbi, niederl. daarbij, engl. thereby, Luther hat nur dabei, Kei…

darbei

Idiotikon

dar·bei

darbei Band 4, Spalte 908 darbei 4,908

daubei

KöblerGot

dau·bei

daubei , sw. F. (n) nhd. Taubheit, Verhärtung, Verstocktheit ne. stubbornness, insensitivity, insensibility, numbness ÜG.: gr. πώρωσις; ÜE.:…

gabei

KöblerGot

gabei , sw. F. (n) nhd. Reichtum ne. riches, opulence ÜG.: gr. πλοῦτος; ÜE.: lat. divitiae Hw.: s. PN, Gabiae, Gafildo, Holthausen, Gotische…

Habbei

Idiotikon

hab·bei

Habbei Band 15, Spalte 60 Habbei 15,60 A

herbei

DWB

her·bei

herbei , adv. in die nähe eines sprechenden. Ein ahd. hera bî, mhd. her bî ist nicht belegt. zurückgang der form zu erbei wird theil 3, 713 …

hiebei

DWB

hie·bei

hiebei , adv. für hierbei ( s. d. ) in ältern schriften und noch bei Kant, häufig, der es später selbst in hierbei änderte: habe ich derwege…

hinbei

DWB

hin·bei

hinbei , adv. hinzu, an einen ort der von einem sprechenden weg liegt. es ist rücksichtlich des ersten compositionsgliedes gegensatz von her…

Nahedabei

Campe

nahe·dabei

◎ Х Das Nahedabei , o. Umend. u. Mz . so viel als das Beinahe . S. d. (Das Accessit ). C.

nebenbei

DWB

neben·bei

nebenbei , adv. wie beineben, vergl. nebstbei. 1 1) örtlich, in unmittelbarer seitennähe wovon. mhd. enëben bî, neben bî: enebene bî dem mer…

Ableitungen von bei (5 von 5)

bebeien

MeckWB

bebeien mit einer Boje versehen, bebojen: der Schiffer ist verbunden, seine ausgeworfeden Anker gehörig zu bebeien (1781) Ro Warn.

beie

DWB

beie , f. fenestra. Maaler 67 . s. bai, baie, es wird auch geschrieben baige ( s. beige): die soldaten warfen zwen der ufrürischen buren in …

erbei

DWB

erbei für herbei: den solten die herren strafen so dick und vil, das er des muede wurde und sie iren schaden erbi quemen ( bekämen ). weisth…

Gebei

LothWB

Gebei Gebäude s. Gebi.

verbei

LothWB

ver-bei s. verbi.