bei ,
apud, ad, von dieser partikel war schon sp. 1202
unter be
die rede, sie wurde mit bin
und bauen
zusammengestellt, und bei
scheint sich zu bi,
wie beo, beon, bium
zu bin
zu verhalten. dem be
für bi
liesze sich bo
für ein älteres bu
vergleichen, doch bu
und bau
treten nirgend als lose deutsche partikeln auf. gilt es einen sinnlichen begrif von bei
aufzusuchen, so bietet sich die vorstellung des wohnens und seins höchst angemessen dar, bei
bedeutet nähe und anwesenheit im bereich und umkreis von personen oder sachen, was dann auf andere zustände anwendung findet; hierin beruht der zusammenhang des räumlichen bei
mit den abstractionen περί und um,
die sich in den urverwandten partikeln abhi
und ἀμφί entfalten. das goth. bi
erscheint nur selten als ein sinnliches wort, meist als ein abgezognes in der meinung unseres um,
d. h. des ahd. umpi,
folglich gr. ἀμφί,
skr. abhi; umpi
aber, ags. ymbe
würden in ihrem ersten anlautenden theil ohne goth. analogie sein, ergäbe sich nicht die vermutung, dasz sie aus verschmolznem undbi
hervorgegangen sind (
wie andbahts
zu ampaht, lindburg
zu limburg, hindbere
zu himbere
wird),
welchemnach auch skr. bhi
sich als einfache form, abhi
als zusammengesetzte darstellt. in umpi
ist pi =
goth. bi
der wesentliche bestandtheil, und bi
nicht durch aphaeresis aus undbi,
vielmehr um
durch apocope aus umpi
entsprungen. alle bedeutungen des bei
und um
müssen aber zurückgeleitet werden auf die vorstellung des seins und wohnens, des beiwohnens
und umwohnens,
des ἀμφί,
περί und circa. chez
aus casa, hos
aus hûs, hiâ
aus heiv
und hiu
sichern den ursprung des bei
aus bau
und beon
vollends. Diese chez, hos
und hiâ
sind jedoch weit sinnlicher und beschränkter geblieben als bei. hos
hat nur den persönlichen bezug auf haus und schutz und geht nicht auf sachen, obschon man allmälich ein dän. hosbunden
beigebunden, hosfölgende
beifolgend wagte, vielmehr den deutschen ausdrücken nachahmte. Das franz. chez,
unsinnlicher als das it. in casa,
sp. en casa
ist gleichwol sinnlicher als bei,
das uns längst nicht mehr den gedanken an bau und haus rege macht. wir sagen noch gekauft bei Gerson, verlegt bei Reimer, chez Reimer,
nicht aber ich bin bei mir,
wie je suis chez moi,
im sinne von zu hause, sondern er ist nicht bei sich
bedeutet uns apud se non est, il est hors de lui,
was sich freilich verstehn liesze, er ist abwesend, seine seele nicht in ihrer wohnung. du warst lange nicht bei mir,
hast mich nicht besucht; er iszt heute bei mir zu mittag (
in meinem hause),
aber ich freue mich, dasz ich wieder bei mír bin,
wieder daheim; bei mír, bei mír zu hause verfährt man anders;
verschieden von jenem béi mir.
Wol aber heiszt es bei uns (
in unserm hause) kam feuer aus; bei uns (
in unserm lande) thut man so; ich wohne bei Blumes (
gramm. 4, 261),
in Bl. hause. vgl. auch beiführen =
heimführen. Bei
und an, bei
und zu
berühren und vertreten sich oft, wer bei dem berge,
steht auch an dem berge; die stadt liegt am Rhein, beim Rhein; setze dich bei mich
ist was setze dich zu mir; ich führe das kind bei der hand, an der hand;
dem ab, von der hand
sind entgegengesetzt bei der hand, an der hand, zu der hand; die reihe ist nun an mir, bei mir;
man spannt die pferde an einander, bei einander, zu einander.
Nur ist, wer genauer zusieht, die nähe von an
und zu
stärker und gerader, als die von bei,
in bei
liegt ein neben, zur seite, im umkreis, circa: der an das feuer
gehende berührt es mit seinen füszen, der zu dem feuer
gehende geht unmittelbar darauf los, ohne es schon erreicht zu haben, der bei das feuer
gehende naht sich von der seite; ich stecke den ring an den finger, bei
wäre daneben; sie hat das band an sich gesteckt, bei sich,
wäre in die tasche; wir sitzen am tische, zu tische,
auch wol bei tische,
doch von dem neben hin gesetzten hiesze es, dasz er bei tische,
nicht daran
sitze. II.
Bei, die praeposition. an ist gerecht für den acc. wie den dat., nachdem es nahen oder bleiben (
bewegung oder ruhe)
ausdrückt. auch bei regiert beide casus, zu hingegen für nahen oder bleiben allein den dat. statt des bei
der ruhe hatte die alte sprache oft den instrumentalis. I@AA.
bei des nahens. Frisch 1, 91
c und Adelung
haben die ansicht, dasz bei
nicht mit dem acc. construiert werden solle, nur mit dem dat., dasz es zwar heisze ich bin bei dir, ich stehe, liege bei dir,
aber ich komme zu dir, stelle, lege mich zu dir
und nicht bei dich. I@A@11)
wahr ist, die strengen mhd. dichter scheinen keinen acc. auf bei,
nach verben der sinnlichen bewegung folgen zu lassen, hin und wieder, schon im 13
jh., dringt er aber doch ein. Lachmann
schreibt mit recht: ir sweher zuo zir saʒ dernidr.
Wh. 251, 5,
ohne einmal anzuführen, dasz die cass. hs. 113
b liest: ir sweher bî si saʒ darnider;
in Glichesers
Reinhart heiszt es 641: eines tages dô gie Isingrîn wider daʒ selbe hûs in den walt,
was der umarbeiter ändert in: er gienc bî daʒ hûs in den walt; si vrâgete, ob her gerûchte nider bî sie sitzen?
gr. Rud. 21, 12; dô huob sich mîn heriscraft ûf bî daʒ waʒʒer.
Alex. 4809.
Weism.; si legite sich bî irn vater.
Athis D, 48; daʒ er dehein ander wîp legete mêr bî sînen lîp. Herb. 8507; ûf slahen daʒ gezelt bî die linde ûf daʒ velt. Heinr.
Trist. 4704; dô man diu wâpen bî in truoc.
Bit. 8942; er schicte sich bî in.
pass. H. 83, 54; disen meiden unde dînen knehten hilf bî dich hin zuo gote. 391, 71,
wo zuo
und bî
zusammen gebraucht sind mit dem unterschiede, dasz bî
mehr den sinn von neben und zur seite, zu
den von hin zu hat; bî die ist gesatzt aldâ Maria Magdalenâ.
pass. K. 5, 25; sô hât man allerleige merterêre bî in gesatzit.
myst. 1, 35;
das sind lauter denkmäler aus dem mittleren Deutschland, dessen spuren in der nhd. sprache überhaupt haften. I@A@22)
derselbe acc. steht bei Luther
ganz fest: als sie in nu sahen von ferne, ehe denn er nahe bei sie kam.
1 Mos. 37, 18; begrabt mich bei meinen vater. 49, 29; die kinder Israel sollen sich lagern ein iglicher in sein lager und bei das panier seiner schar.
4 Mos. 1, 52; tritt bei dein brandopfer. 23, 3; setze dich bei den stein Asel.
1 Sam. 20, 19; Joas aber ward begraben bei die könige zu Samaria.
2 kön. 13, 13; ward begraben zu Jerusalem bei seine veter. 14, 20; man begrub in bei seine veter. 15, 7; und ward begraben bei seine veter. 15, 38; gieng hin und trat bei das rad.
Ez. 10, 6; und er kam hart bei mich.
Dan. 8, 17; die weisheit des geringen bringt in zu ehren und setzet in bei die fürsten.
Sir. 11, 1; gieng hinein und satzte sich bei die knechte.
Matth. 26, 58; und da sie nicht konten bei in komen für dem volk (
goth. ni magandans nêhva qiman imma faura managein).
Marc. 2, 4; da er kam bei die stätte.
Luc. 10, 32; funden sie tod, trugen sie hinaus und begruben sie bei iren man.
apost. gesch. 5, 10; denn wo die heiligen und gelerten mit den gewaltigen und herrn, dazu mit den reichen, nicht wider, sondern bei das recht und die warheit tretten, wer wolt unrecht bleiben? Luther 1, 495
a; die philister lagerten sich bei den Helfenstein. 4, 17
b. I@A@33)
ebenso brauchen ihn andere schriftsteller, zumal dichter: er hiesz in bei die andere sitzen.
Fierabras D 5; es ist schon die axt den bewmen bei die wurzel gelegt. Casp. Guettel
von evangel. warheit. Zwickau 1523. A 3; er lief umbher bei alle thier, und sprach, kompt doch zu helfen mir. Waldis
Esop 1, 6; ich wil gehn bei den weidenpfad. Alberus 41; welchen (
Christum) sie in gleichen grad bei die schaf und lämmer stellen. Fischart
bienenk. 74
b; ich wil mich bei das bad, darin sie pfleget zu baden, niedersetzen. Jul. v. Br.
Sus. 1, 4; kommet ihr aber hie bei mich. 4, 1; es hat die himmelskunst disz ferner auch bedacht, und bei die wage hin den scorpion gesetzet. Opitz 1, 92; erkiest er ihm ein ort, an dem er frei kan sitzen, liegt etwan bei ein quell, sucht schatten an der bach. 1, 63; disz schiflein, das man mag bei deine muschel stellen. 2, 52; hier kan er wie er will, so lang er ist, sich strecken bei eine kühle bach. 2, 158; er wil ihn bei die fürsten hin aus dem geringen staube ziehn.
ps. s. 217; sie kamen nahe bei die insel Malta.
Arg. 2, 117; bei die princessin hingehen. 2, 198; drum wer anhängt allen zechen, ist auch kühnlich einzurechen in die tolle, wilde zunft bei das volk der unvernunft. Logau 1, 2, 13; die gans kom bei das fewr.
ganskönig E 5; nimpt er ihn bei den ermel (
faszt ihn an den ermel).
pers. rosenth. 4, 3; der medicorum, so bei sie gehen. Philand. 1, 187; kamen bei eine vorneme statt. 2, 166; nahm er mich bei der hand, führte mich bei ein fenster. Schuppius 22; Richardi herz wurde bei die minoriten nach Oxford gebracht. Hahn 5, 42; trat dann dicht bei den engel, heran zu dem blutigen leichnam. Klopstock
Mess. 12, 173; näher bei die schulter warf er, ich stiesz in das herz.
werke 8, 230; bäume bei das grab zu setzen. 11, 95; Filangieris kommen diese tage bei mich zu tische. Göthe 28, 38; trat dieser mann zu mir und stellte mich bei fünf stücke auf den höchsten ort des schlosses. 34, 102; ich bitte mich bei Sie zu gast.
an fr. von Stein 1, 294; setze den topf bei das feuer; stelle den stul an die wand; lege die gabel bei das messer; den apfel bei die kleider; du must nicht ausgehen, ohne geld bei dich zu nehmen; ich nehme die arme waise bei mich (
ins haus).
Die deutschheit dieser accusativfügungen wird sich nicht bestreiten lassen. sagt man doch auch mit zusammengesetztem verbum, ohne substantiv, das sich leicht ergänzt und nachfühlt, ich habe den topf beigesetzt, die gabel beigelegt. Göthe
wuste ohne zweifel, dasz es sonst heiszt, bei einem zu tische sein, sich bei einem zu gast bitten;
er wollte also etwas anderes durch den acc. ausdrücken, im brief an fr. von Stein könnte man vermuten: bei sie,
neben sie, an ihre seite gesetzt. ein stellen auf den höchsten ort, bei,
neben die fünf stücke
ist lebhafter gesagt als bei den fünf stücken
wäre. Wenn auch die herschende schriftsprache lieber gehn
und kommen
mit zu
als mit bei
verbindet, wird die trauliche rede das bei
vorziehen: komm bei mich! setze dich her bei die andern! geh bei das feuer und wärme dich!
es ist ein vortheil, kein nachtheil, dasz wir auf dreierlei weise sagen können: setze dich an das feuer, bei das feuer, zu dem feuer,
und mit der vorstellung des bleibens auch noch auszerdem: setze dich an dem feuer nieder, bei dem feuer nieder. bei
ist neben, an die seite, engl. by.
Unangefochten heiszt es, bei seite gehn, einen bei seite nehmen, ziehen, rufen, etwas bei seite,
wie zur seite legen: in seinem maul bei seit hat er an jedem ort ein langen zan. Forer
fischbuch 200
b,
vgl. engl. beside, by the side.
nnl. bezijden. I@A@44)
nnl. hat dieser acc. weit gröszere ausdehnung. man sagt nicht nur iets bij iemand leggen, zetten, stellen,
sondern auch liggen, zitten, staan bij iemand; bij de hand
oder bij der hand zijn; iets bij de hand hebben; bij de haren trekken; bij de hand vatten; bij het licht bezien (bei dem licht besehn); bij de kerk wonen; het schip is bij de kaap gestrand
u. s. w. I@A@55)
das goth. bi
verbindet sich häufig mit dem acc. in der bedeutung des gr. περί,
lat. de (
gramm. 4, 779),
also auf die vorstellung von ἀμφί,
circa zurückgehend. Doch heiszt es Luc. 6, 29
auch stautan bi kinnu,
bei, an das kinn stoszen, zur bestätigung der nahen verwandtschaft zwischen an
und bei,
ihrem sinne wie der construction nach. während aber goth. qiman
die praep. at, gaggan du
neben sich hat, beidemal mit dem dat., findet sich Joh. 11, 19 gaqiman
mit bi
und dem acc., unserm nhd. kommen bei einen
entsprechend. in solchen wörtern beobachtet jede sprache ihre eigenheit, keine aber ohne sich auch mit andern zu berühren. I@A@66)
ahd. pi
mit acc. in der bedeutung von wegen, um, für erläutern hinreichende beispiele bei Graff 3, 11. 12
und praep. 106. I@BB.
bei des bleibens. I@B@11)
das verbum substantivum mit bei.
des unterschieds zwischen béi sich sein
und bei sích sein
wurde vorhin gedacht: du bist nicht béi dir
heiszt, tui compos non es; du bist nicht bei dír,
domi non es. wie ist dir? du bist nicht béi dir? Göthe 14, 220. er war heute frühe bei mir; du bist lange nicht bei ihm gewesen; allerlei thier das bei dir (
in der arche) ist.
1 Mos. 8, 17; es ist auch viel stroh und futter bei uns. 24, 25; der jüngste ist noch bei unserm vater. 42, 13; wie ein tagelöhner und gast sol er bei dir sein.
3 Mos. 25, 40; dasz sie bei dir seien und dir dienen.
4 Mos. 18, 4; ich lis, das einmal brüder kamen zuo einem altvatter, die schwetzten vil, sanct Antonius kam auch zuo dem altvatter und fragt in und sprach: wie gevallen dir die brüder, die bei dir sein gewesen? da antwurt der altvatter, wol. allein das ir stal hat kein thür, wer da wil der got aus und ein, und entledigt den esel. Keisersb.
sünden des munds 75
b. Bei den leuten sein
hiesz ehmals was heute unter den leuten, unter den menschen sein,
in der welt leben, im gegensatz zu von den leuten sein,
in der abgeschiedenheit leben; schon Walther
sang 35, 17: lâ mich bî den liuten; Keisersberg: ich hab darnach gelesen von Platone, der was einist bei den leuten (
in der welt, auf reisen), und iederman sagt von seltzamen dingen, die er in den anderen landen hett gesehen.
sünden des munds 5
b; aber bist du geladen und bist bei den lüten. 28
b; und alle die das hören, werden auch dadurch geschedigt, wenn, so sie also bei inen selber (
zu haus allein) seind, und an denselben menschen gedenken, so fallen sie in hoffertige gedenk. 27
a; bei sinnen, bei verstande sein, bei sich,
seiner sinne, seines verstandes mächtig; bei jahren sein,
bejahrt, alt: ich bin bei jaren und ungestalt.
fastn. sp. 1400; er ist schon stark bei jahren, bei hohen jahren; ist noch bei guten jahren; da man bei jahren, zugleich bei starkem leibe war. Klinger 9, 103; bei guter laune sein; er ist heute nicht bei laune; bei kräften, guter gesundheit sein; er ist noch bei voller kraft; ich bin nicht bei athem; er war nicht bei witz; er war nicht recht bei troste; beim leben,
am leben sein,
in vita esse; da er beim leben war.
2 chron. 10, 6; dasz das kind noch beim leben wäre.
pers. rosenth. 7, 20. die irrlichter schienen wieder gut genährt und wol bei flammen. Göthe 15, 251. der sänger ist heute abend nicht bei stimme. bei gelde sein, bei vermögen; ich bin nicht bei gelde. Schuppius 582; wir sind nicht bei gelde. Göthe 14, 280; und wär ich bei geld, so wär ich bei sinnen. 12, 122. bei tische, beim essen, trinken sein; ich bin noch beim lesen,
noch darin begriffen; wir sind beim ankleiden, ausziehen, baden; wenn herr Eberhard einmal beim erheben über die sphäre der sinnlichkeit ist. Kant 3, 355.
Nicht anders verhalten sich bleiben
und wohnen: bleib bei mir,
verlasz mich nicht; Max, bleibe bei mir, geh nicht von mir, Max! Schiller 384
a; er blieb bei sich, aber sasz todtenbleich da. Göthe 19, 280; sie bleibt nicht lange mehr bei kräften, bei vollen sinnen; ob Christus mit den thieren frölich sei gewesen, die bei im wonten in der wüste. Keisersb.
sünden des munds 42
a; man sicht
gar bald bei was lüten er gewont hat. wonest du bei einem füller, du würst auch also, wonest du bei wüsten lüten, du würst auch wüst. 30
a; ich wohne schon zehn jahre bei dem selben mann. I@B@22)
jenem gehen, kommen, stellen, legen, setzen
mit bei
und dem acc. gegenüber gilt ein anlangen, stehen, liegen, sitzen, schlafen, ruhen
mit bei
und dem dativ, fühlbar hat bei
etwas persönlicheres als an
oder zu; stehen, liegen, sitzen bei mir
kann nicht überall mit an mir
und nirgends mit zu mir
tauschen. du sitzest zu mir
würde aussagen du näherst dich mir; du stehst, sitzest an mir
müste durch hinzugefügtes nahe
oder dicht
deutlicher werden und käme dann auf eins heraus mit bei mir.
vor sachen mögen bei
und an
wechseln: der arzt sitzt an
oder bei dem krankenbette,
aber nicht an,
nur bei dem kranken; der vogel ruhte am gestade
oder beim gestade; das haus steht am
oder beim berge;
dagegen wolan, lasz in diese nacht bei dir schlafen, und er schlief die nacht bei ir.
1 Mos. 30, 15. 16; und sie erwischt in bei seinem kleid und sprach, schlafe bei mir. 39, 7; er sah das ein bauer bei den andern bauern sasz in der urten und hort inen zuo, was sie redten. Keisersb.
sünden des munds 76
a; wo ein clapperman ist, wan der ob tisch bei den leuten sitzt, so redt er on underlasz und es mag niemant vor seinem tadern zuo kumen. 75
a.
Diese sinnlichen stehn, liegen, schlafen, wohnen bei einem
und alle ähnlichen wörter können nun übertreten in die abstractere form beistehn, beiligen, beischlafen, beiwohnen,
haben dann meistentheils dative der person neben sich und empfangen eine bestimmtere bedeutung. aus dem bei einem stehn
entfaltet sich die vorstellung des helfens, aus dem bei einem gehn
ein unpersönliches mir geht bei
u. s. w. da die partikel bei
dieser zusammensetzungen in gewissen lagen trennbar wird, so könnte zweifel entspringen, was im einzelnen fall gemeint sei, stehn bei
oder beistehn?
hier entscheidet aber die stelle der praeposition, die ihrem casus vorausgeht, und der partikel, die dem dat. nachfolgt. der praepositionale ausdruck ich stehe bei dir, ich will bei dir stehn
hat gröszere sinnliche kraft als der blosz adverbiale ich stehe dir bei, ich will dir beistehn.
dieser findet sich z. b. in folgender stelle: ain clausen stund mir nahen bei. Schwarzenberg 150, 2;
jener aber in: und hörn, ob sie wölln bei uns stehn. Alberus 54
b; die werden freilich bei uns stehn. 56
b; wann ihr wolt, dasz euch wol sol gehn, so müszt ihr beieinander stehn. 148
b. I@B@33) bei sich haben,
im hause, in der tasche, am leibe, im kopfe, zur hand haben: sie hat nur ihre tochter bei sich; zur zeit seines todes hatte er niemand bei sich als einen alten bedienten; nam die kleider die sie bei sich im hause hatte. 1
Mos. 27, 15; also ist jetz Georg Friderich, der hat allein die tugenden bei sich. Weckherlin 428,
herbergt alle tugenden. reiste ab und hatte alles bei sich was ihm von geld übrig war; ich habe keinen heller bei mir (
sur moi); ich kann nicht mahlen, weil ich die farben nicht bei mir habe; das ich bei meinen handen habe. Ayrer
proc. 1, 4; der abbé, der schon viel wein bei sich hatte, forderte das ganze geisterreich in die schranken heraus. Schiller 719; meine nase blutet und ich habe kein schnupftuch bei mir. I@B@44) halten, fassen, greifen, zupfen, nehmen, erwischen: die führ mir her bei ir sneweiszen hant.
fastn. sp. 585, 1; bei den ohren, armen, beinen halten; beim kopfe, halse, beim rockzipfel fassen, nehmen, kriegen; wann der wolf das schaf bei der gurgel erwüschet, so hat er gewunnen. also der teufel, wan er uns bei dem frasz erwüschet, so hat er genuog. Keisersb.
sünd. d. m. 3
b; wer da ringt mit eim und in erwischet bei der gurgel, der hat die sache wol gewunnen. also wann der tüfel einen bei dem hals erwischt des fraszes oder bei der macht der unküscheit. 9
b; sich in die lefzen beiszen und bei dem bart ropfen, oder sich bei dem or pfetzen, da man dem knaben die meisen ausnimmt. 23
a; als wan man ein hündlein imermeder bei den oren züpft. 42
a; strecke deine hand aus und erhasche sie (
die schlange) beim schwanz.
2 Mos. 4, 4; zupfe dich bei (an) deiner eignen nase; bei der nasen füren. Murners
schelmenz. 7
a; und sie erwischt in bei seinem kleid. 1
Mos. 39, 12; einen beim mantel niederziehen, beim kragen reiszen, bei den armen, ohren emporheben; etwan ein schrift oder zwo bei dem hals herbeizuziehen. Fischart
bienenk. 91
a; und liesze ine darzwischen bei dem hals greifen. 106
b. bei sich behalten,
verschweigen: du kannst nichts bei dir behalten; er wust auch, das in Judas hingeben wurd, er hat es aber niemants gesagt, er hat es bei ihm behalten. Keisersb.
sünden des munds 73
a; er hat sunst verheiszen soliche ding ze verschweigen und bei im ze behalten. 72
a. erhalten: das erhielt mich beim leben. anfangen, anheben: fang nur bei dir selbst an (
zu tadeln); ich fange beim letzten capitel,
hinten an,
früher sagte man an (
gramm. 4, 860). I@B@55) kennen, merken, wissen, nennen: man kennt ihn leicht bei (an) seiner langen nase, bei seinem rothen haar; alle welt verachtet sie (
die zweizüngigen menschen), dan man erkennt sie bei der grinthauben, die kümpt einem gar kum ab dem kopf. Keisersb.
a. a. o. 68
a; aber ich kenn dich bei den langen oren, dasz du ein esel bist. 9
b; bei den dreien stucken wirst du wol innen, wie er ein mensch ist. 54
a; das wissen die frauwen wol bei iren mannen, wenn sie zuo nacht heim kummen und foll seind, so sein sie frölich und guoter ding, und sunst nimmer. 9
a; man erkennt den mann bei (an) seinen handlungen. einen bei (Luther
sagt mit) seinem namen nennen; der nachtwandler erwacht, wenn man ihn bei namen nennt; denn sie feirten des freundlichen jüngferchen hochzeit, ach der schönen Luise. denn nur beim namen genannt sein wollte sie, schlecht und recht. 3, 526. I@B@66) schwören, betheuern.
goth. svaran bi himina, bi haubida;
ahd. suerian pî himile;
mhd. swuor bî sînes vater sêle (
gramm. 4, 847); bî dem eide sagen,
eidlich versichern. MS. 1, 77
b; bî dem eide jehe. 2, 47
b; vriunt, ich sage dir bî
got. Helbl. 7, 338.
nhd. schwören bei gott, bei dem schwert, bei dem himmel, bei den sternen, bei allen himmlischen mächten; und Jacob schwur im bei der furcht seines vaters Isaac.
1 Mos. 31, 54; ich habe bei mir selbs geschworen spricht der herr. 22, 16; also auch soll im ein mensch ein straf uflegen, wenn er schwert bei gott, das er so dick ein helbling wöl geen umb gottes willen. Keisersb.
sünden des munds 23
a; als so du etwas verkaufest und schwerest bei got es ist gut. 2
a; dann schwören wir herzlich bei ja und bei nein, im leben und tode getreu uns zu sein. Bürger; er schwur sich bei allem, was heilig und hehr, auf ewig zu ihrem getreuen.
häufig aber mit ausgelassenem verbum: bei gott, beim himmel, bei allen heiligen; bei göle,
medius fidius (
sp. 1291); bei gott, ich kann nicht. Gotter 3, 90; bei meiner treue,
par ma foi; bei meinem bart,
par ma barbe; oho raupennest, das wer bei dem versteinigten steininen Stephan ein gar zu vil herbes und bitters pillulein auf einmal.
bienenk. 45
a; bei diesem licht, das uns zuerst begrüszt vor allen völkern. Schiller 531
b; o gott, bei deinem sonnenschein, fast möcht ich nie geboren sein. Bürger 38
a; ich will einst bei ja und nein vor dem zapfen sterben, (mihi est propositum in taberna mori).
Auch, ich denke bei mir, ich sagte bei mir, ich überlegte bei mir im stillen, ich hatte bei mir beschlossen. I@B@77) gebieten, befehlen, verbieten, warnen, sich hüten sollen. es ist verboten bei dem strang, es wird bei wasser und brot verboten, geboten; bei leib und leben;
mhd. unz iʒ diu kunegîn virbôt bî dem halse und bî der wide.
kaiserchr. 10085.
daher das häufige bei leibe,
unter androhung von lebens und leibesstrafe, bei leibe nicht,
ja nicht: hüte dich bei leibe, das du nicht mit deinem dünkel drein fellest. Luther 3, 432
b; ein kind sol bei leib nicht sein gehorsam gegen vater und mutter verachten. 4, 414
b; bei leib, laszt euch nit bereden. 6, 349
b; man sol die beicht oder absolutio bei leib nicht lassen abkomen. 6, 520
a; das kein einwoner berüren darf und alles bei leib auf der erden ligen bleibt. Frank
weltb. 77
b; bei leib seh zu! Alberus 12; thut solchs bei leibe nit! Waldis 141
a; bei leib nit! Kirchhof
wendunm. 324
b; o nein, die decreten und decretalen müssen wir bei leib in ehren halten.
bienenk. 30
a; bei leib dasz (
ne).
Garg. 71
b; nein bei leib. 204
a;
Petr. 216
a;
Simpl. 2, 380; das beileibe nicht!
a. m. im Tockenb. 278; kommen mir vor wie die hecken, die meine bauern gar schlau um ihre felder herum führen, dasz ja kein hase drüber setzt, ja beileibe kein hase! Schiller 106
a.
auch bei dem eide, bei der strafe verbieten: das im bei seinem eid verbotten ist. Keisersb.
a. a. o. 9
a; und solchs bei strafe des bannes oder harter gefengnus.
bienenk. 42
a; bei strafe ewiger verdamnus. 50
b. I@B@88) schwanger werden, zeugen, gebären, ein kind haben
construierte die alte sprache mit bei (
gramm. 4, 783. 853): alsus wart si derselben naht swanger bî ir bruoder.
Greg. 229; bî der Gahmuret ein kint gewan, des disiu mære sint.
Parz. 455, 21; ein mœrinne ûʒ Jetakranc Josweiʒ bî im gebar.
Wh. 386, 19; o Fritz, lasz von dem hochmuet dein, ich trag bei dir ein kindelein.
altd. bl. 2, 139; bleib si ein witwen, das si die letsten kind bi dem man uberkummen dester basz mechte erziechen. Tho. Plater 34.
man kann treffend auslegen an der seite (
des mannes oder der frau),
und die nl. sprache bediente sich der praep. an: dit kint an u wan.
Lanc. 24307; an hare wan hi enen sone. Maerl. 3, 268;
aber auch ein abstractes von
annehmen, wie das engl. by
häufig für von
steht und die gr. sprache zu τίκτειν ὑπό fügt. I@B@99)
jenes kennen, erkennen
unter 5
liesz bei
und an
zu, erlangt aber leicht die bedeutung durch: bei des menschen lieblicher gestalt und schönen geberden merkt man, dasz ein verstand und tugend dahinden ist. Alberus 1
b.
auch die verba senden, entbieten, schicken
haben dieses bei =
durch neben sich: ouch sante si bî ir dan.
Iw. 3453; ir enbutet mirʒ bî ir. 7751; ohn das ich bitte, mir solchs bei diesem boten zu verstandigen. Luthers
br. 3, 2; und schickens euch nun wieder bei eurem boten. 3, 123; und uns zukomen lassen bei diesem boten, der darauf ist ausgesandt. 3, 529; mir ist von meinem gnedigsten herrn von Menz ein kaiserlich mandat bi einem geschwornen botten zugeschickt. Reuchlin
augensp. 2
a; und also hab ich meinen ratschlag meinem gnedigsten herrn verschlossen und versorgt bi ainem geschwornen botten zugeschickt. 3
b; den mörsel bei seinem schüler der frawen heimschicket.
Bocc. 2, 77
b; ich hab euch gschickt ein flaschn mit wein, und ein hafen mit pfeffer zu dem. der gardian sprach: mein herr, bei wem? der burger sprach: bei meinem son. H. Sachs IV. 3, 73
d; Alba hab mirs zu spot gethan, dasz sie den brief bei im gschickt han. Ayrer 22
a; den soll er auf dem mere tief bei eim botten euch zusenden. 369
a; er ist zu Münster mein beichtvater gewesen und bei dieser post will ich an ihn schreiben. Schuppius 255; relation aus dem parnasso, welche bei jüngster post Mercurius anbracht hat. 564; dasz Paulus bei (
unter) dem buchstaben anders nichts verstanden dann das gesatz.
bienenk. 70
a. I@B@1010)
zuweilen nimmt bei
die bedeutung von um
und für
an: er läszt sein leben bei ihm,
um ihn; der wein brachte Alexandrum dahin, das er Clitum seinen besten freund umbracht, bei dem er sonst sein leben het gelassen. Frank
trunkenh. C a; er würde das leben bei dieser wahrheit lassen; dasz sie wolten leib, hab, gut und blut bei einander aufsetzen und für einander in den tod gehen. Schuppius 545.
den sinn von an
hat bei
in folgenden stellen: da beginnet der hund zu reden, warumb sie also bei ihm handelten?
pers. rosenth. 1, 6; wie unchristlich Butyrolambius und sein anhang bei Antenorn (
an Antenor) handeln, indem sie ihn bei dem gemeinen mann wollen stinkend machen. Schuppius 839. I@B@1111)
sehr oft dient bei (
neben)
zu örtlichen, räumlichen bestimmungen und kann dann auf jedes verbum folgen: sihe so stehe ich hie bei dem wasserbrunn.
1 Mos. 24, 43; er wonete bei dem brunn des lebendigen und sehenden. 25, 11; mir treumete, ich stunde am ufer bei dem wasser. 41, 17; da wir bei den fleischtöpfen saszen.
2 Mos. 16, 3; da trat der engel des herrn in den pfad bei den weinbergen.
4 Mos. 22, 24; da kam er in ein dorf und wolt sich wermen, wann es was kalt, da sasz der priester bei dem feuer. Keisersb.
sünden des munds 62
b; und ha ha ha mach, das man das bei der pfalzen möchte hören. 49
b; allerlei bilder bei allen wegen, auf allen straszen, in allen ecken aufrichten.
bienenk. 20
b; die feinde zogen sich schritt vor schritt kämpfend zurück und man focht noch bei den wagen; der Rhein ist bei Mainz breit; dicht bei dem zaun flog ein trupp vögel auf.
Das verbum braucht gar nicht ausgedrückt, und kann entweder in einem substantiv enthalten, d. h. nachgefühlt sein oder hinzu gedacht werden: ein angenehmer aufenthalt bei den bäumen, eine wohnung bei dem meer, an der küste,
goth. faur marein; die klage bei der tennen Atad.
1 Mos. 50, 11; der weisze berg bei Prag; die schlacht bei Hanau, ein pfalzgraf bei Rhein; Elisabeth pfalzgrävin bei Rhein. Weckherlin 337.
Auch zur messung des raums: welche jagd bei einer halben meile vom dorfe angestellt war.
pers. reiseb. 4, 43; indes wäre es doch möglich, dasz einmal auch ein alter künstler, nach ihrer art zu reden, der liebe und den grazien weniger geopfert und hier bei hundert meilen an die liebe nicht gedacht hätte. Lessing 8, 237; diese beiden städte liegen bei zehn meilen von einander fern. I@B@1212)
noch öfter erscheint es bei zeitangaben, wozu man sich leicht ein participium denkt: ich arbeite nur bei tag (
bei währendem tag, so lang es tag ist); bei anbruch des tags reiste er ab; alle züge des schlafenden erkannte ich bei anbrechendem tag; du wolltest entfliehen und bist noch da bei hellem tag?; welches noch heut bei tag (
heutzutage) in allen mesbüchern geschriben stehet.
bienenk. 203
b; ein lämpchen gibt bei nacht seinem tische sparsames licht; seine augenschwäche verbietet ihm abends oder nachts bei licht zu lesen; heere von gedanken und sorgen quälen den schlaflosen bei stiller nacht; bei nacht sind alle kühe schwarz; wir harrten lange, er kam noch bei später nacht; als ein katz bei nacht. Keisersberg
sünden des munds 9
a; da kam der teufel in gestalt einer frawen bei nacht einist an sein zell und klopfet
an. 57
a; den juden ordentlich gefolgt, wie ein fromme nonn bei finster nacht irer priorin.
bienenk. 54
b; wenn bei geheimer nacht ümm sein geliebtes haus ein muntrer buhler wacht. Fleming 649; euch selber werdet ihr bei nacht ganz offenherzig eingestehn, dasz ihr den sonderling nur macht. Gökingk 1, 20; uns spricht der scheinfreund, so wie du, allein bei guten tagen zu. Hagedorn 3, 99; o wo ist bei unsern tagen kaiser Probus zu erfragen? Logau 1, 1, 92; dasz deine mutter dich neun monat hat getragen ist viel. jetzt duldet dich niemand nur bei neun tagen. 1, 4, 30; der hunger wird bei unsern tagen hinein, das reichthum ausgeschlagen. 1, 6, 6; meine mutter war der hunger. seit sie mich aus sich geboren, hat sie sich bei keinem tage noch zur zeit aus mir verloren. 2, 1, 91; wann den stab bei letztem tage Christus wird gerichtlich brechen. 3, 4, 74; alt von jaren, frisch von lastern ist die welt bei unsern tagen. 3, 3, 10; sanct Magnus, der heilig würmsturmer wöll den lieben catholischen imenstock für imenfraszen, hummeln und krautwürmen (
raupen) bei disen heiszen hundstagen ritterlich beschirmen.
bienenk. 51
a; mein liebes kind, das ich bei dreien jaren gesäuget. 2
Macc. 7, 27; bei meinen jungen jahren kränkelte ich viel; do ich bei meinem vierzehnten jar zu Magdeburg in die schule gieng. Luther 6, 9
b; darnach villicht bei eim halben jar. Tho. Plater 8; die was zwar wol bei sechzehen jaren.
fastn. sp. 545, 16; (Mars) itzt aus dem himmel ist bei zweimal sieben jahren, und was noch drüber lauft. Fleming 65; indessen dasz der Mars bei zweimal sieben jahren annoch nicht grausam satt berennt und angefahren mein werthes vaterland. 70; bei sechsmal hundert jahren hat Rom sich frisch und stark bei kohle können sparen. 73; dem kriege zieh ich nach nun bei so vielen jahren. 110; es denkt mich noch ein spiel bei meinen jungen jahren, drin ich ein könig war, da andre knechte waren. Logau 1, 1, 84; fürs vaterland sein blut vergieszen hat weiland man zu rühmen wissen. das blut dem vaterland zu sparen ist jetzt ein ruhm bei unsren jahren. 1, 4, 58; Pulla hat in schwarzem tuche bei drei jahren zugebracht um den mann. verstehts nur eigen. dieses tuch das war die nacht. 3, 9, 50; frische läs von neuem rebenbaum, den Phöbus erst erfunden bei wenig jaren her. J. Romplers von Löwenhelt
gebüsch seiner reimgedichte. dedic. s. 1; dasz sich bei etlichen jaren her vil schöner gaister herfürgethan.
s. 9
der vorrede; der bettler freute sich lächelnd seiner list, denn bei (
seit) jahren war er nicht so reich gewesen. Hegner
molkenkur 3, 9; manna fiel am sabbath nicht, sonst bei allen morgen immer. Logau 2,
zug. 67; da liesz er sie bei vielen wochen als brot und wasser nichts versuchen. 1, 7, 11; wie sehr er dich gesucht bei einer halben wochen. Fleming 649;
mhd. bî der zît, bî der stunt, bî der vriste,
tum; nhd. bei zeit,
frühe; aber dank hab unser liebe frau von Antorf, dasz solchem bei zeiten mit allem fleisz und müh ist begegnet und vorkommen.
bienenk. 5
b; bei der zeit,
tum; bei der hochzeit unseres töchterchens.
Luise 3, 610; erinnere dich bei rechter zeit deines versprechens; sich bei zeit, bei früher zeit aufmachen; komm fein bei zeit, bei zeiten; hübsch bei zeiten; bei zeit gewent si (
die kinder) guter ler. Schwarzenberg 127, 1; also guot übung bei der zeit macht angeborner laster queit. 143, 2; bei dieser tummen zeit. Logau 1, 5, 38; Deutschland, bei der alten zeit, war ein stand der redlichkeit. 1, 6, 18; die gelehrten sind nicht gerne von den alten und den rothen, dann sie sind bei allen zeiten untermischet mit den todten. 2,
zug. 65; und so entdeck ich selbst, was, auch bei wachen stunden, ein Deutscher, ja sogar ein domherr ausgefunden. Hagedorn 1, 17; ich stelle mir oft bei müszigen stunden vor. Claudius 1, 21; heute schon bei frühen stunden war das schicksal der schlacht entschieden; bei weilen,
interdum. Wickram
rollw. 49; dasz auch bei weilen grosze schif undergehen.
Petr. 108
b; bei weilen zwei beieinander, bei weilen drei zugleich.
bienenk. 177
b.
Wie bei zeit
auch bei früher, guter tagszeit, bei sommerszeit, bei winterszeit,
oder mit ausfallendem zeit,
nur bei tags; bei anbrechenden tags.
pers. baumg. 8, 6; bei sommers, bei winters. bei wind und wetter ausgehen, bei schönem wetter ausfahren; bei nacht und nebel ausziehen; bei eisigem regen und winden. Bürger.
für einzelne dieser zeitbestimmungen gibt aber unsere heutige sprache dem an, in, zu
den vorzug und sagt: am letzten tage, in meinem vierzehnten jahr, ni
oder zu dieser zeit.
zu bemerken ist auch der acc.: in dem hause, worin dieses geschlecht bei die dreihundert jahren (jahre) ihre wohnung gehabt. Brandts
Taubmann s. 60,
wie wir sagen: an die dreihundert jahre. I@B@1313)
ausdrucksvoll bezeichnet bei
vor pluraldativen, was wir sonst durch angehängtes weise
wiedergeben, die sich folgende reihe: das gieng alles zu Noah in den kasten bei paren (
männchen und weibchen paarweise) von allem fleisch.
1 Mos. 7, 15; der schwarzen mäntel lange zahl begleitet ihn bei paaren. Hagedorn 3, 115; alles lief bei haufen (
turmatim) herzu, bei scharen (
catervatim); da liegen sie bei haufen (
haufenweise).
richt. 15, 16; die feinde fliehen bei haufen; Luther
setzt auch mit haufen: lasset sie sich setzen bei schichten (per convivia), ie funfzig und funfzig.
Luc. 9, 14,
wofür Marc. 6, 40 nach schichten; eine waare bei fässern, bei ballen, bei pfunden kaufen; was man bei groschen einnahm, bei thalern ausgeben; das korn liegt niedergemäht bei schwaden; etwas bei tropfen (
guttatim) kosten; im beisein der alten verstellt sich die jugend, sie trinkt nur bei tropfen, sie durstet vor tugend. Hagedorn 3, 74; du bist ein tiefer, bitterer kelch, ach tränk ich dich nicht bei tropfen, leert ich mit einem zuge dich aus! Klopstock 2, 40. zwar rinnt in ihren kelch auch bittres wie in unsern, doch leicht zerflöszbar rinnts und bei tropfen. 2, 77. bei stufen (
gradatim) aufsteigen.
Besonders auch vor zahlwörtern: bei zweien, dreien, zehnen traten sie auf; bei dutzenden, hunderten, tausenden: die austern bei dutzenden verschlucken; die heiden wurden bei hunderten getauft; fieber, welche die fremden bei tausenden wegraften. Niebuhr 2, 612; wer sie bei tausenden will auf die probe nehmen, wie du gethan, hochweiser mann, musz sich bei tausenden der probe freilich schämen, wird drüber wild und lästert dann. Lessing 1, 9; ei was, es wär nicht geckerei, bei hunderttausenden die menschen drücken, ausmärgeln, plündern, martern, würgen, und ein menschenfreund an einzeln scheinen wollen? 2, 211; ein schlag mit seinem zauberstab heiszt welten um uns her bei tausenden entstehen. Wieland 9, 96; seiner edlen völker söhne kamen bei tausenden zur huldigung. Bürger 78
a; die schranken der vernunft sind durchbrochen und der wahn drängt sich bei tausenden (
in tausend gestalten? oder bei tausend menschen?) durch dieselbe lücke ein. Kant 10, 54.
vgl. auch: er wiederholte es bei drein malen; er ächzt und heult bei tausend malen. Göthe 56, 13.
Gleiche wirkung mit diesem dat. pl. hat ein wiederholter dat. sg. mit der praep. in der mitte: schar bei schar; mann bei mann (
viritim); par bei par: sie näherten sich paar bei paar. Geszner
Daphnis 10; stufe bei stufe; tropfe bei tropfen; stets pfeiler bei pfeiler zerborst und brach. Bürger 37
a,
was doch nicht meint pfeilerweise. statt bei
darf aber auch an
stehen: paar an paar, tropfe an tropfen (
sp. 287), pfeiler an pfeiler, mann an mann. I@B@1414)
verschieden ist die häufung zweier verschiedner substantive neben bei: er versichert bei treu und glauben; bei ehre und seligkeit; er wird bei haut und haar gestraft; es wird alles bei heller und pfenning bezahlt; es trift zu bei heller und pfenning,
convenit ad numum. in beiden letzten stellen hat bei
die bedeutung von bis auf, bis zu,
usque ad, wie es auch vor einfachem subst. der fall ist: es trift bei einem haar zu; ich verspendierte alles bei éinem heller.
Simpl. 1, 178; und ist dieser haufen fast gar bei éinem (
bis auf einen) jämerlichen umbkomen. Fronsp. 3, 137
a;
vgl. auch bei pfennigen genau sein. Leisewitz
br. s. 219. I@B@1515) bei
vor persönlichen wörtern, wie lat. apud: bei gott ist ruhe und friede; bei gott gnade zu erwerben.
bienenk. 38
b; bei gott ist erbarmen; bei gott ist kein erbarmen, o weh, oh weh mir armen. Bürgers
Lenore; bei dem adel herscht stolz und übermut; bei rath (
dem Frankfurter senat) wurden überlegungen gepflogen. Göthe 24, 28; mein glück steht bei dir; es steht jetzt bei ihm zu entscheiden; bei den lutherischen war es mein eheweib, bei euch ist es mein kebsweib.
bienenk. 39
b; den schlüssel muosz man bei gott holen. Keisersb.
sünden des munds 82
b; wir lesen bei den dichtern; ich habs bei Göthe gelesen; es kommt bei Lessing vor; er hat bei Niebuhr gehört; er steht gut angeschrieben beim alten herrn; aber der knabe Samuel gieng und nam zu und war angeneme bei dem herrn und bei den menschen.
1 Sam. 2, 26; er ist verhaszt bei allen leuten. I@B@1616)
vermischte fälle des bei
vor substantiven. wir brachten den abend bei spiel und tanz zu (
inter ludum et choream); als Carlos mit der königin und mir beim spielen sasz. Schiller ... vor dem spiegel geht der morgen und beim spiel der abend hin. Gotter 1, 49; beim trunk (
inter bibendum) gehört ein könig, so wars vor alter zeit, der, trinkt ein gast zu wenig, ihm dreimal drei gebeut. Voss 4, 135. bei holz, bei kohlen kochen: dasz die Sabaei bei den weihrauchbäumen kochen, wie wir bei dem eichen und büchen holze. Schuppius 151. das wort gottes sei ein liecht, bei dem (
quo lucente) der dieb ergriffen werd.
bienenk. 35
a; was ist es denn wunder, wann auch der rö
m. kirchen bei dem geruch des worts gottes onmächtig wird? 35
b.
sehr oft hilft bei
in der rede übergänge und zwischensätze bilden: bei diesem handel kam manches bisher verborgen gehaltne an den tag; bei solcher lage der sache ist es rathsamer abzustehn; bei solchem anlasz müssen wir bedacht sein unser altes recht zu behaupten; bei diesem streit hattest du doppeltes unrecht; ich rathe, bei der groszen theuerung, die jetzt herscht, mit dem kauf noch zu warten; jener (
Laertes) war, bei allen seinen fehlern, mit seinen sonderbarkeiten wirklich ein interessanter mensch. Göthe 19, 111; bei (
trotz) allem nachforschen konnte man den körper nicht finden. 20, 273; aber ach, schon fühl ich bei dem besten willen befriedigung nicht mehr aus dem busen quillen. 12, 65; wenn sein gegner ihm bei gelegenheit (
data occasione) denselben streich spielt. Kant 5, 119.
Nah genug liegt auch ein übertritt des bei
in die bedeutung von nach: ich werde dir gleich bei (nach) meiner ankunft schreiben; bei gethoner arbeit ist guot feiren. Frank
spr. 1, 61
b,
wenn, nachdem die arbeit gethan ist, wie goth. die praep. at
dem absoluten particip in solchem sinn vorsteht (
gramm. 4, 898). einen wechsel bei sicht,
nach sicht bezahlen. I@B@1717) bei
vor adjectiven, nur in einzelnen, bestimmten fällen. I@B@17@aa) bei weitem,
longe, utique; bei weitem nicht,
minime; o bei weitem nit. Fischart
bienenk. 14
b; dies ist bei weitem besser, er ist bei weitem der schönste,
longe pulcherrimus; das ist bei weitem noch nicht alles. Adelung
wollte bei weiten,
wozu die mhd. bî langen, be langen (
tandem).
Er. 8406. Fuoʒesbr. 86, 76.
Diut. 1, 403. 412. 428. 429
stimmen würden, wo sie nicht auf ein dunkles ahd. pi langanemo (Graff 2, 229)
zurückgehen, das nicht vom adj. lanc
herrühren kann. doch heiszt es schimpf und ernst 247
gleichfalls bei langem,
endlich, in die länge hin. das mhd. adv. wîten,
ohne praep., ist aber ahd. wîteno.
man sagt ferner, ich kann bei nahem,
das buch nahe gehalten, nicht lesen,
vgl. beinahe. es ist alles beim alten, es soll beim alten bleiben. bei vielem, was er weisz, ist zu tadeln, dasz ers nicht versteht anzuwenden; man kommt auch bei wenigem aus. bei allem, was du mir sagst, beruhige ich mich. bei allem dem, bei dem allem, bei alle dem (
ahd. pi alliu, allû, pi diu alliu),
trotz dem: bei alle dem ist er ein ausgezeichneter mann; bei alle dem bliebe noch viel zu wünschen übrig; die armen fakirn, bei allem dem, ihr schicksal war hart. Wieland 8, 191; bei allem dem war ihm doch, als ob ihm eine leise stimme in seinem busen sage, Danischmend könnte sich demungeachtet über ihn zu beklagen haben. 8, 417; jene fragen würden wir bei allem dem doch nicht beantworten können. Kant 2, 266; bei allem diesem ist ihr urtheil nur negativ. 8, 513. I@B@17@bb)
vor superlativen: sie kämpelten mir haar und bart beim zierlichsten.
Simpl. 1, 634; das ist beim allerbesten. 2, 90; Ludwig sahe nicht beim liebsten, dasz Sigismundus sich an das ostgothische haus verheuratet. 3, 361.
heute sagt man: aufs zierlichste, am besten, sah es nicht allzu gern. IIII.
Bei als adverb. II@11)
sind verba zusammengesetzt mit bei,
so kann es sich in den bekannten lagen der fügung lostrennen und ihnen nachtreten. den unterschied der frei zu dem einfachen verbum gesetzten praeposition bei
von dem adverb der composita lehrte die erste anmerkung zu I, B.
kaum aber darf man zweifeln, dasz die composita eben aus jener ursprünglich losen stellung der praeposition erwachsen sind, die gehemmtere bewegung zugleich mit einem wechsel der bedeutung zusammen hieng. zuerst hiesz es ich stehe bei dir, ich will bei dir stehen,
hernach ich stehe dir bei, ich will dir beistehn.
die praeposition geht im alter der adverbialpartikel voran. der hund springt bei mir
drückt ganz die sinnliche vorstellung aus er geht in sprüngen neben mir; der hund springt mir bei
aber schon die abgezogne des helfens, er springt heran, um mich zu schützen. in jenem springen bei mir
war noch kein gedanke der hülfe. von den bei dem tisch sitzenden
männern unterscheiden sich die beisitzenden
dadurch, dasz sie dem amte, dem rechte nach diese stelle, um ihnen obliegende geschäfte zu verrichten, einnehmen. dem zusammengesetzten wort tritt ein begrif hinzu, der zwar durch den sinnlichen bedingt, noch nicht entfaltet darin enthalten war. meiste ähnlichkeit haben die zusammensetzungen mit an, doch so, dasz sich feinere unterscheidungen für jede dieser partikeln entfalten. II@22)
vor dem nomen nimmt schon die partikel feste stelle ein, d. h. das bei
in beistand, beisitz
kann sich gar nicht mehr abtrennen, wie in beistehen, beisitzen
zuweilen noch; mit andern worten, bei
haftet am nomen, wie an der indirecten verbaläuszerung, während die directe es noch los liesz. der indirecte infinitiv kann alsbald nominal werden und das beistehen, beisitzen
drückt aus was beistand, beisitz.
häufig führt dies bei
die vorstellung des nebenher bestehenden, geringeren, unechten mit sich: beischmack, beiweib (
concubine), beischlag (
falsche münze), beiname,
ungünstiger nebenname. II@33)
die zusammensetzungen mit be, welches ein geschwächtes bei
ist, sind weit zahlreicher, stehn aber doch in merkbarem, wiewol fernerem verhältnis zu jenen auf bei. bestehen, bespringen, besitzen
rühren an beistehen, beispringen, beisitzen
und bestand, besitz
an beistand, beisitz.
allein mit dem geschwächten laut scheint auch die sinnlichkeit der vorstellung bei
in diesem be
gemindert, und jene oben am goth. bi
hervorgehobene abstraction entsprungen. meistens sind die verba mit be
transitiva und den acc. verlangend, die mit bei
intransitiva, von einem dat. begleitet; als composita müssen dagegen die mit be
an alter denen mit bei
vorausgehen, weil dies erst allmälich und später am einfachen verbum haftete, das untrennbare be
von alters her. darum entfernen sich auch die bedeutungen. bestehen
heiszt den feind umstehen, angreifen, der besitzende
behauptet das durch leiblichen sitz in seine gewalt genommene feld. Hin und wieder bricht dennoch die verwandtschaft zwischen beiderlei zusammensetzungen durch. so reicht das intransitive bestehen
schon nahe an stehen bei etwas; beschaffen
an beischaffen; bewohnen
nahe an bei einem wohnen, beiwohnen; behelf
an beihülfe; beseit
an beiseit; behändigen, behende
an bei der hand; befleischt
an bei fleische; bejahrt, betagt
an bei jahren, tagen sein.
in dem wort beibehalten
finden sich beide partikeln zusammen, nicht anders, doch unmerklicher, in beibleiben.
neben befahren
vereri gilt beifahr
metus, timor. II@44)
los wird also das adverbium nach dem gesetz dieser composition überhaupt in der directen verbaläuszerung: ich stehe dir bei, stehe du mir bei;
in der indirecten durch zwischentretendes zu: dir bei zu stehen,
was wir schreiben dir beizustehen.
kühnere rede wagt auch noch einschiebung anderer wörter, wie wenn Logau,
an die fichte, singt: ich pflege mich dir bei in freies blaw zu paaren. 1, 8, 99
s. 192,
was sich nehmen läszt dir beizupaaren
oder bei dir zu paaren. II@55)
gern treten der partikel auch noch andere, zur verstärkung, vor, gar bei, ganz bei, dicht bei, nahe bei: nun zuo dem ersten so ist hinderred ein gemeine sünd, wann von disem laster gar bei (
beinahe) die ganz welt verdirbet. Keisersb.
sünden des munds 28
a; aber es verderben darumb nit alle menschen, sunder gar bei, das ist vil menschen verderben damit. 28
a; aber also genouw wil ich ietz nicht davon reden, sunder durcheinander, wann hadern und zanken seind gar bei zwo hosen eins thuochs. 41
b; die gar bei unzaliche lest und bürdin.
hell. lewe 27; die gar bei der mann kellerin sein.
post. 3, 6.
nächstdem häufen sich anbei, vorbei, nebenbei,
wofür auch beian, nebenher
und beiher
gelten: das beiher! (
das sei nebenbei gesagt). Lessing 2, 173; beiab, beizu
für nebenab, nebenzu, nebenhin
sind selten. II@66)
nicht ganz unauflösbar sind die pronominalanlehnungen dabei, wobei, herbei, hierbei: man kann ja den teufel nirgend so wol bei kennen, als bei der lügen und zwiespeltigkeit im glauben. Luther 3, 286,
d. i. nirgendwobei; wo der lügengeist regiert, da ist der mordgeist auch bei. 4, 438
a = dabei ist auch
d. m.,
wir sagen heute, da ist der mordg. auch dabei; dann da ist kein vortheil bei.
bienenk. 60
b; nicht was ich hörte, wo ich selbst bei war, erzähl ich, Perser. Stolberg 15, 143, wobei
ich selbst war. denn zusammengesetztes bei ist, bei war
läszt sich hier nicht annehmen. Die trauliche volkssprache gestattet sich dergleichen sonderungen leichter: da bin ich gern bei, da will ich auch bei sein;
wo die schriftsprache meint wiederholen zu müssen: da bin ich gern dabei, da will ich auch dabei sein,
oder sich mit bloszem dabei
begnügt. II@77)
in einem fall ist es nicht leicht über praeposition oder adverb zu entscheiden. seinem begriffe nach war bei
das lat. circa, circiter,
welche partikeln ebenso zwischen beiden redetheilen schwanken; der form nach wäre circa
praeposition, circiter
adverb, allein jenes wird auch adverbial, dieses praepositional verwandt. die bedeutungen schwimmen in einander über. auf die blosze adverbialpartikel kann, unbehelligt von ihr, der casus folgen, den die satzfügung fordert, bald ein nom., bald ein acc. und so heiszt es: da sie daselbs gewonet hatten bei zehen jar.
Ruth 1, 4; die erste schlacht war bei zwenzig man.
1 Sam. 14, 14; und irer waren bei viertausend,
ὡς τετρακισχίλιοι,
vulg. quasi quatuor milia.
Marc. 8, 9; denn es waren bei fünftausend mann.
Luc. 9, 14; bei vierzig jar lang.
ὡς τεσσαράκοντα ἔτη.
apost. gesch. 13, 18; und schrieen bei zwo stunden. 19, 34; und hieb im bei ein viertel des schilts ab.
Aimon q 4; da harrt er bei ein halbe stund. Alberus 41
b; dasz er bei hundert stämm hieb ab. 144; ich weisz, dasz bei 400 geistliche in der stadt sind.
pers. rosenth. 2, 30; dasz das feuer bei vierhundert familien an den bettelstab gebracht habe. Schiller 189; dann traten bei dreiszig seminaristen nach und nach auf. Göthe 27, 258; die zeichnung ist bei sieben fusz lang. 29, 91; dasz ein solcher zustand bei drei wochen dauerte. 30, 305.
Allein zuweilen geht dieses bei
aus der vorstellung beinahe
in die praeposition über und hat dann den dat. neben sich: und es war bei eim opha gersten.
Ruth 2, 17; und es begab sich nach diesen reden bei acht tagen.
Luc. 9, 28,
wo im original ὡσεὶ ἡμέραι ὀκτώ,
vulg. fere dies octo,
auch steht bei Ulfilas svê dagôs ahtau,
und so würde apost. gesch. 13, 18 bei vierzig jaren lang,
wie neuere ausgaben gewähren, zulässigsein (
vgl. sp. 1353).
Die partikeln auszer (
sp. 1031), ausgenommen (
sp. 874),
das mhd. wan
und âne
zeigen ähnliche schwankung zwischen adverb und praeposition. wenn es aber im expertus in trufis cap. 12
heiszt: sitzen vor die kirche bei nackend und zittern jämmerlichen vor den leuten,
so kann über die bedeutung beinahe, fere kein zweifel obwalten. dies bei = beinahe
gewähren noch andere bücher des 15. 16
jh.: do Hannibal hette bi die stat gewunnen. Königshofen
s. 56; er gab im ein harten stosz, dasz er bei kraftlos worden were.
Pontus 53. (
vgl.gar bei
unter 5).