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wehtage

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wehtage m.

Bd. 28, Sp. 313
wehtag,m., geläufiger wehtage, plur. schmerz, krankheit, unglück. mhd. wêtage, wêtac mhd. wb. 3, 8a; Lexer 3, 804. nachtr. 402, mnd. wêdage Schiller-Lübben 5, 621b; Lübben-Walther 560b, nl. weedagh(e) Schueren (1477) 489b Verdam; Kilian (1777) 792a. verbreitung. das wort tritt seit der 2. hälfte des 13. jahrh. in obd. (zumal bayr.) und ostmd. quellen auf, seit etwa 1400 auch nd. die classischen dichter des mittelalters haben keinen theil daran, umsomehr die mystiker. das 15. jahrh. bringt reiche verwendung namentlich in gebeten, segen, arzneibüchern und glossaren, dem 16. und 17. jahrh. gehört die masse der belege in allen gattungen an. seit Schupp schriften (1729) 689, Besser schriften (1732) 2, 431, Bodmer abh. v. wunderbaren (1740) 416 zieht sich dann das wort, wie die andern bildungen auf -tage, in das mundartlich gefärbte schriftthum zurück, so dasz es auch den classikern des 18. und 19. jahrh. fehlt und nur in (halb) mundartlichem gebrauch bei Voss idylle (1776) 7, 8, Göthe IV 29, 197 Weim., Zschokke ausg. schriften 27, 365, Immermann Münchhausen2 4, 33, Auerbach dorfgesch. 1, 278, Goltz jugendleben 1, 32. 322, Handel - Mazzetti Jesse und Maria 1, 227 gelegentlich auftritt. Adelung 5 (1786) 121 bezeichnet wehtage als ein nur im nd. übliches wort, 1801 unterdrückt er diese bemerkung. bei Campe 5 (1811) 630b bekommt wehtage 'tag an welchem man schmerzen empfindet' das kreuz der landschaftlichen wörter, weihdage 'schmerzen' gar das doppelkreuz der verwerflichen, für die büchersprache untauglichen wörter. Hupel id. d. d. sprache Livlands (1795) 261 nennt wehtage pöbelhaft.auch mundartlich ist wehtag vielfach untergegangen, wo es einst galt, so in Baden, Hessen, der Pfalz, Schlesien, provinz Sachsen, am Niederrhein, in den Ostseeprovinzen. lebendig ist betag in den Sette comuni: Schmeller cimbr. 171, weatɐ (beatɐ) in Lusern: Bacher 225, weata (weatig) in Tirol: Schöpf 805; Frommanns d. mundarten 3, 334; Heyl volkssagen 795, weatak in Kärnten: Lexer 252, wêding (wêdəng, wêdung) in Bayern: Schmeller2 1, 595. 2, 825, waidag (wēadāga) in Schwaben und Allgäu: Buck mediz. volksglauben 14. 18; Alemannia 8, 124; Bayerns mundarten 1, 49, wêtig im Vorarlberg: Frommanns d. mundarten 4, 2, wétâk (wietâ, wétâjə, wétæj) im Elsasz: Martin-Lienhart 2, 667a, wäiding, wèidungg in Westböhmen: Bayerns mundarten 1, 435. 2, 297, waitig im mähr. judendeutsch: Höfler 788a, wäiting (wäiding) in Nordböhmen: Neubauer Egerland 106b, wîding (wiəding) im Erzgebirge: Müller - Fraureuth sächs. volkswörter 110; Philipp Zwickauer ma. 20; Gerbet Vogtl. 66, wèdən (wèding) in Thüringen: Hertel 255; wêdaog in der Altmark: Danneil 245; wêdâgə im Westhavelland: zs. f. volkskunde 7, 291 und Neuruppin das. 8, 56, weidage in Braunschweig: Frommanns d. mundarten 5, 53, weidāg in Waldeck: Bauer-Collitz 112b, wêdagə in Westfalen: Woeste 318a, wêdag in Holstein: Müllenhoff sagen und märchen 515 und Dithmarschen: mündliche angabe aus Heide, weidag in Mecklenburg: Sibeth meckl. 106a; zs. f. volkskunde 7, 61, weidg in Ostpreuszen: Frischbier 2, 460. form. die bildung geht vom subst. weh und von ahd. -tago swm. aus. schwache form des compositums steht neben starkem simplex auch in got. augadaúrô 'fenster' neben daúr n. 'thor', ahd. gehen voraus ant-, endi-, fîra-, giburti-, tuldi-, suonotago als subst. composita, nacchot-, siohtago als abstractbildungen zu adj., anord. sind vergleichbar bardage 'kampf' und skildage 'übereinkommen'. mhd. sind noch schwach nacke-, sterbe-, sûmtage, doppelformig lam-, lebe-, rîch-, siech-, veictag(e), stark irre-, riuwe-, schelmetac, s. Kluge nom. stammbild.2 § 163, Wilmanns wortbild.2 516 § 389. 11) die späterem sprachgefühl widerstrebende schwache flexion von wehtag neben dem geläufigen starken masc. tag führt einen hartnäckigen kampf der beiden flexionsarten um das wort herauf, der sogleich mit seinem auftreten im 13. jahrh. beginnt und noch jetzt nicht mit dem endgültigen sieg der starken formen geendet hat. im 15., 16. jahrh. stehen beiderlei formen durch schreiberwillkür wahllos beisammen: darumb sol dich nicht wundern vast umb den wetagen, den du hast. wann wär dein wetag nicht, so wärst du nicht in gottes pflicht Vintler blume d. tugend 3145 f.; oft nu jenigh wedage sy, de myner (Christi) wedage lykene moghe brem. betbuch 142 bei Schiller-Lübben; da ist wehtagen des heupts ... wetage der zene ... wehtage des leibes Luther 17 i 24 Weim. (druck von 1525, nicht von Luther selbst besorgt); es ist mir am nechsten mitwochen ein solcher wehetage in das rechte knie komen, das ich weder tag noch nacht ruhe gehabt. gott hab lob, der wehetag ist nu zum teil linder worden kurfürst Friedrich von Sachsen (1525) bei Luther 2, 515a Jen. 1@aa) entschiedenen antheil an der vermischung hat der häufige dat. plur., in dem die beiden flexionsarten nicht zu scheiden sind: wêtagen David v. Augsburg 316, 6 Pfeiffer; Enikel weltchron. 25420 Strauch; passional 87, 60. 96, 41 Köpke; Konrad v. Megenberg 21, 21; d. predigten des 14. jahrh. 39, 9 Leyser, weetagen Luther (1522) 10 iii 77 Weim.; Stumpf Schwytzer chron. 181a, wehtagen Sachs werke 4, 388, 18 Keller; Abr. a S. Clara Judas 2 (1689) 192; Bodmer und Zschokke (s. o.), wehetagen Abr. a S. Clara etwas für alle (1699) 126. 1@bb) an zahl treten die schwachen formen zurück: unter 207 erkennbaren formen sind 82 schwache, 125 starke. schwache flexion überwiegt in alter zeit und im hd., sie gilt bei Abr. a S. Clara, Agricola, Aventin, Bock, Brant, Dryander, Fischart, Fronsberg, Gersdorf, Keisersberg, Konrad v. Megenberg, Manuel, Mynsinger, Nachtigal, Seuter, Stumpf, Vintler, Wirsung, Zwingli und wird vorausgesetzt durch die formen der mundart Bayerns, Nordböhmens, des Erzgebirgs, Vogtlands und Thüringens. starke flexion gilt in allen nd. mundarten, die das wort kennen, in den zeugnissen aus diesem gebiet ausnahmlos seit ende des 15. jahrh., gelegentlich schon vorher: du hest en gehulpen ut der wedage Schiller - Lübben aus klausner Johannes paradisgärtl. (Oldenburger hs. von 1410) 96b, 20; gutturosus vul weydaghe Diefenbach nov. gloss. 199b aus e. lat.-nd. wb. von 1417; bedenck, wat wedage unde smarte he (Christus) hadde Schiller-Lübben aus dem Oldenburger gebetbuch (1473) 92; groote pijne of weedaghe die men yemande anduet off die men lijdet Schueren teuthonista (Cleve 1477) 489b. starke form gilt bei Luther in eigenhändiger niederschrift, ferner bei Ayrer, Besser, Eberlin, Eyering, Folz, Göthe, Goltz, Immermann, Kirchhof, Lindener, Montanus, Pape, Sebiz, Spee, Stosch, Voss, Weise, dagegen schwanken Berthold v. Regensburg, David v. Augsburg, Gesner, Paracelsus, Sachs, Thurneyszer, Wickram. auszerhalb des nd. sind die ältesten starken formen, abgesehen vom nom. sing., wo in wehtag nicht jedesmal die starke form vorliegen musz: wan unser hêrre uns manicvaltigen lôn geben wil, sô wil er, daʒ wir in mit manicvalter gedult verdienen: wêtages, mangels und unwirde David v. Augsburg 328, 13 Pfeiffers; erlîde als vil wêwetages als der guote Job Berthold v. Regensburg 1, 52, 17; lebete ein mensche iemer er begeret wetage doch nymmer Freidank var. der Wolfenb. hs. E zu 22, 23 Grimm; als nu die liebe yetz des craft verzert hatt und durch die weetage sins siechtums wenig macht überbelyben was Niklas v. Wyle transl. 76, 11 Keller. späte zeugnisse für schwache flexion sind: grosze kälten und wehetagen empfinden Hohberg land- und feldleben (1682) 1, 240a er ward ... also unbarmhertzig abgeschlagen, dasz er den kopf und leib voller wunden und wehetagen bekahm Olearius pers. rosenthal (1696) 3, 27 s. 56a; alle schmerzen und wehtagen insgemein Chr. Lehmann hist. schauplatz deren naturl. merkw. im ober-ertzgeb. (1699) 231; es ist kein freund da, welcher mit schmeichelreden sich unterstehe, die wehetagen des schmertzens zu mindern Schupp schriften (1729) 689; d' buem voll schraman und mail und von schlögen voll haimliga wehdagn Stelzhamer ausg. dicht. 3, 35 Rosegger. 1@cc) einzelne casus zeigen besonderheiten: 1@c@aα) in den schwachen nom. sing. ist, früher und häufiger als bei siechtag 10, 853, die form der obliquen casus eingedrungen: die wunden wurden ny rot, noch tod, noch slueg ny chayn ungeluch dar zuo, und cham ny chayn wetagen dar zuo Zwettler wassersegen (bair., 14. jahrh.) Haupts zs. 32, 142; drey ding der natur seer schaden: stanck zorn und wetagen (fetor et ira dolor) Joh. Faber de Werdea proverbia metr. A 5a; mocht ich mich so tieff nit niderlassen, damit ich die handt het mügen khüssen, umb das mir zuvor ain grosser weetagen in die lenndt khumen was Sigmund v. Herberstein z. j. 1541 fontes rerum austr. 1 i 335; daran im ... groszer schmerzen und weetagen begegnet Zimm. chron.2 2, 151, 19; kein pein, noch wehetagen im haupt noch blasen Fischart binenkorb (1579) S 5a; sulatum ... eine kranckheit, oder wehtagen der augen, so die kinder ankompt von wegen des vielen weinen Thurneyszer onomast. (1583) 180. die ostmd. und bair. dialektformen wîding, wêdəng u. s. w. setzen die gleiche vermischung voraus. 1@c@bβ) der gen. sing. zeigt obd. in ähnlichem umfang wie bei siechtag ausgang auf -ens: so ain grosse crafft des weetagens, als ain aiter, viler burger gemueter durchschloffen hete (tanta vis morbi ... animos invaserat) D. v. Pleningen Sallust (1514) E 3a; auff den kunfftigen sontag nam er sich eines grossen wehtagens an, legt sich zu bett, gehub sich fast übel Wickram werke (1555) 3, 110 Bolte. 1@c@gγ) die schwachen acc. sing. und plur. sind, wo sie ohne artikel und flectiertes attribut stehen, nicht von einander zu unterscheiden: wære Âdâm âne sünde gestanden, alse er denne âne bœse gelüste hête kint gewürket, alse wæren sie ouch âne wêtagen geborn David von Augsburg Haupts zs. 9, 18; ward der arzet hoch als göttlich geachtet, das er der krancken weetagen sowol vermerken kunte Brant bei Steinhöwel (1487) 118; ach, hört, der krank lest pitten ser, ob irn ein arzet hinnen wer, der im sein wetagen möcht lindern fastnachtsp. des 15. jahrh. 1059, 2; on smertzen und wetagen sein selbs und der muoter ist er (Christus) in die welt geboren Keisersberg passion (1506) 8b; er befindet weder wehtagen noch schaden Agricola 750 sprichw. (1534) E 3b; Basilgen ... löschet alle hitz und wehtagen der augen Bock kräuterbuch (1539) 12; wiewol er leit so grosz wehtagen, kundt er doch niemandt davon sagen Wickram werke (1545) 7, 377 Bolte. 22) diese unsicherheit war geeignet, die grenze zwischen sing. und plur. zu verwischen. dazu konnte der schwache nom. sing. für einen starken plur. gehalten werden, und damit bot sich ein zweiter weg, die dem sprachgefühl anstöszige schwache flexion zu umgehen: der gebrauch als pluraletantum. ihn stellen von grammatikern ausdrücklich fest: Adelung 5 (1786) 121; 4 (1801) 1440; Campe 5 (1811) 630b; Hoffmann v. Fallersleben in Frommanns d. mundarten 5 (1856) 53; Woeste westf. (1882) 318a; Frischbier preusz. 2 (1882) 460; Hertel thür. (1895) 255; Bauer-Collitz wald. (1902) 112b. sie folgen damit dem allgemeinen md. nd. sprachgefühl. 33) plur. form bei sing. bedeutung zog weiterhin eine verwirrung der genera nach sich: der unmotivierte plur. wurde als sing. fem. gefaszt. so könnte schon gemeint sein: desse wedaghe licht jn an der luchteren siden Rostocker arzneibuch um 1400 nd. jb. 15, 113. sicher liegt fem. vor beim klausner Johannes (1410): an geistlicher wedage paradisgärtl., Oldenburger hs. 47, 36; lozet my van der duvele plaghe unde van aller helleschen wedage 58, 8, und bei dem Oberhessen Wig. Gerstenberg: da schrey die tochter ... von groszer wetage, unde zuhant entsliff sie chronik (1493) 326 Diemar. ausdrücklich als fem. bucht nd. weedage Dähnert (1781) 543a. jetzt wird in Dithmarschen nach mündlicher angabe wêdag als neutr. gefühlt. fem. wird aus lebender mundart des westl. Erzgebirgs für das dortige wîding angegeben. 44) umlaut des zweiten bestandtheils im plural zeigen mundarten, die auch das simplex tag in die i-declination überführen (th. 11, 27): die schmertzen und wehetägen nehmen also zu, dasz er völlig den verstand verliehrt Abr. a S. Clara weinkeller (1710) 121; plur. betege Schmeller cimbr. 171, wétæj Martin-Lienhart 2, 667a aus Kochersberg und Zornthal. 55) unbetontes -agen ist bair. ostmd. zu -əng, -ing, -ung zusammengezogen. aus lebender mundart sind oben angeführt: wêding, wêdəng, wêdung aus Baiern, wäiding, wèidungg aus Westböhmen, wäiting, wäiding aus Nordböhmen, wîding, wiəding vom Erzgebirge, wèding aus Thüringen. die erscheinung hat gleiche ausdehnung wie die contraction der adjectivendung -igen zu -ing, auch zeitlich; sie veranlaszt im 15. bis 17. jahrh. die schreibung wetung: wie solche krancheit von allen ärzten verlassen were ... und dem künige auf seiner prüste ein ewiger wetung beliben was genant fistola Arigo dec. 226, 8 Keller; umb wetung halben 375, 21; weiteres Drescher Arigo 182; nictator mensch der die augen vor wetunge immer uff und zu thut Diefenbach gloss. 379c aus e. oberbair. vocabular vor 1515; es musz ein grosser ernst und tieff weethung da sein, sol der alt mensch ausztzogen werden Luther 7, 365 Weim. (eigenhändig); aqua vitae wendet den siechtung ... mer wendet es den wehtung der zeen Schmeller2 1, 595 aus cod. germ. Monac. 4570 fol. 49; hab gemeint, ich wolt lengst auffstehn und heut mit zu der gastung gehn. so thuts der wehtung mir vertreibn Ayrer 4, 2511 Keller. jüngere, fehlgehende umdeutung daraus ist wehthuung, so die Jenaer ausg. in jener Lutherstelle und im citat daraus Hnr. Müller erquickstunden (1686) 11. das verhältnis dieser formen zu wehtag hat Schmeller erkannt und lautlich begründet (bair. wb.2 1, 595. mundarten Baierns § 579), das von ihm weiter beigezogene bair. wêdəm s. jedoch unter wehthum. das in gleichem umfang auftretende siechtung aus siechtagen ist th. 10, 856 unerklärt gelassen und irrig unter siechthum behandelt, dem th. 4 ii 2179 verkannten alem. irrtung liegt vielmehr starkes irretac (s. o.) voraus, das zu irtig geschwächt und daraus falsch verhochdeutscht ist, s. schweiz. id. 1, 411 gegen flugschr. a. d. ersten jahren der ref. 1, 252. 66) die wandlungen des tonvocals sind oben aus den mundarten zusammengestellt: ea gilt in Luzern, Kärnten, Tirol und Mittelschwaben, ie im elsäss. Münsterthal und in Zwickau, î im Erzgebirge, ai, äi in Schwaben, Westböhmen, Mähren und im Egerland, ei in Waldeck, Braunschweig, Mecklenburg und Ostpreuszen. dazu treten ergänzend ältere belege für Schlesien (zum neueren schles. s. wehthat): auch, ab der gewytagte, von wem der wytag nu sey geschen, durch hochfart nicht claget yn dem nehesten dynge urk.-slg. zur gesch. des ursprungs der städte Schlesiens 377 Tzschoppe (Leobschütz, wohl 14. jahrh.); tranck vor den fallenden bigtatgen (d. i. wytagen?) Meffersdorfer recepte von 1526 hg. v. Hiltmann im neuen laus. magazin 72, 317, für Niederdeutschland vom anfang des 15. jahrh.: erros ... morbus amoris ... weytage oder (lies: der) liebe Diefenbach gloss. 209a; illasis, de weydaghe van deme stene nov. gloss. 203b. 77) in den mundarten hat demnach eine der schreibung wehetag entsprechende dreisilbige aussprache keinen boden. sie folgt vielmehr als spelling pronunciation der schreibung, und diese bezeichnet umständlich nach alter vorwiegend md. weise (Luther 6, 73b Jen.; Lindener katzipori 176; Ayrer proz. 41b; Weise kl. leute 132; Schupp und Göthe s. o.) die länge, während die andere schreibung zum gleichen zweck, weetag, wesentlich obd., zumal schweizerisch ist (Keisersberg bilger 70c; Gersdorf wundarznei 14, 2; Wirsung Calixtus F 5a; Nachtigal psalter 40; Eberlin 3, 263 neudr.; S. Franck chron. 148b; Zimm. chron. 2, 200, 31 — Manuel weinspiel 2540; Gesner thierbuch 19b; Paracelsus 9 (1590) 413; Stumpf Schwytzerchron. 506b), und eine dritte, whetag, selten und ohne folgen bleibt: man mus nicht essig und rauch zum ougen whetagen gebrauchen, neyn nym yhn zu andern kranckheyten Luther (1528 hs. des Myconius) 27, 430, 10 Weim.; mein Kargas, du mich recht versthe! dein whetag ist so grosz da innen, das du sein selbs nicht thust entpfinnen Sachs fastn. (1544) nr. 16 v. 139 neudr. bedeutung. für -tag ist von der bedeutung 'dies' auszugehen, so dasz eine grundbedeutung 'tag an dem man schmerz leidet' anzusetzen ist. erkennbar ist sie nur selten und unter besonderen umständen: vrouwe daʒ hân ich iu noch nie erlost (gehört), daʒ kein kristen sterbe ûf erden, eʒ müeʒe sîn rehter veictac werden Münchener Oswald v. 2778 Baesecke, wo hs. S (Schaffhausen 1472) wetag statt veictac liest; Hiob ... hatte seine wohltage genossen, und, wenn auch verloren, doch nach den wehtagen wieder empfangen Zschokke sämtl. ausg. schriften 27, 365; das menschliche elend ist so vielfach, dasz man früher nicht mit unrecht 386 wehtage annahm, also mehr als das jahr tage zählt Höfler krankheitsn. 726b. dasz das etymologische bewusztsein noch vorhanden war, kann auch die mnd. umsetzung der bestandtheile in dagewe zeigen: su, he telede unrechtverdicheit unde entfenk daghewe (concepit dolorem) Lübecker bibel von 1494 ps. 7, 15. dagegen beweisen nichts für das leben der ausgangsbedeutung die etymologien später theoretiker wie Stosch 1 (1770) 348; Adelung 5 (1786) 121; 4 (1801) 1440; Campe 5 (1811) 630b; Heinsius 4 (1822) 1556a; Kaltschmidt (1851) 1056b. vielmehr hat -tag seit langem und ganz allgemein seine eigentliche bedeutung eingebüszt wie -heit, -schaft, -tum oder von den bedeutungsverwandten -mal und -zeit. der übergang vom ablauf eines zustands in der zeit auf den zustand selbst ist noch vielfach vollzogen, z. b. arme tage 'armut' Pauli schimpf und ernst nr. 328. 522; freudentag 'jubel' Spee trutzn. 102; mühetag 'mühsal' O. Ludwig ges. schriften 3, 637, übelzyt 'ungemach' Zwingli corpus reform. 89, 88. im flusz ist die entwicklung in einer stelle von Shakespeares Hamlet 1, 3, die den übergang dem modernen sprachgefühl am ehesten nahe bringen kann: he hath very oft of late given private time to you, bei Schlegel: ich höre, dasz er euch seit kurzem oft vertraute zeit geschenkt. das ergebnis ist, dasz -tag als suffix einen zustand übler art bezeichnet, ganz ähnlich wie ahd. -ado, -ido, s. Grimm gramm. 2, 490, Weinhold mhd. gramm. § 272, Wilmanns wortbild.2 393 § 296, Paul d. wb.2 643a. II. wehtag bezeichnet körperlichen schmerz jeder art, stärke und dauer, den tödlichen wie den harmlosen, den den ganzen leib packenden wie den örtlich begrenzten, den in seinen ursachen erkennbaren und den räthselhaften, den der menschen wie der thiere. versuche engerer eingrenzung sind den älteren synonymikern miszlungen, z. b. gegen Stoschs definition: wehtage drücket ein solches leiden aus, welches gemeiniglich nicht gefährlich ist, und nur einige tage anhält wendet, freilich ebenso unhaltbar, sein kritiker in der allg. t. bibliothek 17 (1771) 375 ein: wehtage scheint uns nicht sowol in absicht auf die kürze des leidens, als auf die anhaltende dauer desselben gesagt zu werden. I@AA. die allgemeinheit des ausdrucks äuszert sich vielfach. sie macht ihn geeignet, einzelne leiden zusammenzufassen: glych wie das wort kranckheit under im begriffen hat alle besundren wee, suchten, fieber, bülen, perlis, tropff, darmwinden und all ander wetagen, die glych als est sind der kranckheit: also heiszt sünd den prästen, darus die unterscheidnen sünd als est wachsend Zwingli corpus reform. (1523) 89, 44. deshalb auch steht das wort seit alters gern in negativer fügung: mit dem und er diʒ wort gesprach, do starb er ane wetagen passional 212, 47 Köpke; sag, ob dir auch pewisset sey die arzeney vur den zanwe! kanstus und das mir der verge on allen wetagen und schmercz? Sachs fabeln (1558) 192, 19 neudr.; dasz, wenn jemand an den bezeichneten ort sie mit einer spitzigen stachel ... durchsticht, sie nicht das geringste fühlen, noch wehtage davon haben Ettner unwürd. doctor 315. wie vorhin bei Zwingli, so steht wehtag seit dem 16. jahrh. noch mehrfach neben krankheit, sucht, wunde, flusz und mit diesen gleichbedeutend: so dich eyn weetag oder kranckheyt beschwert, dencke wie gringe das sey gegen der dornen kronen und negeln Christi Luther 2, 141 Weim.; der herr wird yhn erquicken auff dem bett seynes wehthags ps. 41, 4 (1522—1528), wo in Luthers niederschrift zuerst auff dem bett der kranckheyt, 1545 auff seinem siechbette steht; von da Weim. 23, 358, 8. 362, 1; zu dem so sind die wasser gar scharpff, haben etwas beiszender corrosiven in sich, und würde mehr einer roszartzney, dann einer kombligkeit und milterung menschliches cörpers wehtagen und süchten vorgleicht werden Thurneiszer von kalten usw. wassern (1612) 9; heilig ist der tag, da wunden und wehtag schach Kuhn u. Schwartz nordd. sagen (1848 a. Swinemünde) 438; flusz un wêdag de verschwand A. Kuhn sagen, gebräuche u. märchen (1859 a. Dreetz) 204. am ältesten und häufigsten doch neben dem allgemeinsten ausdruck, schmerz: nû habt ir alle wol vernomen, swenn daʒ houbet siechet, daʒ ouch danne ist komen wêtage unt smerz mit krancheit sînem lîbe Lohengrin str. 581 Rückert; lîf unde gût kan ik vor em (dem tode) nicht beholden. he lecht mi an wedage unde smerte Lübecker totentanz (1489) 801 Baethcke; mit unaussprechlichen wehetagen und schmerzen diese dörner das zarte haubt gottes durchtrungen leben der ägypt. einsiedler, tirol. hs. von 1447 bei Schöpf 805; darumb hett er (Christus) nit wetage gehabt noch entphunnen om leib keinen schmerzen Folz meisterl. 103, 335 Mayer; das er gar grosse weetag hett und groszen schmertzen laid Tauler sermones (1508) 220a; dann wein stercket menschliches hertz, vertreibt all armut, wehtag, schmertz Wickram (1555) 4, 115 Bolte; thet sie in einer seiten schmertzen ein wehtag und darnach im hertzen. aber in solcher wehtag schmertzen versuchten wir der artzte rath Sachs werke (1560) 11, 463 Keller; darmit wann sie sich ... hauen oder brennen, sie dester minder schmertzen und wehetagen befinden Rauwolf raisz (1582) 126; des tags weis er nicht für wehtage und schmertzen zubleiben Pape bettel- u. gartteufel Bb 8b; sind aber ohn schmertzen und wehtagen, das ist, sie paroxysmieren nit Paracelsus (1616) 1, 301b Huser; entspr. 2, 300a; der apotheker stihlet die gesundheit mit der artzney, der medicus stihlet das leben mit dem todt ... der wundartzt den wehetag durch schmertzen Moscherosch gesichte (1650) 1, 32. I@BB. die bedeutung von wehtag kann auf zweierlei weise näher bestimmt sein. I@B@11) für das vorwalten der umfassenden grundbedeutung spricht, dasz das meist durch ausdrückliche zusätze geschieht. I@B@1@aa) der einschränkende zusatz ist ein genetiv. I@B@1@a@aα) selten und nur in alter sprache ist das ein gen. epexegeticus: auch was der grosz wetag noch der platteren, was(en) bei 100 menschen in dem platerhaus städtechron. 23, 99 anm. 1 (Augsburg 1502); entspr. 23, 434, 10; ist eyne edele artzenei wider die wehtage des podagrams Sebiz feldbau (1579) 220. I@B@1@a@bβ) um so häufiger tritt der schmerzende körpertheil im gen. zu wehtag, so dasz durch den zusatz der schmerz localisiert wird. so wandert er durch den ganzen leib: für den wetagen der gelider bair. aderlaszbuch v. 1477 bei Schmeller2 2, 825; sus mustestu stan in dem cruce mit wedage al dyner ledemathe Bremer liber precum 49b; cronio langer seuchen oder wetag des leybs Diefenbach gloss. 159a aus voc. theut. (Nürnberg 1482); illiasis weetag der seyten vom stain das. 277b; linosis wetag des miltz das. 332a; hitzige kranckheitt und weetage des magens schriften des vereins f. gesch. d. Neumark (1531) 11, 103; grote bytter killinghe unde wedaghe der oghen herbarius (1483) 21 bei Schiller-Lübben 5, 621; als er nun auff dem weg nach Rom was, begriff jn ein weetag der augen Franck chron. Germ. (1538) 37b. besonders alt und oft vom kopf- und zahnschmerz: guet für den wetagen des haupts bair. aderlaszbuch v. 1477 bei Schmeller2 2, 825; sintonia zufal im fieber als wetag des haupts oder flusz der nasen Diefenbach gloss. 537b aus voc. theut. (Nürnberg 1482); van des hovedes wedaghe wert dat gantze lyff ghekrenket leben des hl. Hieronymus (Lübeck 1482) 1 c. 77; die ader mitten an der stirnen ist guot zulassen widder die geschwer der augen, und wider alle weetagen des haupts Dryander arzenei gemeiner inhalt (1542) 55a; das wir behüett werden vor allem wêtagen der zend Grazer brevier des 15. jahrh. 221a bei Lexer 3 nachtr. 402; der weetag der zend kompt understunden von kalten sachen Ortolf v. Bayrland (1477) 22b; solcher ... safft ... und den bösen zan damit gewäschen, stellt den groszen wehtag derselben Sebiz feldbau 183. der körpertheil gehört dem träger des schmerzes, so selbstverständlich, dasz ein anderes verhältnis als witz wirkt: die hasen klagen über die wehtage der zähne, wann sie von den hunden gehalten werden Treuer d. Dädalus (1675) 1, 816. als vertreter des gen. kann das pronomen stehen: geyszkäsz ... auff die augen gelegt, oder houpt oder füsz, gestillet jre weetagen Gesner thierbuch (1563) 60a Herold. I@B@1@bb) seltener bleibt bestimmung durch attr. adj., die mit einem allgemein steigernden gebrauch einsetzt: sich, dâ twanc in der tôt: der bitter wêwetage der twinget im den zaher âne sînen danc ûʒ den ougen Berthold v. Regensburg 1, 382, 5 Pfeiffer, seitdem aber mehr zur sachlichen specialisierung entwickelt ist: auch all fäuht wetagen merent sich, als diu waʒʒersühte und sämtlich siechtum Konrad v. Megenberg 65, 32; aber für das stechent wee. ist es, das der habich ain stechenden wetagen hat, so sol man nemen seübörst Mynsinger von falken, pferden u. hunden (Augsburg 1473) 41; oxia eyn scharpff wetag Diefenbach gloss. 404a aus voc. theut. (Nürnberg 1482); die hirtzen sind des kalten weetags, feber genannt, frey und ledig Gesner thierbuch (1563) 80a Herold; lentegar (lebendiger) betag fistola, piaga incancrenata ... dar strenge betag, gotta, zipperlein Schmeller cimbr. 171. I@B@1@cc) das gegebene syntaktische mittel zur localisierung des wehtags ist die präpositionalfügung. sie ist vom 15. jahrh. bis heute beliebt. der körpertheil, in den man die schmerzempfindung verlegt, wird meist mit in angeknüpft: davon kompt im weetag in der rechten seytten Ortolf v. Bayrlant (1477) 9a; (ein hund hat gift gefressen) zuhand jhm grosz wehtag in dem leib wuchs, in alle glieder gieng buch der liebe (1587) 131b; hat einer ein schlechten wehetag im rucken, da schlagt man die ader am schienbein Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 1053; gurgelwasser für alle wehetagen im hals Hohberg (1682) 1, 244a; ein recept, wann die hunde wehe-tagen in ohren haben Fleming vollk. t. jäger (1719) 192; fliegende hitzen, die viel dusels, groszes wehtages und sausen im haupt bewegen Thurneiszer prob. d. harnen (1571) 38; die grosze flüsse und wehetagen im haupt haben Hohberg 1, 240a; ein jurist hatte grosse wehetagen im haupte Faszmann gel. narr (1729) 76; añ èrgún weatak im kopfe etc. hàbún Lexer kärnt. 252. selten an und zwischen: ein baur hett wehtag an eim aug Kirchhof wendunm. 1, 147 Österley; (die heranwachsenden kinder) erleiden bald am kopfe die hefftigsten schmertzen und wehtagen, alles zu dem ende, dasz sie aus der nase bluten sollen Zedler 52 (1747) 307; wetage zwischen hut und fleysch intercus voc. inc. teut. ante lat. (Straszburg 1515) Miija. I@B@22) einen schritt weiter zur specialisierung hin bedeutet es, wenn sich die nähere bestimmung rein aus dem zusammenhang des satzes ergibt, ohne eigenen sprachlichen ausdruck. I@B@2@aa) durch den satzzusammenhang wird die art des schmerzes bestimmt I@B@2@a@aα) als eine infections-, haut- oder stoffwechselkrankheit: do chom ain wetag, den hieʒʒ man den börtzel städtechron. 4, 79 (Augsburg 1406); lupus wolff ein wetag (pena in coxa) Diefenbach gloss. 340a aus voc. theut. (Nürnberg 1482); noli me tangere syrin ein wetag so eins ein mausz im antlitz besaicht oder bepruntzt das. 382b; (die lues) kam darnach in alle welt ... und was ain solliche grosze straff und mercklicher wetag, den man nit erlessen noch erschreiben kann städtechron. 23, 422 (Augsburg); war zu ist den das gelb mel guet? zum zipperlein mans prauchen thuet, es zeucht den grosen wetag aus Sachs fastn. (1558) nr. 79 v. 233 neudr.; so mans wil wider das zipperle gebrauchen, sol es geschehen, wenn der weetag nicht fürhanden Heyden Plinius (1565) 154. I@B@2@a@bβ) als verwundung bei mensch und thier: bedenck, welk wundergelike wedage dat was, do unsem heren de dornen krone in dat hovet gedrucket wart Oldenburger gebetbuch (1473) 96b; da hieb er im den arm gantz ab und durch das haubt, das er in dem weetag und grimen herab lief die stiegen und viel nider und starb von stundan on alle gotzreht städtechron. 11, 665 (Nürnberg z. j. 1503); hat das pulfer die stiegentür aufgerissen, den buchsenmaister so hart troffen, das er ligen bliben, hat in groszem wehetagen geschrien: o we, untreu! Wilwolt v. Schaumburg 71 Keller; künig Brenner, so auch hart wunt was und den wêtagen nit mêr leiden mocht, erstach sich selbs Aventin bair. chron. 1, 395 Lexer; ein löw mit einem krancken pranken oder fusz, voll schmertzen und wehtagen der wunden seufftzend Fronsperger kriegsb. (1573) 145b. I@B@2@a@gγ) wohl nach dem vorbild von wehen (sp. 38) ist wehtag auf den einzigen physiologischen schmerz beschränkt worden, den die natur kennt: es ist zugangen on allen sthonen und weetagen Luther (1528) 27, 490 Weim.; disz stund nit seer lang, die guot Patrix gewan grossen wehtagen (dann die zeit irer geberung sich nehet) und gebar einen gar schönen knaben Wickram 2, 8 (1554) Bolte; es ist mein weib, die hat starcke wehe-tage im leibe med. maulaffe (1719) 416. I@B@2@bb) durch den satzzusammenhang wird der ort des schmerzes bestimmt: wen man eine handt oder fues verletzet, so gehet der weetage durch den gantzen leib Luther 33, 233 Weim.; ob vielleicht auch euer schenkel auf einen stein getreten hätte der von der sonnen glanz erhitzet, euch solche wehtagen zugeschickt briefe 4, 667 de Wette; hab ich von keinem wehetagen gewiszt. wiewol ich mer dann acht tag in sollichem hauptweh gelegen Wickram 4, 125 Bolte; ich hab einen diener, der hat ein bösen zan ... was gebt ir mir für ein rath, das er des wehtags abkämme? Lindener katzipori (1558) 94; von da Hertzog schiltwache F iiij; so taugt sonderlich nach essen die quitten latwergen, damit die magendämpff nicht ins haupt auffriechen und mehr wehtag erwecken Tabernaemontanus kräuterbuch (1597) 46a; (das rosz) beist sich selbst in die seiten, allda befindet es den wehtagen Seuter roszarznei (Augsburg 1599) 187; schneide die haare umb den ort, da der wehtag ist, ab Fleming vollk. t. jäger (1719) 194. von da ist es nicht weit zu der bedeutung 'schmerzende stelle', die sich occasionell einmal eingestellt hat: wolt ihr aber gerne die zähne behalten, so habe ich ein sonderbahres öl wieder die schmertzen. wenn man nur ein biszgen baumwolle darein tuncket und es auff die wehtagen leget, so verschwinden sie den augenblick Kuhnau mus. quacksalber 18, 13 Benndorf. I@B@2@cc) euphemismus ist im spiel in der entwicklung zu 'fallsucht'. hier liegt sant Valentins wehtag voraus: uff das du underscheid diser ding habest, soltu wiszen das dreierlei dieser krankheit (der epilepsie) ist: die erst epilentia genant zu tütsch sant Valentinus weetag Lor. Fries spiegel der arznei (Straszburg 1519 und 1532) 97b. dafür verhüllend dar pööse betag mal caduco Schmeller cimbr. 171, und, als auch diese hülle zu durchsichtig wurde, schlechthin wehtag Höfler krankheitsn. 726b; Jahn opfergebräuche 11. so zuerst 1603: von dem wehtagen oder hinfallenden seuche Uffenbach n. roszbuch 2, 45. IIII. wehtag konnte leicht auf seelischen schmerz übertragen werden von den zahlreichen fällen her, in denen die beziehung auf körperliches nicht eindeutig hervortrat: Bennoni, dat is een sone myner wedaghe Lübecker bibel (1494) 1. Mos. 35, 18; nun ist unser leben nichs dan ein vordammung, elende, ungehorsam, fasten, jamer, szunde, vorsuchung, bosz, wee, unglucke, schmertzen, weetagk, hertzleyt: darinne stedt unser thun Luther (1518) 9, 158 Weim.; gehn alle gebett dahin, daʒ gott von disen zweyen (neuvermählten) allen weetagen nemmen wöll Frank weltb. (1542) 152b; plag und straffen, wetag und kranckheiten Spee güld. tugendbuch (1649) 555. eindeutige beziehung auf seelisches ist vom 15. bis 20. jahrh. vorhanden, dabei sind gram und betrübnis jeder art, geistlicher schmerz, liebeskummer, trauer um verlorenes und mitleid gleichmäszig vertreten: an geistliker wedage klausner Johannes paradisgärtl. (1410) Oldenburger hs. 47, 36; erros ... morbus amoris ... weytage oder (lies: der) liebe Diefenbach gloss. 209a a. d. voc. bonus; der böse geyst ist ein geist der schwermuttigkeyt, der mag nit verjagt werden mit wetag und clagen und sich engsten Luther (1521) 7, 784 Weim.; van der wedage des herten Halberstädter bibel (1522) 1. Mos. 6, 6; ouch bringt der nyd in üwerem härtzen eüch vyl wetag und grossen schmärtzen Gengenbach novella (1523) 717 Gödeke s. 281; solcher hohn, schmach und wehetag thet jhnen wehe und zorn Hennenberger erclerung d. preusz. landtafel (1595) 135; weren schmertzliche wehetagen desz gemüts Guarinonius grewel d. verw. 293; ich für mein part konnt die nacht weder ruhen noch rasten, trug sorge, ich möcht zu viel geschwazt haben, welches den liebenden wehetage verursachen könnte Musäus physiogn. reisen (1788) 4, 139; wisset ihr noch, wie's einem da um's herz gewesen ist, wenn man morgens aufgestanden ist, und hat dem vieh nur viertelssatt zu fressen geben können, und hat zusehen können wie ihm das fleisch abgefallen ist? ich hätt' oft vor waitag verlaufen mögen Auerbach Schwarzw. dorfgesch. (1846) 1, 278; fuhr ünz nöt in tentation, ma liberier ünz von'n weata. amen vaterunser a. Folgreit in Tirol d. mundarten 3 (1856) 334; Schinnagel geht vor wehetag (um den tod einer kuh) in die wälder, Marie weint sich die augen aus Handel-Mazzetti Jesse u. Maria (1911) 227. hierher endlich die nd. stabreimenden formeln waddicke (molken) un wedage th. 13, 239 und, etwas älter, welgen (gersten- oder habermus als krankenkost) un wedage Richey (1743) 333. 337. IIIIII. zusammensetzungen mit -wehtag, hervorgegangen aus den beiden oben behandelten arten von genetivfügungen, sind namentlich in nd. mundarten häufig. die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt: augen-, bauch-, blattern-, brust-, eingeweide-, gelenk-, gicht-, glieder-, haupt-, herz-, kehlen-, kopf-, kriegs-, leib-, liebe-, magen-, milz-, mutter-, nieren-, ohren-, rücken-, scham-, schenkel-, seiten-, stein-, Valentins-, viertentags-, zahnwehtag.
34665 Zeichen · 609 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wehtage

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Wehtage , sing. car. Tage, an welchen man Schmerzen empfindet, und dann Krankheit, Schmerzen u. s. f. überhaupt.

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wehtage

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Zerlegung von wehtage 2 Komponenten

weh+tage

wehtage setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wehtage‑ als Erstglied (1 von 1)