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gottesacker

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gottesacker m.

Bd. 8, Sp. 1201
gottesacker, m. , vereinzelt gottakker Abr. a s. Clara neue pred. 124 lit. ver., friedhof; kirchenland. seit 1369 in Wien nachweisbar als goczachker qu. z. gesch. d. stadt Wien III 1, 25b u. ö.; seit dem 15. jh. auch in anderen obd. und in böhm. quellen: goczacker (1415) chron. d. st. Eger 197 Gradl; gotzacker (Nürnberg 15. jh.) städtechron. 2, 184; Zimmer. chron. 24, 66 Barack; gotsacker (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 90; cœmiterium ein kirchhof oder gottsacker Frisius dict. (1556) 238a; s. v. sepultura ebda 1201b; im md. seltener, vorwiegend ostmd.: gotesacker s. v. acheldemac (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 11c; gottsacker (schles. 1496) bei Röhricht pilgerreisen 327; (Leipzig 1547) bei Liliencron hist. volkslieder 4, 403; mnl. wohl nur lexikalisch: godsacker Kilian etym. teut. ling. (1599) 1, 154b. das wort, das in den randbezirken seines alten verbreitungsgebietes im rückgang begriffen scheint, steht heute noch in weiten teilen Süddeutschlands und Thüringens, s. Schmeller-Fr. bair. 1, 959; Castelli ma. in Österr. 145; Jakob Wien 71; Stauf v. d. March nordmähr. maa. 46; Fischer schwäb. 3, 766; Martin-Lienhart elsäss. 1, 25b; Hertel Thür. 108; als wenig gebräuchlich belegt bei Müller-Fraureuth obersächs. 1, 433a; rhein. wb. 2, 1326. in gewählter sprache wird gottesacker in seinem süddt. verbreitungsgebiet, literarisch auch auszerhalb dieses gebietes, oft dem fast immer daneben gebräuchlichen friedhof und kirchhof vorgezogen; in teilen Thüringens herrscht es allein, vgl. Kretschmer wortgeographie (1918) 277 u. 609. — im 17. jh. (erster beleg 1605) findet sich das wort als gods aker gelegentlich in engl. reiseberichten über deutsche städte (Leipzig), im 19. jh. begegnet es im engl. wieder als god's acre, vgl. Walz in: festschr. f. Kittredge (1913) 217. dem dt. gottesacker vergleichbar ist die ital. bildung camposanto, zuerst in einem ital. voc. des 16. jhs., s. Kretschmer a. a. o. 11) friedhof. 1@aa) in rein sachlicher beziehung. zunächst der auszerhalb eines wohnbezirks angelegte friedhof im gegensatz zu dem an der kirche in der stadt oder in dem dorf gelegenen kirchhof; wohl von dem gleichen ansatzpunkt wie die bedeutung 2 her als ein zum besitz der kirche gehörendes gelände, ein als begräbnisstätte geweihtes feldstück: (verkauf eines hauses) sitam ante portam Karinthianorum in der chumphluchen hinderm goczacker prope domum Stephani mawrer (1379) qu. z. gesch. d. st. Wien III 1, 195b; anno domini 1415 kauft ein rat 4 gärten und machten ain gotzacker daraus (Augsburg 16. jh.) städtechron. 23, 66; der general Tilly soll des morgens vor der schlacht in des todtengräbers behausung, am gottesacker bey Leipzig ... kriegsrath gehalten haben Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 214; zu Wien vor dem Schottentor auf dem schönen gottesacker ist ein grosser grabstein Abr. a s. Clara w. 1, 148 Strigl. vgl. godsacker locus extra ciuitatem procul a templis et dominibus, vbi mortui sepeliuntur Kilian etym. teut. ling. (1599) 154b; this place (auszerhalb von Leipzig) is called gotts aker, that is, that aker or field of god (1646) bei Walz in: festschr. f. Kittredge (1913) 221. dann überhaupt [] jeder friedhof, ohne rücksicht auf seine lage innerhalb oder auszerhalb einer ortschaft, wenn auch in dieser allgemeinen anwendung von der noch lange daneben bestehenden engeren nicht immer sicher zu scheiden: es lieg einer auf dem gemeynen gottsacker, inn vnd vor der statt Mathesius ausgew. w. 1, 30 L.; er solte nur in das beinhausz auf dem gottesacker gehen, da würde er etliche todten-köpfe sehen Chr. Weise drey klügsten leute (1675) 83; ich ging nun den gottesacker von Pisa zu besehen Göthe I 43, 33 W.; als er zu hause angekommen war, schritt er über den kleinen gottesacker des dorfes in die stille kirche W. Raabe s. w. I 3, 55 Klemm; der sie (die kirche) umgebende, von niedriger feldsteinmauer eingefriedete gottesacker Ina Seidel Lennacker (1938) 89. 1@bb) sekundär verbinden sich mit der zusammensetzung besondere vorstellungen, die die heiligkeit des ortes betreffen, besonders anknüpfend an den christlichen auferstehungsglauben im anschlusz an 1. Kor. 15, 36 ff.; vgl. auch Joh. 12, 24: daher auch von alters die christen ... die weise gehabt, das sie jre begrebnis ehrlich gehalten, vnd beinander gehabt ..., vnd die selbe genennet, nicht grab stete oder todtenhöfe, sondern cœmeteria, dormitoria, schlaffheuser, ... vnd wir Deudschen von alters solche begrebnis nennen gottesacker, nach der weise, wie S. Paulus 1. Corinth. XV. redet, es wird geseet ein natürlicher leib etc. Luther ausleg. d. ep. u. ev. v. ostern bis auff d. adv. (1544) ff 6a (Luther scheint das wort sonst in der anwendung 1 nicht zu gebrauchen); S. Prudentius heisset den gottes acker des herrn Christi sequester vnd zehender, von welchen er ... aller christen beinlein, steublin, vnd grenlein wider fodern will Mathesius Sarepta (1571) 224a; gots-aker, cœmiterium. quasi ager dei, quia corpora defunctorum fidelium comparantur semini Wachter gloss. germ. (1737) 603; auf dem kirchhofe, der, als ein richtiger christlicher gottesacker, jedem christen ... etwas durchaus heiliges sein müsse Fontane ges. w. (1905) I 6, 382; das wort gottesacker klingt tröstlich, ich glaube, es ist den bauernbegriffen entnommen, es schlieszt die hoffnung auf auferstehung in sich. der acker gottes, saat und ernte sind damit umschlossen H. Thoma im winter d. lebens (1925) 141. ironisierend: (dasz studenten als 'musensöhne' bezeichnet werden) ist nur so eine hergebrachte redensart ..., so wie man ja auch den kirchhof, gottesacker, und die advokaten, diener der gerechtigkeit zu nennen pflegt Tieck schr. (1828) 5, 340. 1@cc) in festen wendungen und redensarten. 1@c@aα) auf dem gottesacker liegen, ruhen; auf den gottesacker bringen, tragen und ähnliche, noch heute gebräuchliche wendungen: auff den newen gottesacker darinn ist er gelegen (Nürnberg 16. jh.) bei Fischer-Tümpel evang. kirchenlied (1903) 1, 138b; nun liegt er drauszen auf dem gottesacker. er war ein guter mann O. Ludwig ges. schr. 2, 60 Schm.-St.; ietz ruow auf dem gottsacker! (17. jh.) Schweizer volkslieder 2, 127 Tobler; da er wurd auffn gotszacker bracht, sah man viel hundert weynen (1548) Wackernagel dt. kirchenlied 3, 942; wenn wir die verstorbnen hier auf den gottes-acker bringen Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 727; wie man in (einen toten) nun hinausz uf den gotzacker tragen wellen, hat sein muetter ... gesehen, das sich was an im noch ain wenig geregt Zimmer. chron. 24, 66 Barack; er wäre nicht einmahl wehrt, dasz er auf den gottes-acker begraben würde Chr. Weise erznarren 155 ndr. 1@c@bβ) in sprichwörtlichem zusammenhang: wo vndt wan krieg ist, wirt der brottakher dirr vndt der gottakher faist Abr. a s. Clara neue pred. 124 lit. ver.; der pastor baut den acker gottes, und der arzt den gottesacker Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 369; ein junger arzt, ein neuer gottesacker Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 57a; [] gottesacker hat kreuze, aber keine leiden bei Wander dt. sprichw.-lex. 2, 109. 1@dd) in übertragenem und uneigentlichem gebrauch, demjenigen von grab (s. d. II u. III) vergleichbar. von dem ort, an dem jemand den tod, etwas den untergang findet: die amerikanische colonien sind der gottsacker der französischen nation allg. dt. bibl. 8, 2 (1769) 92; dieses ort wolle er vertheidigen, bis es sein gottesacker werde M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 265; wir stehen auf dem boden der philosophischen geschichte, auf dem allgemeinen gottesacker der denker und ihrer systeme J. Engel schr. (1801) 2, 300; darum suche die zeit nicht auf dem gottesacker vergangener jahrhunderte die schädel und die mumien, um von neuem sich anzubauen Görres ges. schr. (1854) 1, 165. ähnlich von vergangenem oder, in wertender sicht, zum untergang bestimmtem: jede stelle hienieden sei ja 6000 jahre alt und reliquie — alles sei gottesacker und ruine auf der erde — besonders die erde selber Jean Paul s. w. I 9, 104 akad.; sie haben einen gottesacker von putz auf dem leib, aber nicht 'nen deut in der tasche Grabbe w. 4, 28 Bl. in redensarten, die den tod zum gegenstand haben: wie geschwinde kan ein arzt seine seufzende kranken auf den gottesacker bringen Leipziger avanturieur (1756) 1, 226; gedachte frau war in ihren alter mit einen langwierigen husten beladen, also dasz sie immer klsterte, vnd wie man sagt, nach dem gottsacker bellete Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 823; den gottesacker anhusten 'dem tod nahe sein' bei Fischer schwäb. 3, 766. dazu mundartliche bildungen wie gottesackerbelle für einen heftigen, gefährlichen husten; -dachs für den totengräber; -männchen für einen dürftig, elend aussehenden menschen bei Müller-Fraureuth obersächs. 1, 433; ferner bei Fischer a. a. o.: -pfeifer, soviel wie -belle; -wasser für den schnaps; ähnlich -blumen für graue haare (aber auch in eigentlicher bedeutung: Meisl theatr. quodlibet [1820] 4, 136). 1@ee) in besonderer anwendung in der studentensprache zur bezeichnung eines steigerungsgrades in der bierfehde: weitere stürze, die von durstigen leuten oft gebraucht wurden, waren 'pabst', zwei gläser, 'christenheit oder amtmann' vier, 'gottesacker' acht gläser (1835) Felix Schnabels universitätsjahre 74 Bierbaum; vgl. Kluge studentenspr. 93a. 22) kirchenland, dem kompositionstyp gott I D 4 entsprechend. selten und wohl nur dort auftretend, wo gottesacker in der bedeutung 'friedhof' nicht üblich ist: die gottesäcker werden zwar nicht unbillig von den untertahnen bestellet, doch musz darum der von Thümen keinen abgang an seinen diensten leiden (1649) entscheid. d. Cölln. konsist. 217 Burkhard v. Bonin; die (niederländischen) siedler übernahmen die verpflichtung (ländereien für kirchliche zwecke für immer frei zu deichen), wie es oft heiszt, 'zur ehre gottes' oder 'um gottes willen' ... die länder werden als 'kirchenländer', 'gottesäcker', 'kerkvroonen' bezeichnet J. v. Gierke gesch. d. dt. deichrechts (1901) 2, 152. 33) ein fruchtbares, von gott gesegnetes, begünstigtes stück erde; vgl. gottesgarten 1. vereinzelt bei Luther: (Sodoma) fertilissima fuit terra, ein gotzacker (var. wie eyn gottis garten) (1523) Luther 14, 44 W.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gottesacker

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Gottesacker , des -s, plur. die -äcker, der zur Begrabung ehrlicher Todten bestimmte Platz, nach einem alten Gebrauc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gottesacker

    Goethe-Wörterbuch

    Gottesacker 5 Belege, der früheste in ‘Cellini’ Friedhof; stets für eine bestimmte reale Örtlichkeit [ Blick von der Sta…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gottesacker

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gottesacker , s. Begräbnisplatz .

  4. modern
    Dialekt
    Gottesacker

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    Gottesacker Band 1, Spalte 1,97f.

  5. Sprichwörter
    Gottesacker

    Wander (Sprichwörter)

    Gottesacker Gottesacker hat Kreuze, aber keine Leiden.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gottesacker

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Zerlegung von gottesacker 2 Komponenten

gottes+acker

gottesacker setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gottesacker‑ als Erstglied (9 von 9)

gottesackererde

DWB

gottes·ackererde

gottesackererde , f. , in übertragenem zusammenhang: ach, liegt es vielleicht daran, dass wir selber sie ( die freude ) nie so voll bekommen…

gottesackerkirche

DWB

gottesacker·kirche

gottesackerkirche , f. , im gegensatz zur pfarrkirche die auf dem gottesacker auszerhalb der stadt oder des dorfes errichtete kapelle oder k…

gottesackermauer

DWB

gottesacker·mauer

gottesackermauer , f. , friedhofsmauer: Lenette wäre aus furchtsamkeit lieber hinter der gottesackermauer weggelaufen Jean Paul w. 11/14, 22…

gottesackerscheu

DWB

gottesacker·scheu

gottesackerscheu , f. , angst vor dem tode: nein, fern sei dem manne die sinnlose gottesackerscheu und der jammer über das seelenlose ... — …

gottesackertür

DWB

gottesacker·tuer

gottesackertür , f. : so pfleg'ich denn h'nein zu gehn, wenn so 'ne gottsaker thür offen steht Matth. Claudius s. w. (1775) 1/2, 195 . —

gottesacker als Zweitglied (5 von 5)

Judengottesacker

PfWB

judengott·e·sacker

Juden-gottesacker m. : 'Judenfriedhof', in der RA.: Er kummt emol uf de Jurregottsackeʳ , weil er sich zu Lebzeiten mit unlauteren Geschäfte…