trespe,
f. ,
ein unter dem getreide wachsendes unkraut. 11)
form. mhd. trefs(e), trefze, treps(e);
mnd. drespe, drespekrût Schiller - Lübben 1, 574
a;
vgl. ohne -s-
ableitung dräff Seiler
Basl. ma. 82;
nl. draf
quisquilia bei Diefenbach 480
c,
nl. dial. drep;
dän. norw. draphavere Falk-Torp 153.
zweifelhafte etymologien bei Falk-Torp
ebda, Fechner
erklär. volkstüml. pflanzenn. (1871) 6, Prahn
pflanzenn. (1909) 149. —
die ursprüngliche form ist trefs, trefse,
vgl. Wilmanns
3 1, 133.
neben ihr schon mhd., zuerst auf md. boden, die metathese (
wie in knospe, wespe
s. Kluge et. wb.11 314
a)
bei Nicolaus v. Jeroschin 1560; 5944
Strehlke; Konrad v. Heinrichau 336
a (1340
schles.)
; bei Diefenbach
gl. 480
c (
md.-ndd. 15.
jh.),
dann im 17.
jh. allmählich allgemein: treps
saxon. ... nos hodie appellamus trespe Stieler
stammb. 2305;
die ps-
form, ursprünglich auch md. vorhanden (Heinr. v. Meiszen 57, 5; 49, 2; 52, 11),
scheint sich demgegenüber in Süddeutschland länger zu halten. sie wird noch notiert von Kirsch
cornucop. Nürnb. 1723,
nicht mehr in der ausg. Augsbg. 1796,
s. Diefenbach
gl. 635
c.
ihre letzten lexikal. bezeugungen für das md. liegen im 17.
jh.: Calvisius
thes. 46; Zehner
nomencl. 176; Corvinus
fons latinit. 342. —
die maa., in denen das wort reich verbreitet ist, zeigen trepse,
mehr oder weniger lautlich gewandelt, vor allem obd.: Schmeller-Fr. 1, 673; Brenner-Hartmann
Bayerns maa. 2, 136 (
Egerl.); Fischer
schwäb. 2, 351; Seiler
Basl. ma. 82; Spiesz
henneberg. id. 258; trespe
mehr ndd. und md.: Gutzeit
dt. spr. in Livl. 200; Hupel
Lief- u. Ehstl. 241; Dähnert
pommersch. u. rügensch. ma. 88; C.
F. Müller
Reuterlex. 30; Damköhler
Nordharz. wb. 45; Hertel
Thür. 247; Schambach
Göttingen 47;
brem.-nieders. wb. 1, 245 ('
besonders gras, so im ersten jahr nach dem pflügen wächst'); Doornkaat-Koolman 1, 332; Lenz
Handschuhsh. dial. 72
a;
im schlesw.-holst. verkürzt als dress Mensing 1, 857; Schütze 1, 253; Schumann
Lübeck 5. —
die formen ohne auslautendes e,
nach Fischer
schwäb. die ursprünglichen, deren plur. die e-
formen rückbildend ergeben habe, seit dem 15.
jh., hauptsächlich bair. Diefenbach 335
c; 635
c;
n. gl. 238; Schmeller-Fr., Brenner-Hartmann
a. a. o.; auch dräff Seiler
Basl. ma. 82.
literarisch selten: Schade
sat. u. pasquille 2, 149; A. Chrosner
serm. v. d. hl. christl. kirchen 48; J. Wild
n. reisebeschr. (1613) 174; treps und lolch und schwindelhaber Immermann 13, 197
Boxb. gelegentlich auch in der zweiten gruppe: tresp Nic. v. Jeroschin; trisp Hupel
Lief- u. Ehstl.; Dähnert
pomm. u. rügensch. ma.; dresp Müller
Reuterlex. —
das geschlecht ist mhd. stets masc., ebenso mnd. Schiller-Lübben 6, 107,
im nhd. jedoch immer fem. die maa. haben für die kurze form das masc. geschlecht bewahrt; bair. kommt auch das neutr. vor Schmeller - Fr. —
die flexion wird ursprünglich nur stark gewesen sein: acc. sg. trefs (: kefs) Heinr. v. Meiszen 49, 2;
gen. sg. trespis Nic. v. Jeroschin 5944
Strehlke. daneben früh schwach: acc. pl. trefsen
pred. des 13.
jh. 2, 37
Grieshaber; trefftzen
teufels netz 12377
Barack, später im sg. nur selten und nicht über das 17.
jh. hinaus: acc. trespen S.
Dach 903
lit. ver.; nom. sg. mit eingedrungenem -n: trespen Kirchhof
wendunm. 1, 238
lit. ver.; da wächst nur trespen und tauber haber (
infelix lolium) Corvinus
fons latinit. (1646) 342. 22)
bedeutung. das wort bezeichnet ein getreideähnliches unkraut, meist ohne eindeutige vorstellung, nur nach der nützlichkeit betrachtet: in des hoves garten stênt tistel rûch, unkriutic trefs bî den bluomen zarten Heinrich von Meiszen 57, 7
Ettm.; quisquilia drespe Diefenbach 480
c;
nov. gl. 312
a; unkraut und trespe und schmarutzerische pflanzen Wieland I 9, 272
akad. ausg.; daher von den mannigfachsten botanischen arten, z. b. für zizania, lolium, bromus secalinus, iuraia, festuca secalina u. a.; sowohl lexikographisch wie literarisch reiche synonymenangaben: dort, lolch, taumellolch, twalch, töberich, schwindelhaber, -korn, kuhweizen.
über verschiedene arten vgl. Holl
wb. d. pflanzenn. 383
a; Adelung 4, 670.
manchmal mit genauerer scheidung: lolium, ..., zizanion, in hordeo walch,
in olyra (
einer getreideart) threspe
voc. rei nummariae (1552) j 1
a;
lolium dort, lolch unkraut, trespe im korn, oder twalich in der gersten Golius
onomast. (1571) 398.
eine speciellere vorstellung läszt trespe
mit anderen unkrautarten wie wicke, rade, kornbolle
zusammentreten: unnutz korn als treffs, raten Diefenbach 378
c; tresp und raden Brockes 7, 332; wicken und trespe Rabener
s. w. 1, 230,
s. a. unten die belege aus teufels netz, Schade
sat. u. pasqu. u. K. Rother.
den literarischen gebrauch bestimmt die gegenüberstellung mit gutem korn und nützlichen pflanzen überhaupt: so si (
die bauern) iren zins sond richten, so machend si das korn zuo nichte, trefftzen, wikan und kornbollen, land darinn die akerschollen
teufels netz 12377
Barack; so seind die bauren foller böser list mit was sie zu markt füerent, es sei korn, gersten, habern, darin vil unflat, staub, trefts, wicken Schade
satiren u. pasqu. 2, 149; raden, trespen, vogelwicken sollt ihr nicht zum decem schicken. ich predige das wort gottes lauter und rein, drum soll auch rein mein decem sein
bei K. Rother
schles. sprichw. 31.
hiernach zu verstehen: ja, weil kein rittergut dich für die blösze deckt, und dir in theurer zeit aus trespen silber heckt Hanke
ged. 1, 421. sonder unkraut, tresp und dorn wächset eittel reines korn Treuer
dt. Dädalus 1, 257; vor gutes kraut tresp nur und diestel wächst Anton Ulr. v. Braunschw.
Octavia 3, 241; (
die feldmaus) spelt und trespe nur asz, der besseren kost sich enthaltend J. H. Voss
Horatius (1806) 2, 178 (
sermon. II 6, 89).
stimmungsmäszig ausgewertet: das auch betrübte grasz beklagt dich (
den toten) bey den für das reiche korn brunnen, wächset tresp und dorn. es trawret selbst das grosze radt der sonnen Opitz
buch v. d. dt. poeterei 53
ndr. der gegensatz begünstigt bildliche verwendung: wer unter uns steht nach gewinn und gibt für koht die perlen hin, für trespen schönen weitzen S. Dach 903
lit. ver.; korn, da kein trespen innen sey, ein bauernhochzeit on schlägerey Kirchhof
wendunm. 1, 238
lit. ver.; ich rede nicht vor alle dirnen, es gibt auch trespen unter korn Günther
ged. (1735) 428; wer trespe und korn zusammen thut, hat fürwahr 'n dummen muth; wo die trespen gedeihen, miszräth der hafer; je mehr trespe, je weniger korn Wander 2, 1307/8.
vor allem macht sich die christliche symbolik (
meist nach Matth. 13, 24
ff.)
den gegensatz zu nutze (
vgl. unkraut
teil 11, 3
sp. 1108): do die liute scliefen, so kom sin vigent, unt sâte ratten alder knullen, alder trefsen alder swie man ez denne haizet
dt. predigten d. 13.
jh. 2, 37
Grieshaber; wî er in den ackir gotis alsô vruchtsam gewurfe sînes trespis sam Nicol. v. Jeroschin 5944
Strehlke; des hazzis tresp er (
der teufel) drundir warf
ebda 1560; eine falsche lehre, welche der teuffel ... wie die trespen und unkraut unter den guten samen einmenget Mathesius
Syrach (1586) 2, 55; was unkraut steht auf deiner sat, kornblumen, disteln, trespe, rat Ringwaldt
ev. j 3
a.
an Matth. 13, 40
schlieszt an: den drespen vorbernet er yn deme ewyghen vure
Oldenb. evangelienb. (15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 6, 107. wie bey sichtung des weizens das reichhaltige korn von selbst ... zurückbleibt, indesz die leeren schalen nebst spreu und trespe sämtlich durchfallen: eben so gewisz sondert sich der poetische mittelkopf ... von dem wahren dichter ab Kretschmann
s. w. 2, 15.
redensartlich: d is diespen dermank
die sache ist nicht richtig Bauer-Collitz
waldeck. wb. 20
b.
zu erwähnen ist der volksglaube, gutes korn könne sich in trespe
verwandeln, entstanden als erklärung für die tatsache, dasz bei unreiner aussaat und zuviel feuchtigkeit nur der trespensamen zum keimen kommt Thär
grunds. d. rationalen landwirtsch. 2, 165;
landschaftlich für Schleswig-Holstein notiert Mensing 1, 857.
in fester phraseologischer verbindung: dasz der hochliegende, nunmehr aber schmelzende schnee durch allzu langes stehen die saate aussauren und zur trespe bringen konte
samml. v. natur- u. medicin. gesch. (
Breslau 1718) 3, 665.
übertragen ungewöhnlich: wie verdorben musz der boden sein, der die beste weizensaat zu trespe macht und verwandelt Hamann
schr. 1, 183
Roth. 33)
composita, erstmalig drespecrut Diefenbach
n. gl. 312
a,
werden meist mit dem element trespen-
gebildet; allein steht trespartig Dietrich
lex. d. gärtnerei u. botanik 1, 176 (
daneben auch trespenartig
ebda 2, 103).
trespenart: zu den kulturpflanzen kommen an weiteren pflanzlichen resten noch zwei einheimische unkräuter: eine trespenart Hoops
waldbäume u. kulturpflanzen 285;