versperren,
verb. form. wie sperren
in engster etymologischer beziehung zum substantiv sparren
steht (
vgl. th. 10, 1,
sp. 2172),
so läszt sich versperren
nach dem muster von goth. faurdammjan, faurwaipjan, faursigljan
erklären: dadurch, dasz man vor einem gegenstande einen '
sparren'
anbringt, ihn absperren oder verschlieszen Grimm gramm. 2, 858, 861; Wilmanns
d. gramm. 2, 159
f. (§ 125); Paul
wb. 2590
b.
im ahd. fehlt ein entsprechendes *farsperran (-sparjan)
neben sperran, gasperran, bisperran,
claudere Graff
sprachschatz 6, 361.
mhd. versperren
mhd. wb. 2, 2, 488
a; Lexer
hdwb. 3, 243
f. für die zurückführung der vorsilbe auf furi —
got. faur —
spricht die mhd. form vürsperren: den wirt fürsperret die tür des himelrîches
Alemannia 2, 199.
die unumgelautete form des prät. herrscht mhd. durchaus, im part. kommt neben verspart
seltener die jüngere form versperret
vor mit angleichung an das präsens. bisweilen tritt dehnung des stammvocals ein, so im luxemburg. mit a-
vocalismus: verspârt gièn,
ausgesperrt werden Gangler 470;
sonst mit e-
vocal, so alemannisch: farshpäära Martin-Lienhart
elsäss. wb. 2, 546
a; diewyl doch ist ein gmeyne sag, das kein recht yemands vnuerhOert das syn mit bill ye hab verspeert
schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 1, 136, 724
Bächtold. ostfries. ferspêren,
während altfries. nur urspêra
überliefert ist Ten Doornkaat Koolman 1, 466
a;
den zu ö
gerundeten stammvocal bietet vereinzelt die ältere obd. sprache: gots forcht, die ewer schilt vnd wöhr, vnd frvmbkeit ewer scharpfes spöhr verspörren den lust in den schrancken Weckherlin 429 (
od. 2, 1, 4)
Goedeke; so kOennen sie ... den davon ziechenden vngehewren dampff nit verspOerren Guarinonius
grewel der verwüstung (1610)
bl. 517.
mhd. erscheint vereinzelt versparte, verspart
zu versporte, versport
verdunkelt: do ich daʒ horte, an dem worte ich versporte minen munt
minnesinger 3, 197
a v. d. Hagen; deʒ muoʒ mir yemer iamers clag in minem hercen sin versport
liedersaal 3, 313, 301
Laszberg; wo aber einem clager dasz recht vor dem abt oder seinem underrichter versport ... wurd Knebel
chron. v. Kaisheim 365.
umgekehrt begegnet zu i
erhellter stammvocal in verspirren
und dem part. verspirt
schon mhd.: in dieser langen zeit her wurden dy statthor von den auffrürigen, mutwilligen pürgern ... eingenommen, besezt, ganz verspirt
d. städtechronik. 15, 18, 3; dy zway verspirten klöster sant Clarn und heiligen creuz 62, 25.
diese form hat sich im obd. stellenweise erhalten: Fischer
schwäb. wb. 2, 1343.
das in der ahd. periode noch nicht bezeugte versperren
ist schon mhd. auszerordentlich verbreitet und auch für die folgende zeit reich belegt: versperren,
pessulare, repagulare, claudere voc. inc. teut. ii 4
b;
abstrudere, versperren Diefenbach
gloss. 5
c;
pessulare, v'riegeln, sperren 431
b,
repagulare, versperren 492
c; versperren Maaler 431
c; besperren, ein- & zuesperren,
it. versperren,
claudere, includere, obserare, serâ munire, occludere, it. prohibere, cohibere Stieler 2073; versperren ...
v. verschliessen, zusperren Kramer
teutsch-it. dict. 2, 859
b; versperren, sperren, zu sperren, verschliessen, zuschliessen
hoch-nider-teutsch. dict. 247
b; versperrt,
präs. ich versperre,
intercludo, includo, präcludo Steinbach 2, 623; Frisch 2, 298
b; Adelung
und Campe.
in den mundartlichen wörterbüchern ist versperren
als synonym mit dem schriftsprachlichen wort in den meisten fällen nicht verzeichnet: versperre
n Martin-Lienhart
els. wb. 3, 546
a; Fischer
schwäb. wb. 2, 1343; Hunziker
aarg. wb. 245.
im älteren niederdeutschen ist das wort nicht bezeugt auszer dem niederländ.: versparren, versperren Verdam
mnl. hdwb. 637
a; versperren,
claudere, obserare, clathrare Kilian (1599) 604
b.
im neueren ndl. wird es wie nhd. versperren
gebraucht. im altengl. und altnord. fehlt das wort und ist im jüngeren schwed. förspärra
aus dem deutschen übernommen. bedeutung und gebrauch. II.
in mhd. zeit auftauchend, macht versperren
eine reiche entwicklung durch und wird erst in der jüngeren nhd. periode durch weniger zweideutige composita wie ab-, aus-, einsperren
in seinem gebrauche stark eingeschränkt. versperren
bezeichnet ein verstärktes sperren:
einen sparren vorlegen, einen gegenstand durch einen balken, eine stange abschlieszen und zwar zunächst thür und thor, dann einen zugang oder weg und den hinter dem schlieszenden gegenstand liegenden raum. da aber ein angebrachter sparren oder balken auch ein hemmnisz darstellen kann, so bedeutet versperren
dann '
festlegen, mit beschlag belegen, vorenthalten, verwehren, hindern.' I@AA.
fast durchgehends ist transitive verwendung üblich. I@A@11)
objecte sind zunächst thür und thor. durch einen verschlusz schlieszen, verschlieszen: die thore, die thr. versperren; mit versperrter thr handeln Kramer
teutschit. dict. 2, 859
c; die thre versperren,
fores obserare Steinbach 2, 623.
mhd. jâ hât der videlære die tür nie sô verspart, wir entslieʒen si sô wîte daʒ wir dar für gân
Nibelungenlied 1930, 2
Lachmann; diu tor er versperren hieʒ Ottokar
reimchronik 61 939; ir porten versparten si dô sâ und versasten ir gewer Konrad v. Würzburg
troj. krieg 263
c; daʒ tor was hinder im verspart, davon er muoste liden not Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 3470; wan er den list alrêrst vant, daʒ er die bürgtor verspart Enenkel
weltchronik 1534; in dieser langen zeit her wurden dy statthor von den auffrürigen, mutwilligen pürgern ... eingenommen, besezt, ganz verspirt, liessen niemand aus oder ein 15, 18, 3; es sol auch niemand kainerlai gut messen noch wegen mit versparter tür
tiroler weisthümer 4
1, 354, 19; findt auch ainer ainen bei der nacht bei gerochem feuer und bei versparter tür in seinem hause 409, 32;
mit zuo
verstärkt: sô versperret der wâre briutegom die porten des himels zuo Berthold v. Regensburg
predigten 1, 8, 11;
mit dativ der person: mir ist verspart der sælden tor: dâ stên ich als ein weise vor: mich hilfet niht swaʒ ich daran geklopfe Walther v.
d. Vogelweide 20, 31
Lachmann; noch mehr bildlich angewandt: welich was der torenwarte an triuwen alsô harte? daʒ was Joseph ir (
der jungfrau Maria) trût, von dem nie ir blôʒe hût mit unkûsheit geruoret wart; da von diu pforte was verspart an ir reinen magetuome H. v. Krolewitz 675
Lisch; dâ von hât diu sêl kein tor, si gêt mit versparter tür in den menschen und hervür Teichner 99 (A 150
b);
nhd. gewöhnlich im nicht übertragenen sinne: sOelchs kam jm (
Johannes) ausz der tugendt huld. noch was versperrt der hyMel pfort J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 156 d (
Kummertrost); die drey weren gern gsein hinaus, do was die thr versperte Pamph. Gengenbach 37, 181
Goedeke; da versperten sie die stat-thor H. Sachs
werke 2, 145, 16
Keller; dann an dreyen orten war er (
der kampfplatz) mit hohen brettern umgeben, und die pforten wurden alle versperret
volksbuch vom gehürnten Siegfried 90
neudr.; der dritte (
dieb vor dem hinrichten) aber das thor versperren heisset, dieweil er zu nacht nit zu hausz mehr komme L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 94
neudr.; er verspert alle thür im closter, leget darfur hOeltzer, stain hauffen ... S. Franck
chron. Germaniae (1538) 172; die magd schlosse indessen die thür auff, sie versperte sie auch wieder Grimmelshausen
vogelnest 2, 425, 3
Keller; es drfte der vater auf den abend die thr nicht versperren
der polit. maulaffe (1679) 40;
mit dativ der person: doch mocht er solchs, der gute sun vor seiner mutter gar nit thun, die jhm all thr vnd thor verspert Fischart
Eulenspiegel 39, 305
Hauffen; seltener wird dieser gebrauch im 18.
jahrh.: die fenster in den zimmern machen sie mit zwey flgeln auf, und die thren sind nur mit einem einzigen schlosz versperret Stranitzky
ollapatrida 163, 20
Wien. neudr.; die thre wird versperrt Gottsched
deutsche schaubühne 6, 275; die noth macht's dasz die herren nicht gantz die thr versperren, wenn sie den diener sehn R.
Z. Becker
Mildheim. liederbuch (1799) 99.
in jüngster zeit ist versperren
in dieser verwendung ungewöhnlich, man sagt: die thür verschliessen
statt versperren;
doch erscheint es bei österreichischen schriftstellern in dem sinn '
fest verschlieszen und versichern': die wohnungsthür, welche Elise doch vor ihren augen versperrt und verriegelt hatte, sei von selbst aufgesprungen Ebner-Eschenbach
schriften 4, 355;
Theodor: gute nacht! (man hört, wie Fritz die thre draussen schliesst und versperrt) Schnitzler
liebelei 76.
ebenso gebildet: die fenster versperren,
schlieszen, verschlieszen: ... alle türe und fenster verspert sache Arigo
decamerone 203, 12
Keller; geitzhAelse, welche ... ihre fenster versperreten Moscherosch
Philander (1650) 1, 204; hergegen versperrete er (
Daniel) das fenster, welches gegen Babel gerichtet ward Butschky
Pathmos (1677) 265;
von thür und thor übertragen: dem kOenige ..., der ... sich einer versperrten gartenhecke nAeherte Archenholz
England und Italien (1785) 1, 2, 586. I@A@22)
wie thür und thor durch schlosz und riegel, so werden ganze räume, wie städte, häuser, zimmer, durch mauer, thor und thür gesperrt. I@A@2@aa)
verrammeln, verbarrikadieren: eine stadt versperren ...
bloccare una città; einen ort versperren ...
barricare ... un luogo; ein versperrter ort ...
un chiuso, chiostro, serraglio Kramer
teutsch-it. dict. 2, 859
c; blokiren ... einschliessen oder versperren oder umrennen Schönaich
ästhetik 62
Köster; mhd. da was daʒ dinch gescafet. si heten iʒ uerscrannet, mit rigelen uersperret Diemer
ged. d. 11./12.
jahrh. 257, 7 (
leben Jesu); der keiser hieʒ bereiten sâ einen turm, den er hete erkorn ... der hôch was unde wol verspart
Eraclius 2543;
mit präp. vor: die stat die man vor in ouch sô hât beidiu verletzet und verspart daʒ ir keiner inne wart wie eʒ hinder im ergie
Reinfried 25 657; und er fur zu dem vesten thor ein; sunst was die statt allenthalben versperrt
d. städtechron. 11, 525, 33; .. giengen in den thurn, vnd versperrten den mit eysenen riegeln
buch der liebe (1587)
bl. 343
d; o ewigkeit! du bist ein versperrter kercker! Abraham a St. Clara
etwas für alle (1711) 2, 546; do hett der Themurlin leut geschickt zu dem tempell und hett mitt in geschafft, wann der tempell vol würde, so solten sie in versperren Schiltberger
reisebuch 26, 21
lit. ver.; in einer hOele, die man auff befehl des regenten versperret gehabt G. Arnold
kirchen- u. ketzerhistorie (1699) 98
a;
in dieser verbindung noch lebendig: aus schoosz verborgner höhlen, lang versperrter, wohin des Philistäer's furcht uns trieb
F. Rückert
werke 9, 78 (
Saul und David I). I@A@2@bb)
einen raum verschlieszen, absperren: de conclavi instrumentario, von versperten gemachen vnd instrumenten;
conclave ... verspert gemach Saurus-Melanchthon
nomenclatura (1591) E f b; zum hon und zur schmach den versperten klOestern hat er gesagt 'kumer dich nichts umb deynen gardian oder prior, wenn die versuchung des fleysch ynn dich kompt', und hat noch auff deutsch hynzu gesetzt 'spring heraus aus dem kloster' Luther 15, 138, 1
Weim.; die kemenâte man verspart
d. städtechron. 3, 14 890; der garte sprichet div heil. scrift! daʒ er immer uersperret si!
speculum ecclesiae 103; sie solt versperen wol das haus, die kammer-thüer und auch die stiegen H. Sachs
werke 22, 304, 7
Keller-Goetze; drum schilt er, wie ein luchs, ... versperret hof und haus, und heisst das liebe kind, fein frh zu bette gehn B. Neukirch
ged. (1744) 202, das kloster noch versperret stande, so lang klopfet bisz man ihm auffschlosz
Galmy 310.
einzelne räume eines hauses: (
der abt) die zellenn wol versperte und in die seinenn ginge Arigo
decamerone 38, 16
Keller; zoch dē schlüssel auss dē schloss, versperrete die kamer wol Schaidenreisser
Odyssea (1537) 5
a; darnach verspert der herr das gmach Fischart
ritter von Stauffenberg 311,
v. 1386
Hauffen; zuo seines gesellen kamer gieng, alle verspert fand Wickram
werke 1, 5, 20
Bolte; in Nürnberg ist (
den altmachern) nechst der parfsser-kirch ein eigenthmlicher marck mit besonders versperrtem kAemmerlein angewiesen (
verschlag) Abraham a St. Clara
etwas für alle (1711) 2, 26; er hat das zimmer versperrt H. Braun
dtsch. orthogr.-gramm. wb. (1793) 285
a; die reine nachtluft, die sie eingesaugt, hat sie empfindlicher gemacht gegen den unerträglichen geruch im versperrten zimmer Holtei
erzähl. schriften 3, 84;
von verschlossenen behältnissen: czwen versperret kasten Arigo
decamerone 590, 4
Keller; man sihet .., dasz vil geitzige filtzen, ein verknpfften versperten sack mit gelt, der edlen gesundtheit frsetzen Scheit
grobianus 4
neudr.; ein wenig erde, die ich in einen kasten einschliesze, wrde mir eben den vortheil geben kOennen, als vollgestopfte geldsAecke, die ich nicht brauche, sondern versperre Joh. E. Schlegel
werke 5, 389; da bringt der mann im rothen kleid noch eine schüssel seinem herrn, der sieht hinein mit schadenfreud' und thut sie wieder dann versperrn A. v. Arnim
werke 3, 363
Grimm; man sah ihn nie ohne ein versperrtes actenportefeuille unterm arm Grillparzer
werke 19, 112
Sauer (
selbstbiographie);
von der eisdecke: wenn noch ein nachwinter kOemmt, schnee und eis die gewAesser versperren J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 7, 279;
mit dativobject, verschlossen halten: mit ihrem zepter ...... .. versperrt sie (
die unsterblichkeit) dem verbrecher sein scheussliches asyl Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 8, 6. I@A@2@cc)
in besonderer verwendung, wofür die heutige sprache schliessen, sperren
gebraucht; nur in älterer sprache vom ladenschlusz: wo sol ich hin? es ist zu spat, die apoteck man versperrt hat H. Sachs
werke 17, 151, 19
Keller-Goetze; gotteshäuser: mhd. daʒ die kirchen alle entsloʒʒen müesten werden, und iemer ûf erden diu tempel solten sîn verspart
Silvester 2278; anno 1441 jar da verspart man sant Katherinen closter
d. städtechron. 4, 323, 23; weiter fraget Reisolt, ob auch dy und dy ... da weren ..., under anderm, ob auch dy zway verspirten clöster sant Clarn und heiligen creuz verhanden weren 15, 62, 25; mit diesem grund haben die zu Nrnberg ihre mnche gestillet und die klOester versperret Luther
briefe 3, 89. I@A@33)
der weg oder zugang zu einem raum wird gesperrt durch irgend ein hemnisz. diese ausdrucksweise ist in der heutigen sprache lebendig. I@A@3@aa)
in concreter verwendung: einem den zutritt versperren Stieler 2073; den zugang, den weg versperren Kramer
teutsch-it. dict. 2, 859
c; einem die strasze versperren ..., einem den pasz versperren Steinbach 2, 623; versperren, einem den weeg ...; den zugang versperren ... Frisch
teutsch-lat. wb. 2, 298
b; den pass versperren,
iter auferre S. J. Apini
glossar. novum (1728) 396; versperren
barrer, barrikader J. R. Fäsch
kriegs-ingenieurseelex. (1735) 261
a.
durch ein veranstaltetes hindernisz von dem zutritte anderer ausschlieszen: der weg ist versperret, gesperret.
am häufigsten mit der dritten endung der person: einem den weg, den zutritt zu jemanden versperren Adelung.
durch ein hindernisz, welches sperret, den zugang. durchgang wehren, zu betreten hindern ... man versperrte ihm den weg Campe;
alem. d ganz stross is
t versperrt mit fue
hre
n Martin-Lienhart
elsäss. wb. 2, 546
a.
ohne dativobject: mhd. (
Swantoploc hatte) den brûdrin in vêde hart dî strâʒe sô gar vorspart zu waʒʒre und zu lande von lâge manchir hande Nic. v. Jeroschin 9008.
das hemmnisz ist nicht angegeben: da nicht allein alle wege nach Italien ... versperrt, sondern auch die aussichten ... äuszerst schlimm sind Göthe 34
1, 203, 18
Weim.;
gegenstände bilden das hemmnisz: weil an der ostseite einige riefe und kleine eilande den zugang versperrten Forster
schriften (1843) 2, 188; obgleich die spitzen unserer klostergitter so viele dorne sind, die den zugang zu uns versperren, so ist doch durch diese anstalten nichts gesichert, als unsere aussenseite Zimmermann
über die einsamkeit 2, 322; die kreuzweis über ein ander geworfenen bäume versperren diesen weg Göthe 24, 59, 10
Weim.; die hemmenden gegenstände sind durch präpositionen bezeichnet: weg, der durch einen groszen sturz von granitblöcken versperrt gewesen war III 2, 173, 3
Weim.; überall absterbende, von insekten zerfressene, umsinkende und umgesunkene riesenbäume, die mit ihrem geäste den pfad versperren R. Gradmann
bei Wimmer
gesch. d. deutschen bodens (1905) 30.
personen bilden das hemmnisz mit ihrem körper oder waffen: wie vor Alzinens burg versperren die ungeheuer den weg E. Th. A. Hoffmann
fantasiestücke 1, 18; es ist möglich, dasz der weg nicht ganz frei ist, dasz vielleicht die von Eszlingen schon herabgezogen sind, um den pasz zu versperren W. Hauff
werke 1, 313, 12; so können die anderen stämme alle andern zugänge zum hochlande leicht versperren Ritter
erdkunde (1822) 1, 240; sechs, sieben gestalten versperrten den weg C. Viebig
das schlafende heer 2, 463.
mit dativobject, meist der person, welcher der weg oder zugang versperrt wird; mhd. grôʒ vröude in dem hûse wart, den vor der wec was verspart von den zwein eiterdracken Heinrich v.
d. Türlin
krone 167
b; unde er was alsô gevangen daʒ im aber de ûʒvart anderstunt versperret wart Hartm. v. Aue
Iwein 1708.
die sperrenden sind auch meist personen: so haben dj zwen Scipiones ... jren feinden von Carthagine, den weg jres zugs versperren wOellenn J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 37.
eine präposition drückt das hemnisz aus: wenn man jhnen den weg mit gruben vnd wasser allerhalb versperret hett ... liess mā sie daselbs wol versmachten J. Heyden
Plinius (1565) 97.
ausgedehnt wird der gebrauch in der neueren sprache: versperrt uns den weg nicht Göthe 24, 5, 3
Weim.; um den ... berittenen räuberschaaren den weg zu versperren Mommsen
röm. gesch. 43, 247; Lysander's geist versperrt ihm den ausweg, er flieht entsetzt zurück Börne
schriften 1, 144; er ... wendete ... seine aufmerksamkeit nicht einen augenblick von Julius ab, den er nach und nach bis in einen winkel des saales geredet und ihm jeden ausweg versperrt hatte Holtei
erzähl. schriften 5, 86; sie ... hat mit leid auf die häuflein der kinder geblickt, die ihr oft den eingang in die niedrigen thüren versperrten Storm
werke 2, 252; ist den landstAedten der weg nach andern gegenden versperrt? J. Möser
werke 1, 100
Abeken; denn da der eintritt in die lazarethe den geistlichen versperrt ist ... Pfeffel
pros. versuche (1810) 5, 35.
seltener von gegenständen gebraucht: derselbe strom, der ihnen die bahn zum siege erschwert, versperrt ihnen alle wege zur flucht, wenn das glück sie verlassen sollte Schiller
werke 8, 230; nicht weniger werden sie auch gebt, ber einen graben oder was ihnen sonst den weg versperren will, wegzuspringen Wieland
Lucian (1789) 4, 355; doch soll eine bank den schiffen den eingang versperren Chamisso
werke 2, 296;
jedoch ist es durchaus üblich zu sagen: eine schnur versperrt den besuchern den eingang in die inneren gemächer; ein gatter versperrt dem wilde den ausweg; ein damm versperrt der flut die bahn.
mit reflexivem dativ: dort halten die wagen der holzverkäufer, ... welche sich einander platz und weg versperren Göthe IV 29, 234, 19
Weim. I@A@3@bb)
es handelt sich um keine räumliche sperrung eines weges, aber dieselbe anschauung wird bildlich festgehalten. ohne dativobject: dann es sich vor gottes angesicht in keinen weg verantworten wirdt lassen, wenn man den weg zur warheit fürsätzlich versperret, vnnd andere an jhrer seligkeit zuuerhindern begeret Ph. Heilbrunner
von der Augspurg. confession (1598) 133; aber auch zu diesem ziele war der gerade weg versperrt Treitschke
deutsche gesch. im 19.
jahrh. 1, 296; ich wollte was antworten, aber der pasz vom herzen nach der zunge war versperrt Göthe 8, 51, 3
Weim.; den weg, den der gedanke verfolgen muszte, ... hatte der böse dämon der krankheit versperrt E. Th. A. Hoffmann
werke 14, 148
Grisebach; diese unglückliche ehrensache ... hatte seine militairische laufbahn versperrt A. v. Arnim
werke 2, 197;
das hemmnisz wird durch präpositionen ausgedrückt: wa die weeg, da das liecht ein solt geen, seind verkOemert vnd versperret mit falschait vnd mit vinsternuss
sermones ... Johannis Thauleri (1508)
bl. XII
a a; und diesen weg sucht die hierarchie mit macht und list zu versperren C.
F. Nicolai
reise d. Deutschland 7, 131
anhang A.
mit dativobject zur bezeichnung der person oder sache, die von der sperrung betroffen wird. mit dativ der person: vnnd das grOeste meines klagens ist, dass ich mir den weg jm nachzufolgen versperret sihe
buch der liebe (1587) 156
d; es ist der weg, Aedel zu werden, keinem mAenschen versperret Moscherosch
Philander (1650) 2, 358; aber es darf schlechterdings nichts enthalten, was den kindern den weg zu den zurückbehaltnen stücken versperre oder verlege Lessing
werke 313, 421; so Aengstigten mich in der nacht dunkle traumbilder, und stellten sich grauenhaft vor mich hin, als wenn sie mir den weg zu allem leben versperren wollten Tieck
schriften 4, 202; der adel dränge sich allzusehr in die civilverwaltung des staates ein, und versperre andern auch dorten die wege zur beförderung Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 60; es ist insbesondere der kampf um das dasein ..., der ihm den weg einer befriedigenden weltvorstellung versperrt D.
F. Strauss
schriften 6, 147; wenn du nach hause rückkehr hoffen kannst, so sprech' ich dich von aller fordrung los. doch ist der weg auf ewig dir versperrt, so bist du mein durch mehr als ein gesetz Göthe 10, 15, 295
Weim. (
Iphigenie 1, 3).
mit dativ der sache: ... sich Joseph ... des weinens nicht enthalten konte, welches dann seiner antwort ein gute weil den pass allerdings versperrte Grimmelshausen
werke 4, 724, 13
Keller; der philosophie und kritik hat man nirgend den weg versperren können Herder
werke 17, 26; mit ihrem ungerechten (
tadel) kOennen sie so wenig einem werk den weg zur unsterblichkeit versperren, als die eintretende fluth mit einem kartenblatt zurckfAecheln Lichtenberg
schriften (1800) 1, 320; wenn nicht die ... gewohnheit diesen wrckungen allen zugang und einflusz in das gemthe versperrete Breitinger
crit. dichtkunst 1, 107; diesz (
das sprechen von der religion) wird der wollust und dem tAendeln allemal den zugang versperren Lavater
schriften (1774) 1, 69; nach dem frühstücke war der vater mit der alten magd in seinen weinberg gestiegen, um von den reifenden trauben das laub zu brechen, welches den sonnenstrahlen den zugang versperrte G. Keller
werke 1, 241; wiederum ragt hier jene mauer auf, welche bisher allen methoden der geisteswissenschaftlichen forschung die bahn versperrt hat Kronfeld
sexualität u. ästhet. empfinden (1906) 30; ... wenn er (
Lykurg) ... ... den knsten, die dem leben mehr süszigkeit verleihn, dem geist mehr bildung geben, den zugang fest versperrt J. A. Schlegel
ged. (1787) 1, 161; und graden augen, graden rücken versperren wächter oft den weg E.
M. Arndt
werke 4, 147
Rösch-Meisner. mit reflexivem dativ: er bedenke, dasz er sich durch alle theorie den weg zum wahren genusse versperrt Göthe 37, 207, 17
Weim.; den weg nach Wien ... mOechte ich mir gar nicht versperren G. Forster
schriften 8, 4. I@A@44)
ähnlich: die aussicht versperren,
zunächst örtlich, dann bildlich verstanden; mit und ohne persönliches dativobject. I@A@4@aa)
local: er kOenne ... das wasser laufen machen, wie er will; bAeume hoch oder niedrig ziehen, pfropfen und stutzen, wie es ihm einfAellt; aussichten Oeffnen und versperren; ruinen machen lassen, wo keine sind Zimmermann
über die einsamkeit 4, 151; dort wird geklagt ... über den nebel, der alle aussicht versperrt H. Heine
werke 3, 68
Elster; die örtliche und bildliche doppelbeziehung wird veranschaulicht: aber finstere gestalten steigen auf, und immer dichter und dichter sich zusammendrängend, immer enger und enger mich einschliessend, versperren sie die aussicht E. Th. A. Hoffmann
werke 2, 13
Grisebach; ich ... sah die dAemme von schlamm weit unter mir, die wir in der selbstgengsamkeit unseres stolzes gegen den zuflusz reiner quellen um unsere froschgrAeben ziehen, und die uns jede aussicht in das freye versperren Thümmel
reise i. d. mittägl. prov. 7, 5. I@A@4@bb)
bildlich: das kluge geschöpf hatte ... ihnen zu verstehen gegeben, noch sei nicht alle aussicht versperrt Göthe 22, 82, 9
Weim. (
lehrjahre 4, 15).
ähnliche wendungen: den soldaten alle gelegenheit zum aufruhr versperren,
omnes seditionum vias militibus intercludere Stieler 2073; (
ich) fand ... die leiter schon aufgezogen und sah alle hoffnung mich zu retten gänzlich versperrt Göthe 25, 176, 18
Weim.; Wangenheim mit seinen liberalen genossen sah sich jede gelegenheit zum widerspruch versperrt Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 230; so kann selbst diese zuflucht (
der tod) dem leidenden versperrt ... bleiben Schopenhauer
werke 1, 421
Grisebach; ich wünschte assessor oder sekretär bei der regierung zu werden, aber alles war versperrt J. Grimm
kleinere schriften 1, 8. I@A@55)
schon 3 b
und 4
haben den sinn: '
einem den zutritt zu einem dinge verwehren'
; im folgenden wird der weg nicht mehr bezeichnet, sondern das für einen erstrebenswerte ding bildet selbst das object, das ihm vorenthalten und von dem er ferngehalten wird. I@A@5@aa)
wenn dieses etwas räumliches bezeichnet, ist damit die anknüpfung an 2
gegeben, wo indessen der persönliche dativ meist fehlt: es ist ihm land und nahrung versperret worden,
aquâ et igni interdictum est ei Stieler 2073.
land, luft, meer versperren: ich hân den helt dâ für rekant, daʒ im Azagouc daʒ lant mit dienste nimmer wirt verspart ... Wolfram
Parzival 50, 27; dasselbig meer macht vnsicher mit rauben der schiffrauber Hybristas von Lacedemonien mit den jungen gesellen von Cephalenien, vnd was jetz das meer, prouiande ausz Welschlanden zuo füren, versperret vnd verschlossen Carbach
Titi Liuij römische historien (1551)
bl. 337
r;
Erik. dort kreuzt die königliche flotte und versperret euch die see.
Gothland. die hölle hält mit festen stricken mich gefangen Grabbe
werke 1, 91
Grisebach (
Th. v. Gothland 3, 1);
mit präpos. angabe der ursache: dass ... die gegenden ... durch kriegsgetümmel versperrt werden könnten E.
M. Arndt
werke 1, 116
Rösch. winkel, haus, hof, garten, brunnen, platz, stand, stadt: got, dir sint elliu herzen kunt. ein winkel nie so enge wart, von oben abe unz in den grunt, der diner wisheit si verspart
minnesinger 2, 256
b v. d. Hagen (
Winsbeke); die schuldiger mich kerten, hausz und hof mir versperten H. Sachs
werke 7, 225, 23
Keller-Goetze; ... soll man den hünern .. den garten versperren Sebiz
feldbau (1579) 101; Christus Jhesus werde den lebendigen brunnen seiner gründlichen barmherzigkeit ... für mich nicht versperret halten Schuppius
schriften (1663) 455; er lässt mich mit seinen knechten essen, versperrt mir den brüderlichen platz A. W. Schlegel
Shakespeare 4, 156 (
wie es euch gefällt 1, 1); ach wie ist mein vatter so hert, das er mir also jung verspert den holdselich ehlichen stand H. Sachs
werke 2, 25, 24
Keller; versperrt sein
und bleiben: sie werden selb wol dannen gehn so in versperret bleibt das hausz 20, 55, 24; und ist also die statt Worms für und für allen burgern verspert gewesen Seb. Münster
kosmograph. DCXI (! DXCI). I@A@5@bb)
wie in den angeführten stellen die anschauung nicht rein local bleibt, so ist auch himmel und hölle im christlichen sinne übertragen vorgestellt: got versperre dir die helle und gebe dir durch sîne kraft der engel genôzschaft Hartm. v. Aue
Iwein 1472; wie sie den glauben zarten unde daʒ himelriche versparten den, die in gehullen Heinrich v. Veldeke
Servatius 620; sie hassen einen mit rechte, der ... ihnen den himmel versperrte Bodmer
Noah 150 (5, 407); der jüngling lag nieder ... bei jedem glockenschlage seine alte bitte in den hohen versperrten himmel rufend Jean Paul
Titan 453
Hempel. verstärkt durch vor: der himmel sî dir schiltîn diu helle sî dir vor versperret, alleʒ übel sî vor dir verirret, eʒ paradîs sî dir offen
segensformel in Hoffmanns
fundgruben 1, 261, 35. I@A@5@cc)
das object bilden seltener materielle, häufiger ideelle dinge in der bedeutung '
vorenthalten': daʒ wir von der stat zuo Straʒburg denheine helfe hettent noch spise, alse sie sit wol bescheindent, da sie uns verspartent unser spise
d. städtechronik 9, 1032, 34; o wie hat mich peinigt der hunger, wann sie versperrt mir den brotkalter! H. Sachs
fastnachtsp. 1, 50
neudr.; gib her, das hab ich wol ermessen, die weiber sind, fürwar ich sag, mir verspert gewesen drey tag
werke 15, 63, 28
Keller-Goetze. die ideelle gruppe ist schon mhd. reich ausgebaut: der werlte wunne ist mir verspart Ulrich v. Türheim
Willehalm 116
d; des wirt verspart dir immer wernder vreuden hort
Wartburgkrieg 117, 9; der chunste hort ist leider mir verspart an allen orten, des sten ich an ir phorten und chloph als ein ellender man Suchenwirt 1, 7; wirt im dîn helfe dan verspart, sîn schulde an dîner stirne klebt, sone hâstû tugende nicht bewart
könig Tirol 1, 87; mîn keiserlîchiu hulde muoʒ iu immer sîn verspart Konrad v. Würzburg
Otte 239; daʒ bekumberte land den aller besten vride vant der dâ vor ie drinne wart. ir (
des herrscherpaares) ungenâde was verspart. dem hêrren liebte sîn wîp beidiu leben unde lîp
die gute frau 1456; all mein freyheit ward mir verspert H. Sachs
werke 1, 135, 35
Keller; doch willst du selber dir dein glcke nicht versperren, so fleuch den dienerstand B. Neukirch
ged. (1744) 135; ... wider meine osores, vnd aemulos, die mir die gab, so mir gott geben hat, versperren wollen, mit jhren scheltworten Paracelsus
schriften (1616) 1, 248 B; er wird jede minute, die ihr ihnen getödtet, jede freude, die ihr ihnen vergiftet, jede vollkommenheit, die ihr ihnen versperret habt, von euch fordern dereinst Schiller
werke 2, 185 (
räuber 5, 1); mag die welt uns alles versagen, die geschichte und die natur kann sie uns nicht versperren Immermann
werke 1, 49
Hempel; bei dieser arbeit sind so vielfache .. manipulationen, dass darüber alle zeit und aller raum verloren geht und versperrt wird J. Grimm
an Gervinus, briefwechsel 2, 135. I@A@66)
so entwickelt versperren
den sinn '
die sperre über etwas verhängen, ein ding mit beschlag belegen und einem andern vorenthalten, den gebrauch eines dinges verhindern; eine person hemmen, hindern' (
nur in älterer sprache und oberdeutsch mundartlich). I@A@6@aa)
die sperre über eine örtlichkeit verhängen: oberbaudirektor Coudray, welcher die geschichte von der versperrten chaussée erzählte Göthe III 9, 52, 15
Weim.; in bergmännischer sprache das feld sperren, versperren,
auch das feld schliessen,
hinsichtlich eines bestimmten, bereits mit rechtlicher wirksamkeit von einem bergbautreibenden in anspruch genommenen feldes die bergbaufreiheit ausschlieszen, so dasz eine gültige muthung in demselben von anderen nicht mehr eingelegt werden kann —
kraft des durch die verleihung erworbenen rechts zur gewinnung der verliehenen mineralien in einem bestimmten felde andere vom bergbau in diesem felde ausschlieszen, gleichwohl aber selbst nicht bauen Veith
bergwörterbuch 181. I@A@6@bb)
den arrest über ein ding verhängen, es jemandem mit beschlag belegen, pfänden: versperren,
claudere, loco clauso continere, asseruare, etiam iudicialiter Haltaus
gloss. 1893; nachdem dann die pfand geschätzt vnd versperrt sein, soll dem schuldiger durch ainen fron oder landpoten, die pfand vmb die geschatzten summa in acht tagen den negsten, widerumb an sich zu lösen angepoten werden
quelle von 1564
ebd.; interdicere bonis: vnd hat der hauszherr ... macht, derselben varnus so uil, als die verfallne oder auszstendige zinsz ... vngeuerlich treffen, durch ainen gerichtspoten mit erlaubnus des richters zuversperren, vnd mit verner gerichtshilf zuuolfaren
quelle ebd.; also am sambstag vor Michaelis wolt der kaiser hinziehen und hett dannocht das arm volck nit bezalt, do verspart man im und seinen edeln leuten allenthalben ire rosz und dem kaiser wurden seine wagenpfert auch versperrt
d. städtechronik 22, 246, 2; doch so mochte auff solichen rechtlichen ausstrag der frawen wirt ... dieselben sein schuldigerin wol pfenden und ire claider und anders, so sie bey im in seinem haws hette, halten und versperren
Nürnberg. polizeiordn. 118
Baader; die fische ... wurden dem gotteshaus versperrt und vernegelet
quelle von 1631
bei Fischer
schwäb. wb. 2, 1344.
schon mndl. enen sijn goet versperren,
maken dat hij het niet gebruiken kan Verdam
hdwb. 637
a. I@A@6@cc)
die ausübung eines rechts, geschäfts, einer fähigkeit unterbinden: ob dem tisch solt du nit cläffig sein, wilt du volgen der lere mein. auch sag ich, das es vbel statt, wer sein red gar versperret hat Cl. Hätzlerin
liederbuch 277,
v. 136 (
nr. 71); der pfefferman hat vil verspart an mangem held wol geporen, der tzu den wappen ist erchoren (
das gute leben an der hoftafel hat manchen edelknaben zum waffenamt untauglich gemacht) Suchenwirt 31, 164; und vertruwete hiemit, min herren hettend im für (
hätten gegen ihn vor) sin versprochen rAecht und verbürget recht nützit zuo versperren. denn wenn sy das tetend, so kOente er nit fürkon, denn das er ... msste klagen, das man gewaltigklich wOelte sin alt harkommen und recht beschwechen
quellen zur schweiz. geschichte 1, 26, 9; mag der sie alszdann verrichten mit behältnusz ieglichem herrn seine gerechtigkeit, desz hat er macht, khan er es aber nit thun, so solle er ihme das recht nit versperren
weisthümer 3, 761, 10
Grimm; also ward das recht hier versperret
quelle von 1358
bei Haltaus
gloss. 1893; wo aber ainem clager dasz recht vor dem abt oder seinem underrichter versport ... wurd Knebel
chronik von Kaisheim 365
lit. ver.; weil seine (
Englands) ganze macht in einem ungeheuren reichthum besteht, so versperrt man ihm den handel J. P. Hebel
werke 2, 151, 29
Behaghel. in schwäb. mundart lebendig: einem das geschäft versperre
n,
verhindern Fischer
schwäb. wb. 2, 1344; es isch em versperrt und verwehrt (
es ist dafür gesorgt, dasz es nicht zur ausführung kommt) Wander
sprichwörterlex. 4, 1588. I@A@6@dd)
über personen den arrest verhängen, sie hemmen, fesseln: des rechtens, damit man versperrten vnd entwerten lüten ze hilff kummet, vnd wider in ir gewär gesetzt Tschudi
helv. chron. 1, 451
bei Haltaus
gloss. 1893; der zuuersicht den Philippum zuo versperren, vnd ein mal jhm zuo wehren, das er seinen bundsgenossen ... nicht mOechte zuo hilff kommen Xylander
Polybius fol. (1574) 426; ein blayches weib verflucht, dürr, samb hets die schwindsucht, hiesz Avaricia, war thürenhütter da, unnd hielt Cererem hert gefesselt unnd versperrt H. Sachs
werke 3, 320, 29
Keller; flieh, bis du wiederkehrst, und kOemmst zu meinen fszen gefangen und versperrt, dich anders zu entschlieszen Joh. E. Schlegel
werke (1761) 1, 118 (
Dido 4, 1). der himmel .. erfreute durch die linderung .. versperrte mAedchen Eschenburg
beispielsammlung 6, 246;
mit präpos., an etwas fesseln: der sol ... drew monat an ain panck, alles mit dem leyb zuvolpringen, versperrdt ... sein
Nürnberg. polizeiordn. 28
Baader. I@A@77)
eine besondere zusammenstellung beansprucht die anwendung auf körper und geist des menschen. da finden wir versperren
gebraucht von hand, hals, gesicht, auge, ohr, mund, zunge, herz, sinn, seele, wille und schlieszlich vom ganzen menschen. dem sinne nach sind verschiedene gruppen zu unterscheiden, die sich den schon behandelten anschlieszen. I@A@7@aa)
im anschlusz an 2
bildlich angewendet '
zuschlieszen, verschlieszen': da si (
die jünger) ausgevodert hat got selb tzu seiner himelvart ir angesicht waʒ unverspart (
nicht verschlossen, heiter) Suchenwirt 41, 780; daʒ nie dhein oug sô heiter wart, diu vinster hiet eʒ verspart Enenkel
weltchronik 7870
Strauch; ja (
das alpdrücken) versperre den halsz, dasz sie nicht auffschreyen kOennen Prätorius
Anthropodemus (1666) 1, 16; ich konnt mir die ohren nicht versperren wenn ich nicht fallen wollt B. v. Arnim
die Günderode 1, 384; das hertze bleibt bey dir (
gott), du wirst es schon versperren, bewohn es ewiglich, als dein geweyhtes hausz B. Schmolcke
trost- und geistr. schriften (1740) 1, 339; was jr das hertz von leyd verspert
Aimon (1535) V
b; ach hat denn der mensch ein so schmales, versperrtes herz? Jean Paul
unsichtb. loge 2, 79; unsere versperrte seele
biograph. belustig. 1, 87; wer in die hohe gewalt der geister tritt, .. ist gleichsam ein verlobter des herrn geworden und muss vielen irdischen genüssen seine sinne versperren E.
M. Arndt
an s. l. Deutschen 2, 145; nu sint di sinne mein verspart, daʒ ich niht chunst noch reicher wort chan vinden weder hie noch dort Suchenwirt 12, 68;
von verstopfung des leibes: jüd spricht: ..... sag, ist dein bauer nit hert in seinem leib und gar verspert?
knecht spricht: nein, herr, da sorget gar nit für! es steht im offen thor und thür, er ist unversperrt alle stund H. Sachs
werke 21, 68, 2
Keller-Goetze. I@A@7@bb)
die benachtheiligte person oder sache wird in anlehnung an 5
bezeichnet durch die präp. gegen: kein guter christ ist der jenig, der ... seine hand alzeit versperret gegen den armen Aeg. Albertinus
zeitkürzer (1603) 112; ir mund der sei gen im verspart, daʒ im chain gruoz mg werden chunt von chainem rosenvarben munt Suchenwirt 23, 60;
mit dativ: mir wirt versperret sô der munt Ulrich v. Lichtenstein 35, 29; daʒ küssen im erloubet wart, ich wæn daʒ im dâ vor verspart ir mund deheiniu hæte
Biterolf 6800; dein milte handt ist mir verspert H. Sachs
fastnachtspiele 1, 29
neudr.; wir suln die oren vmbe sniden, daz si der vppicheit versperret sein, vnd rehten dingen offen sein
deutsche predigten 1, 27
Roth; den diamantenen reif, den man ihnen (
den königen) über die ohren gezogen, um sie den volksstimmen zu versperren H. Heine
werke 3, 420
Elster. mit verstärkendem vor: daʒ wâre insigel der minne, mit dem sîn herze sider wart versigelt unde vor verspart aller der werlt gemeiner niuwan ir al einer Gottfried
Tristan 7818. I@A@7@cc)
im anschlusz an 6
,fesseln, in der bewegungsfreiheit hemmen': ihm ist versperret die zungen sein, das er kein wort kann reden nicht H. Sachs
werke 11, 171, 23
Keller; das bitt ich dich, das wirs fürkommen, dweils die zeit gibt, dweil auch sein muotwill versperrt ist mit schmaechworten Boltz
Terenz deutsch 17
a (1539.
Andria III 3, 577). I@BB.
absoluter gebrauch ist selten: mhd. du entslûʒis unde versperris
litanei 150;
im folgenden ist das object nur unterdrückt (
zu 3)
: als (
den zugang) versperrende unkräuter kommen sie (
weiden) höchstens im walde vor Ratzeburg
standortgewächse (1859) 134;
in reflexiver form nur zum ersatz des passivs (
zu 6
c): wo ... alle abhülfen sich versperrten Mommsen
röm. gesch. 4 1, 246. IIII. versperren
bezeichnet nicht nur ein verstärktes sperren,
einen gegenstand, raum, weg oder zugang abschlieszen, sperren, sondern kann noch deutlicher ausgesprochen locale verhältnisse darstellen, die wir in der heutigen sprache unzweideutiger durch einsperren
und aussperren
wiedergeben, besonders wo es sich um persönliche objecte handelt. betrachtet man nämlich wesen und dinge innerhalb des abgesperrten raumes, der verschlossenen thür, so sind sie eingeschlossen und dadurch je nach den umständen entweder eingesperrt oder nach auszen hin geschützt; befinden sie sich auszerhalb des abgesperrten raumes, so sind sie ausgeschlossen und ausgesperrt. II@AA.
transitiver gebrauch: unversperrt,
non exclusus, non inclusus Frisch
teutsch-lat. wb. 2, 298
b. II@A@11)
einschlieszen, von der auszenwelt abschlieszen, einsperren: an einem orte einschlieszen, wofür auch einsperren
üblich ist Adelung;
verschlieszen, an einen ort einschlieszen Campe. II@A@1@aa)
lebende wesen, besonders personen. selten ohne jede adverbiale oder präpos. bestimmung: do der tot von leben schiet minen bruoder Soladin, do enpfalh er in der triwe min. sit Merlin mich verspart, doch er in groʒem zart erzogen ist, als ich gebot Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 13 327; wie künd mein herr sein guter ding, weil er sitzt in einr finstern kammer, verspert, gfangen, in trübsal, jammer? H. Sachs
werke 21, 12, 22
Goetze; es friere noch solch eis, es drehe wie es will, sie (
Venus) läszt sich nichts erhalten, reist ihren buhlen nach, versperrt den lahmen alten und läszt ihn hämmern wol P. Fleming
ged. 1, 69
Lappenberg; es rAeche sich an mir der ungerechte mann, und man versperre mich; wenn es dir helfen kann. ich will die freyheit gern auf lebenslang verlieren Petrasch
lustspiele (1765) 1, 918; (
sie habe) ihn darumb in ein wol verwaret gemach ... gebracht, hinder ihm zugeschloszen, und ihn also ... versperrt liegen laszen Kirchhof
wendunmuth 48
Österley; die edeln widersetzten sich der unthat: Ananus samm. lete das volk, versperrete sie, wollt' aber seine hand an die heilige pforte nicht legen, damit sie durch ihn nicht verunreinigt würde Herder
werke 9, 160.
mit adverbialer bestimmung: der slüʒʒel dâ mit ich darin sô vaste versparret bin Hartm. v. Aue
Gregorius 3434; nû was der leu ûʒ komen, als ir ê habent vernomen, dâ er dâ in versperret wart, und jagte ûf sînes herren vart
Iwein 77, 29. es war aber des tages ein mann drinnen versperret
1. Sam. 21, 7; gieng eilēds in dē stall, dari die jungē fAerkel versperret warē Schaidenreisser
Odyssea (1537) 58
b; der herzog ... schickte hin und hörte, dasz ein theil der gäste dort ebenfalls versperrt sei, welcher sich mit trommelnden händen und füszen abmühe, erlösung aus dem kerker zu gewinnen Immermann
werke 6, 63
Hempel. mit präp. auf, unter: gedenket, herre, waʒ ich sprach, dô man iuch so versparten sach datz orte ûf iuwerm kastel Ottokar
reimchronik 692; die junge keuken ... soll man ... vnter eyn sib versperren Sebiz
feldbau (1579) 106.
am häufigsten mit in;
ruhe- und richtungsconstruction kommen nebeneinander vor. mit dativ: hie uerspart mans zware in dem charchære
genesis 90, 18
Diemer; .. het lieb fraw Gardoleye zart, die doch versperret was so hart in einer burck an einer zinn H. Sachs
werke 14, 18, 8
Keller-Goetze; seinr tochter halb fürcht ich mir nicht. sie ist in dem closter verspert J. Ayrer
dramen 42, 27
Keller; so ich besinn was guten gwin disz beumlein klug mit nutz vnd fug ee esz im gart versperret ward ertragen het ist freud verzett Fr. Forster
teutsche liedlein 21
neudr.; aber in jedem (
kofen) ruheten fünfzig versperrt der erdaufwühlenden schweine Voss
Odyssee 14, 15; da doch die in der statt mit grund versperret genennet werden solten Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 4, 399; domit er in dem hause nicht versperret sein möchte Arigo
decamerone 320, 2
Keller; die versperten in den klöstern 10, 14; welche (
jungfrauen), ob sie wol solcher gestalt im kloster versperret, jedoch gute macht sich zu verheyraten haben Tabeus
MAeynhincklers sack (1612) Ciiij
a; der schneyder aber lieff den nechsten zuo der thüren, schlug die zu unnd verspert das gewild im kirchlin Montanus
schwankbücher 23
Bolte (
vgl. Grimm
kinder- und hausmärchen [1812] 1, 83); haben sy es doch zletst also verspert in der hülin gefundē, vnd mit angst wider erlOesst C. Gesner
thierbuch (1563) 200
Herold-Forer; er (
der walfisch) ist auch dermassen starck vnnd mächtig, dasz er die schiff pflegt umbzustossen vnnd zuertrencken, dannen hero hat gott der herr ... jhne im atlantischen meer gefangen vnd versperret, damit man im mittelländischen meer sicher vor jhm schiffen vnnd fahren kan Aeg. Albertinus
Lucifers königreich 20, 32
Liliencron; gefesselt, in einem kleinen hause nachts versperrt, sah ich niemand als meinen peiniger Tieck
schriften 22, 263.
mit accusativ: einen in den thurm versperren Steinbach 2, 623; der kargen rât mich dar umb meit, unz si geschuofen, daʒ ich wart zuo siben löuwen verspart und besloʒʒen in ein hol
kindheit Jesu 222
Klapper; ey lo lasz dich doch erbitten, komm doch, komm du edler gast! vieh, und nicht dich herren herren sol man in den stall versperren Joh. Frank
bei Gödeke
deutsche dichtung 1, 411
a; aus liebe liesz ich mich in diese grufft versperren Hoffmannswaldau
ged. (1697
ff.) 2, 253
Neukirch; den künig Huldreich versperret er zu Regenspurg in sant Heimerans closter Aventinus
bair. chronik 2, 99, 27; die künigin Gaisal versperret er in das frauencloster Cochel 29; er ... ward ... in dem obersten taile des huses in ain haimlich gemache versperret Niclas v. Wyle
translationen 276, 37
Keller; folgendts liesz er jhne in einen starcken vnd vesten thurn versperren Aeg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 41; wir hatten ... ein junges wildes schweinlein ... in einen pferch versperret Grimmelshausen
Simpl. 30
Kögel; dieser hatte seine Antonia, und viel andere von dem frauenzimmer, in einen keller versperrt A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 822; selbst diese wissenschaften ihres ganzen nutzens zu berauben und die ausnehmende vortrefflichkeit derselben ... in die hOersAele und katheder zu versperren Joh. E. Schlegel
werke 3, 309; sein testament, das er (
Herodes) mit dem blut der edelsten des ganzen landes besiegelte, die, in den circus versperret, sofort wenn er stürbe getödtet werden sollten Herder
werke 19, 156.
durch zusatz von ein
verstärkt: seit ihn ohn mich versperren hab lan in felsen ein, mir luft und wind zerzerren die zähr und seufzer mein Spee
trutznachtigall 48
Balke (
spiegel der liebe 301); hier ist nichts denn finstre nacht blinde schatten, schwartze hOelen, da die einversperrten seelen, kaum nicht werden umgebracht P. Fleming
ged. (1651) 297. II@A@1@bb)
gegenständliches, in eigentlichem und übertragenem sinne. ohne präpos. bestimmung: do erzeigte in diu minne daʒ si ein vüegærinne ist über alleʒ daʒ ie wart, unde ir slüʒʒel hât verspart swaʒ iemer man von minnen möhte gewinnen
die gute frau 304; je lenger man den dreck versperrt, je vester er herfur begert
fastnachtspiele a. d. 15. jh. 526, 24
Keller; der vogel denkt nit meh hinaus, als wann er steckt im vogelhaus, wann man etwas fast sehr versperret alsdan es erst hinaus begeret Fischart
ehzuchtbüchlin 187, 17
Hauffen; i fall die kalte luft, in etwas wird verspAerret, empfindt der wAerm' hernach, so schwOelt sie sich, und zAerret bisz sie den ort zerbricht Jes. Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 58; wenn in entzndter lufft die kugeln sich entbrennen, die mit versperrter gluth den holen kercker trennen J.
V. Pietsch
schriften (1740) 14; so kOennen sie ... den davon riechenden vngehewren dampff nit verspOerren Guarinonius
grewel der verwüstung (1610)
bl. 517.
mit präpos. bestimmung in,
meist folgt dativ; in eigentlichem sinne: wâ nû slüʒʒel? sliuʒ ûf balde mir daʒ gadem. diu wât diu was in einem schrîne versperret Neidhart 24, 38
Haupt; deu minne het in in verspart ir scharphen angel, sie heten grôʒen mangel, daʒ sieʒ niht torsten melden Heinrich v. Neustadt
Apollonius 1934; hernachmals wird die luft die aus südwesten kömmt, in ihrer warmen kluft allmAehlich sein versperrt Neumark
musik.-poet. lustw. (1657) 2, 256; als einer der ein schatz in einem kasten versperrt Paracelsus
opera 2, 428
Huser (1616);
in übertragener verwendung: zum andern hat der weisz seiñ mund im hertzen versperrt, sein mund laszt er jm nit vorreden S. Franck
sprichwörter (1541) 1, 112
b. II@A@22)
durch verschlusz sichern, verwahren, verhüllen, verbergen: alles vor jemanden versperren,
verschlieszen Adelung; etwas vor jemand versperren,
es verschlieszen, wie auch einschlieszen und dadurch verbergen Campe.
in neuerer sprache selten. II@A@2@aa)
von personen und sachen; in gewahrsam bringen, verwahren, abschlieszen. personen: wê geschech der huote, diu sie (
die frau) so versperret hât, daʒ man mich sî niht sehen lât
Eraclius 3151; er hêt verholen die frouwen und lieʒ die nieman schouwen, wan er hêt sie dâ verspart Enenkel
weltchronik 12845
Strauch; mit vor: sît ich daʒ lieb kint mîn hân vor dieben niht verspart 13 615; nv beschirme alle uor der siechen helle unde uersperre uns uor der helle munt
die hochzeit 44, 1
Karajan; sachen: eʒ ist dâʒ in als wol bewart sam in mîner kamer verspart Enenkel
fürstenbuch 1706
Strauch, dô die vrouwe was begraben, als ich êr gesaget haben, alsô lac sie lange sît wann an des kunec Philippes zît, daʒ ir pulver reine und ouch ir gebeine dannoch niht erhaben wart: eʒ wart dicke verspart Ebernand v. Erfurt
Heinrich 4104; die liebe sprach: du pist mir gram, davon das ich kan machen tzam manges fremdes hertz so wild, das sie gen ain ander werden mildt, ir baide trew hon ich verspart (
versichert) Suchenwirt 46, 127; quer-eysen, rügel, schranck, verspörrung, eysenwerck, wie immer dick vnd starck kan nichts für ihm verspörren Weckherlin 2, 168
Fischer; ... nimmt die löffel rasch an sich und geht nach dem schrein, in welchem sie selbe versperrt Anzengruber
werke 9, 83. II@A@2@bb)
von gegenständen: verhüllen, verdecken; wan daʒ ir wart unverspart (
blosz) ein teil des lîbes ze hant Heinrich von dem Türlin
krone 293
b;
mit vor: nie kein dinc sô tougen wart daʒ eʒ dir were vor verspart
minnesinger 1, 187
a Bodmer; es sol vnd muosz das leben mein vor aller welt versperret sein Cl. Hätzlerin
liederbuch 246 (
nr. 59); got ist uns verborgen vor zglîcher wîse mit verspartem tor, alsô lâtîn versperren kan diutschiu wort, swie nâh ich stân, daʒ ich niht erken diu wort, ob ichʒ diutsche reden hôrt, daʒ ichʒ bî einzgem wort erkant Teichner 22 (A 5
b). II@A@2@cc)
von verhältnissen; verbergen, verheimlichen, mit und ohne präpos. vor: (
die eine tritt offen zu tage) diu ander hôchvart ist verspart der vil maneger in klôstern pfligt 258; hercen scowære, uor dem des muotis sagirære siniu tougen nîene mach uersperren
litanei 216, 3; dhein untriu wirt niht verspart Enenkel
weltchronik 8989
Strauch; der süsse mund, der nie mit feinden sich gezerret, der lieb- und friedreich war, der warheit nie versperret D. G. Morhof
unterricht v. d. d. sprache (1682) 2, 208.
mit vor: diʒ grôʒe unbilde niht verspart vor den burgæren mohte sî
n. eʒ wart in offenlîche schîn Konrad v. Würzburg
Partenopier 2110.
mit abhängigem satz: dannoch was gar vorspart, daʒ irstorben was Frederich
Braunschweig. reimchron. 3839
Weiland. adverbial gebrauchtes part. prät. in der bedeutung '
heimlich': so verne daʒ getriben wart von dhen vrowen gar vorspart, daʒ dhe maget vil heymliche gelobet wart Heynriche dhes alten sun von Bruneswich 4252; darnach her ouch geladet wart von summen luten gar vorspart vor dhe stat und dhe mit im lagen, und wardt ingelaʒen zo dhem Hagen 7498. II@A@33)
ausschlieszen von etwas. II@A@3@aa)
von personen: aussperren. versperrt worden seyn, wir seynd versperrt worden,
esser' escluso, siamo stati esclusi, v. ausgesperrt; wir seynd hier unversperrt Kramer
teutsch it. dict. 2, 859
c;
luxemburg. verspârt gièn,
ausgesperrt werden Gangler 470; wann sie aussen des nachts versperrt sein worden Sebiz
feldbau (1579) 103; so sagt man auch, der sey versperret worden welcher ber nacht ausser der statt ist, da doch die in der statt mit grund versperret genennet werden solten Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele (1641
ff.) 4, 399.
mit vor
und folgendem dativ: daʒ hiute und immer alle man vor mînem herzen sint verspart Gottfried
Tristan 14 767; dieweil da schlich sie in ir hauss und mich versperret vor der thür H. Sachs
werke 9, 104, 28
Keller. II@A@3@bb)
wesen und dinge abschlieszen, absperren: gleich wie die hAemmel vnd schaf von eynander absonderen vñ versperren Sebiz
feldbau (1579) 111; auff dasz es (
das oberstleutnantsquartier) .. nicht mitten in ein hauffen gedrungen oder versperrt ligen (!) Fronsperger
kriegsbuch (1578) I H 4
v; dass eben der versperte lufft zu verkrtzung dess gesondts vnd lebens das recht mittel ist Guarinonius
grewel der verwüstung (1610)
bl. 308; als der carabe, so derselbige in versperrten wassern ligt, ohne zu und abgang des luffts, so coaguliert er ... das wasser Th. Paracelsus
opera 1, 772
c Huser (1616);
mhd. rein, lûter, clâr, durchliuchtet kanstû mîn herze derren, dîn trôst eʒ ouch wol fiuchtet, dû maht im alle sorge wol versperren (
fernhalten) Hadamar v. Laber
die jagd 176
lit. ver.; Victor, der von einem schönen herzen niemals seines versperren konnte Jean Paul
Hesperus 3, 213. II@BB.
der reflexive gebrauch folgt dem transitiven. II@B@11)
sich einsperren und nach auszen hin abschlieszen, um zu irgend einem zweck ungestört zu sein, besonders in der wendung sich versperren lassen
und sich versperrt halten.
bis in das 19.
jahrh. hinab läszt sich der gebrauch verfolgen, hält sich aber nicht mehr in der schriftsprache. sich in ein haus versperren,
se domo includere Steinbach 2, 623; sich versperren,
se includere Frisch
teutsch-lat. wb. 2, 298
b; fraw, ietzund möcht ihr sicher frey wol treiben ewer bulerey, weyl sich der herr lest selbst versperren H. Sachs
werke 17, 39, 12
Keller-Goetze; ein ander lest sich wol sampt dreyen gar versperren und krtzet seine zeit mit hochgebornen herren Rachel
satyr. ged. 70
neudr.; denn wer zu gaste geht, der muss auch andre laden. drum helt er sich versperrt, frist seinen kohl allein 63;
Hanns: er ist in verborgenen geschAeften zu hause verspert, und niemand darf in etlichen stunden zu ihm kommen.
Nerine: warum versperrt er sich also etliche stunden? Petrasch
lustsp. (1765) 1, 74; als sie abreis'ten, versperrte sich der junge herr, las und schrieb und beschäftigte sich Göthe 9, 157, 8
Weim.; mit adverbialer oder präpos. bestimmung: dem höchsten got, der sich verspart zu dir (
Maria), du volbeschlossner gart Cl. Hätzlerin
liederbuch 258
v. 3 (
nr. 66); und er mit seiner lieben gefatterin ... in die kammer gieng, sich darin wol versperret Montanus
schwankbücher 75, 14
Bolte; der sich ... darein liess versperren Schaidenreisser
Odyssea (1537) 16
a; als wir den schatz begraben, die wundenreiche leich, versperrt ich sollt mich haben ins grab mit ihm zugleich Spee
trutznachtigall 47
Balke (
spiegel der liebe 279); wollt ihr kein cleuszgen bauen lassen darein ich mich versperren kan Stranitzky
ollapatrida 14, 28
Wien. neudr.; der landmann treibet schwärmerey, dasz er in wälder flieh', in mauern sich versperre Gotter
ged. (1787) 1, 426; du versperrst dich in dein zimmer, ich gehe indessen zur frau von Linden Bauernfeld
schriften 2, 232 (
bekenntnisse 2, 9); sie wird sich versperren in ihr zimmer, und da werde ich meinen letzten abschied von ihr nehmen Hugo v. Hofmannsthal
Cristinas heimreise (1910) 204.
in übertragener anwendung, nicht unzugänglich sein: du wirst dich nicht versperren für unserm schiffgeschrey; wie knecht auff ihren herren in noth und armuthey
evangel. kirchenlied 1, 365
Fischer-Tümpel. II@B@22)
sich durch verschlusz sichern, verwahren, verbergen: kurzlîch der künec doch vunden wart dâ er heimlîch sich durch bergen het verspart
Lohengrin 7432
Rückert; darumb, nach dem er (
der papst) seine kasten voll, hat er sich mit seinen decreten und newen satzungen ... vergraben, versperret, beschlossen und verbollwerckt Sleidanus
reden 27 (17)
lit. ver.; HerAeus (
ged. 1721) in seiner beschreibung der LapplAender, wenn er die unruhe unserer stAedte gleichsam auf den fingern herzAehlet, auf der 250. seite: besoffener gekreisch; wenn hund und katze plerrt; ein jAeher feuerlAerm; ein dieb, der sich versperrt Gottsched
crit. dichtkunst 331;
nur ersatz für das passiv: denn dieser leut mammon, lesst sich nit gern versperren, vnd vnrecht gut wudelt nicht Mathesius
Sarepta (1571) 26
b. IIIIII.
subst. inf. des vorigen Campe;
zu I A 2: aber solch versperren (
von häusern) ist eine gantz unnOethige sache, weil verbuhlte leute sich gleichwohl rath zu schaffen wissen Stranitzky
ollapatrida 166, 30
Wien. neudr.; zu I A 6: kindpetterin, oder krancke legerhafftige personen
etc. sollen ... in zeit jres kindpets oder kranckheit, des versperrens (
haft und pfändung) vnd ausztragens gefreyt sein
quelle bei Haltaus
gloss. 1893;
zu II A 1: vom versperren der hunde bei nacht
titel einer Nürnberg. pol.-ordn. 331
Baader (15.
jahrh.). IVIV.
nur mundartlich ist ein refl. versperren
nachzuweisen, das sich an sperren II B 2 (
th. 10, 1,
sp. 2178
und 2183)
anschlieszt: aargauisch er ferspért si,
er macht sich breit Hunziker 245. '
ausspreizen'
hat sich vom begriff '
dachsparren'
entwickelt, der auf die gespreizten beine übertragen worden ist, vgl. sich sperren '
sich sträuben',
eigentlich '
die beine auseinanderspreizen' Falck-Torp
norweg.-dän. etym. wb. 2, 1117.