griebs,
m. ,
älter grübs, gröbs,
kerngehäuse des obstes; erst seit dem 15.
jh. nachzuweisen (
s. u. 2);
ahd. wäre *grubiz,
*grobaz
anzusetzen; herkunft unklar (
zu grob?);
die bildung folgt ahd. obaz
obst und ebiz, ebitz
kerngehäuse, vgl. Kluge 7 181. 11)
ursprünglich und hauptsächlich '
kernhaus des obstes, besonders des apfels und der birne'
; das wort ist in dieser bedeutung verbreitet im thür., obersächs., schles., hess., elsäss., schweiz.; dem schwäb. nur noch in der bedeutung 3
geläufig, dem bair. anscheinend fremd, ebenso dem nd.; über synonyma in den andern maa. s. kernhaus 4, 5,
th. 5, 608. 1@aa)
die modernen maa. bevorzugen die entrundeten formen: greebest Schultze
nordthür. 36
b; jrêwest Liesenberg 147; jrêwes Jecht
mansfeld. 44
b; grebs, grébs, krøwes, kríwes Hertel
thür. 110; greebs, gröbs, gräbsch, griebsch Müller-Fraureuth 1, 440 (
zu gräbsch
vgl. grabisz
arulla Diefenbach 52
c); griebs, greebs Albrecht
leipz. 125
b;
in Halle gröbs 126
a; griebsch Anton
oberlaus. 8, 15; griebs Weinhold
schles. 30; ma is wie a griebsch, an dem alle rumfressen Hauptmann
weber (1892) 57;
nach Hoffm. v. Fallersleben
schles. auch grübes Frommann 4, 170;
schwäb. erweitert zu grĭpsĭ(Χ), grĕpsĭ(Χ) (
doch nur in der bedeutung 3) Fischer 3, 866; grieps Loritza 54
b; gripes,
f., Kramer
bistritz. 41; gripes,
f., '
das von den birnen beim essen übrig bleibende kerngehäuse' Haltrich
plan 13
a;
hess. gribs, grebs Crecelius 436;
doch ndhess. grüwwesz Pfister
nachtr. 85;
fürs henneberg. notiert Reinwald 54 gröbs, kröbs,
feiner: grübs;
alem. grübsch,
demin. gräubschi, grübschi, gürbsi
u. ä. Staub-Tobler 2, 697.
wie nach den maa. begreiflich, ist griebs
die herrschende schriftform geworden: der hochdeutsche schreibt ... griebs Adelung
umständl. lehrgang d. dtsch. spr. 2, 771; griebs Heynatz
antibarb. 2, 76; auszer dem fleisch des genossenen apfels liesz er sich auch den griebs ... dazu wol schmecken J. Grimm
kl. schr. 1, 344; fruchtkerne aus zerplatzten kriebsen fallend Sanders 1, 626
a;
die ö-
formen seltener: er nagte lange an einem apfelkröps Musäus 3, 117; gröps
von Oken
viel benutzt, aber als botanischer kunstausdruck für pistillum, den stempel allg. naturgesch. 2, 71
ff. 1@bb)
in der älteren sprache weit überwiegend die dunklen formen: arulla grobisz, grobesz von einem apfel, grubsz Diefenbach 52
c; grobisz
nov. gloss. 36
b;
pulpa grubs, grubsz
gloss. 472
b; grobis; kempff hus (
l. kernhus)
vel grubs
nov. gloss. 308
b (
wb. von 1421);
nauci grubs (
bei der nusz)
gloss. 376
b;
arulla kernhaws
vel grobis
Breslauer voc. von 1422; kröbs
ossiculum in pomis Stieler 1034;
noch Frisch 1, 378
notiert grubs, krubs; des sach ist daz der grübs der frucht kommet von dem nahen, das ist vom stamme Petr. de Crescentiis
ackerbau (1531) 13
a; nag den grubz und spar, wildu dich nern Breuner
sprachbuch 25, 19; den selben apfel hat jederman noch im magen, ... auch die rechten heiligen noch etwas zum wenigsten von dem grobes in sich haben Luther
wider den wucher (1540) J j
a; die äpfel haben in sich zehen diplichen oder pünctlein, .. umb den gröbs herum Prätorius
saturnalia (1663) 58;
indessen sind auch i-
formen früh nachzuweisen: pulpa gribesz, gribsz, grybsze Diefenbach 472
b (
mittel- und ndrhein. 15.
jh.)
; pulpa was man isset (
am apfel), das nit griebes ist Alberus
dict. (1540) Ffiiij
b; allein die grebes (
der birnen) fras er nit Nigrinus
von bruder Johan Nasen (1590) C 3
b; schabet mit einem messer alles fleisch (
von den birnen) bisz auf den griebs herab Amaranthes
frauenz. lex. 218. 22)
dann auch verächtlich für unansehnliches, verkrüppeltes, fleischloses obst Hertel
thür. 110;
salz. 17; griebse mausen
obst stehlen; gar kein gräbs Müller-Fraureuth 1, 440;
schlechtes obst Weinhold
schles. 30;
klein gebliebenes obst Crecelius 436;
im schwäb. dagegen vollwertiger ausdruck für obst, besonders kernobst Fischer 3, 866;
schweiz. nur in gewissen redensarten: es hät hür e
nkeis grübschi obs gë
n keinen stil Staub-Tobler 2, 697. 33)
vielfach für das pomum Adami, den kehlkopf, '
weil dem Adam der griebs des von Eva dargereichten apfels in der kehle stecken geblieben sein soll' Höfler 201;
vgl. Hertel
thür. 110; Reinwald
henneberg. 1, 54; Weinhold
schles. 30; Crecelius 436; Staub-Tobler 2, 698:
als fem. bei Kramer
bistritz. 41; Haltrich 13
a; sein kriebs stand wie ein erker vor der luftröhre Müller-Fraureuth 1, 440;
ältester beleg bei Hulsius (1596)
nach Weigand
21, 765;
die bedeutung erweitert sich in gewissen dialecten scheinbar zu '
kehle, hals'
überhaupt (
s. Crecelius, Müller-Fraureuth
a. a. o., Höfler 201),
doch liegt da vermengung von griebs
und grips
vor; näheres unter grips
und krips
th. 5, 2329;
vgl. auch adamsapfel
th. 1, 176. 44)
auch auf menschen übertragen: knirps, kleiner verunstalteter mensch: so e (kleener) griebs! Müller-Fraureuth 1, 440;
ähnlich Crecelius 436;
kleiner, trotziger knabe Hertel
thür. 110; kleiner gröbs
schimpfwort gegen kinder Reinwald 1, 54;
vorwitziges, naseweises mädchen Staub-Tobler 2, 698;
anderes isolierter: alles zurückgebliebene, geringe Weinhold
schles. 30;
schluchzen oder rülps Loritza 54
b, Staub-Tobler 2, 698 (
vermischung mit gürbs); bûchgräubschi
nabel des kindes ib.; griebs
influenza Höfler 201
scheint verdrehung von grippe.