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knirschen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

knirschen

Bd. 11, Sp. 1441
knirschen , stridere, contundere, von knirren gebildet, wie knarschen (s. d.) von knarren, kirschen von kirren; urspr. knirsen, s. 2. 4, mnd. mnl. knersen, niederrh. knerschen (s. 2), nnd. gnirschen z. b. meklenb., welche schreibung auch Schottel 1348 mit angibt, nnl. knerssen; auch in der hochd. gemma mit e: stridulus criselend (so l.), knerschend, wenn das nicht blosz der Cölner gemma v. 1507 entlehnt ist die dass. angibt (Dief. 556a); die formen mit e könnten zwar auch zu knarren, knärren gehören, doch vgl. knorsen mit gebrochnem vocal neben knursen. man findet auch knirrschen geschrieben (Adelung, Bürger, Schiller) und knürschen, s. 2, a. 3, a. die bildung musz übrigens sehr alt sein nach schwed. knirsa Rietz 337a. 11) knirren mit einer art zischen verbunden, wie Adelung erklärt. 1@aa) der sand knirrschet wenn man drauf beiszt, der gefrorne schnee wenn man drauf geht (so schwed. knirsa). ders.: auf dem unter meinen geschwinden schritten knirschenden schnee. Arndt erinn. 114. 1@bb) von waffengeräusch, jetzt klirren: wo knirschen dise waffen? A. Gryphius 1, 176 (Cath. v. Georg. 5, 422). 1@cc) besonders von hartem das zermalmt, zerknirscht wird, z. b. ein knochen knirscht in den man beiszt, vgl. 3: wann dort der rinder schwere herde sich auf den weichen rasen streckt und den beblümten klee mit knirschendem geräusche sanft widerkauend doppelt schmeckt. Haller (1734) 116; welchen knirschenden bisz in sein weichstes leben that jetzt ein böser genius! J. Paul Titan 3, 24; sein (Amors) gartenmann Priap brach ihm auch diese kirschen, die aussehn wie dein mund, und ohne kernen knirschen. Fleming 1642 s. 654 (650, Lapp. 499), ohne das knirschen von kernen beim draufbeiszen, kirschen ohne kerne; keine hacke verletzet und zerquetschet mit so verdrieszlichem knirschen die steine. Olearius pers. rosenth. 63 (4, 13); (Luise zu Wurm). höre, mensch! du giengst beim henker zur schule. wie verständest du sonst, das eisen erst langsam bedächtlich an den knirschenden gelenken hinaufzuführen u. s. w. Schiller 199a (cab. und liebe 3, 6). 1@dd) da mischt sich natürlich die bedeutung brechen ein, wie bei knacken, krachen u. a., vgl. die bed. 4: fuhren wir .. über das (gestürzte) pferd weg, das sich eben erholen wollte, und ich sah ganz deutlich wie dessen gebeine unter den rädern knirschten und schlotterten. Göthe 30, 134 (camp. in Fr., 11. oct.), man bemerke das sah; mit stürmen mich herumzuschlagen, und in des schiffbruchs knirschen nicht zu zagen. 12, 33. 1@ee) töne heiszen knirschend, insofern sie einem wie zerknirschend durch die nerven fahren: ohne das mindeste gefühl für das hohe, überirdische meiner stimmung, rasseln sie mit knirschenden tönen der vorhölle drein. Göthe 14, 33, von einer katzenmusik mit castagnetten und metallbecken, vgl. Mendelssohn unter 2. 22) besonders oft knirschen der zähne, mit den zähnen knirschen, meist von zorn, ingrimm, wildem mut, angst, verzweiflung, es hiesz oder heiszt auch knirscheln, knirren, knarschen, knorsen, knarren, knarpeln, knarspeln, knürfeln, knirbeln, knirbschen, knascheln, kriselen, kirren, kirschen, klaffen, klappern, grisgramen und noch anders. urspr. knirsen der zähn H. Sachs 2, 1, 1d, zähneknirsen Luther br. 2, 77, mnd. knersen mit den tenen hor. belg. 7, 29b, nrh. knerschen mit den zenden in zornigem moede, frendere Cölner gemma von 1507 Dief. 246c, nl. knerssen. 2@aa) eigentlich knirschen die zähne: der schmerz (bei der geiselung) schlug meine zähne knirschend an einander. Schiller 245b (Carl. 1, 2) als unwillkürliche wirkung des schmerzes; man findet täglich personen, die gewisse töne nicht hören können, ohne dasz sie alle ihre gebeine erschütterten, und diese empfindung pflegen sie durch ein mechanisches knürschen der zähne anzudeuten. Mendelssohn über die empfindungen (1755) 201, zur schreibung mit ü vgl. jedoch knursen. 2@bb) gewöhnlich aber persönlich: stridet, er knirst mit den zehn. Trochus Q 3b; er knirschte mit den zähnen und lachte. Fr. Müller 2, 49; ich habe einen verdrusz gehabt .. ich knirsche mit den zähnen! Göthe 16, 103; manchmal knirsche ich mit den zähnen, wenn ... 16, 114. 2@cc) häufig blosz knirschen, als abkürzung der geläufigen wendung: er stampft, er knirscht. warum? — er reimt, und will itzt den Homer beschämen. Hagedorn 2, 54; aus dem starren auge schreckt wut, und des mundes knirschende bewegung — Lessing 2, 72; die dame selbst würd' aus dem goldnen wagen nach deiner lieben Hanne sehn, und knirschend sich den platten busen schlagen und seufzen: sie ist wahrlich schön! Hölty 220; der knabe weinte, knirschte, stampfte, drohte mit geballten fäusten. Göthe 18, 223; die herzogin knirscht vor zorn. Schiller 678a. 2@dd) selten trans. die zähne knirschen: sieh mich an, lieber Walter. nicht so bitter die zähne geknirscht! Schiller 198a; oft lacht er um alle seine offnen höllenzähne herum, nur zuweilen knirscht er sie, bedeckt unter dem lippenfleisch. J. Paul Tit. 3, 114; ich knirsche die zähne über einander. Auerbach schatzk. d. g. 27. 2@ee) das verallgemeinert sich dann zum ausdruck von ingrimm u. dgl. in andrer weise, oder es verinnerlicht sich dasz das zähneknirschen zurücktritt hinter einem innerlichen knirschen der seele: ha! knirschte er mit den zähnen bei sich selbst! ungetreue Banise! sollte es möglich sein u. s. w. Ziegler as. Banise (1738) 386, sprach knirschend (dachte); wäre ich nicht so alt! knirschte der wolf. Lessing 1, 162; in den innern tiefen (seines wesens) .. zu knirschen: mein gott! mein gott! warum hast du mich verlassen? Göthe 16, 132 (Werther, 15. nov.); und horch! ein dumpfer lärm erscholl, es knirrschte das getümmel (die menge). Bürger 46a (St. Stephan), später stürmte, drückte in knirschendem geschrei seine wut aus; der prinz von Hispania, schäumend vor wuth, zerhieb ihm den busen mit knirschendem muth. ders. 35a; ich knirsche in wuth, mit euch verwandt zu sein. Klinger 5, 22; in knirschender wuth. 7, 159; freude verwandelt in knirschen! Göthe 10, 47; knirschende verzweiflung. 10, 21. Schiller 711a; der schwache ... knirschet im innern über der nothwendigkeit druck. Klinger 2, 295; wenn die schmerzen in uns zu reiszend werden, so knirscht etwas in uns gegen das schicksal. J. Paul Hesp. 4, 81, empört sich knirschend, es ist als wollte das innere sich zerreiben, wie die knirschenden zähne sich selbst zu zerbeiszen streben weil sie nichts andres haben; was uns bleibt, wenn wir trotz unserm rechte knirschend vor dem falschen glücke stehn? Körner leier u. schwert 74; herz um herz das knirschend brach (um die schmach des vaterlandes). Göthe 13, 288, des Epimen. erwachen. 2@ff) der inhalt der knirschenden empfindung erscheint denn selbst als object des knirschens, z. b. rache knirschen, wie rache schnauben: nein! beifall lächelt dir die welt, doch rache knirschen dir die thoren. Gökingk lieder zweier lieb. (1777) 68. 2@gg) in gekürztem ausdruck, von einer schlange die sich zornig zischend zum bisz erhebt: ihr blauer hals schwillt an, mit giftgem grimme knirscht sie empor (fährt knirschend auf). Schiller 33a. vgl. aufknirschen, ausknirschen. 33) knirschen für knirschend beiszen u. dgl., beiszen dasz es knirscht, vgl. knirren 4. 3@aa) intrans.: in den staub hin stürzt' er und knirrschte noch auf das kalte erz mit den zähnen. Bürger 221a; der köther knirrscht in jeden stein. 32b; ob auch das ross sich grauend bäumt und knirrscht und in die zügel schäumt. Schiller musenalm. 1799 s. 157; und knirrscht voll ungeduld in die beschäumten zügel. ged. 1803 2, 253 (1805 257); der krieg, auf augenblicke nur gebändigt, und knirschend (so) in das eherne gebisz. braut von Mess. (1803) 21; Albano und Roquairol ergriffen und drückten einander die hand, dieser aus hasz, Albano aus qual, wie man in metall knirscht. J. Paul Tit. 4, 31. 3@bb) trans.; Agamemnon fleht zu Zeus, die sonne nicht sinken zu lassen, eh ich vor Hektors brust ringsher zerrissen den panzer mit eindringendem erz, und häufig um ihn die genossen, vorwärts liegend im staub, geknirscht mit den zähnen das erdreich. Voss Il. 2, 418, in Bürgers übersetzung die erde zerknirschen, ὀδὰξ λαζοίατο γαῖαν, wie ins gras beiszen, im todeskampfe; diese zugleich nun knirschten (sterbend) den staub des geräumigen bodens. Od. 22, 269. Il. 5, 162 läszt Voss sogar einen löwen den nacken der rinder abknirschen, mit geknirsch des knochens abbeiszen, in Bürgers übers. (in jamben) v. 200 das genick zerknirscht; die rosse wälzten sich und zappelten, todtwunde zuckten auf, landsknecht und reuter knirschten den sand (in unmächtigem zorn), da näher trappelten schwadronen. Annette von Droste 67. 44) trans., zermalmen unter knirschendem klange, zerdrücken, zerstoszen (vgl. u. 1, c, gewöhnlich doch zerknirschen): kniersen, knütschen Schönsleder f 5a, terere, tundere, comprimere Stieler 993, vgl. schwäb. in knirschblau blau am körper Schmid 320 (s. knirren 4); hanf knirschen, zerdrücken. Campe; erhascht den floh, warf in gen boden und knirscht in mit dem stul on gnoden. Fischart flöhhatz 808 Scheible; der dichter sucht das schicksal zu entbinden, das ... brausend webt, zerstört und knirschend waltet. Göthe 13, 262 (Epim. erw.); sie (die nacht) reiszt ihre tiefen spalten grausend auf und knirscht das mordgerüst hinunter. 8, 281; plötzlich vom hellen altar der erstlinge raffet sich Rhötus einen lodernden brand, und rechts am haupt des Charaxus knirscht er die schläfe hindurch. Voss.
9483 Zeichen · 197 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Knirschenv., ntr, intrs, trs

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Knirschen , v. I) ntr . mit haben , denjenigen Laut von sich hören lassen, welchen dies Wort nachahmet, und welcher ein …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    knirschen

    Goethe-Wörterbuch

    knirschen wiederholt subst 1 harte, (unangenehm) mahlende Reibelaute hervorbringen (meist durch das heftige, oft gewalts…

  3. modern
    Dialekt
    knirschen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    knirsche n [knîrə Sier. ] mit den Zähnen knirschen. — Westerw. knōrscheln.

  4. Spezial
    knirschen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    knir|schen vb.intr. 1 gracé (gracia) 2 (mit den Zähnen) groté (i dënz), zané (zana).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knirschen

4 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von knirschen

knirsen + -chen

knirschen leitet sich vom Lemma knirsen ab mit Suffix -chen, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

knirschen als Zweitglied (1 von 1)

zerknirschen

DWB

zer·knirschen

zerknirschen , verb. , aus -knirsen, das landschaftlich -knersen lautet und mit -knorsen und -knursen ablautet; vgl. die angaben zu knirsche…

Ableitungen von knirschen (3 von 3)

erknirschen

DWB

erknirschen , frendere dentibus: wie Rodomont erknirscht mit stolzem toben, von blutdurst glühend und von grimm entbrannt. Gries Ar. 18, 11 …

verknirschen

DWB

verknirschen , verb. knirschend beseitigen, durch knirschen zu grunde richten: könnt ich nur gleich meine letzten minuten in krämpfen verkni…

zerknirschen

DWB

zerknirschen , verb. , aus -knirsen, das landschaftlich -knersen lautet und mit -knorsen und -knursen ablautet; vgl. die angaben zu knirsche…