vergebens,
adv. umsonst, der genitiv des partic. (
adj.) vergeben,
mit der verkürzten mundartlichen nebenform nd. vorgeves,
wetterauisch vergeawes (Weigand
wb.2 2, 993,
nicht frankfurtisch),
so auch appenzell. vergebes Tobler 183;
ähnliche bildungen genitivischer adverbien: eilends, nachgehends, zusehends
u. s. w. vgl. Grimm gramm. 3, 92.
der alten sprache fehlt vergebens,
ahd. statt dessen bildung auf o, fergëbeno (Notker) Graff 4, 120,
mhd. vergëbene.
früher als im wirklichen mhd. zeigt sich im nd. die oben angeführte form vorgeves, vorgevest (Schiller-Lübben 5, 355),
daneben die bindung to vorgeves (to vorgevest biddet de (
derjenige) barmherticheit, de den andern barmherticheit weigeret.
ep. Eusebii 1473
bei Schiller - Lübben 5, 356).
die ältesten belege aus nichtniederdeutschen gegenden weisen auf Mitteldeutschland hin (Bartsch
erlösung 6583
s. 376. Hermann v. Fritslar
myst. 1, 93, 28)
und es ist möglich, dasz die form aus dem nd. herübergebracht ist. '
isländisches forgëfins,
schwed. forgäfves,
dän. forgiäves
ist aus dem hochd. geborgt' Grimm
gramm. 1, 1020. 11)
ohne erfolg, frustra: mhd. nu helft mir alle biten got .. daʒ er sîn wirdiclîcheʒ blût wolle an uns behalden: daʒ wir iht sîn verschalden des eweclichen lebenes, daʒ er iht habe vergebenes die marter sus durch uns geliten.
erlösung 6568;
nhd. heute die allgemeine bedeutung: und kurtz umb, alles was Christus ist und in jm uns gegeben ist, das ist (wenn du uns und unser natürliche kreffte ansihest) unnötig, umb sonst und vergebens geschehen. Luther 2, 43
b; nach mittage wolten sie widerkomen, wie sie denn widerkamen, aber vergebens, denn sie richten gleich so viel aus, als zuvor. 1, 448; vergäbens,
frustra Maaler 418
c; vergäbens bitten oder begären,
ab re orare; vergäbens sich einer arbeit underwinden,
suscipere frustra laborem; sich vergäbens fröuwen,
usura falsi gaudii frui. ebenda; auch ich wollte achtung geben, aber vergebens, ich konnte mein gehör nicht finden. Thümmel 1, 100; vergebens stellte sie ihrem freunde vor, dasz der jäger auch diesen leuten eine ansehnliche summe zurückgelassen. Göthe 19, 61; in diesen irrgängen bemühte ich mich lange vergebens, bis ich mich endlich .. meinem ziele zu nähern hoffte. 19, 27; die thür war verrammelt und von auszen so geschickt verschüttet und bedeckt, dasz ich nun wohl begriff, warum ich sie heute früh vergebens gesucht hatte. 30, 118; insoferne sie (
die moralische bildung) auf dem gemeinen menschenverstande beruht, musz sie gleich von anfang ... beobachtet werden, denn sonst wurzeln sich leicht fehler ein, bei denen nachher alle erziehungskunst vergebens arbeitet. Kant 10, 400; mein kind, geniesze deines lebens, sei nicht so schön für dich vergebens, sei nicht so schön für uns zur qual. Lessing 3, 235 (
Haller); vergebens knirscht des alten sultans zorn, vergebens dräut ein wald von starren lanzen: es tönt in lieblichem ton das elfenbeinerne horn und wie ein wirbel ergreift sie alle die wuth zu tanzen. Wieland
Oberon 1, 2; vergebens schlieszt die sanft erhobne nase sich an die glatte stirn in stolzer majestät. 3, 43; vergebens hat ihr königliches siegel die schönheit jedem theil so sichtbar aufgedrückt, dasz ihr gewand sie weder deckt noch schmückt. 3, 44; von diesem augenblick beschlieszt Pervonte, der nicht gern ins fasz der Danaiden vergebens volle eimer gieszt, mit dieser frohne sich nicht länger zu ermüden.
werke 18, 176; vergebens müht und quält der tropf sich jämmerlich, sie (
die wasserkufe) ist zu tief. 18, 97; wie manche ros' im thal erröthet ungesehn, haucht ihren duft umsonst, und stirbt vergebens schö
n. Gotter 1, 138; ein guter gott hat nicht vergebens gestreuet freuden ohne zahl auf die bedorrte bahn des lebens. 1, 6; mit dieser welt ists keiner wege richtig, vergebens bist du brav, vergebens bist du tüchtig. Göthe 3, 245; den zweiten zeugt nicht Gaea wieder, nicht führt ihn Hebe himmelein, vergebens mühen sich die lieder, vergebens quälen sie den stein. 41, 130; und was ich sang, vergebens sinn' ich nach. Schiller
ged. (
begegnung); vergebens gab ich dir die schöne geige, ein werthes erbstück, trefflich ausgespielt? Uhland (1834) 174; vergebens sein,
erfolglos sein: denn ohne gottes wort ist alles nichts und vergebens. Luther
tischreden 1, 43; die hoffnung ist umbsunst und vergäbens, es wird nüt darausz,
ad irritum cadit spes. Maaler 418
c; nun denke ich, keine mühe ist vergebens, die einem andern mühe ersparen kann. Lessing 6, 283; ich lag der mutter an, und diese suchte zu einer gelegenen stunde den vater zu bereden, allein ihre mühe war vergebens. Göthe 18, 18; ach hüter unsers lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm thun und machen, wo nicht dein augen wachen. P. Gerhard 19, 21
Gödeke; verkürzt, wobei es ist geschehen
u. ähnl. zu ergänzen ist: vergebens, dasz sein oheim ihn aufmuntern, ihm seine lage aus einem andern gesichtspunkte zeigen will. Göthe 19, 74; wie viel mühe habe ich mir gegeben, ihn an mich zu gewöhnen! aber vergebens. 19, 173; das fegefeuer sendet seinen geist und fordert rache, aber vergebens. alle umstände kommen zusammen und treiben die rache, vergebens. 19, 90; drum siegeln sie des grabes thür und legen starke wache für; umsonst und gar vergebens! der herr dringt durch. P. Gerhard 39, 220
Gödeke; ohne erfolgreiche thätigkeit, ohne thätigkeit: seine hand leg an den pflug, wer dazu beruffen ward; wer vergebens sitzt und feult, kömt zu letzt auff breite fahrt. Logau 2, 201, 33 (399
Eitner). 22)
ohne vergeltung, ohne bezahlung: mhd. Kristus sprichit: vorgebens habet ir genomen, vorgebens sullet ir geben.
myst. 1, 93, 28; man gab ouch den virnen win vergebens enweg, das die fasz lere wurdent, un man nuwen win drin getete, man rufet ouch offenlich in manigem kelre, ob iman wine vergebene wolte. Closener 111; nerit di siechen, irweckit di tôten, reiniget di ûʒsetzigen, werfit ûʒ di tûfele, wan vorgebins hât ir iʒ intfangen, vorgebins gebit. Beheim
Matth. 10, 8; ein schaffer und anschicker hat sein wonung auf der Peunt in dem vordern gemache — vergebens und .. on zinse. Tucher
baumeisterb. 33, 33;
nhd. ja es meinen etlich, das ierlich mehr dan dreimal hundert tausent gulden ausz Deutschland gen Rom kommen lauterlich vorgebens und umb sonst, dafür wir nicht dan spot und schmach erlangen. Luther
adel 20; das die Türcken die christen vil lieber kauffen, dan dise vergebens zu haben. Frank
weltb. 103
a; als sy vernamen, das wir gold nit vergebens, sunder umb andere waar begerten. 227
b; wie sys (
die ordinierung) vergebens entpfangen, also sollen sy die bischoff vergebens widerumb reichen.
chron. (1531) 361
b; wenn einer (
im alten Preuszen) eines mannes tochter begeret, so gibt er si im nicht vergebens, sondern er musz dem vater eine mark oder zehn geben. Maiszel
chron. (1559) 23
b; (
perlen und seide könnt ihr nur um hohen preis erlangen) aber den schmuck der klugen frawen Theano und andrer tugendberühmten frawen kont ihr vergebens und umbsonst erlangen. Fischart
ehz. 78; darumb hat sie (
die kirche) beschlossen, dasz man auch etwas für die erbsünde bezalen soll ... auff dasz er (
gott) nachmals nicht sage, er habe es vergebens und umb nichts geschenckt umb Christi willen.
bienenkorb 99
b; kein thewrer sup all frist, denn die, die man vergebens isst, kein thewrer henn, denn die man schenkt. Eyering 1, 720; da hast du mir vergebens geschenket mildiglich das wehrte brod des lebens, dasz sehr ergetzet mich. Rist
himml. lieder 2, 78; vergeben heist umsonst vergebens was erlassen. Logau 1, 110, 63 (111
Eitner).
heute in dieser bedeutung in der schriftsprache ungebräuchlich, dagegen in den mundarten noch vorkömmlich, z. b. appenzell. Tobler 183. 33)
ohne äuszern grund, ohne veranlassung, von selbst: den frawen und ducaten golt ist man alweg vergebens holdt. Murner
schelmenz. 38
b; ach ich falle schier vergebens um auff dieser stedte. H. Jul. v. Braunschweig
Susanna 2, 5; Henricus überwältigte die Uncranas
d. i. die Uckermärcker vollkommen, welches einige von den Unter-Crainern vergebens auslegen. Hahn
hist. 2, 30; Syrach hat nicht vergebens gschriben, ein zenckisch weib bring ungemach dem manne. H. Sachs 2, 4, 103 (9, 437, 11
Keller).
hieraus '
zufällig': ob ainer den andern vergebens (
fortuito) tot. Schmeller 1, 886
Frommann.