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Vergeben

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
Anchors
23 in 15 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Vergeben v., trs, rec

Bd. 5, Sp. 295b
Vergeben, v. trs. unregelm. (s. Geben). 1) Von sich Geben, an einen Andern geben. Seine Tochter vergeben, an einen Mann zur Ehe geben. Meine Hand ist noch nicht vergeben. Ein Amt, eine Stelle an Jemand vergeben, einem Andern verleihen, übertragen. Uneigentlich und mit dem dritten Falle der Person, einem oder sich etwas vergeben, etwas geben, thun oder geschehen lassen, was unserm oder des Andern Rechte Abbruch thut, was uns oder ihm Nachtheil bringt. Ih kann mir, meinem Rechte nichts vergeben. Ih darf meinem Nachfolger nichts vergeben, ich darf zu seinem Nachtheile nichts thun, nichts geschehen lassen. Seiner Würde nichts vergeben. 2) I weiterer uneigentlicher Bedeutung, die Strafe, für eine Beleidigung  aus Güte, als eine Wohlthat gleichsam gänzlich schenken, zum Unterschiede von verzeihen, auf das Recht, sich für eine Beleidigung zu rächen oder eine Strafe zu verhängen, verzichten, und von begnadigen, die durch Urtheil und Recht zuerkannte Schuld und Strafe aus Gnade erlassen; von einem Höhern, besonders von der höchsten Obrigkeit. Seinen Feinden und Beleidigern vergeben. »Vergebet, so wird euch vergeben.« Luc. 6, 37. Und vergieb uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben.« Matth. 6, 12. Einem eine Beleidigung, ein Verbrechen vergeben. Das kann ich dir nie vergeben und vergessen. Der Siege göttlichster ist das Vergeben. Schiller. (R.) Das konnte er sich niemahls vergeben, er konnte niemahls ohne Unwillen und Vorwürfe daran denken, es gethan oder gelitten zu haben. 3) ≠ Die bestimmte Abgabe von etwas oder für etwas geben. Eine Waare vergeben, den Zoll davon oder dafür geben. Der Wein ist noch nicht vergeben, noch nicht verzollet. Sein Vermögen vergeben, die Vermögensteuer entrichten. Diese Bedeutung ist der guten Schriftsprache ganz fremd. 4) Falsch, unrichtig geben. Die Karten vergeben. Die Karten sind vergeben. Auch als rec. sich vergeben, sich im Geben versehen und falsch geben. Vielleicht hängt mit dieser Bedeutung diejenige zusammen, da man vergeben in engerer Bedeutung für, mit beigebrachtem Gifte tödten gebraucht, da die erste Vergiftung z. B mit Arsenik ein Vergeben d. h. ein Verirren im Geben, da man es aus Versehen anstatt einer andern Sache, etwa Salz oder Zucker gab, sein konnte. Dies wird wahrscheinlich durch die Fügung mit dem dritten Falle, welche ehemahls die gewöhnliche war und es jetzt auch noch im O. D. ist. Einem vergeben, ihm Gift anstatt einer andern Sache geben und ihn dadurch tödten. »Einem im Essen vergeben.« Theuerdank. »Es ist ihm vergeben worden.« Horneck. Nach jetzigem Sprachgebrauche verbindet man es aber mit dem vierten Falle. Einen vergeben. Ratten und Mäuse vergeben. Sich selbst vergeben. Er ist vergeben worden. 5) Alles weggeben, durch Geben erschöpfen. Das Geld vergiebt sich, das Geld wird durch Ausgeben alle, die Ausgaben erschöpfen es. Sich vergeben, Alles was man hat weggeben und nichts mehr haben. 6) * * Ohne Wirkung, ohne Nutzen geben. I dieser Bedeutung wird es in einigen Gegenden, z. B. in O. S. als Mittelwort noch jetzt für vergeblich gebraucht. »Eine vergebene Reise.« Gellert. »Vergebene Eide schwören.« Rabener. »Einem vergebene Mühe machen.« Lessing. Hieher ist wahrscheinlich die Bedeutung in der Baukunst zu rechnen, wo man einen unter dem Fußboden von Brettern zwischen dem Gebälke von Leisten und schlechten Brettern gemachten Boden, auf welchen man Sand schüttet, um die Wärme besser im Zimmer zu erhalten, nach Jacobsson einen vergebenen Boden (Faux - plancher) nennt. 7) * * Umsonst, ohne Entgelt geben. »Das vergebene Himmelbrot.« Seb. Frank. D. Vergeben. D. — ung.
3626 Zeichen · 78 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vergëbenpartic.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    vergëben partic. vergebene liute unzuverlässige, bei denen man nicht sicher ist Schmeller 2,12.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vergêben

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Vergêben , verb. irreg. act. S. Adelung Geben , welches in verschiedenen Bedeutungen vorkommt. 1. Falsch geben, von Ver …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vergeben

    Goethe-Wörterbuch

    vergeben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    vergëben

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    vergëbe n Adj. vergeblich. S is t vergëbeni Müe h Heidw. Dü. Adv. umsonst. Du kumms t vergëwe n Dü. Anders vergeben ( um…

  5. Sprichwörter
    Vergeben

    Wander (Sprichwörter)

    Vergeben 1. Andern vergib viel, dir selbst nichts. Dän. : Forlad andre, men ei dig selv. ( Prov. dan., 179. ) It. : Cond…

  6. Spezial
    vergeben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    ver|ge|ben vb.tr. 1 (weggeben) dé ia, dé demez 2 (zuweisen) assegné (-gnëia), dé (dá) 3 (in Bezug auf Arbeiten) dé ia, d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vergeben

12 Bildungen · 7 Erstglied · 2 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von vergeben

ver- + geben

vergeben leitet sich vom Lemma geben ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von vergeben 2 Komponenten

verge+ben

vergeben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vergeben‑ als Erstglied (7 von 7)

vergëbenes

Lexer

ver-gëbenes , ver-gëbens gen. adv. dasselbe j.Tit. 394. Apoll. 1007. Ot. 43 b . Erlœs. 6583. Evang. 315 a . Myst. 1. 93,28. Craon 752 hs. Vi…

vergebenheit

DWB

vergeben·heit

vergebenheit , f. : vergeben- und vergessenheit. Logau 2, 5, 8 ( Eitner 227) überschrift.

vergebenisse

KöblerMhd

vergeben·isse

vergebenisse , st. F. nhd. Verzeihung Hw.: vgl. mnd. vörgēvenisse Q.: Tauler (vor 1350) (FB vergebnisse), Vintl E.: s. vergeben W.: nhd. DW-…

vergebenlīche

KöblerMhd

vergebenlīche , Adv. nhd. unentgeltlich, vergeblich, umsonst E.: s. vergeben, līche W.: s. nhd. vergeblich, Adv., vergeblich, DW 25, 390 L.:…

vergëbents

ElsWB

vergëbe n ts Ruf. Su. Logelnh. Dü. , vergëbe n s Lutterb. Bf. U. Adv. (eig. Gen. des vorigen) umsonst. V. schaffe n ohne Lohn arbeiten; v. l…

vergeben als Zweitglied (2 von 2)

unvergëben

Lexer

unver·geben

un-vergëben part. adj. BMZ nicht vergeben, nicht weggegeben. so wurde ir der apfel, wær er unvergeben Msh. 1,126 b . waʒ gûdes dan unvergebe…

Ableitungen von vergeben (3 von 3)

unvergëben

Lexer

un-vergëben part. adj. BMZ nicht vergeben, nicht weggegeben. so wurde ir der apfel, wær er unvergeben Msh. 1,126 b . waʒ gûdes dan unvergebe…

unvergëbene

Lexer

un-vergëbene adv. nicht umsonst Elis. 9909 ;

vergëbene

Lexer

ver-gëbene adv. ib. schenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich, zieml. allgem. ( Ernst B. 1383. Bit. 8159. Ulr. Wh. 140 c . Kar…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „vergeben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vergeben/campe
MLA
Cotta, Marcel. „vergeben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vergeben/campe. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vergeben". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vergeben/campe.
BibTeX
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