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Vergêben

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
23 in 15 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Vergêben

Bd. 4, Sp. 1039
Vergêben, verb. irreg. act. S. Geben, welches in verschiedenen Bedeutungen vorkommt. 1. Falsch geben, von Ver 1 (2) (g). Sich vergeben, sich im Geben oder Ausgeben irren. Die Karten vergeben, sie falsch geben. Die Karten sind vergeben. Daher das Vergeben, indem die Vergebung in dieser Bedeutung nicht üblich ist. 2. Die bestimmten Abgaben von etwas geben, mit dem Accusativ dieses etwas. Eine Waare vergeben, die Accise, den Zoll davon geben. Der Wein ist noch nicht vergeben. Sein Vermögen vergeben, die Vermögensteuer davon entrichten. Es ist[] hier ein allgemeiner Ausdruck, welcher das versteuern, veraccisieren, verzollen u. s. f. unter sich begreift. 3. Gift beybringen und dadurch tödten, durch Gift hinrichten. Man gebrauchte es ehedem mit der dritten Endung der Person. Einem im Essen vergeben, Theuerd. Es ist ihm vergeben worden. Leider, ihm ward vergeben, Horneck. Im Oberdeutschen sagt man noch jetzt einem mit Gift vergeben. Im Hochdeutschen gebraucht man es nie anders, als mit der vierten Endung der Person. Jemanden vergeben, oder ihn mit Gift vergeben. Er ist vergeben worden. Ratzen und Mäuse vergeben. Sich selbst vergeben. Die Vorsylbe scheint hier eine Destruction zu bezeichnen, S. Ver I (2) (h). Daher das Vergeben, und, obgleich seltener, die Vergebung. 4. * Ohne Wirkung, ohne gehofften Nutzen geben, so daß die Partikel die Bedeutung des Verlustes hat, S. Ver 1 (2) (c). Es ist in dieser Bedeutung veraltet, von welcher indessen doch vergebens und vergeblich noch üblich sind. In einigen Gegenden, z. B. in Obersachsen, wird auch noch das Mittelwort vergeben für das sonst üblichere vergeblich gebraucht. Einem vergebene Mühe machen, Less. Eine vergebene Reise, Gell. Vergebene Eide schwören, Raben. 5. * Umsonst, ohne Lohn geben, eine mit der vorigen sehr nahe verwandte Bedeutung, welche aber gleichfalls veraltet ist. Das vergebene Himmelbrot, Seb. Frank, das umsonst gegebene. 6. Weggeben, an einem andern geben, wo ver die erste eigentliche Bedeutung der Entfernung hat. (1) Eigentlich, wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. Meine Hand ist schon vergeben. Seine Tochter vergeben, sie jemanden zur Ehe versprechen, in einigen Gegenden auch, sie ausstatten. Den ausgesetzten Preis vergeben. Ein Stipendium, ein Amt, eine Bedienung vergeben. Die Stelle ist noch nicht vergeben. Wenn die Person ausgedruckt werden soll, so bekommt sie das Vorwort an. Ein Amt an jemanden vergeben. So auch die Vergebung. (2) Figürlich, mit der dritten Endung der Person, sich oder einem andern etwas vergeben, etwas von seinen oder des andern Befugnissen zu seinem oder dessen Nachtheile fahren lassen. Ich kann mir, meinem Rechte nichts vergeben, ich kann nichts von meinem Gerechtsamen zu meinem Nachtheile fahren lassen. Seinem Nachfolger etwas vergeben. Seiner Würde etwas vergeben, etwas thun oder dulden, was seiner Würde nicht angemessen ist. Er vergibt sich nichts, thut oder leidet nichts, was ihm nachtheilig wäre. 7. Die Schuld und Strafe einer zugefügten Beleidigung erlassen, und zugleich den durch die Beleidigung verursachten Unwillen fahren lassen, im mittlern. Lat. condonare, perdonare, im Französ. pardonner. Es scheinet in dieser Bedeutung eine Fortsetzung der vorigen zu seyn. Es lautet in derselben schon bey dem Ottfried firgeban, im Angels. forgifan, Engl. forgive. Jemanden ein Verbrechen, eine Beleidigung vergeben. Vergebet, so wird euch vergeben, Luc. 6, 37. Gott vergiebt die Sünde. Das kann ich dir nicht vergeben. In weiterm Verstande bedeutet es oft den Unwillen wegen einer Handlung fahren lassen. Ich würde es mir niemahls vergeben, wenn ich ihn unglücklich gemacht hätte. Vergeben wird in dieser Bedeutung am häufigsten, theils im theologischen Verstande von Gott, theils auch im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart gebraucht; in der edlern, besonders von hohen Personen, ist verzeihen, und von der gerichtlichen Erlassung der Schuld und Strafe, begnadigen üblicher. Daher die Vergebung. Die Vergebung der Sünden, einer Beleidigung u. s. f.[] Anm. Kero gebraucht farkeban für das einfache geben, der alte Übersetzer Isidors aber firgheban für constitutum.
4142 Zeichen · 88 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vergëbenpartic.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    vergëben partic. vergebene liute unzuverlässige, bei denen man nicht sicher ist Schmeller 2,12.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vergêben

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Vergêben , verb. irreg. act. S. Adelung Geben , welches in verschiedenen Bedeutungen vorkommt. 1. Falsch geben, von Ver …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vergeben

    Goethe-Wörterbuch

    vergeben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    vergëben

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    vergëbe n Adj. vergeblich. S is t vergëbeni Müe h Heidw. Dü. Adv. umsonst. Du kumms t vergëwe n Dü. Anders vergeben ( um…

  5. Sprichwörter
    Vergeben

    Wander (Sprichwörter)

    Vergeben 1. Andern vergib viel, dir selbst nichts. Dän. : Forlad andre, men ei dig selv. ( Prov. dan., 179. ) It. : Cond…

  6. Spezial
    vergeben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    ver|ge|ben vb.tr. 1 (weggeben) dé ia, dé demez 2 (zuweisen) assegné (-gnëia), dé (dá) 3 (in Bezug auf Arbeiten) dé ia, d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vergeben

12 Bildungen · 7 Erstglied · 2 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von vergeben

ver- + geben

vergeben leitet sich vom Lemma geben ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von vergeben 2 Komponenten

verge+ben

vergeben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vergeben‑ als Erstglied (7 von 7)

vergëbenes

Lexer

ver-gëbenes , ver-gëbens gen. adv. dasselbe j.Tit. 394. Apoll. 1007. Ot. 43 b . Erlœs. 6583. Evang. 315 a . Myst. 1. 93,28. Craon 752 hs. Vi…

vergebenheit

DWB

vergeben·heit

vergebenheit , f. : vergeben- und vergessenheit. Logau 2, 5, 8 ( Eitner 227) überschrift.

vergebenisse

KöblerMhd

vergeben·isse

vergebenisse , st. F. nhd. Verzeihung Hw.: vgl. mnd. vörgēvenisse Q.: Tauler (vor 1350) (FB vergebnisse), Vintl E.: s. vergeben W.: nhd. DW-…

vergebenlīche

KöblerMhd

vergebenlīche , Adv. nhd. unentgeltlich, vergeblich, umsonst E.: s. vergeben, līche W.: s. nhd. vergeblich, Adv., vergeblich, DW 25, 390 L.:…

vergëbents

ElsWB

vergëbe n ts Ruf. Su. Logelnh. Dü. , vergëbe n s Lutterb. Bf. U. Adv. (eig. Gen. des vorigen) umsonst. V. schaffe n ohne Lohn arbeiten; v. l…

vergeben als Zweitglied (2 von 2)

unvergëben

Lexer

unver·geben

un-vergëben part. adj. BMZ nicht vergeben, nicht weggegeben. so wurde ir der apfel, wær er unvergeben Msh. 1,126 b . waʒ gûdes dan unvergebe…

Ableitungen von vergeben (3 von 3)

unvergëben

Lexer

un-vergëben part. adj. BMZ nicht vergeben, nicht weggegeben. so wurde ir der apfel, wær er unvergeben Msh. 1,126 b . waʒ gûdes dan unvergebe…

unvergëbene

Lexer

un-vergëbene adv. nicht umsonst Elis. 9909 ;

vergëbene

Lexer

ver-gëbene adv. ib. schenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich, zieml. allgem. ( Ernst B. 1383. Bit. 8159. Ulr. Wh. 140 c . Kar…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „vergeben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vergeben/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „vergeben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vergeben/adelung. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vergeben". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vergeben/adelung.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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