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vergeben

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
23 in 15 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

vergeben

vergeben

geben Vb. ‘(hin-, dar)reichen, schenken, überlassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. geban (8. Jh.), mhd. geben, asächs. geƀan, mnd. gēven, mnl. ghēven, nl. geven, aengl. giefan (engl. to give ist aus dem Nord. entlehnt), anord. gefa, schwed. giva, got. giban (germ. *geban). Herkunft ungesichert. Das Verb wird allgemein mit lat. habēre ‘halten, haben, besitzen’, habilis ‘handlich, geeignet’, air. gaibid ‘nimmt, ergreift, erhält’, lit. gabénti ‘fördern, transportieren, herbei-, fortschaffen’, aruss. gabati ‘bedrängen, verfolgen (?)’, tschech. (älter) habati ‘raffen’, poln. gebać ‘anfechten, reizen, beunruhigen’ zu der in mehreren Varianten vorliegenden Wurzel ie. *ghabh-, *ghab-, *ghap- ‘fassen, nehmen’ (die letzte Variante wohl unter Einfluß der Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, s. heben) gestellt. Der auffallende Bedeutungsunterschied zwischen den germ. Vertretern und dem ie. Wurzelansatz (‘geben’ – ‘nehmen’) wird damit erklärt, daß hier eine germ. Eigenbildung als Ersatz für ie. *dō- ‘geben’ vorliegt, die sowohl lautlich (im Vokalismus der Stammsilbe) wie inhaltlich unter dem Einfluß von germ. *neman (s. nehmen) als Gegenwort steht (was man hat, auswählend ergreift, „nimmt“, kann man darreichen, schenken, „geben“). – Die reiche Bedeutungsentfaltung des Verbs führt zu zahlreichen Präfixbildungen mit weiteren Ableitungen. abgeben Vb. ‘(einen Teil) hergeben, abtreten, überlassen, darstellen, sein’ reflexiv ‘sich beschäftigen, befassen’, frühnhd. ab(e)geben, vgl. ahd. abageban ‘verlassen, im Stich lassen’ (9. Jh.); Abgabe f. ‘zu entrichtende Leistung, Überlassung’ (2. Hälfte 17. Jh.). angeben Vb. ‘(aus)sagen, anzeigen, verraten, bestimmen, prahlen, aufschneiden’, mhd. an(e)geben, auch ‘(ein Kleid) anlegen’; Angabe f. ‘Aussage, Prahlerei, Aufschneiderei’ (Anfang 16. Jh.); Angeber m. ‘Denunziant, Aufschneider’, frühnhd. angeber ‘Anfänger, Anstifter’; angeblich Adj. ‘vermeintlich’ (1. Hälfte 18. Jh.). aufgeben Vb. ‘zur Weiterleitung übergeben, erledigen lassen, verzichten, zurücktreten’, mhd. ūfgeben; Aufgabe f. ‘Übergabe zur Weiterleitung, Auftrag, Verzicht’, mhd. ūfgābe. ausgeben Vb. ‘austeilen, aushändigen, verkünden, Geld verbrauchen, spendieren’, reflexiv ‘seine Kräfte verbrauchen, verausgaben’, ahd. ūʒgeban ‘(her)ausgeben, ausschütten’ (9. Jh.), mhd. ūʒgeben; Ausgabe f. ‘Austeilung, Aushändigung, Verkündigung, Verbrauch an Geld, Edition, Nummer einer Zeitung, Zeitschrift’, spätmhd. ūʒgābe; ausgiebig Adj. ‘reichlich’ (Mitte 18. Jh.). begeben Vb. reflexiv ‘sich aufmachen, gehen, sich ereignen, geschehen’, sich einer Sache begeben ‘auf etw. verzichten’, ahd. bigeban ‘verlassen, aufgeben’ (10. Jh.), mhd. begeben; Begebenheit f. ‘Ereignis, Geschehen’ (1. Hälfte 17. Jh.). beigeben Vb. ‘mitgeben, hinzufügen, zur Verfügung stellen, nachgeben, sich fügen’ (1. Hälfte 16. Jh.); Beigabe f. (1. Hälfte 19. Jh.). eingeben Vb. ‘einflößen, einreichen’, mhd. īngeben ‘übergeben, überweisen’; Eingabe f. ‘das Einflößen, schriftlicher Vorschlag, Gesuch’, spätmhd. ingābe; Eingebung f. ‘plötzlich auftauchender Gedanke, Intuition’ (1. Hälfte 15. Jh.). ergeben Vb. ‘als Ergebnis hervorbringen’, reflexiv ‘zustande kommen, sich hingeben, widmen, die Waffen strecken, sich dem Feind ausliefern’, ahd. irgeban ‘(von sich) geben, heraus-, übergeben, sich jmdm. ausliefern, Rechenschaft ablegen’ (8. Jh.), mhd. ergeben ‘zeigen, herausgeben, übergeben, anheimgeben, einträglich sein’, reflexiv ‘sich in jmds. Gewalt geben, sich fügen’; Ergebung f. ‘das Sichergeben, Unterwerfung, Ergebenheit’ (14. Jh.); ergeben Part.adj. ‘gefügig, hingebungsvoll, wohlgeneigt’, in frühnhd. Zeit aus dem Part. Prät. mhd. ergeben ‘sich durch Gelübde dem Mönchsleben ergeben habend’; Ergebenheit f. ‘demütige Hingabe, Fügsamkeit’, mhd. ergebenheit ‘Klostergelübde’; Ergebnis n. ‘Resultat’ (um 1800); ergiebig Adj. ‘ertragreich, fruchtbar’ (16. Jh.). freigebig Adj. ‘gern gebend, großzügig’, Freigebigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.). hingeben Vb. ‘weg-, fortgeben, verschenken’ (15. Jh.), reflexiv ‘sich aufopfern, sich widmen’ (18. Jh.); vgl. schon ahd. hinageban ‘hingeben, übergeben, preisgeben’ (um 1000); Hingabe f. ‘Opferbereitschaft, Leidenschaft’ und gleichbed. Hingebung f. (1. Hälfte 19. Jh.), älter im Sinne von ‘das Weg-, Fortgeben’ (Hingebung seit dem 17. Jh., Hingabe seit dem 18. Jh.); hingebungsvoll Adj. ‘voll Eifer, Aufopferung’ (1. Hälfte 19. Jh.). nachgeben Vb. ‘nicht standhalten, Widerstand aufgeben, sich fügen, erschlaffen, locker werden’, spätmhd. nāchgeben ‘zulassen, einräumen’; nachgiebig Adj. ‘nicht standhaltend, keinen Widerstand entgegensetzend, schlaff, leicht umzustimmen, fügsam’ (18. Jh.). übergeben Vb. ‘aushändigen, überantworten, ausliefern, für etw. freigeben’, reflexiv ‘sich erbrechen’, mhd. übergeben ‘übertreffen, beeinträchtigen, verletzen, verzichten’, reflexiv ‘sich aufgeben, schuldig bekennen’; Übergabe f. ‘Aushändigung, Auslieferung’ (Ende 15. Jh.). umgeben Vb. ‘ein-, umschließen’, ahd. umbigeban ‘umgeben, umstellen’ (8. Jh.), mhd. umbegeben; Umgebung f. ‘einen Ort umgebende Landschaft, jmdn. umgebender Kreis von Menschen’ (um 1800; vorher dafür Environs, nach gleichbed. frz. environs Plur.), älter im Sinne von ‘das Herumgeben, Umhängen’ (Ende 15. Jh.). Untergebener m. ‘wer einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt ist’ (um 1600), substantivierte Form zum Part.adj. untergeben ‘einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt’, eigentlich Part. Prät. zu heute nicht mehr üblichem untergeben ‘unter Aufsicht stellen’, ahd. untargeban ‘unterwerfen, unterstellen’ (um 800), spätmhd. undergeben. vergeben Vb. ‘weggeben, austeilen, verschenken, verzeihen’, meist reflexiv ‘seinem Ansehen schaden’, nur reflexiv ‘sich beim Austeilen (der Spielkarten) irren, falsch geben’, ahd. firgeban ‘vergeben, schenken, einräumen’ (8. Jh.), mhd. vergeben; Vergebung f. ‘das Vergeben, Vergabe, Verzeihung’, spätmhd. vergebunge ‘Verzeihung’; vergebens Adv. ‘vergeblich, erfolglos, umsonst, nutzlos’, spätmhd. vergeben(e)s, mit sekundärem s für gleichbed. mhd. vergebene ‘geschenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich’, Adverb zum Part. Prät. mhd. vergeben; vgl. ahd. firgebano Adv. ‘umsonst, ohne Gegenleistung’ (um 1000). vergeblich Adj. ‘erfolglos, nutzlos, umsonst’, zuerst md. vergebelich (15. Jh.), vgl. mhd. frühnhd. vergebenlich (wohl gekürzt aus vergebendlich). zugeben Vb. ‘hinzufügen, dazugeben, für richtig erklären, einräumen, gestehen’ (15. Jh.), vgl. schon ahd. zuogeban ‘hinzufügen, zuteilen, verteilen’ (9. Jh.), dagegen mhd. zuogeben ‘tapfer auf jmdn. eindringen, jmdm. zusetzen’; Zugabe f. ‘was zusätzlich über die pflichtgemäße Leistung oder Menge hinaus gegeben wird’, spätmhd. zuogābe ‘Zugabe, Mitgift’.
6658 Zeichen · 230 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vergëbenpartic.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    vergëben partic. vergebene liute unzuverlässige, bei denen man nicht sicher ist Schmeller 2,12.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vergêben

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Vergêben , verb. irreg. act. S. Adelung Geben , welches in verschiedenen Bedeutungen vorkommt. 1. Falsch geben, von Ver …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vergeben

    Goethe-Wörterbuch

    vergeben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    vergëben

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    vergëbe n Adj. vergeblich. S is t vergëbeni Müe h Heidw. Dü. Adv. umsonst. Du kumms t vergëwe n Dü. Anders vergeben ( um…

  5. Sprichwörter
    Vergeben

    Wander (Sprichwörter)

    Vergeben 1. Andern vergib viel, dir selbst nichts. Dän. : Forlad andre, men ei dig selv. ( Prov. dan., 179. ) It. : Cond…

  6. Spezial
    vergeben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    ver|ge|ben vb.tr. 1 (weggeben) dé ia, dé demez 2 (zuweisen) assegné (-gnëia), dé (dá) 3 (in Bezug auf Arbeiten) dé ia, d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vergeben

12 Bildungen · 7 Erstglied · 2 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von vergeben

ver- + geben

vergeben leitet sich vom Lemma geben ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von vergeben 2 Komponenten

verge+ben

vergeben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vergeben‑ als Erstglied (7 von 7)

vergëbenes

Lexer

ver-gëbenes , ver-gëbens gen. adv. dasselbe j.Tit. 394. Apoll. 1007. Ot. 43 b . Erlœs. 6583. Evang. 315 a . Myst. 1. 93,28. Craon 752 hs. Vi…

vergebenheit

DWB

vergeben·heit

vergebenheit , f. : vergeben- und vergessenheit. Logau 2, 5, 8 ( Eitner 227) überschrift.

vergebenisse

KöblerMhd

vergeben·isse

vergebenisse , st. F. nhd. Verzeihung Hw.: vgl. mnd. vörgēvenisse Q.: Tauler (vor 1350) (FB vergebnisse), Vintl E.: s. vergeben W.: nhd. DW-…

vergebenlīche

KöblerMhd

vergebenlīche , Adv. nhd. unentgeltlich, vergeblich, umsonst E.: s. vergeben, līche W.: s. nhd. vergeblich, Adv., vergeblich, DW 25, 390 L.:…

vergëbents

ElsWB

vergëbe n ts Ruf. Su. Logelnh. Dü. , vergëbe n s Lutterb. Bf. U. Adv. (eig. Gen. des vorigen) umsonst. V. schaffe n ohne Lohn arbeiten; v. l…

vergeben als Zweitglied (2 von 2)

unvergëben

Lexer

unver·geben

un-vergëben part. adj. BMZ nicht vergeben, nicht weggegeben. so wurde ir der apfel, wær er unvergeben Msh. 1,126 b . waʒ gûdes dan unvergebe…

Ableitungen von vergeben (3 von 3)

unvergëben

Lexer

un-vergëben part. adj. BMZ nicht vergeben, nicht weggegeben. so wurde ir der apfel, wær er unvergeben Msh. 1,126 b . waʒ gûdes dan unvergebe…

unvergëbene

Lexer

un-vergëbene adv. nicht umsonst Elis. 9909 ;

vergëbene

Lexer

ver-gëbene adv. ib. schenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich, zieml. allgem. ( Ernst B. 1383. Bit. 8159. Ulr. Wh. 140 c . Kar…

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APA
Cotta, M. (2026). „vergeben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vergeben/pfeifer_etym
MLA
Cotta, Marcel. „vergeben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vergeben/pfeifer_etym. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vergeben". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vergeben/pfeifer_etym.
BibTeX
@misc{lautwandel_vergeben_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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