vertrinken,
v. ,
seit ahd. zeit belegt (
s. u.)
; mhd. wb. 3, 92; Lexer 3, 276; Jelinek 852;
mnd. vordrinken.
mundartlich lebendig, s. schweiz. id. 1, 910; Martin-Lienhart 2, 761; Fischer 2, 1389; Schmeller-Fr. 1, 668;
lux. mundart 458; Woeste 290; Frischbier 2, 442;
brem.-nieders. wb. 1, 247;
holstein. Schütze 1, 256; Stürenburg 310
b; Schmidt-Petersen 37
b;
im mitteld. anscheinend selten, ostmd. belege fehlen. mndl., ndl. verdrinken,
fries. fordrinke Dijkstra 1, 396,
ags. fordrincan. 11)
in älterer zeit und mundartlich '
ertrinken',
submergi voc. 1482 kk 1
a; Diefenbach 358
c, 560
c;
naufragare 376
b.
ahd.: da Pharao unte sin here inne verdranc Williram 15, 5 (
lesart A,
sonst irdrank).
mnd. Schiller-Lübben 5, 345
a;
mhd. wb. Lexer: ê ers icht wizze, so ist er vortrunken als die von Egyptumlande
altd. predigten 1, 44
Schönbach. nhd.: sie maintend, der kaiser wer gstorben, vertrunken mit seim hör
hist. volkslieder 4, 228
Liliencron (1543).
sehr beliebt in sprichwörtern und redensarten: sinken aber nit v. Zinkgref
apophthegmata 258; Kirchhofer
schweiz. spr. 130; Fischer 2, 1389; Martin - Lienhart 2, 761; was an galgen gehört, vertrinkt nit Lüpkes
seemannsspr. 124; Fischer; de besten swemmers vordrinken meist Tunnicius
nr. 306;
horae belg. 9, 13; daar verdrinken mehr inr glas as in de see Lüpkes 36;
ähnlich Kern-Wilms
Ostfriesl. 96; mit einem vordrunken kinde is quât spelen Tunnicius
nr. 752;
ähnlich horae belg. 9, 33; wann das kind vertruncken ist, ist es zu spät den brunnen zuzumachen Apherdianus
methodus discendi 279;
ähnlich Tunnicius
nr. 27;
horae belg. 9, 4; Kern - Wilms 30; Kirchhofer 284.
in neuerer zeit literarisch ungewöhnlich: ein Cäsar läszt die heiligen vögel vertrinken, wenn sie nicht fressen wollen Möser 1, 42 (
oder zu 2
gehörig?). 22)
ungewöhnlich ist entsprechender transitiver gebrauch: submergere Diefenbach
nov. gl. 353
a;
niederl. horae belg. 9, 34;
ostfries. Stürenburg 310
b;
ebenso reflexiv he het sik verdrunken
brem.-nieders. wb. 1, 247;
holstein. Schütze 1, 256. 33)
reflexiv: sich satt trinken, sich betrinken. mhd.: comedite amici mei et inebriamini mi carissimi: ezzet vaste nu zur stunde, vortrinket uch mine liben vrunde, ..., vortrinket uch an miner libe Brun v. Schonebeck 8538; dune solt dich nicht vortrinken des wins
altd. predigten 1, 8
Schönbach. in neuerer zeit selten: wenn Weber toll geworden ist, so hat er sich nicht an der altdeutschen poesie vertrunken Jac. Grimm
briefe der br. Grimm an Benecke 87.
mnd. belegen Schiller-Lübben 5, 345
auch den entsprechenden transitiven gebrauch: wultu enen vordrynken, dat he sat werde. 44)
nahe steht das part. prät.: 4@aa)
mnd. (Schiller-Lübben 5, 346
b)
und mhd. einer, der zu viel getrunken hat, betrunken: lezistu scenken dinin win den luten, die vertrungken sin Werner v. Elmendorf 477.
nhd. nur ganz vereinzelt: Steinbach 2, 877.
dazu vertrunkenheit temulentia Diefenbach,
ebrietas Diefenbach - Wülcker;
pro trunkenheit Steinbach 2, 877;
mnd. Schiller-Lübben;
mhd.: wan wer win trinket zu phlege und vorchtet sin vortrunkenheit (wan sy ist gar schentlich cleit), der mischet den win zu maze
buch Hiob 6057
K. 4@bb)
häufiger wie versoffen,
einer der zu viel zu trinken pflegt, trunksüchtig, ebriosus: mnd. Schiller-Lübben,
nhd. Frisius, Maaler 436
b, Steinbach, Dentzler,
mundartlich: schweiz. id. 1, 908,
els. Martin-Lienhart,
schwäb. Fischer (
veraltet): wo im hausz ist ein loser man, vertruncken, bübisch und verspilt H. Sachs 7, 152
K.;
in neuerer zeit ziemlich selten: ein zuchthaus, das eine versammlung liederlicher, vertrunkener, verlumpter müsziggänger ist Lavater
physiogn. fragm. 1, 75; der stadtpfeifer, ein vertrunkener man G. Keller 5, 229.
dazu vertrunkenheit: fraszheit oder verdrunkenheit
Oxforder benedictinerregel 22, 14; gewonheit voll ze seyn,
ebriositas Maaler 436
b; Schottel
haubtspr. 345; Steinbach;
veraltet Fischer 2, 1391. 55)
mundartlich sich vertrinken,
sich durch trinken einen schaden zuziehen: lux. mundart 458, Woeste 290
a,
brem.-nieders. wb. 1, 247. 66)
mundartlich und in älterer zeit gewöhnlich ist verbindung mit näherem object, das die veranlassung zum trinken ausdrückt: 6@aa)
mit persönl. object: das todtenvertrincken
epulae ferales Frisius 551
a;
ähnlich die seel vertrincken H. Sachs 5, 271
K.; vertrincken die kinder also (
bei der taufe)
Till Eulenspiegel 5
ndr.; hierher wohl auch: verheiraten und zwar beim trinken, mich hat man jung vertrunken Frischbier. 6@bb)
mit sächl. object: einen weinkauf zu vertrincken Wickram 2, 246
B.; auch noch in neuerer zeit: seinen geniestreich im rheinwein zu vertrinken
briefe von und an Herwegh 60.
soldatensprachlich: wenn die nummer des gewehres eines soldaten mit der parole übereinstimmt, so wird die gewehrnummer vertrunken, ebenso auch die stuben-, regiments- oder kompagnienummer Horn
soldatensprache 89. 77)
auf jemandes kosten trinken, durch trinken schädigen. mnd.: welcke markgenote des weigerte, den mach men vordrinken up ses penninge (1339) Schiller-Lübben 5, 345
b;
brem.-nieders. wb. 1, 427; die armen leute verzehren und vertrinken Schmeller-Fr. 1, 668; wer aber saumig wurde, den sol man vertrinken umb ein zimblich taglohn (1504) Fischer 2, 1389. 88)
gewöhnlich und heute schriftsprachlich allein lebendig: durch trinken verbrauchen, verzehren, verschwinden lassen: consumere potando Stieler 2331;
rem potando minuere Dentzler, Steinbach. 8@aa)
das object bezeichnet: 8@a@aα)
zuweilen das getränk: ein gut fasz bier zu vertrincken Barth. Krüger
Hans Clawert 27
ndr.; mehr wein als er vertrinken mochte Arnim 4, 250
Grimm. 8@a@bβ)
häufiger das geld, das beim trinken draufgeht. mhd.: min lieber gast, nu siz herzuo, vertrink ein halbez pfunt
minnesinger 3, 295; 60 ungarische guldin, dy in der meister gab zu vortrynken
Marienburger tresslerbuch 110
J. nhd.: wenn aber jeder gelehrte auch nur das, was er verraucht und vertrinkt, dem buchhändler zutrüge Lagarde
deutsche schr. 265.
insonderheit gerichtsgebühren und strafgelder: do von (
von den berufungsgebühren) sal der hofemeister iclichs vorsprochen (
fürsprecher) 1
β θ widergebe zu vertrinken
weisthümer 6, 104 (1415); iedoch wirst du zu busz uns allen ein gulden deins gelts lassen fallen, den wir vertrincken, wenn uns dürst H. Sachs 14, 231
K.-G.; die bierstrafe ..., bey den handwerkern eine geringe strafe, ..., weil sie meistentheils im biere vertrunken wird Adelung 1, 1011. 8@a@gγ)
anderen besitz. mhd.: dû solt ir (
der frau) guot nicht andern wîben geben, noch verspiln, noch vertrinken Berthold v. Regensburg 1, 319
Pf.; 1, 431.
nhd.: und haben die knaben umb speise gegeben und die maidlin umb wein verkauft und vertrunken Luther
bibel 4, 383
Bindseil; wollen wir unser erbe verspielen oder vertrinken? Hauff 4, 216. 8@bb)
das getränk wird durch eine verbindung mit in
ausgedrückt; in älterer zeit mit dem accusativ: und vertrinckt das gelt in bayrischen wein Lindener
katzipori 120
lit. v.; da het er in das bier vertruncken und in die würst verfressen achtzig pfenning Schumann
nachtbüchlein 239
B. in neuerer zeit mit dem dativ: 'ja', seufzte der kleine, 'pater, mich friert auch gar zu sehr, hab keinen rock und höslein und auch kein hemde mehr, ich habe das alles vertrunken in altem, süszem wein' Freytag 1, 331.
daneben begegnet auch an: das gelt am guten wein vertrincken Moscherosch
Philander 2, 258. 8@cc)
mehrfach ist übertragener gebrauch: 8@c@aα)
den verstand v.: swâ die sinne vertrinkt ein jüngelinc
Haupts zeitschr. 8, 565 (
der jüngling); hab schier vertruncken witz und sin H. Sachs 12, 520
K. 8@c@bβ)
die gesundheit: durch solches gesundheitstrinken meine eigne zu vertrincken Lindenborn
Diogenes 1, 39. 8@c@gγ)
durch trinken versäumen: andere ... vertrincken und verschlaffen ihre horas oder tagzeiten treulich Albertinus
Lucifers königreich 64, 2
Liliencron; sein glück v.,
négliger sa fortune en buvant Schwan
nouv. dict. 2, 938
b. 8@c@dδ)
die zeit trinkend hinbringen: anakreontisch leben, die edle zeit vertrinken, beym weine sie verbuhlen
das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 6, 620; wenn nach dem heftgen wirbeltanz die nächte schmausend man vertrinket Göthe 14, 15
W. (
Faust 205). 8@c@eε)
sich trinkend über etwas hinwegsetzen: derowegen sey der ungmut und ungfall zu oftermalen zu verlachen, zu verachten, zu versingen, verspringen, verdantzen, vertrincken, verpfeiffen, verspielen und auf andere weg zu verkurtzweilen und zu verjagen Fischart 2, 16
Hauffen; gram und sorg auf einmal zu vertrinken Göthe 2, 106
W.