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vertrinken

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vertrinken v.

Bd. 25, Sp. 2000
vertrinken, v. , seit ahd. zeit belegt (s. u.); mhd. wb. 3, 92; Lexer 3, 276; Jelinek 852; mnd. vordrinken. mundartlich lebendig, s. schweiz. id. 1, 910; Martin-Lienhart 2, 761; Fischer 2, 1389; Schmeller-Fr. 1, 668; lux. mundart 458; Woeste 290; Frischbier 2, 442; brem.-nieders. wb. 1, 247; holstein. Schütze 1, 256; Stürenburg 310b; Schmidt-Petersen 37b; im mitteld. anscheinend selten, ostmd. belege fehlen. mndl., ndl. verdrinken, fries. fordrinke Dijkstra 1, 396, ags. fordrincan. 11) in älterer zeit und mundartlich 'ertrinken', submergi voc. 1482 kk 1a; Diefenbach 358c, 560c; naufragare 376b. ahd.: da Pharao unte sin here inne verdranc Williram 15, 5 (lesart A, sonst irdrank). mnd. Schiller-Lübben 5, 345a; mhd. wb. Lexer: ê ers icht wizze, so ist er vortrunken als die von Egyptumlande altd. predigten 1, 44 Schönbach. nhd.: sie maintend, der kaiser wer gstorben, vertrunken mit seim hör hist. volkslieder 4, 228 Liliencron (1543). sehr beliebt in sprichwörtern und redensarten: sinken aber nit v. Zinkgref apophthegmata 258; Kirchhofer schweiz. spr. 130; Fischer 2, 1389; Martin - Lienhart 2, 761; was an galgen gehört, vertrinkt nit Lüpkes seemannsspr. 124; Fischer; de besten swemmers vordrinken meist Tunnicius nr. 306; horae belg. 9, 13; daar verdrinken mehr inr glas as in de see Lüpkes 36; ähnlich Kern-Wilms Ostfriesl. 96; mit einem vordrunken kinde is quât spelen Tunnicius nr. 752; ähnlich horae belg. 9, 33; wann das kind vertruncken ist, ist es zu spät den brunnen zuzumachen Apherdianus methodus discendi 279; ähnlich Tunnicius nr. 27; horae belg. 9, 4; Kern - Wilms 30; Kirchhofer 284. in neuerer zeit literarisch ungewöhnlich: ein Cäsar läszt die heiligen vögel vertrinken, wenn sie nicht fressen wollen Möser 1, 42 (oder zu 2 gehörig?). 22) ungewöhnlich ist entsprechender transitiver gebrauch: submergere Diefenbach nov. gl. 353a; niederl. horae belg. 9, 34; ostfries. Stürenburg 310b; ebenso reflexiv he het sik verdrunken brem.-nieders. wb. 1, 247; holstein. Schütze 1, 256. 33) reflexiv: sich satt trinken, sich betrinken. mhd.: comedite amici mei et inebriamini mi carissimi: ezzet vaste nu zur stunde, vortrinket uch mine liben vrunde, ..., vortrinket uch an miner libe Brun v. Schonebeck 8538; dune solt dich nicht vortrinken des wins altd. predigten 1, 8 Schönbach. in neuerer zeit selten: wenn Weber toll geworden ist, so hat er sich nicht an der altdeutschen poesie vertrunken Jac. Grimm briefe der br. Grimm an Benecke 87. mnd. belegen Schiller-Lübben 5, 345 auch den entsprechenden transitiven gebrauch: wultu enen vordrynken, dat he sat werde. 44) nahe steht das part. prät.: 4@aa) mnd. (Schiller-Lübben 5, 346b) und mhd. einer, der zu viel getrunken hat, betrunken: lezistu scenken dinin win den luten, die vertrungken sin Werner v. Elmendorf 477. nhd. nur ganz vereinzelt: Steinbach 2, 877. dazu vertrunkenheit temulentia Diefenbach, ebrietas Diefenbach - Wülcker; pro trunkenheit Steinbach 2, 877; mnd. Schiller-Lübben; mhd.: wan wer win trinket zu phlege und vorchtet sin vortrunkenheit (wan sy ist gar schentlich cleit), der mischet den win zu maze buch Hiob 6057 K. 4@bb) häufiger wie versoffen, einer der zu viel zu trinken pflegt, trunksüchtig, ebriosus: mnd. Schiller-Lübben, nhd. Frisius, Maaler 436b, Steinbach, Dentzler, mundartlich: schweiz. id. 1, 908, els. Martin-Lienhart, schwäb. Fischer (veraltet): wo im hausz ist ein loser man, vertruncken, bübisch und verspilt H. Sachs 7, 152 K.; in neuerer zeit ziemlich selten: ein zuchthaus, das eine versammlung liederlicher, vertrunkener, verlumpter müsziggänger ist Lavater physiogn. fragm. 1, 75; der stadtpfeifer, ein vertrunkener man G. Keller 5, 229. dazu vertrunkenheit: fraszheit oder verdrunkenheit Oxforder benedictinerregel 22, 14; gewonheit voll ze seyn, ebriositas Maaler 436b; Schottel haubtspr. 345; Steinbach; veraltet Fischer 2, 1391. 55) mundartlich sich vertrinken, sich durch trinken einen schaden zuziehen: lux. mundart 458, Woeste 290a, brem.-nieders. wb. 1, 247. 66) mundartlich und in älterer zeit gewöhnlich ist verbindung mit näherem object, das die veranlassung zum trinken ausdrückt: 6@aa) mit persönl. object: das todtenvertrincken epulae ferales Frisius 551a; ähnlich die seel vertrincken H. Sachs 5, 271 K.; vertrincken die kinder also (bei der taufe) Till Eulenspiegel 5 ndr.; hierher wohl auch: verheiraten und zwar beim trinken, mich hat man jung vertrunken Frischbier. 6@bb) mit sächl. object: einen weinkauf zu vertrincken Wickram 2, 246 B.; auch noch in neuerer zeit: seinen geniestreich im rheinwein zu vertrinken briefe von und an Herwegh 60. soldatensprachlich: wenn die nummer des gewehres eines soldaten mit der parole übereinstimmt, so wird die gewehrnummer vertrunken, ebenso auch die stuben-, regiments- oder kompagnienummer Horn soldatensprache 89. 77) auf jemandes kosten trinken, durch trinken schädigen. mnd.: welcke markgenote des weigerte, den mach men vordrinken up ses penninge (1339) Schiller-Lübben 5, 345b; brem.-nieders. wb. 1, 427; die armen leute verzehren und vertrinken Schmeller-Fr. 1, 668; wer aber saumig wurde, den sol man vertrinken umb ein zimblich taglohn (1504) Fischer 2, 1389. 88) gewöhnlich und heute schriftsprachlich allein lebendig: durch trinken verbrauchen, verzehren, verschwinden lassen: consumere potando Stieler 2331; rem potando minuere Dentzler, Steinbach. 8@aa) das object bezeichnet: 8@a@aα) zuweilen das getränk: ein gut fasz bier zu vertrincken Barth. Krüger Hans Clawert 27 ndr.; mehr wein als er vertrinken mochte Arnim 4, 250 Grimm. 8@a@bβ) häufiger das geld, das beim trinken draufgeht. mhd.: min lieber gast, nu siz herzuo, vertrink ein halbez pfunt minnesinger 3, 295; 60 ungarische guldin, dy in der meister gab zu vortrynken Marienburger tresslerbuch 110 J. nhd.: wenn aber jeder gelehrte auch nur das, was er verraucht und vertrinkt, dem buchhändler zutrüge Lagarde deutsche schr. 265. insonderheit gerichtsgebühren und strafgelder: do von (von den berufungsgebühren) sal der hofemeister iclichs vorsprochen (fürsprecher) 1 β θ widergebe zu vertrinken weisthümer 6, 104 (1415); iedoch wirst du zu busz uns allen ein gulden deins gelts lassen fallen, den wir vertrincken, wenn uns dürst H. Sachs 14, 231 K.-G.; die bierstrafe ..., bey den handwerkern eine geringe strafe, ..., weil sie meistentheils im biere vertrunken wird Adelung 1, 1011. 8@a@gγ) anderen besitz. mhd.: dû solt ir (der frau) guot nicht andern wîben geben, noch verspiln, noch vertrinken Berthold v. Regensburg 1, 319 Pf.; 1, 431. nhd.: und haben die knaben umb speise gegeben und die maidlin umb wein verkauft und vertrunken Luther bibel 4, 383 Bindseil; wollen wir unser erbe verspielen oder vertrinken? Hauff 4, 216. 8@bb) das getränk wird durch eine verbindung mit in ausgedrückt; in älterer zeit mit dem accusativ: und vertrinckt das gelt in bayrischen wein Lindener katzipori 120 lit. v.; da het er in das bier vertruncken und in die würst verfressen achtzig pfenning Schumann nachtbüchlein 239 B. in neuerer zeit mit dem dativ: 'ja', seufzte der kleine, 'pater, mich friert auch gar zu sehr, hab keinen rock und höslein und auch kein hemde mehr, ich habe das alles vertrunken in altem, süszem wein' Freytag 1, 331. daneben begegnet auch an: das gelt am guten wein vertrincken Moscherosch Philander 2, 258. 8@cc) mehrfach ist übertragener gebrauch: 8@c@aα) den verstand v.: swâ die sinne vertrinkt ein jüngelinc Haupts zeitschr. 8, 565 (der jüngling); hab schier vertruncken witz und sin H. Sachs 12, 520 K. 8@c@bβ) die gesundheit: durch solches gesundheitstrinken meine eigne zu vertrincken Lindenborn Diogenes 1, 39. 8@c@gγ) durch trinken versäumen: andere ... vertrincken und verschlaffen ihre horas oder tagzeiten treulich Albertinus Lucifers königreich 64, 2 Liliencron; sein glück v., négliger sa fortune en buvant Schwan nouv. dict. 2, 938b. 8@c@dδ) die zeit trinkend hinbringen: anakreontisch leben, die edle zeit vertrinken, beym weine sie verbuhlen das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 6, 620; wenn nach dem heftgen wirbeltanz die nächte schmausend man vertrinket Göthe 14, 15 W. (Faust 205). 8@c@eε) sich trinkend über etwas hinwegsetzen: derowegen sey der ungmut und ungfall zu oftermalen zu verlachen, zu verachten, zu versingen, verspringen, verdantzen, vertrincken, verpfeiffen, verspielen und auf andere weg zu verkurtzweilen und zu verjagen Fischart 2, 16 Hauffen; gram und sorg auf einmal zu vertrinken Göthe 2, 106 W.
8538 Zeichen · 170 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vertrinkenstv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    ver-trinken stv. BMZ intr. ertrinken Pass. Jer. lâ niht den man v. Msh. 3,58 b . si virtrunkin, dî in dem waʒʒir virsunk…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vertrinken

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vertrinken , verb. irregul. act. S. Adelung Trinken . 1. Mit Trinken zubringen. Den Abend vertrinken. 2. Durch Trinken v…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vertrinken

    Goethe-Wörterbuch

    vertrinken [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    vertrinken

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    vertrinken Band 4, Spalte 4,515f.

  5. Sprichwörter
    Vertrinken

    Wander (Sprichwörter)

    Vertrinken 1. Nur was ich vertrunken habe, ist mein. Sprichwort des leibeigenen polnischen Bauern. (Vgl. Förster, Die Hö…

  6. Spezial
    vertrinken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ver|trin|ken vb.tr. bëre ia. ▬ sein Geld vertrinken se bëre ia i scioldi.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vertrinken

2 Bildungen · 0 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von vertrinken

ver- + trinken

vertrinken leitet sich vom Lemma trinken ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von vertrinken 2 Komponenten

vert+rinken

vertrinken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vertrinken als Zweitglied (2 von 2)

Tōte(n)vertrinken

Idiotikon

Tōte(n)vertrinken Band 14, Spalte 1178 Tōte(n)vertrinken 14,1178