sumsen,
vb. ,
auch summsen
geschrieben, lautmalend wie summen.
häufiger bezeugt erst im nhd. im allgemeinen mehr als volkstümlich, umgangssprachlich empfunden, auch tiefer als summen
in hd. mundarten verwurzelt, vor allem im gebrauch von 1
und 3 b (
bei insekten und menschen),
vgl. schweiz. id. 7, 998; Fischer
schwäb. 5, 1958; Unger-Khull
steir. 600
b; Müller-Fraureuth 2, 589
a,
dazu die mundartl. weiterbildungen sumsern Jungandreas
schles. zeitwortbild. 21; Fischer
schwäb. 5, 1958;
schweiz. id. 7, 998; sumserlen,
adj., sumseten,
f., gesums ebda. 11)
vom fluggeräusch der insekten: wie es aber sommer ware und die mucken, wefftzen, fliegen herumb schwirmen und sumsen
M. Lindener
katzipori 168
lit. ver.; spinnen und die sumsenden fliegen J. Matthesius
ausg. w. 3, 153
L.; die websen und mucken sumbsen Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 35; die biene sumset, wie sie sauget, der vogel singt, wie er nistet, aber wie spricht der mensch von natur? Herder
w. 5, 26
S.; von dem sumsen schwirrender insecten A. v. Humboldt
ansichten d. natur (1808) 1, 157; man hörte sie (
die insekten) ganz deutlich, wie sie sich geräuschvoll niederlassen ... noch schwingend und summsend in der bewegung H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 2.
damit verbindet sich gerne die bewegungsvorstellung des umherfliegens, die sich sprachlich in präpositionalen und adverbiellen zusätzen ausdrückt (
vgl.summen 2): er macht es wie die fliegen: die sumsen über berg und tahl Drollinger
ged. (1743) 132; aber doch summste und sauste und schnurrte dem grafen ... eine fatale hornisse ins gesicht Jean Paul
w. 27, 353
H.; wann ich vertieft durch blumen ... wandele, plötzlich vielleicht sumst mir ein bienchen ums haupt J. H. Voss
s. ged. (1802) 3, 126; um den schein des lichtes sumsten in dicken kreisen nachtschmetterlinge L. Tieck
schr. (1828) 9, 134; ein paar fliegen sumsten über einem pilz Herm. Hesse
diesseits (1907) 26.
die art des sumsens
wird als leise, gedämpft geschildert: fleuch, liebes bienchen, ... und sumse ihm sanft ins ohr Musäus
volksmärchen 1, 15
H.; wenn alles so still war, dass man nur die bienen summsen hörte Eichendorff
s. w. (1864) 3, 7;
gern als lieblich: die immen und bienlein ... in ihrem schwarm lieblich sumsen und sausen Spangenberg-Fröreisen
anmut. weisheit lustg. (1621) 436; holdsehlig lieblich sumszten sie (
die bienen) Fr. Procopius
hertzensfrewd 2 (1661) 8; was für ein liebliches sumsen schwärmt um mich her? Sal. Gessner
schr. (1777) 1, 110.
bildlich: die göttingsche (
wespe) sumset nicht so arg, als sie zu stechen droht Lessing
s. schr. 18, 296
M.; dasz dir das aufgerührte wespennest (
der feinde) um die ohren summset und dich halb todt gestochen hat Bode
Tristram Schandi (1774) 1, 68; den ... mückenschwarm von lobern und tadlern, wovon doch ein jeder nach seinem kopfe tanzt und sumst
portraits (1779) 132; dann wurde mir (
in der schule) mein platz angewiesen, und ich war dem surrenden und sumsenden kinderbienenstock einverleibt Hebbel
w. 8, 98
W. im vergleich: herz und seele und alles in mir war wie ein bienenschwarm, so summsend, stechend heiss und ungeduldig Heinse
s. w. 4, 20
Sch. 22)
aus ähnlichem gehörseindruck für das verworrene oder verhaltene sprech- und lärmgeräusch einer menge, vgl. summen 4: das sumsen und geräusch von tausenden von zungen und füszen Lichtenberg
br. (1901) 1, 205; das sumsen (
des publikums) dauerte die ganze arie, bis zur cadenz S. G. Bürde
gesell. reise (1785) 175; (
das volk) sumst und dröhnt wie lauter wespen um die ganze burg herum Wieland
Lucian (1788) 6, 193; das dumpfe sumsen der gedrängten volkshaufen Görres
ges. br. (1858) 1, 6; die sprache dieser ganzen menge (
am boulevard) ... schien nur aus vokalen zu bestehen ... alles übrige verschwand im allgemeinen summsen, zischen, rollen H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 108. 33)
vereinzelt treten weitere, beim vb. summen
übliche bedeutungsfärbungen auf. 3@aa)
mehr in älterer sprache für starkes tönen, s. summen 1 a,
vgl.sumsen stark summen Hübner
zeit.-lex. 4, 496
b; '
verstärkung für summen' Albrecht
Leipziger ma. 220
b: krieget er (
Äolus) aber nichts, so schilt er drauff, dass es sumset, wirfft häuser und schiffe umb, reisset bäume auss J. Prätorius
phil. colus (1662) 174; welche (
trompeten) gleichsam wie die wespen und hummeln, doch gar laut und starck sumseten Valvasor
Crain (1689) 4, 2, 408; du denckest zwar vielleicht: dein nachklang sumse so, wie jene grosze glock, die Moscau kan aufweisen A. Volck
entdecktes geheimnis (1750) 1, 161; wenn man der glocke in die nähe tritt, so ist es ein Rheinsturz bey Schafhausen von summsen und brummen, und das gehör wird, wie von einem hagelgewitter, zerschmettert Heinse
s. w. 9, 292
Sch.; alle planeten zusammen sollen sieben töne immer wie siebenerley glocken zusammen summsen
ebda 9, 17.
mundartlich für das pfeifende vorbeifliegen von geschossen (
vgl.summen 1 c): Fischer
schwäb. 5, 1958;
schweiz. id. 7, 998. 3@bb)
für das undeutliche oder leis murmelnde sprechen eines einzelnen menschen: mit dem maul sumsen
M. Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1038
c.
transitiv, '
melodisch summen': er fingert lang an seiner schäfertasche, stets lauter, sumst ein lied, und hustet endlich gar Wieland
s. w. (1794) 10, 64; und die bäume sumsen lieder, alles singt zu dieser stunde Tieck
schr. (1828) 2, 73.
anders, nach sums
hin '
umstände machen': ich wär ja schon lang dahin, aber der vater und die muetter sumsen allweil noch umeinander K. Schönherr
glaube u. heimat (1910) 103. 3@cc)
spärlich ist freier gebrauch, vgl. summen 5;
mundartlicher einflusz macht sich bemerkbar: wie offt sieht man, dasz an einem festtage ... alle mäuler sauffen, ... alle köpff sumsen Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1699) 2, 114; fort und fort hätte es ihm in den ohren gesummset: wenn ein gott wäre, er hätte dich gehört Jer. Gotthelf (1856)
nach schweiz. id. 7, 998 (
in der ausgabe v. 1861
dafür gesummet
ebda); dinge, die mir tag und nacht vor den ohren sumsen Kotzebue
s. dram. w. (1828) 16, 219; mir sumsete noch das getön der geigen, und ich war so munter, dasz kein schlaf in meine augen kam H. Zschocke
ausg. schr. (1824) 40, 43.