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troddel

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

troddel m.

Bd. 22, Sp. 769
troddel, m. , seit dem 17. jh. gewöhnlich f. belegt seit dem 15. jh., doch nur im deutschen; als troetel ins holl. entlehnt. l-ableitung von ahd. trado, trada fimbria (vgl. Kluge11 670; Wilmanns 2, 266), dessen a wahrscheinlich als lang anzusetzen ist, vgl. trâdo Sievers Tatian 442b und unten die form trodel, zur wurzel *der, drē 'spalten' gehörig (s. dazu Walde-Pokorny 1, 798). zur bedeutung vgl. an. trefill 'faser', von einer labialen erweiterung derselben wz. (Walde-Pokorny 1, 802) sowie fimbrias traben vel vasen ihd. gloss. 3, 418, 44 und 61 St.-S. (gloss. Herrad.). das ursprünglich männliche wort tritt meist in seinen mehrzahlformen auf, was den übergang ins femininum zur folge hatte. diese entwicklung wurde durch den gleichzeitigen wandel der bedeutung von 1 zu 2 befördert. zur neuen weiblichen einzahl hat sich dann früh die mehrzahl auf -n gebildet: dradeln Alberus (1540) s 4a; vereinzelt auch der plural mit umlaut lange trödel Prätorius Blockesb. (1668) 576. als stammvokal begegnet a von dem frühesten beleg tradel (15. jh. md.) Diefenbach gloss. 236a, dradel (1538, s. u. 1) bis ins 17. jh. (Stieler 330); in wbb. bis ins 18. jh.: Steinbach 2, 847; Campe 2, 1326. heute noch in einzelnen mundarten, z. b. Fischer schwäb. 2, 322; Schmid id. Bern. 66; Kehrein Nass. 116; Crecelius oberhess. 286 und andere. daneben steht die o-form, wahrscheinlich bair.-md. verdumpfung von ā, vgl. Moser frühnhd. gr. 1, 144; greifbar seit der mitte des 16. jh.: trodel theatr. diabol. (1569) 466b. die form trodel hat schon in der zweiten hälfte des 16. und im 17. jh. die oberhand. der inlautende einfache dental -d- reicht vereinzelt bis ins 18. jh.: trodelchen (1673) Chr. Weise erzn. 32 ndr.; trodel ders. körbelmacher (1705) 52; Döbel jägerpractica (1754) 2, 222. geminiertes -dd-, das wohl durch das folgende -l hervorgerufen ist (vgl.zeddel, zettel aus cedula), isoliert als traddel schon 1562 (s. u. 2), sonst erst seit dem anfang des 18. jh. zu belegen, z. b. troddel Amaranthes (1715) 2045; Aler (1727) 2, 1921; Kirsch cornuc. (1732) 295. neben troddel ist im ganzen 18. jh. trottel sehr gebräuchlich, drotteln Amaranthes (1715) 1981, auch noch im anfang des 19. jh. nicht ungewöhnlich: trotteln Görres ges. schr. 4, 103; Hauff 1, 122; Oken nat.-gesch. (1839) 4, 334 u. ö.; trottelmütze Jean Paul 3, 84, 31 Berend. dann aber ist troddel, plur. troddeln, die einzige form der schriftsprache. bedeutung und gebrauch. 11) faseriger faden, zettelende am tuchstück und am webrahmen: tradel fimbria (15. jh.) Diefenbach gloss. 236a; den dradel oder faden an ainem ieden barchenttuche herabschneiden (Ulm 1538) nach Nübling weberei (1895) 45; tradel caput filorum Zehner nomencl. (1663) 485; die drodeln, wo sie (die weber) das gewebgarn zum anfang umdrehen müssen H. W. Döbel jägerpractica 2, 222. in den mundarten bis heute: tradel endfaden am gewebe Spiess henneb. 256; traddel Hofmann niederhess. 240b; [] dradel Hertel Salz. 47; drôdel Schmeller-Fr. bair. 1, 566; dratel Fischer schwäb. 2, 322. allgemeiner, plur., 'fransen': fratilli die dradeln an den tepichen Alberus (1540) 54a; jetzund da man sich wie die raupen so streuflich verbremet, mit trallen und trodeln behanget gleichwie die spanischen und italienischen ros theatrum diabolorum (1569) 466b. bildlich: feine türckische gedanken und aus dem alcoran gesponnene drodeln J. Prätorius calvinisch gasthaus (1598) b 4b; (die zuhörer) helfen auch bisweilen ziemlich grobe drodeln anknüpfen, wenn man bösen leumund wircket, und fromme leut zur banck hewet ebda a 4b; das wörtgen ja, das ist wohl kurtz, aber es hat einen trefflich langen trodel, wer es einmal ausgesprochen hat, der kan die zeit seines lebens lang unglücklich sein Chr. Weise körbelmacher (1705) 52. deminutiv trädeli für 'haarfranse' bei Gotthelf werke 4, 18 H.-Bl. 22) zusammengebundenes fadenbüschel, seit dem 16. jh., so etwa an einer geiszel: frawen so sich mit traddeln zupeitzschet (1565) nachschrift einer predigt bei Luther 33, 559 W. 2@aa) als zierrat; troddeln 'kleine quasten, von knötgen, schmeltz, weissen corallen und goldwürmgen gedrehet' Amaranthes frauenzimmerlexikon (1715) 2045. an kleidern, hüten, stiefeln u. ähnl.: hast du denn nicht dein blaues ehrenkleid mit den goldenen troddeln Miller Siegwart (1777) 2, 334; (die männer hatten) lange braunschweigische hüthe auff, mit schwartzen und weiszen langen hahnfedern vermengt, güldenen und silbernen schnüren, daran lange trödel gehangen J. Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 576; er trug weite stiefeln mit seidenen troddeln vorn Immermann 2, 61 Boxb. seit dem 19. jh. etwa von verändertem geschmack als altmodisch bewertet: die grosze troddel, die an einer dicken schnur befestigt, auf dem rücktheile des pelzes hing E. Th. A. Hoffmann 6, 236 Gr. oder als zeichen einer besonderen oder fremdartigen kleidung empfunden; z. b. von tänzerinnen: ein luftges flitterröckchen ganz voll troddeln, quästchen, fransen, wenn sie soll als tänzrin tanzen Cl. Brentano schr. (1852) 5, 119; bei studenten: in dem glanz ihrer bunten kappen und kindischen troddeln Spielhagen (1877) 1, 119. in der literatur der nachnapoleonischen zeit als kennzeichen polnischer kleidung: da kommt schon polnisch volk, man kennt sie an den troddeln und den quasten Hebbel w. 6, 117 W.; (einen) grafenrock ..., ganz wie ihn Strapinski in diesem augenblicke trug, nähete ... troddeln und schnüre drauf G. Keller ges. w. (1889) 5, 42. ähnlich: (Osman Pascha) trug den rothen fez mit langer blauer troddel Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 128. als schmuck von gebrauchsgegenständen: ein mohr ... welcher einen sonnenschirm hielt mit trotteln und franzen Fr. W. Zachariä poet. schr. (1772) 1, 267; (die geldtaschen) werden unten am ende mit allerhand goldnen oder silbernen quästlein oder drotteln geziert Amaranthes frauenzimmerlex. (1715) 1981; kissen aus seide ... mit troddeln H. v. Kleist 3, 166 E. Schmidt; zur vorsicht hatte er noch die troddel an dem (krück)stocke um das handgelenke geschlungen B. Auerbach dorfgesch. (1871) 8, 11. oft ist mit der schmückenden absicht ein praktischer zweck verbunden; so bei der verwendung der tr. als rangabzeichen: dasz die polizeisergeanten ... lange haselstöcke mit weiszledernen troddeln in den händen halten Gaudy (1844) 2, 56; da hängt der degen mit der silbernen troddel über meinem bett W. Raabe Abu Telfan 2 (1870) 142 (vgl.troddeldegen); kapitulanten tragen besondere troddel v. Alten (1909) 1, 72. als griff an schnüren: gerade über meiner nase hängt die stattliche troddel der klingelschnur E. T. A. Hoffmann 1, 162 Gr.nur nach der form von kleinen metallstücken, als anhängsel: der [] ballon ... ist aus doppelten häuten gemacht und mit leichten metallenen troddeln verschen Lichtenberg br. (1901) 2, 205. 2@bb) bildlich von troddelähnlichem. von laub und blütenbüscheln: der tannen grüne trotteln hat, mit silber, hellpoliert und matt des winters hand durchwebt K. Kretschmann s. w. (1787) 6, 258; das mit trotteln behangene liburnum, der reizende tulpenbaum und die schöne acacia G. Chr. Lichtenberg schr. (1800) 1, 346; an Castelnuovo hingen so gewaltige büschel und so mächtige troddeln (von glockenblumen) herunter, dasz es dadurch malerisch garniert war I. Kohl reise nach Istrien (1856) 1, 268. ähnlich: es hingen (in der eishöhle) zacken, spitzen und troddeln herab A. Stifter s. w. (1901) 5, 1, 236. von körperteilen: walzige hautverlängerungen am halse heiszen trotteln Oken naturgesch. (1839) 4, 334; troddel penis O. Mausser soldatensprache (1917) 59. von anhängseln, schnörkeln im wort- und buchstabenbild: da meinen die leutchen, wenn man nicht immer gaabe und nahme und narre schreibt, und nicht jedes wort mit trotteln und frantzen behänget, so wär das unorthographisch Schöpfel Thomas Irrgarten (1777) 207; so bald wir der gothischen schrift die halskrausen, die troddeln, das spitzenwerk, die knickse und bruchbänder verbieten, ... so steht sie ungemein schön da Jean Paul 14, 10 H.
8061 Zeichen · 202 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Troddel

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Troddel , plur. die -n, ein herab hangender Faden oder anderer ähnlicher beweglicher Theil. So werden bey den Webern…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Troddel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Troddel , bei gewirkten Waaren die hervorstehenden Faden od. langen Schleifen; Quaste.

  3. modern
    Dialekt
    Troddel

    Bayerisches Wörterbuch · +7 Parallelbelege

    Troddel Band 4, Spalte 4,564

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit troddel

58 Bildungen · 43 Erstglied · 14 Zweitglied · 1 Ableitungen

troddel‑ als Erstglied (30 von 43)

troddelbehang

DWB

troddel·behang

troddelbehang , m. : mit schellengeklirr und buntem troddelbehang trabt das maulthiergespann herein F. Poppenberg maskenzüge (1912) 338 . —

Troddelblaum

MeckWB

troddel·blaum

Wossidia Troddelblaum f. das Steinbrechgewächs Deutzia gracilis, ein Gartenzierstrauch Ro.

troddelblume

DWB

troddel·blume

troddelblume , f. , deren blätter gefranst sind: troddelblume soldanella H. Grassmann pflanzennamen (1870) 187 ; Prahn pflanzennamen (1909) …

troddelbüchse

DWB

troddel·buechse

troddelbüchse , f. : zum ausstäuben des schwefels bedient man sich ... der ... troddelbüchse, ein blechernes, mit durchlöchertem deckel vers…

troddelchen

DWB

troddel·chen

troddelchen , n. , kleine troddel: zur kappe baumelten wohl sechs trodelchen vom schnupftuche heraus Chr. Weise drei erznarren 32 ndr.; hütc…

troddeldegen

DWB

troddel·degen

troddeldegen , m. , degen mit troddel am griff: kaum trägt ein junger offizier so stolz den troddeldegen G. K. Pfeffel poetische versuche (1…

troddelgeschirr

DWB

troddel·geschirr

troddelgeschirr , n. : ( der ) korbwagen mit den ... pferdchen und dem zierlichen troddelgeschirr Herm. Schmidt alte u. neue gesch. a. Bayer…

Troddelhandschuh

Campe

troddel·handschuh

Der Troddelhandschuh , — es, Mz. — e , Handschuhe von Wollengarn mit Troddeln inwendig versehen, damit sie besser wärmen.

troddelhut

DWB

troddel·hut

troddelhut m. : die mädchen trugen grüne troddelhüte J. Chr. Heer der könig der Bernina (1901) 59 . —

troddelicht

DWB

troddel·icht

troddelicht , troddelig, adj.: troddelicht fimbriatus, laciniosus, laciniatus Stieler (1691) 330 ; ein schwert, ganz korb- und bügelfrei, hi…

Troddel II

RhWB

Troddel II PfWB -ǫd-, Pl. -ələ, –əln, Demin. -dəlχə(n), –əlšən, –əlkə, –əltjə Allg. aus der Soldatenspr. f.: 1. Quaste am Säbel, am Seiteng…

Troddelines

RhWB

troddeli·nes

Troddelines trdəlīnəs, Pl. -əsə MGladb m.: verächtl. träger Arbeiter.

troddelkappe

DWB

troddel·kappe

troddelkappe , f. , hauskappe: der alte kapitän hatte seinen schlichten dunkelbraunen hausrock an und eine gestickte troddelkappe auf E. Zah…

Troddelkarsbiᵉre

WWB

Troddel-kars-biᵉre f. [ Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm Unn Sos] 1. Johannisbeere (Frbg.) ( Kr. Soest Sos Kr. Soest@Westönnen Wö ). — 2. Jo…

Troddelklott

MeckWB

troddel·klott

Wossidia Troddelklott f. Hausmütze des Landmanns, die oben eine kleine Quaste hatte: in Slaprock ... un Troddelklott Seem. Hä. 150.

Troddelkop

WWB

troddel·kop

Troddel-kop m. willensschwache, gleichgültige Person (Frbg.) ( Kr. Herford Hfd Lz).

troddelmütze

DWB

troddel·muetze

troddelmütze , f. , mütze mit einer meist am zipfel oder in der mitte des mützenkopfes befestigten troddel: ein mensch ... in einem bauernpe…

troddeloªweral

WWB

troddel-oªwer-al Adv. [ die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen Dor Ennepe-Ruhr-Kreis Enr Isl] drunter und drüber; bunt über- bzw…

troddelperücke

DWB

troddel·peruecke

troddelperücke , f. , perruque à noeuds ou nouée Schaffer dtsch.-frz. 2, 3, 382 : auf dem kopfe trug er einen kurzen stutz, oder wenns galt,…

troddelquaste

DWB

troddel·quaste

troddelquaste , f. : 14 Bororó, einer hinter dem andern, barfusz ... in ... hellen strohhüten ... mit dicken roten troddelquasten K. v. d. S…

troddel als Zweitglied (14 von 14)

Achseltroddel

Campe

achsel·troddel

○ Die Achseltroddel , Mz. die — n, eine Troddel von Zwirn=, Silber= oder Goldfaden die an einem dergleichen Bande auf einer oder beiden Achs…

bettroddel

DWB

bett·roddel

bettroddel , f. bettquast: ein langer mufschweif lag als bettroddel oder bettzopf quer auf ihr. J. Paul.

goldtroddel

DWB

gold·troddel

goldtroddel , f. , aus goldfäden gewirkte troddel: und seine gold- und purpurtroddeln regend, zerstampft ihr zelter unter ihr den grund H. v…

Huttroddel

Campe

hutt·roddel

Die Huttroddel , Mz. die — n , eine Troddel am Hute, besonders die an den Enden der Hutschnur zu beiden Seiten eines dreieckigen Hutes herab…

Pipentroddel

MeckWB

pipen·troddel

Wossidia Pipentroddel f. Troddel am Pfeifenrohr als Schmuck; übertr. dicker, unregelmäßiger Spinnfaden: du spinnst jo luter Pipentroddeln.

purpurtroddel

DWB

purpur·troddel

purpurtroddel , f. : seine gold- und purpurtroddeln regend zerstampft ihr ( der heldin ) zelter unter ihr den grund. H. v. Kleist 1, 102 H.

webetroddel

DWB

webe·troddel

webetroddel , f. ' ein schmaler gewebsstreifen, der in den webstuhl eingeklemmt wird. aus seinem freien ende ragen kurze, aufgedrehte fäden …

Ableitungen von troddel (1 von 1)