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kämmen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kämmen

Bd. 11, Sp. 108
kämmen , pectere, carminare, ahd. champian, chempan, mhd. kemben, kemmen; altn. kemba, schwed. kamma, n. kämme, kjämme, norw. kjemba; ags. cemban, engl. comb, schott. kaim; mnl. kemben, nnl. kammen, bei Kil. auch kemmen, wie mnd. Dief. 134c, aber auch kammen 15. jh. mitteld. 418c, das. auch hd. kempfen (wie kampf), und nd. keimen, wie im Teuthonista und noch westf. Fromm. 5, 419, nrh. Aach. mundart 103. bair. heiszt es noch kämpen, aber nicht vom haar, das heiszt kämpeln, auch schweiz. 11) das haar, die haare kämmen, meist kurz sich kämmen; die mutter kämmt das kind; lasz dir die haare aus der stirn kämmen, zurück (hinter) kämmen; er setzt sich ungekämmt zum kaffee. sprichw. es ist übel kämmen da (wo) kein haar ist, wo nichts ist da hat der kaiser sein recht verloren. früher war das kämmen mit ein geschäft der bader in den badstuben, zumal am sonnabend: ich sah reiben, lechzen, schwitzen, nägel bschneiden, finger spitzen, laszen, schröpfen, kämmen, zwagen, scheren, abflehn, wasser tragen, zähn ausbrechen, räudig (räudigen, dat.) salben. Klein, tragicom. von wallfahrt in himmel und höll, Eszlingen 1570, bei Scheible schaltjahr 2, 78. vgl.abkämmen, aufkämmen (Steinb. 1, 823), auskämmen, durchkämmen, erkämmen u. a. m. Auch rosse werden gekämmt an mähne und schweif, unterschieden von striegeln; eine rosshaut erzählt: der strigelt und putzet mich auf, er kempt mir har und schwanz zum kauf (verkauf). H. Sachs 1 (1590), 375b; doch auch gleich striegeln: strigilare, die pfert kemmen ader strigeln. voc. opt. Lpz. 1501, in der Cölner gemma 1507 den perden kemmen Dief. 556a: kämmen inen nicht. Seuter rossarznei 92, vgl. 3. 22) anderes kämmen. 2@aa) wolle kämmen, carminare lanam Stieler 924: die tuchmacher mit diesen disteln ihre tücher karten und kämmen. Tabernaem. 1071; nach Frisch 1, 498a aber 'kammen von der wolle, nicht kämmen', vgl.kammeln unter kämmeln. 2@bb) bair. kämpen auch vom hecheln des flachses, wie schles. kammeln, vgl.abkamm (mit abkämmen heizen Schmid schwäb. wb. 304), hechelkamm, riffelkamm sp. 103. 2@cc) nach a von gewissen wolkenbildungen: auch hier schien es uns wieder so, als wenn die sonne die leisesten ausdünstungen ... gegen sich aufzöge und diese ganz feinen dünste von einer leichten luft wie eine schaumwolle durch die atmosphäre gekämmt würden. Göthe 16, 243; der obere theil dieser wolken, aufgezehrt und zu flocken gekämmt. 51, 206; ein aufgehäuftes, flockig löst sichs auf (in der cirruswolke), wie schäflein tripplend, leicht gekämmt zu hauf. 3, 106. 2@dd) von anderm ähnlichem schlichten, glätten u. dgl.: der hügel .. vom pfluge glatt gekämmt. L. H. Nicolay 1, 241; die plätze sind alle mit wasser verschlemmt, und noch nicht peignirt — 'sag er doch gekämmt'. Seckendorf bei Göthe 60, 236; etwas unglaubliches, dasz sie wieder zur natur kehren. denn sonst pflegen sie immer das gekämmte zu frisieren, das frisierte zu kräuseln, und das gekräuselte am ende zu verwirren. 57, 185. mit feiner und treffender steigerung vom einfachen schlichten und ordnen zum künstlichen und verkünstelten. 2@ee) bei den zimmerleuten kämmen, bair. kämpen, zwei traghölzer durch einen kamm (3, b sp. 103) an einander befestigen; auch einkämmen, verkämmen, überkämmen. vergl. kimmen. 2@ff) kemmen, cristare, oder ziern. voc. theut. 1482 q 2b, cristatus gekemmet in hd. und nd. vocc. 15. jh. Dief. 158c, nach 'gezimêrt op dem helm' das. von kamm 3, d sp. 103, deutlich als helmzeichen, das engl. crest hiesz. vielleicht auch zu kamm 3, e. 33) früher oft übertragen für hart zusetzen u. dgl.: (ich) ergreif ein treibeinigen stul, het er mich berürt, ich mein ich wolt im gekempt haben. Fischart bei Scheible 10, 622 (der dat. wie u. 1 a. e., wie bei ausreiben, auszwagen, ausputzen, ausschneuzen und vielen ähnlichen, elliptisch), nach einem nahe liegenden scherze, statt mit dem kamme mit dem stuhlbein; so bei Shakspeare taming of the shrew 1, 1 to comb your noddle with a threelegged stool, in der kunst über alle künste 9, 4 mit einem dreibeinichten melkstuhl auszukemmen. der scherz ist alt, im kampfe mit swerten kemmen Parz. 73, 6, lat. pugnis pectere Plaut., er ward genährt besonders durch die thätigkeit des baders (s. 1), dessen scheren, zwahen (waschen), reiben, ausreiben, putzen (2, 593. 3, 744), bürsten, strälen u. a. gleiche geltung gewannen; der scherz war bitter genug gerade dem feinde im kampfe gegenüber beliebt: auch hat man ir (der belagerten) wider nicht gefelt, das har zerzaust und wol gestrelt. Wolffs hist. volksl. 120; mit houwen und mit stechen (in der schlacht) den grind (kopf) hand wir inen bürst. Körners hist. volksl. 157. Nachher auch gelinder, für züchtigen, strafen, abfertigen, tadeln u. a.: aber bald hernach wil ich im sein zartes büchlin weiter kemmen. Luther 5, 309a; der misbrauch wird gekämmt. Günther 519, ganz wie hecheln, durchhecheln, vielleicht nach 2, b; er wär wüst (garstig) gekämmt worden, hab so recht meine galle hinein gebracht. Fr. Müller 2, 45; die offensive kritik hat wirklich ihre kunstwörter im deutschen, einen herum nehmen, einem den bart waschen, einen versohlen, bürsten, kämmen u. s. w. Lichtenberg 1, 315; wer neuerlich gekämmt worden ist, wen man gebürstet, wem man das fell gegerbt hat. 5, 93.
5274 Zeichen · 132 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kämmenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    kämmen swv. s. kemben.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kämmenv., trs

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    1. Kämmen , v. trs . mit einem Kamme behandeln, bearbeiten. Die Wolle kämmen , mit dem Wollkamme oder der Krämpel bearbe…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kämmen

    Goethe-Wörterbuch

    kämmen A mit einem Kamm oä bearbeiten 1 das Haar ordnen a als Teil der Körper- u Schönheitspflege; jds Kopfhaar mit Hilf…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kämmen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kämmen , das Abstreifen der Wolle des Hafen oder des Haares beim Fuchs in ungewöhnlicher Menge durch einen Streifschuß; …

  5. modern
    Dialekt
    kämmentr. v.

    Lothringisches Wb. · +6 Parallelbelege

    kämmen tr. v. D. Si. wie hd. kämmen; sonst strählen (s. d.)!

  6. Sprichwörter
    Kämmen

    Wander (Sprichwörter)

    Kämmen 1. Es ist vergeblich (übel) kemmen, da kein Haar ist. – Petri, II, 278; Winckler, V, 8; Reinsberg IV, 2. 2. Je se…

  7. Spezial
    kämmen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    käm|men I vb.tr. mené jö, custodí (-dësc) II vb.refl . sich kämmen se custodí; se mené jö; se storté.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kaemmen

8 Bildungen · 0 Erstglied · 5 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von kaemmen 2 Komponenten

kam+men

kaemmen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kaemmen als Zweitglied (5 von 5)

1. Kaemmen

Adelung

1. Kaemmen , verb. reg. act. mit dem Haarkamme oder einem ähnlichen Kamme bearbeiten. Die Haare kämmen. Sich kämmen, seine Haupthaare. Die W…

2. Kaemmen

Adelung

2. Kaemmen , verb. reg. act. welches nur in der Zimmermannskunst üblich ist. Zwey Träger auf einander kämmen, sie auf einander verbinden, so…

abkämmen

DWB

abkämmen , depectere, herunter kämmen. die locken, die wolle abkämmen. in der kriegsbaukunst den obern rand der wälle und brustwehren abschi…

aufkämmen

DWB

auf·kaemmen

aufkämmen , repectere, sursum pectere, nnl. opkammen, in die höhe kämmen.

auskämmen

DWB

aus·kaemmen

auskämmen , depectere, ausbürsten, nnl. uitkammen: läuse auskämmen; den kopf auskämmen; die haare sind schon ausgekämmt; indem das examinati…

Ableitungen von kaemmen (3 von 3)

erkämmen

DWB

erkämmen , pectine transire, durchkämmen, auskämmen: das haar ist so filzicht, dasz man es nicht erkämmen kann. Stieler 924 .

verkämmen

DWB

verkämmen , verb. mittels kammartiger einschnitte in einander einfügen. Mothes 4, 419 ; wir hatten 4 balken in einander verbunden und verkäm…

Zerkämmen

Campe

Zerkämmen , v. trs . durch Kämmen zerstören, verderben. Die Locken zerkämmen. D. Zerkämmen. D. — ung .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „kaemmen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kaemmen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „kaemmen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kaemmen/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kaemmen". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kaemmen/dwb.
BibTeX
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