Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Gerstenkorn
Gerstenkorn
Gerste f. Getreideart mit langen Grannen. die Herleitung des nur im Kontinentalwestgerm. bezeugten Namens ahd. gersta ‘Gerste, Gerstengrütze’ (9. Jh.; vgl. girstīn Adj., um 800), mhd. gerste, asächs. gersta, mnd. gerste, mnl. gherste, gheerste, garste, nl. gerst, germ. *gerstō ist nicht sicher geklärt. Erwogen wird Verwandtschaft mit (schwundstufigem) lat. hordeum ‘Gerste’ (der Bildung nach ein abgeleitetes Stoffadj.) und alban. dritḣë ‘Getreide’. Erschließbar ist ie. *g̑herzd(h)-, *g̑hṛzd(h)- ‘Stachliges, Grannenkorn’, wozu vielleicht auch griech. krī́, krīthḗ (κρῖ, κριθή) ‘Gerste’ zu stellen ist. Formen ohne d(h)-Erweiterung können (bei Annahme eines Gutturalwechsels) in lit. gìrsa, lett. dzirši ‘Trespe’ (ein Rispengras) vorliegen. Da einige germ. Sprachen andere Namen für Gerste aufweisen (vgl. got. barizeins Adj. ‘aus Gerste’, abgeleitet von *bariz-, aengl. bere ‘Gerste’, anord. barr ‘Getreide’), darf in der hier genannten Gruppe wohl eine gemeinsame Neuerung gesehen werden. Vergleicht man aind. hárṣatē ‘ist erregt, ist ungeduldig, freut sich’, auch ‘steht zu Berge, starrt’ (vom Haar), griech. chérsos (χέρσος) ‘Festland, trockenes, unfruchtbares, unbebautes Land’, adjektivisch ‘trocken, unfruchtbar’, lat. horrēre ‘emporstarren, starr sein’ und aengl. gors, gorst, engl. gorse ‘Stechginster’, so ergibt sich eine Wurzel ie. *g̑her(s)- ‘starren, beben’, aus der Gerste und seine möglichen Verwandten ableitbar sind. – Gerstenkorn n. ‘Samenkorn der Gerste’ (14. Jh.), vgl. die genitivische Fügung ahd. gerstūn korn (9. Jh.); ‘kleines Gewicht und Längenmaß’ (15. Jh.); vergleichend ‘(eitrige) kleine Geschwulst am Augenlid’ (16. Jh.), in der Übersetzung von medizin.-lat. Hordeolum (nach gleichbed. lat. hordeolus m., dem Deminutivum von lat. hordeum n. ‘Gerste’). Gerstensaft m. ‘Saft der ausgekochten Gerste’ (16. Jh.), ‘Bier’ (um 1700).