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hinnen

mhd. bis Dial. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
25 in 15 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

hinnen

hinnen

hin Adv. ‘von hier (nach dort)’, ursprünglich (im Gegensatz zu her, s. d.) den Standpunkt des Sprechenden als Ausgangspunkt einer zielgerichteten Handlung charakterisierend, daher bei Übertragung auf zeitliche Verhältnisse von der Gegenwart aus in die Zukunft oder in die Vergangenheit weisend (vgl. die zusammengesetzten Adverbien fernerhin, künftighin, späterhin, weiterhin bzw. letzthin, vorhin). Ahd. hina (8. Jh.), mhd. hin(e), asächs. hin- (in hinfard), mnd. hen, hēn(e), mnl. hēne, nl. heen, aengl. hin- (in Komposita) sind Bildungen mit n-Suffix zu dem auch in her, heuer, heute (s. d.) sowie in engl. he (s. er) vorliegenden Pronominalstamm germ. *hi-, der mit der unter hier (s. d.) dargestellten Bildung und außergerm. Formen wie dem ganz zu hin stimmenden air. cen ‘diesseits, ohne’, ferner air. ‘diesseitig’, lat. cis ‘diesseits’, lit. šìs, aslaw. , aruss. sь(sь) (neben sьjь, russ. älter sej, сей) ‘dieser’ auf ie. *k̑(e)i- ‘dieser, jener’ zurückgeht. Daneben stehen Formen wie lat. ce- (in cedo ‘gib her’, cēterus ‘der übrige, andere’), -ce (in ecce ‘siehe da’, verkürzt in hic ‘dieser’, illīc ‘dort’, nunc ‘jetzt’), die auf ie. *k̑e-, *k̑o- ‘dieser, jener’ weisen. Die Bedeutung ‘von hier’ lebt im Dt. vor allem in adverbiellen Zusammensetzungen weiter, die die Richtungsangabe präzisieren, vgl. hinab (mhd. hin abe, hin ab), hinauf (ahd. hina ūf, um 1000, mhd. hin ūf), hinaus (ahd. hina ūʒ, 9. Jh., mhd. hin ūʒ), hindurch (mhd. hin durch), hinein (ahd. hina in, um 1000, mhd. hin īn, hin in), hinzu (mhd. hin zuo) u. a. (wovon obd. und omd. Kürzungen wie nauf, naus, nein). Meist aber betont hin jetzt (bei Vernachlässigung des Sprecherstandpunkts) die Richtung auf ein in einer weiteren Ortsangabe genanntes Ziel zu (zum Meer, nach Süden hin, außerdem Zusammensetzungen wie dahin, dorthin, wohin, diese auch durch zwischengeschobene Satzglieder getrennt, vgl. wo willst du hin?); gelegentlich hebt es die Tatsache des Entfernens, Beseitigens hervor (synonym mit fort, weg, s. d., daher übertragene Verwendung wie ‘verloren, vernichtet, erschöpft, tot’) oder kennzeichnet den stetigen Fortgang einer Bewegung (über die Berge, am Flusse hin, hierzu wohl Adverbien wie gemeinhin, leichthin, schlechthin). Schon früh steht hin in enger Verbindung mit Zeitwörtern, namentlich Bewegungsverben; mit diesen wächst es im Nhd. zu trennbaren Verbalkomposita zusammen. Unter semantischem Einfluß bestimmter häufig hinzutretender Verben wie fallen, sinken, stürzen nimmt das Adverb auch den Sinn ‘auf den Boden zu, nieder’ an. hinnen Adv. ‘von hier’, ahd. hin(n)ā̌n, hin(a)na (8. Jh.), mhd. hinne(n), hinnān, asächs. hinan(a), mnd. henne(n), hin(n)e(n), mnl. hēnen, nl. henen, aengl. heonon(e) (weitergebildet engl. hence). Das in den älteren dt. Sprachstufen auch temporal verwendete (‘von jetzt an’), auf Erweiterung der unter hin (s. oben) angeführten Formen beruhende Adverb (vergleichbar mit dannen, s. d.) tritt im Mhd. oft, im Nhd. regelmäßig in der verdeutlichenden präpositionalen Fügung von hinnen auf (mehrfach schon ahd. fona hinana, fona hinna, 8. Jh., fona hinan, 9. Jh., ‘fortan’); seit dem 19. Jh. schwindet es aus dem lebendigen Sprachgebrauch. hingegen Konj. ‘im Gegensatz dazu, dagegen’ (zuerst in der Verbindung da hingegen, Ende 16. Jh.), daneben im älteren Nhd. Adverb ‘daraufhin, als Antwort darauf’ (Mitte 16. Jh.) ist eine frühnhd. Bildung, der mhd. dar engegene, her engegene, als reine Ortsangabe auch hin engegene (s. entgegen) vorausgehen. hinweg Adv. ‘fort von hier, weg’, spätmhd. hinwec, nach dem Vorbild mit hin zusammengesetzter Adverbien (s. oben) umgeformt aus gleichbed. mhd. enwec (s. weg). hinreißen Vb. ‘in eine bestimmte Richtung fortreißen’, häufiger jedoch ‘begeistern, entzücken’, mhd. hin rīʒen ‘weg-, fortreißen’ (s. reißen). Die in der 1. Hälfte des 18. Jhs. sich ausbreitende metaphorische Verwendung wird besonders im adjektivischen und adverbiellen Gebrauch der Partizipien hingerissen ‘in höchstem Maße begeistert’ und hinreißend ‘bezaubernd, überwältigend’ deutlich (letzteres in neuerer Zeit oft nur eindringlich-verstärkende Übertreibung); vgl. ferner sich zu etw. hinreißen lassen ‘etw. im Affekt tun’ (19. Jh.). hinrichten Vb. ‘an jmdm. das Todesurteil vollstrecken’; im Frühnhd. zunächst ‘zugrunde richten, verderben, töten’ (15. Jh.), erklärbar aus der Verbindung von hin ‘nieder, zu Boden’ (s. oben) mit richten (s. d.) in derBedeutung ‘in eine bestimmte Richtung bringen’. Unter Einfluß der Rechtssprache, die frühnhd. richten (wie schon mhd. rihten) auch im Sinne von ‘das Todesurteil vollstrecken’ kennt, zeigt hinrichten vom frühen 16. Jh. an gelegentlich ebenfalls diese spezielle Verwendungsweise, die seit dem 19. Jh. ausschließlich gilt. Dazu Hinrichtung f. ‘Vollstreckung des Todesurteils’ (16. Jh.). hinfällig Adj. ‘altersschwach, gebrechlich, vergänglich’, mhd. hinvellec ‘umfallend, sterbend’, frühnhd. hinfellig auch ‘rückfällig’ und ‘vergänglich’ (15. Jh.), seit dem 17. Jh. daneben ‘gegenstandslos, haltlos’; Ableitung von mhd. hin vallen, frühnhd. hinfallen ‘zu Boden fallen’, im 16. Jh. auch ‘vergehen, verschwinden’ (wozu Anfang 17. Jh. hinfallen lassen ‘fallen lassen, gegenstandslos machen’). hinlänglich Adj. ‘ausreichend, genügend’, vorwiegend in adverbieller Funktion (17. Jh.), zum Verb hinlangen ‘sich bis zu einer bestimmten Stelle erstrecken’ (16. Jh.), ‘ausreichen’ (17. Jh., s. langen, gelangen). Hinsicht f. ‘das In-Betracht-Ziehen, Beziehung’, in der 2. Hälfte des 18. Jhs. aufkommende, besonders der Amts- und Gelehrtensprache angehörende Bildung (nach gleichbed. lat. respectus?, s. Respekt), nur üblich in formelhaften Wendungen wie in dieser, jeder, mancherlei Hinsicht und in Hinsicht auf etw. (vgl. älteres in Absicht, in Ansehung, in Betracht u. ä.); dazu hinsichtlich Präp. mit Genitiv, zunächst in der Konstruktion hinsichtlich auf etw. auch Adverb (um 1800).
5871 Zeichen · 173 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    hinnenadv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +9 Parallelbelege

    hinnen adv. von hier. ahd. hinnân , hinnen Graff 4,700. — hinnen varn pf. K. 300,24. vgl. Iw. 73. 163. 173. 225. 285. Pa…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hinnen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Hinnen , ein Nebenwort des Ortes, der hiesige Ort, der Ort, wo sich die redende Person befindet, welches aber nur noch m…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    hinne(n)

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 hinne(n) einmal ‘hinn’; nur in Tgb u Br (hier) drinnen (in einem Haus, einer Stadt oä); umgangsspr [ mBez auf Einladun…

  4. modern
    Dialekt
    hinnen

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    hinne n [henə K. Z. Wh. ] hier innen. ‘wann sie hynen werent, so kouftent sie das Korn am Kornmerckt’ Str. 14. Jh. Bruck…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hinnen

52 Bildungen · 44 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von hinnen 2 Komponenten

hin+nen

hinnen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hinnen‑ als Erstglied (30 von 44)

hinnen hin

MWB

hinnen hin Adv. → 2hinnen MWB 2 1572,13;

hinnen vür

MWB

hinnen vür Adv. → 2hinnen MWB 2 1572,28;

hinnen(t)hin

Idiotikon

hinnen(t)hin Band 2, Spalte 1348 hinnen(t)hin 2,1348

hinnenan

MeckWB

hinne·nan

hinnenan Adv. hintenan: hinnenan seggen verleumden Ha; bildlich: du sittst ümmer hinnenan as de Dreck int Hemd wirst nicht geehrt Günth. Hs.…

hinnenbi

MeckWB

hinnenbi Adv. hintenbei: im Viergespann geht das Handpferd hinnenbi Ro Bast ; im Volksreim: Kloppswanz hinnenbi als Handpferd Wi Stoff ; im …

Hinnenbinner

MeckWB

hinnen·binner

Hinnenbinner m. Seil, mit welchem der Bäs'bom hinten gebunden wird, s. Abb. 3 b 1, 505, Lu Warl ; Kar; im Vergleich: dei (Würste) sünd nich …

Hinnenenn'

MeckWBN

hinne·nenn

Wossidia Hinnenenn' n. wie Hinnerenn': im Fischerboot (Schw) Rud. Handb. Boote 47.

hinnenfahrt

DWB

hinnen·fahrt

hinnenfahrt , f. reise von hinnen, mhd. hinnenvart ( Lexer wb. 1, 1301 ); dem ersten compositionstheile nach verschieden von hinfahrt sp. 14…

Hinnengerede

MeckWB

hinnen·gerede

Hinnengerede n. a. Spr. Hinterzügel am Kopfgestell des Pferdegeschirrs: 'wilt my ... senden 5 hyndengerede myt deme krosbog (Kreuzgurt)' Ros…

Hinnenkählung

MeckWB

Hinnenkählung f. die hintere enge Eintrittsöffnung in den Fangsack der Wade Schw.

hinnenkêre

Lexer

hinnen·kere

hinnen-kêre stf. BMZ s. v. a. hinkêre Crane 2336. 3953. hinnânkêre Reinfr. 70 a . hinnânkêr Ot.

Hinnenkuurn

MeckWBN

Wossidia Hinnenkuurn n. wie Hinnerkuurn Loep. 73.

hinnenkêre

MWB

hinnenkêre stF. s.a. hinkêre stF. – ‘das Fortgehen’ de bat im sagen mêre, / war stunde sîn hinnenkêre / mit den wâfenclêdern sîn Crane 2336;…

hinnenkēr

KöblerMhd

hinnen·kēr

hinnenkēr , st. F. nhd. „Hinkehr“, Hinwendung, Hinwegwendung, Weggang, Fortgehen Q.: Crane (vor 1267), Ot, Reinfr E.: s. hinnen, kēr W.: nhd…

hinnenkēre

KöblerMhd

hinnenkēre , st. F. Vw.: s. hinnenkēr*

hinnenkēren

KöblerMhd

hinnen·kēren

hinnenkēren , sw. V. nhd. „hinkehren“ Hw.: vgl. mnl. henenkeren Q.: Kreuzf (1301) (FB hinnen kēren) E.: s. hinnen, kēren (1) W.: nhd. DW-

Hinnenmaat

MeckWBN

hinnen·maat

Wossidia Hinnenmaat m. von den drei Mann der Besatzung einer Jöll derjenige, der im hinteren Teil des Bootes seinen Platz hat: ( Wi Wismar@H…

Hinnenmeiher

MeckWB

Hinnenmeiher m. letzter Mäher in der Reihe Wi; Ro Elm .

hinnenrüm

MeckWB

hinnen·ruem

hinnenrüm Adv. hintenherum, unbemerkt: sick wat hinnenrüm halen sich etwas heimlich besorgen Sta NBrand ; Name eines Steiges in Mir.

hinnen als Zweitglied (7 von 7)

Abhinnen

Adelung

abhin·nen

* Abhinnen , eine veraltete Oberdeutsche Partikel, für von hier, und in einigen Fällen von hinnen, S. Adelung Hinnen .

dan hinnen

MWB

dan hinnen Adv. → dannen und 2hinnen MWB 1 1189,24;

danhinnen

KöblerMhd

dan·hinnen

danhinnen , Adv. nhd. von hinnen Q.: Urk (1277) E.: s. da, hinnen W.: s. nhd. (ält.) dahinnen, Adv., dahinnen, in eine Richtung fort, DW2 6,…

schinnen

Lexer

schin·nen

schinnen stv. BMZ ] s. unter schînen das prät. schân.

Verhinnen

Campe

ver·hinnen

✱ ✱ Verhinnen , v. ntr mit sein , von hinnen gehen; uneigentlich, vergehen. »Do di Zit verhinnet .« Tschudi. D. Verhinnen .

Zuschinnen

Wander

Zuschinnen Zuschinnen (zureden) hilft. ( Oberharz. )

Ableitungen von hinnen (1 von 1)

Verhinnen

Campe

✱ ✱ Verhinnen , v. ntr mit sein , von hinnen gehen; uneigentlich, vergehen. »Do di Zit verhinnet .« Tschudi. D. Verhinnen .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „hinnen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/hinnen/pfeifer_etym
MLA
Cotta, Marcel. „hinnen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/hinnen/pfeifer_etym. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „hinnen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/hinnen/pfeifer_etym.
BibTeX
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