Wossidia
bi bei,
mnd. bî, ursprünglich
Adv., neben dem bi als Präp. gebraucht wurde; hat die Vokallänge auch als Präp. angenommen. I.
Adv. dabei: in Roggenhagen wir väl Busch bi zu R. gehörte viel Wald StaStargard@RoggenhagenRogg; wedder bi wäsen nach einer Pause wieder an die Arbeit gehn Jac. 1, 108; he is düchtig bi ist tüchtig bei der Arbeit Ro; se jo bi un sammelt ümmer düller sie macht sich an die Arbeit SchöSchönberg@BoienhagenBoi; he hett alle Sägel bi beigesetzt RoRostock@WarnemündeWarn; denn stahn keen Sägel bi sind beigesetzt ebda; nu hett
N. all ne Mark bi, bi 'n Noors hat eingenommen HaHagenow@RedefinRed; he (Pferd) geiht bi geht rechts allg.;
vgl. witbi; häufig bi un nah: wat bi un nah wir alles Erreichbare WiWismar@NeuklosterNKlost; wat he bi un nah hett alles WaWaren@SuckowSuck; alles, wat bi un nah is RoRostock@WarnemündeWarn; alles, wat bi un nah is alle Segel Ribn; alles Tüg, wat he bi un nah hadd SchwSchwerin@BanzkowBanzk; se drögen up alles, wat se bi un nah hadden von reichlicher Bewirtung Wa;
wat bi un nah is rüm Seem. And. 70; de Mess rott't bäter bi, wenn dat Stroh kort is LuLudwigslust@WoosmerWoosm; vielfach ümmer bäter bi, zunächst als Zuruf beim Dreschen: ümmer bäter bi! RoRostock@BentwischBentw;
vgl. döschen; auch zur Anspornung bei jeder anderen Arbeit StaStargard@StrelitzStrel; als Bemerkung beim Gewinn im Kartenspiel ebda; Ruf beim Trulltrull: ümmer bäter bi, de Jungfer is noch fri Ro; freier: he hett juucht ümmer bäter bi LuLudwigslust@TewswoosTewsW; auch beschreibend: un denn ümmer bäter bi dann wurde flott getanzt WaWaren@ZahrenZahr; kann auch eine Richtung ausdrücken: dat geiht ümmer bäter bi vorwärts HaHagenow@RedefinRed; bestimmende
Adv. davor: dicht bi nahe bei; dichting bi ganz nahe Mi 15
a; dadurch entstehen die Zss.: achter-, blangen-, dor-,
hinnen-, neg-, neger-, vör-, wit-, wurbi; wovon dorbi meist getrennt auftritt: dor geiht 't man dicht bi geht es ärmlich her SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; dor is kein Rat bi dagegen gibt es keine Hilfe HaHagenow@RedefinRed; dor is keen Twifel bi gibt es SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; dor hüürt ne scharp Seiss bi dazu HaHagenow@RedefinRed; dor liggt mi nicks bi daran liegt mir nichts Ma Malchin@GielowGiel; dor möt ick ierst mit bi wäsen da hab ich auch noch ein Wort mitzureden Schw; HaHagenow@RedefinRed; wo man bi mit ümgeiht mit wem man verkehrt WaWaren@SchorssowSchorss. Mit Verben bildet bi unfeste Zss., wobei die Grenze zwischen Zs. und adverbialem Gebrauch schwankt,
vgl. etwa für Zs.:
de Sœg wir
gistern bi beim Eber (
vgl. bisin, -wäsen), dagegen für adverbialen Gebrauch: he is nu bi dabei,
d. h. bei der Arbeit u. ähnl.;
adv.: denn' (Pferd) he bi nahmen hett als Handpferd angespannt HaHagenow@RedefinRed. II. Präp. 1. räumlich und modal a. mit Dat., den Zustand der Ruhe, eine gewisse Lage bezeichnend: as min Fru noch bi mi wir noch lebte SchöSchönberg@WoldeWolde; ick bün bi em wääst habe bei ihm vorgesprochen GüGüstrow@KobrowKobr; kumm eins bi mi an besuche mich ebda; ick wir bi
N. an Buurd unter Kapitän
N. auf Schiff RoRostock@WarnemündeWarn; ick wir bi ne Bark an Buurd auf einer Barke Kühl; 'dat volk, so darup (auf dem Schiffe) was, samt den capteyn bleven bi den schepe und vorbrenden mit' Dietr.
V. Lohe 18; bi weck Flœg auf einigen Stellen WiWismar@KirchdorfKirchd; 'wol simpel bi der Erden wil krupen' Laur. Schg. 4, 89; vielfach in FN.: Bi den Acker; Bi 'n Born
u. a.; 'wolden dissen olden Radt by sick beholden besitten' Rost. Veide 16; bi sick sin in der Regel verneint für körperliche und geistige Krankheit: he is nich ornlich bi sick nicht ganz wohl, ist krank RoRostock@GresenhorstGres; as wenn he nich bi sick sülben wir bei Verstand Ha; dee is nich (recht, ganz) bi sick ist verrückt allg.; auch von Geld, Reichtum: he is nich recht bi sick ohne Geld MaMalchin@RemplinRempl; büst woll nich bi di hast wohl kein Geld HaHagenow@PicherPich; dee is bi sick ist reich WaWaren@JabelJab; mit hebben
u. a. Verben: dat (Sagen, Geschichten) hett 'n jo allemal nich bi sick nicht immer gegenwärtig SchwSchwerin@RastowRast; 'dar krigt de eene all dat Brüdtken by dat Liev' (1711) Kohf. Hg. 9, 3; he kriggt em bi den Kopp to faten Ro; für geistige Tätigkeit: 'do sprak de rat bi sick' (hielt unter sich eine Beratung; Wi 1427) Jb. 55, 131; he weit dat bi sick sülben aus sich LuLudwigslust@Alt JabelAJab; he muult so bi sick sülben rüm RoRostock@KühlungsbornKühl; he klaart bi mi so väl vull schreibt von mir so viel Sachen auf LuLudwigslust@WittmoorWitt; frei: wil ick bi de Pier fodern ded als ich Pferdeknecht war HaHagenow@LüttowLütt; wi müssten bi de Orgel singen zum Orgelspiel SchwSchwerin@DambeckDamb; häufig een bi een u. ähnl. Verbindungen: ein bi ein einzeln Mi 20
a; Sin Kinner fallen vör em een bi een (eins neben das andere, nach dem andern) Bri. 1, 160; Egg. Trems. 64; drei bi drei up einen Sack (drei nebeneinander) Stillfr. Köst. 2, 111; 'paer bi paer' (zu Paaren, paarweise) Laur. Schg. 2, 340; Stuft bi Stuft hett he em daltreckt Stufe für Stufe RoRostock@WarnemündeWarn; dicht bi dicht Egg. Trems. 146; dat wir Kranz bi Kranz (Kranz an Kranz) Stillfr. Köst. 2, 152; Slaz bi Slaz Fetzen an Fetzen (von zerrissener Kleidung) SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; Slagg bi Slagg Schlag auf Schlag WaWaren@WredenhagenWred; Fahr by Fahr (Furche an Furche, Zeile an Zeile) Mantz. Ruh. 2, 44
f.; Haun bi Haun (Hühner in Menge) Reut. 1, 50;
s. biein; a. Spr.: 'by huselanck dragen' (von Haus zu Haus) Gry. Lb. 1, O 2
b; my sind biweglang allerley Lüde begegnet (unterwegs), dat hebbe ick biweglang bestellt Mantz. Ruh. 9, 33; veraltet: bi teihn Mil Wegs (auf zehn Meilen) Bri. 3, 137; dat föllt mi ... bi een Viertelwegs nich in 123; abgekürzt: ick will di, Ekel, bi biten hier (ich will dir das Beißen austreiben, anstreichen) Stillfr. Biweg. 96; woraus sich die Entstehung gelegentlicher be-Verben erklärt,
vgl. be- I 4b. Der modale Gebrauch geht von der Bezeichnung des Mittels aus: eenen bi den Kanthaken kriegen (mit) Mantz. Ruh. 25, 67; die aber noch die räumliche Anschauung erkennen läßt,
vgl.: wenn man Maidag den Weiten bi de Lücht söken kann, dat ward de best mit der Laterne,
eig. bei Ro Rostock@RibnitzRibn; bi de Lücht nahseihen mit der Laterne, bei Laternenlicht Wa; dat Hus hängt bloss bi Graden tohop GüGüstrow@GülzowGülz; 'segelt by halven winde' Gry. Paw. Ddd 4
a; bi 'n Stock, bi twei Stöck gahn am Stock, an zwei Stöcken gehn allg.; 'by den Stöcken gahn van grotem Older' Gry. Lb. 1, N 4
a; he is to kennen bi de Sprak GüGüstrow@GülzowGülz; denn' kenn ick bi de Feddern genau HaHagenow@RedefinRed; bi 'n Gang Wi; 'by namen tho nömende' Gry. Paw. Ddd 3
b; ick seih dat bi dat Geld am Geld LuLudwigslust@Alt JabelAJab; 'Ik kant by dyneme munde wol weten, Du hest vele colunen gheten' Red. Ost. 1542; so modern bi de Luft, de Kinner, de Brak weiten an; dor weit ick dat bi Schö; wo weit de Oss dat bi woran HaHagenow@RedefinRed; he heit bi Vörnamen Koorl mit StaStargard@Burg StargardBStarg; wer spät heiratet, möt de Kinner bi (dörch) de Brill weigen RoRostock@KühlungsbornKühl; Klock; bi Daglohn arbeiden Schw; (Wi 1412) Jb. 91, 198; he is bi Schick guter Dinge Ro; Bri. 5, 61; he is nich recht bi Gröschen nicht recht bei Verstand Wa; dee is bäter bi Kopps as ick faßt flinker auf MaMalchin@KämmerichKämm; bi disse Wis' auf HaHagenow@RedefinRed; 'byhupen' (haufenweise) Gry. Lb. 2, G 1
a; 2, K 1
a; Laur. Schg. 2, 660; 'by stuckentale vorkopen' (Ro 1482) Jb. 53, 166; 'bi punden vorkopen' (Wi 1397) UB. 23, 213; (Wi 1719) Hans. Geschbl. 21, 288; (Ro 1482) Jb. 53, 166; 'by schocken' (Ro 1482) 166; 'de ... Grütt by Schüffeln vull utmeten' (1711) Kohf. Hg. 9, 2; de Farken hebben all bi Brocken (einzeln)
lägen StaStargard@ZippelowZipp; dat Schipp is bi de Äl (ellenweise, nach der Elle) buugt plump (scherzweise gesagt) Ro; 'Und supen herüm bi helen und bi halven' Laur. Schg. 4, 308; etwa: 'de kostede ... by 80 mr.' Slagg. 136; 'by eynen stige' (gegen 20; 1556) Bartsch 2, 7; sehr geläufig bi stückwis' stückweise u. ähnl. verkoppelte Konstruktionen, entstanden aus bi Stück und stückwis',
vgl.:
bi städ'wis',
bi stellenwis' an manchen Stellen, stellenweise SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; Warn; WiWismar@Hinter WendorfHWend;
bi ruckwis' RoRostock@DändorfDänd; bi schock- un dutzendwis' Ro;
bi dusendwis' RoRostock@KühlungsbornKühl; bi schichtwis' RoRostock@BartelshagenBart; bi schichtwis' inpackt GüGüstrow@ZepelinZep; bi schörtenwis' hebben se dat tohopdragen WiWismar@NeuklosterNKlost; bi schauwenwis' in Scharen RoRostock@AlthagenAHag; bi stig'wis' verköpen Dierh; ferner: bi abend-, älen-, daler-, fack-, fäuder-, flüüsch-, glidd-, hümpel-, husch- (de Wind weiht hüt bi huschwis' WaWaren@KisserowKiss), tuerwis'; bi Hänn'vullwis' HaHagenow@WittenburgWitt; auch: bi eenenwis' einzeln Wa; mit Pl.: bünd'wis': dat Stroh würd bi bünd'wis' henleggt Schö; ähnlich tritt -wis' zu Arm bi Arm in Arm bi armwis' armweise, je ein Armvoll WaWaren@SpeckSpeck; ungefähre Preisangabe: dat kost't so bi ne Mark rüm Ro; auch: bi rüm an 100 Daler Ro; häufig bi Läben u. ähnl.,
vgl.:
wenn dee bi (am)
Läben bläben wir RoRostock@KühlungsbornKühl; bi Läben (lebend) süht se bäter ut (als auf dem Bilde) Wa; dat blifft (is) düchtig bi (bi 't) Rägen HaHagenow@BelschBelsch; LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; he blifft bi waken wacht weiter StaStargard@NeubrandenburgNBrand; älter der flektierte Inf. (Gerundium): dat is hüt bi eenen Sœlent regnet immerfort Wo. Nd. Kbl. 17, 63; as he bi 't Kilent is; bi 't Hüppent (hüpfend) is he wegflagen; he is bi 'n Utpackent beim Auspacken, milde für 'erbricht sich'; he is bi 'n Schrodent futtert, ißt tüchtig; wi wiren bi dat Rappent bei der Rapsernte 65; beteuernd: 'by liwe nich' (Ro 1705) Kohf. Hg. 6, 3; so noch: biliw' nich Stillfr. Köst. 2, 199; sonst nur noch in der halbhd. Form
bileiw (nich): Reut. 5, 346, oft; C. Reinh. Holtrev. 65; auch im Volksmunde; abweichend:
bileiwer Weltz. Jungm. 33. S.
bidem. b. mit Akk. bei Verben der Bewegung zu einem Ziele hin: 'schall he ... gan by de olderlude' (Wi 1539)
F. Crull Goldschm. Anl. VI; 'ift ok queme dat ein by Dotslag edder anderen scaden queme' (PaParchim@DobbertinDobb 1409) Jb. 25, 303; dafür in schriftsprachlicher Färbung der Dativ, der aber in der Mda. nicht angenommen zu werden braucht: 'und ihn gefraget, wo er bey dem Pferde gekommen' (1713) SchöSchönberg@BernstorfBernst; Rda. von einer schwatzhaften Frau: se schwigt, bet se by Lüden kümmt Mantz. Ruh. 20, 29; bi einen kamen jem. besuchen allg.; donn kem he bi uns Egg. Trems. 134; bi Gewalt kamen zu Gewalt kommen Mi 8
a; he is 'n bäten bi sinen Brauder tau Besäuk führt Ro; jo nich to tidig bi de Kinner gahn zu seinen Kindern ziehen RoRostock@RibnitzRibn; ick wull bi Sei wollte Sie besuchen PaParchim@SuckowSuck;
de Hund sall bi de Käd' GüGüstrow@GülzowGülz;
de Kauh möt bi den Bullen RoRostock@KlockenhagenKlock; gah re bi! Zuruf an eine Kuh, die an ihren Platz im Stall gehn soll LuLudwigslust@LeussowLeuss; auch: wiste bi! Polz; daraus der Hundename Bi mi Ro; auf geistige Tätigkeit bezogen: 'hir wolde Runge nenerleywise by' (darauf wollte er sich nicht einlassen) Rost. Veide 13; donn segg ick so bi mi Ma; ferner: Geld bi Geld is jo schön wenn Geld zu Geld kommt RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; Rda; von einem kurzbeinigen Mann: dee hüürt bi de Häuhner HaHagenow@RedefinRed; so väl Dag'löhner, as bi den Aben (Backofen) hüren deden Dreil; sünd Ihrensaken, wenn de Kauh bi 'n Bullen bröcht ward Red; eenen (Priem) bi de Kusen nähmen Red; eenen bi 't Mul haugen (slahn) Wa; den Haut bi den Nagel hängen Gü. 2. zeitlich:
bi uns' Tit StaStargard@ZippelowZipp; bi Sommertid Reut. 1, 140;
bi Harwsttied Gild. Frank 76;
bi Wintertit GüGüstrow@KuchelmißKuch; bi Festtiden Wa; dat wir bi Hahnentiden zur Zeit der Grafen Hahn MaMalchin@RemplinRempl;
bi min Jugend RoRostock@AlthagenAHag; bi min kindlichen Johren WaWaren@PenzlinPenzl; StaStargard@PrillwitzPrillw; bi Winterdag Gild. Frank 81; bi Harwstdag RoRostock@WarnemündeWarn;
bi Marktdag WiWismar@HobenHob; bi min Denken zur Zeit meiner Erinnerung, zu meiner Zeit WaWaren@Alt SchwerinASchw; GüGüstrow@ZerninZern; dat is bi mi nich vörfollen zu meiner Zeit LuLudwigslust@NiendorfNiend; StaStargard@ZirzowZirz; erweitert durch ut: bi Johanni ut um Ro AHeide; so bi fiw ut gegen 5 Uhr HaHagenow@LübtheenLübth; so bi Wihnachten ut um Weihnachten herum GüGüstrow@BützowBütz; bi mine Tit ut zu meiner Zeit RoRibn;
s. bidem,
bides; auch:
so bi elben hen gegen 11 Uhr Bart; nach, in: hüt bi 14 Dag' StaStargard@KoldenhofKold; bi dree Dag' is he all dot wääst Mirowd; bi dree Dag' sast du bi den Schulten sin GüGüstrow@GardenGard; in Zeitabschnitten wie II 1a: bi Schuern, bischuern zeitweise Ha Hagenow@RedefinRed; SchöSchönberg@CordshagenCordsh; 'Dach by Dage' (täglich) Rost. Veide 6. — Mnd. bî. — Bl. 52
a; Br. Wb. 1, 85; Da. 16
b; Dä. 39
b; Me. 1, 332.; Teu. 1, 62.