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leidig

ahd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
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20 in 16 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

leidig

leidig

Leid n. ‘großer Kummer, seelischer Schmerz’, ahd. leid (9. Jh.), mhd. leit ‘das angetane Böse, Unrecht, Schädigung, Kränkung, Beleidigung, Sünde’, dann auch ‘durch Schädigung hervorgerufener Kummer, Schmerz, Betrübnis, Sorge’, asächs. lēð ‘Leid, Böses, Sünde’, mnd. lēt ‘Leid, Schmerz’, mnl. leet, nl. leed ‘Böses, Beleidigung, Verdruß, Kummer, Schaden’, aengl. lāþ ‘Leid, Schmerz, Unglück, Beleidigung, Plage’. Das Neutrum ist eine Substantivierung des in nhd. leid (s. unten) vorliegenden germ. Adjektivs *laiþa-; vgl. die an dieses ebenfalls anzuschließenden femininen Bildungen anord. leiða ‘Unlust, Widerwille’, schwed. leda, dän. lede ‘Überdruß, Ekel’, im Westgerm. ahd. leida ‘Anklage, Verfolgung’ (8. Jh.), mhd. leide ‘Leid, Schmerz, Feindseligkeit’, mnd. lēde ‘Leid, Schmerz, Trauer, Angst, Bangigkeit’, mnl. lēde ‘Leid, Verdruß, Böses’. – leid Adj. ‘schmerzlich, bedauerlich, widerwärtig’, ahd. leid (8. Jh.), mhd. leit ‘nicht lieb, betrübend, widerwärtig, verhaßt, schmerzlich’, asächs. lēð ‘verhaßt, feindlich, widerwärtig, böse’, mnd. lēt ‘betrübend, böse, verhaßt’, mnl. leet, nl. leed ‘unangenehm, lästig, verhaßt’, aengl. lāþ ‘verhaßt, feindlich, boshaft, schädlich’, engl. loath, loth ‘abgeneigt, nicht willens’, anord. leiðr ‘feindlich, verhaßt’, schwed. led ‘überdrüssig, böse, leidig’, dän. led ‘häßlich, widerlich’. Das für das Westgerm. und Nordgerm. allgemein bezeugte Adjektiv germ. *laiþa- ‘schädigend, kränkend, widerwärtig, unangenehm’ läßt sich mit griech. alé͞itēs (ἀλείτης) ‘Frevler’, alité͞in (ἀλιτεῖν) ‘freveln, fehlen, sündigen’, air. li(u)s ‘Ekel, Widerwille’ vergleichen und daher wohl zur Wurzel ie. *leit- ‘verabscheuen, freveln, Böses tun’ stellen. Während in den frühen dt. Sprachstufen auch attributiver Gebrauch durchaus üblich ist (so noch schweiz. im Sinne von ‘unangenehm, schlecht, böse’), bleibt leid heute auf die festen Fügungen leid tun, sein, werden (mit Dativ der Person) beschränkt, die bis zum Zusammenfall beider Formen im älteren Nhd. ein Schwanken zwischen prädikativem Adjektiv ahd. leid, mhd. leit, frühnhd. leid (dieses nicht sicher zu scheiden vom gleichlautenden Substantiv, das an der Entstehung der Fügungen vermutlich auch beteiligt ist) und Adverb ahd. leido (um 1000), mhd. frühnhd. leide zeigen: etw., jmd. tut jmdm. leid ‘jmd. bedauert etw., jmdn.’ (mhd. daʒ tuot mir leit ‘das schmerzt mich’, daneben aber einem leit/leide tuon ‘jmdm. Schaden zufügen’); etw. ist, wird jmdm. leid ‘etw. ist, wird jmdm. lästig, zuwider, verhaßt’ (bereits ahd.), dann auch ‘jmd. bedauert, bereut etw.’. Dazu kommt in jüngster Zeit die Wendung jmd. ist, wird etw., jmdn. leid ‘jmd. ist, wird einer Sache, Person überdrüssig’ (zunächst in Sätzen wie ich bin es leid, wo das ursprünglich genitivische es als Akkusativ aufgefaßt wird). leidig Adj. ‘lästig, unangenehm’ (nur attributiv, in dieser Verwendung leid ablösend), ahd. leidīg, leidag ‘betrübt, beunruhigt, verwirrt, einer Sache überdrüssig’ (um 1000), mhd. leidec, leidic ‘betrübt, schmerzend, böse, widerwärtig’, abgeleitet vom Substantiv (s. oben); seit dem 18. Jh. in der jetzigen Bedeutung. beleidigen Vb. ‘kränken, verletzend behandeln’, spätmhd. beleidegen ‘verletzen, schädigen’; präfigierte Variante von ahd. leidigōn ‘Leid zufügen, betrüben, verwirren’ (um 1000), mhd. leidegen, leidigen ‘betrüben, kränken, verletzen’ (dieses vom Adjektiv ahd. leidīg, mhd. leidec, s. oben); dazu Beleidigung f. ‘Kränkung’, spätmhd. beleidigunge ‘Schädigung, Kränkung’ neben älterem ahd. leidigunga ‘Schaden, Unheil’ (um 1000), spätmhd. leidegunge ‘Beleidigung, Verletzung’. verleiden Vb. ‘die Freude an etw. verderben, die Sympathie für jmdn. nehmen’ (mit Dativ der Person), mhd. verleiden ‘verhaßt machen’, Präfixbildung zu gleichbed. ahd. (8. Jh.), mhd. leiden, Faktitivum zu ahd. leid Adj. (s. oben); vgl. dagegen ahd. firleidōn (um 1000), mhd. verleiden ‘anklagen, beschuldigen’, das zu ahd. leidōn (8. Jh.), mhd. leiden ‘anklagen, Leid zufügen’ gehört (zu unterscheiden von nhd. leiden, s. d.). Beileid n. ‘Mitgefühl, Anteilnahme an einem Todesfall’, zuerst in der Bedeutung ‘mitempfundenes Leid’ mehrfach bei Fleming (1631/32) nachzuweisen, im 18. Jh. noch allgemein für ‘Mitleid, Bedauern, Anteilnahme am Schicksal anderer’ im weitesten Sinne, doch gelegentlich schon mit Bezug auf Todesfälle verwendet, gegen Ende des 18. Jhs. eingeengt auf das den Hinterbliebenen gegenüber zum Ausdruck gebrachte Mitgefühl. leider Adv. ‘bedauerlicherweise, unglücklicherweise’, ahd. leidōr (9. Jh.), mhd. leider, mnd. lēder, leider, eigentlich Komparativ des Adverbs (ahd. leido, mhd. leide, s. oben) mit verstärkender Funktion, seit Beginn der Überlieferung oft als Ausruf des Bedauerns und der Klage gebraucht; auffällig ist die steigernde Fügung leider Gottes (17. Jh.), die nach Andresen in: ZfdA (1886) 417 f. wahrscheinlich auf Umbildung der Beteuerungsformel (beim) Leiden Gottes beruht (s. Leiden).
4898 Zeichen · 140 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    leidîg

    Althochdeutsches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    leidîg s. leidag.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    leidig

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    leidic , leidig- s. leidec, leideg-.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Leidig

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Leidig , adj. et adv. welches in einem doppelten Verstande gefunden wird. 1. Im thätigen Verstande, Unlust erweckend. 1)…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    leidig

    Goethe-Wörterbuch

    leidig a ärgerlich, beschwerlich, lästig, unangenehm; vereinzelt adv; auch ‘l-e Pfuscherei, Politik, Selbstquälerei’, ‘l…

  5. modern
    Dialekt
    leidig

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    leidig [laitik Geberschw. ; laiti Str. ; læiti Geud. ; laitìχ Lützelstn. Lohr ] Adj. 1. überdrüssig, zuwider (prädik.): …

  6. Sprichwörter
    Leidig

    Wander (Sprichwörter)

    Leidig 1. De gar to leidig 1 is, hett ên bedragen off will en bedregen. ( Ostfries. ) – Hauskalender, I. 1 ) Glatt und s…

  7. Spezial
    leidig

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    leidig неприятный, мучительный, злополучный, многострадальный перен. , разг. das ~e Thema anschneiden - заговорить на не…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit leidig

29 Bildungen · 13 Erstglied · 6 Zweitglied · 10 Ableitungen

Ableitung von leidig

leid + -ig

leidig leitet sich vom Lemma leid ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von leidig 2 Komponenten

lei+dig

leidig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

leidig‑ als Erstglied (13 von 13)

leidigen

DWB

leid·igen

leidigen , verb. einen leidig machen, kränken, schädigen, ahd. leidagôn, mhd. leidegen; das einfache wort ist ( auszerhalb mundartlichen geb…

leidigen

FWB

1. ›jn. physisch oder psychisch verletzen, jn. schädigen, kränken, beleidigen, jm. Schmach antun; mit jm. schimpfen; etw. beschädigen, e. S.…

leidiger

DWB

leidi·ger

leidiger , m. molestator, laidiger voc. inc. theut. l 8 b .

leidiglich

DWB

leidi·glich

leidiglich , adv. in leid: die erd, dem winter gleich, will dasz wir leben frewdîglich, nicht liederlich noch leidiglich mit jhren gütern re…

leidiglieb

DWB

leidig·lieb

leidiglieb , adj. : o du loses leidigliebes mädchen, sag mir an, womit hab ichs verschuldet, dasz du mich auf diese folter spannest? Göthe 2…

leidigung

DWB

leidig·ung

leidigung , f. schädigung: laidigung lesio, videlicet in corpore aut in rebus, molestatio. voc. inc. theut. l 8 b ; die mir für die leidigun…

leidigung

FWB

1. ›körperliche Verletzung, Verwundung, Bedrängnis, Not; Ehrverletzung, Beleidigung, Schmach, Lästerung (als Handlung und als deren Ergebnis…

leidigunge

MWB

leidi·gunge

leidigunge stF. ‘Schädigung’ (an Körper, Seele, Gut, Ansehen o.ä., vgl. leidigen ; z.B. Verletzung, Vergewaltigung, Beleidigung u.ä.): von i…

leidigære

MWB

leidigære stM. ‘jmd., der anderen Leid antut’ di leidegere balt, / dy den guten tun uberlast / und sy betruben um eyn bast / an alle barmher…

leidigōn

KöblerAhd

leidigōn , sw. V. (2) nhd. „beleidigen“, betrüben, Leid zufügen, jemandem Leid zufügen, jemanden betrüben, verwirren, jemanden verwirren ne.…

leidig als Zweitglied (6 von 6)

mitleidig

DWB

mit·leidig

mitleidig , adj. und adv. mitleiden habend. 1 1) zunächst nach mitleiden 1, ein wirkliches theilen des leidens eines andern bezeichnend: com…

unleidig

DWB

unleidig , adj. adv. , gth. v. leidig 2 . mhd. unlîdec, -lîdic, mnd. unlidich, mnl. onlidich, nl. onlijdig, afries. onledig (unlethoch). unl…

wehleidig

DWB

wehle·idig

wehleidig , adj. übertrieben empfindlich gegen schmerz. 1 1) von haus aus ein wort der obd. mundarten, von Steiermark bis Appenzell heimisch…

Ableitungen von leidig (10 von 10)

beleidigen

DWB

beleidigen , dasselbe. ahd. leidagôn ( Graff 2, 175 ): wo du meine töchter beleidigest oder andere weiber dazu nimpst uber meine töchter. 1 …

beleidigung

DWB

beleidigung , f. injuria, offensio: viel beleidigung und übermut erlitten. Kirchhof wendunm. 77 a ; ich sehe, das die schiffart wil mit bele…

entleidigen

RhWB

ent-leidigen: əntlE:dĭχ Part. verleidet, überdrüssig; de Man as mir su e., dat eich et Kozen u mich kregen, wenn eich hen nemmen sehn; ebbes…

erleidigen

DWB

erleidigen , was erleiden = mhd. erleiden, invisum reddere: die vom adel erleidigen den fürsten das studieren. Luthers tischr. 394 b . auch …

geleidig

PfWB

ge-leidig Adj. : ' überdrüssig ', vgl. das häufigere leidig. Ich bin's geleidich [SOPf], geläärich [PfId. 51]. Lothr. 193 .

geleidigen

Lexer

ge-leidigen swv. betrüben, verletzen Mgb. 200,15. 261,2.

missleidig

RhWB

miss-leidig maslEdĭχ Saargeb. Adj.: überdrüssig.

unleidig

DWB

unleidig , adj. adv. , gth. v. leidig 2 . mhd. unlîdec, -lîdic, mnd. unlidich, mnl. onlidich, nl. onlijdig, afries. onledig (unlethoch). unl…

verleidig

Idiotikon

verleidig Band 3, Spalte 1085 verleidig 3,1085

verleidigen

DWB

verleidigen , verb. verhaszt, leidig machen: verladigen und verunglimpfen. Kessler sabbata 142 Götzinger.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „leidig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/leidig/pfeifer_etym
MLA
Cotta, Marcel. „leidig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/leidig/pfeifer_etym. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „leidig". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/leidig/pfeifer_etym.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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