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unleidlich

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unleidlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1131
unleidlich, adj. adv., gth. v. leidlich. mhd. unlîdelich, -lîtlich, mnd. unlidelik, -litlik, mnl. onlidelijc, nl. onlijdelijk, altschwed. olidheliker, oliidlig, schwed. olidlig, n. ulidelig. frühnhd. noch oft unleidelich; vgl. unleidenlich u. unleidig. ungleidlich Fischart Eulensp. 638; unlittlich Aler 2, 2096a, vgl. unlittig; unleidlichen, adv. Hulsius-Ravellus 379b, adj. Fabricius auszzug bew. hist. 632. 1) activ. a) unleidenlich 1 a u. unleidig 1 a entsprechend (vgl. leidlich 1), impassibilis, frei von leiden, ohne leiden, wer nicht mehr leiden kann; vgl. leidlos: vom verklärten Christus, gott Keisersberg sünden d. munds 85d; Sachs 1, 456, 26 K.; doch hett er (Christus) ein unleidlichen leib gehabt Franck weltb. 98a; in dem unlidelichsten teil (der seele) Keisersberg postill. 1, 13. veraltet. b) unleidenlich 1 b und unleidig 1 entsprechend, impatiens; vgl. leidlich 2. mit gen.: o wie unleydelich ist gott des schympfs an seynem thewren wortt Luther 102, 58, 10 W.; das frauenzimmer ist aller befehle und alles mürrischen zwanges u. Kant 2, 231 ak. ausg.; m. acc.: wo ... der ander das u. wer, nicht leiden wollte österr. weist. 11, 207, 37; mit präp.: sie hatte ein groszmüthiges, aber zugleich gegen das unrecht sehr unleidliches hertz Besser 2, 353 König; romanenbücher ... welche sie zur empfindlerin und für die wirkliche welt gefühllos und u. machten Castelli 10, 95. veraltet. c) vereinzelt: 'wer nichts mehr vertragen kann, schwach, hinfällig': wenn sichs mit inen (den königreichen) zum ende schicket, da pflegen sie denn am schwächesten und unleidlichsten zu sein M. Dreszer isagoge hist. (1600) 232. d) unleidenlich 1 b und unleidig 1 c entsprechend. α) wer nicht leiden, sich nichts gefallen lassen will: der bleibet ... unstarck schmach zuo empfahen, unleidlich in allen dingen Keisersberg pred. 89b; 51c; unleydlich, stoltz, impotens Maaler 465c; Fischart discours d 2b; wer gar u. ist, der hat zu kempffen alle frist Petri f f f 6a; wann ich einmahl u. werde, so werde ich ein biszgen grob und schlage 27 mahl auf eine stelle Chr. Weise comöd. 45; ich bin auch ein wenig u. Lessing 1, 399, 18. dem unleydling wesen mein Sachs 9, 296, 8 K.; Kirchhof wend. 2, 14; Fischart ehzb. 304, 19 H. noch Adelung setzt an: 'auf unbefugte art abgeneigt, ungemach zu erleiden, auch wenn es nothwendig ist'; ohne alle unangenehme empfindung kann es freilich (beim sterben) nicht abgehen. unempfindlich konnte der mensch nicht seyn, u. musz er nicht seyn Lessing 2, 345, 20 (Sara Sampson 5, 7); Heynatz antibarb. 2, 525 verwirft das wort und Campe verurtheilt es als unbezeichnend und unrichtig gebildet. β) ignavus, effeminatus: so sein auch etlich an in selbs u., waich und so zart, das sie vil ee liegen weder marter leiden laienspiegel (1518) 134a; Aventin 1, 176, 16; Fischart trostb. 62, 14 H.; ein verzärtelter leib, der ... gegen alle ungemächlichkeiten u. ist Gellert 7, 129. veraltet. γ) vom auge, das gegen äuszeren reiz u. falsche behandlung empfindlich ist: weil das auge ... das klereste, subtileste und unleidlichste glied ist Bartisch augendienst 10. veraltet. e) unleidig 1 d in mannigfachen schattierungen entsprechend: der glaub hat yhn (Isaak, 1. Mos. 26) müssen sterken, trösten und erhalten, sonst were er bald u. worden Luther 24, 463, 27 W.; 1, 245, 28 W.; aus ungedult und unleydlichem willen 18, 318, 5 W.; ein unleidlicher mensch un huomo impatiente Kramer (1700) 1, 934c. wann ein mensch von kranckheit unlidlich ist Keisersberg bilger 33; also auch nicht ain yder alter zornig, wnderlich und unleydlich ist Schwarzenberg Cic. 35b; Sachs 3, 149, 39 K.; sorgen macht worgen und macht auch also u., dasz ir an jeden treck stoset, der im weg ligt Garg. 75 ndr.; der ist u., der bey dem geringsten verspürten mangel sogleich seine unlust zu erkennen giebt — der leicht in harnisch gejaget wird, der sich über die geringsten sachen ärgert und händel anfängt — wer alles aufs übelste deutet und bey den geringsten beleidigungen in zorn entbrennt — wer ungroszmüthig ist Zedler 49, 1862; meine schwester ist empfindlich, herr F. hitzig, u., jähzornig sammlung v. schausp. (Wien 1764 ff.) 7, 53. unleidlicher mensch indignabundus stomachus; er ist allendhalben u. omnia stomachatur Stieler 1137; acerbatus, acerbus, severus: aber die lieben jüden frageten nichts darnach, gott mag im ersten gebot eiverig oder u. sein, wie er wolle Luther 28, 644, 32 W.; villeicht was er etwas unleidlicher (iniquior) umb seiner geilheit willen Boltz Terenz 65a (Heautontim. 201); ein unleidlich weib Sachs 20, 77, 22 G.; Nigrinus v. zäuberern 160. unartig, launisch u. dgl. v. kindern H. Staden wahrhaftig historia r 3a; els. wb. 1, 562a; obers. 2, 599b; launisch v. weibern Agricola sprichw. b 6b. veraltet; wir haben in solchen fällen unsere pass. auffassung fern zu halten. f) unleidenlich 1 d, unleidig 1 e entsprechend: die oberkeyt ist zu bose und u. Luther 18, 303 W.; oder zu 2 a? veraltet. 2) passiv, gth. von leidlich 3, 4. a) unerträglich (zur syn. s. sp. 510 und das stärkere unausstehlich sp. 227). mit dativ: der verporgen liebe .. die in (den damen) vil unleidlicher ist ze vertragen dann die offenware Arigo 17, 14 K.; ir trotzen und rhümen ist gotte zu u. Luther 303, 282 W.; garstige und erbaren ohren gantz unleidliche zoten vern. tadler. 2, 16; Forster 8, 210; Göthe 7, 207 W.; u. ward mir's (es litt mich nicht) schon auf meinem gepolsterten stuhle 8, 281, 14 W.; Heine 2, 444; G. Keller 7, 12. m. präpos.: das dan u. bey yn were Eberlin v. Günzburg 3, 18 ndr.; für G. Freytag 18, 79. ohne dativ- oder präp. bestimmungen: wann es die Römer sagen, ist es leidtlich, da es aber die Etolier sprechen, u. Xylander Polyb. 502; das ist doch u., was die kerle in H. sudeln! Lessing 17, 243; Kant 7, 248 akad. ausg.; wir glaubtens (die nachricht v. Herders tod) nicht, aber es war doch u. Göthe IV 9, 209, 5 W.; Schiller 14, 291; am unleidlichsten war die windstille Moltke 6, 122. attributiv: ein unlydliche stroff Keisersberg bilger. 108d, kelde Hedwiglegende d 3b, schmertzen Gersdorff wundarzney 63b, stanck 2. Maccab. 9, 10, bürd Albertinus hirnschleiffer 157, die unleidlichste dienstbarkeit acta publ. 1, 284 P. (vgl.d), die warheit ist das allerunleidligste ding auf der welt Luther bei Schottel haubtspr. 252; Luther fabeln 3 Thiele; unleidlich leid Droysen Äschylus 130, münzzustand Luschin v. Ebengreuth münzk. 251 u. s. w. subst.: es ist auch nichts unleydlichers, dann ain solcher glügkhafter mensch, der vernünfft ... mangelt Schwarzenberg Cic. 73b; Petri r 5a; das unleidliche leiden Grillparzer 3, 85; das unleidliche ihrer eigenen verhältnisse G. Freytag 1, 149. adv.: u. fallen Simpl. 203 Kögel, darstellen Börne 14, 31, u. heisz Göthe 32, 32 W., vgl. unleidlicher weisz Schaidenreiszer Od. 5b, auf eine unleidliche weise Pückler briefw. 6, 273. b) oft als ausdruck der sog. intension, wobei das etymologische bewusztsein keineswegs ganz ausgeschaltet zu sein braucht: unleidelich o. vast lieb haben, bulen Diefenbach gl. 46c; unleydlicher ungestüme im angriff Stumpf chron. 60a; kein weiser man sol sich unleidlichs (verschmelzend mit impotens 1 d α) trawren annemen Fr. Wilhelm sprichw. reg. c i j α 123; unleydlichere mittel vorzuschlagen Kirchhof mil. disc. 22; fame grandissima unleidlicher hunger Hulsius (1618) 2, 144b; eine unleidliche gefräszigkeit Göthe 22, 237, 5 W.; hartnäckigkeit Ebner-Eschenbach 2, 48; u. theuer Göthe IV 3, 314 W.; sie ist u. empfindsam Iffland 6, 85; frau v. D. hat mich u. aufgehalten 4, 54. c) andererseits in abgeschwächtem sinne 'wenig angenehm, zuwider, gegen den strich laufend' u. dgl., oft recht subjectiv, gefühlsbetont (odiös Kinderling 306): was dir unleidlich ist, das thu' auch andern nicht Lichtwer recht d. vernunft 105; ein unleidliches gesicht Cramer nord. aufseher 2, 362, süszigkeit Gerstenberg rec. 312, 30 ndr., der unleidligen länge Fr. Schlegel jugendschr. 1, 87 M., ein unleidliches gedicht Gervinus gesch. der d. dicht. 1, 137 u. s. w.; denn mir ist unleidlicher nichts, als thränen der weiber Göthe Herm. u. Dorothea 9, 192. leidliche und unleidliche seiten III 2, 82 W., zigarren Holtei schr. 7, 141, abende Pückler briefw. 3, 277. von personen: den der nhame Christi war szo unleydlich, das nicht szo unleydlichers war den Christus Luther 341, 488, 22 W.; ich bin der unleidliche, ungesittete, stolze, schmähsüchtige mann nicht, für den mich hr. Klotz nunmehr ausschreyet Lessing 17, 273; es ist der abgeschmackteste, unleidlichste kerl unter sonne und mond A. G. Meiszner Alcibiades 1, 183; vgl. unerträglich 2 b β; von frauen, kindern, hunden: Göthe 19, 31, 12 W.; Körte sprichw. 245; dadurch dasz man kindern ihren willen läszt, werden sie u. gegen alle (mit activer bed. 1 d zusammenflieszend) Cramer nord. aufseher 3, 228; importunus Reiher o 5a; Pansner schimpfwb. 73b. mit vermischung ist öfter zu rechnen: je heiliger zeit, je unleidlicher teuffel Petri j i 7b, vgl. leidig 3/4; der domherr war unleidlich und die gesellschaft verstimmt Göthe 17, 142, 12 W., vgl. 1 e. d) unleidenlich 2 a ε und unleidig 2 b entsprechend, sowohl im engeren sinne der rechts- und geschäftsspr. als auch allgemein 'ungehörig, empörend' u. s. w.; vgl. mnd. unliderlik. von einem blinden juden, der unbefugt als arzt practiciert: dwile sin sachen ebentuerlich sin und unlidelich (1497) Bücher Frankf. berufswb. 64a; eyn unleydlich unrecht Luther 18, 311, 5 W.; es ist yhe unleydlich, das .. 18, 322, 7 W.; 26, 586, 19 W.; 342, 190, 21 W.; unleidliche (nicht regelrechte) pfruonden leidlich zuo machen Murner adel 4 ndr.; das der gewalt des babsts ... von gott unlydlich ist H. v. Cronberg 22 ndr.; onleidliche vermessenheyt Sleidan reden 38 B., verträge Nürnb. ref. 4b, lehr Dedekind christl. ritter g 3a, arbeit, dienste, frohnen, auflagen, beschimpfung, calumnien, gefängnisz, kusz, schmach, straffe, verspottung Zedler 49, 1861 f.; wie mancher topf zweene henckel hat, also hat eine iedwede sache zwey handgriffe, einen leidlichen und einen unleidlichen Chr. Weise d. klügsten leute 324; ein gar unleidlicher alterspfleger, wer sich an seinem vater vergreift Schleiermacher Platon 6, 445; unleidlichen miszbrauch Gentz 2, 152; unleidliche handwerke handwb. d. staatswiss. 4, 574. heute (wie bei Göthe IV 10, 291 W.) in seiner eigentlichen bed. nicht mehr empfunden. e) unverträglich, unvereinbar: zweier unleidlicher oder unsamentfüglicher ding Sleidan reden 230 B.; veraltet.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unleidlich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unleidlich , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von leidlich, der doch von weiterm Umfange ist, als dieses. 1) In int…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unleidlich

    Goethe-Wörterbuch

    unleidlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    unleidlich

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    unleidlich в плохом настроении, брюзгливый, в раздражении

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unleidlich

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Ableitung von unleidlich 3 Analysen

un- + leidlich

unleidlich leitet sich vom Lemma leidlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+leid+-lich unleid+-lich

unleidlich‑ als Erstglied (1 von 1)

unleidlichkeit

DWB

unleidlich·keit

unleidlichkeit , f. , gth. der leidlichkeit, mangel daran. mhd. unlîdelîcheit, mnl. onlidelijcheit, nl. onlijdelijkheid, dän. ulidelighed, s…