Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
erstrecken
erstrecken
strecken Vb. ‘gerade und straff ausdehnen’, reflexiv ‘sich dehnen, ausgedehnt hinlegen, sich erstrecken’. Das nur westgerm. bezeugte Verb ahd. (um 800), mhd. mnd. mnl. strecken ‘gerademachen, ausdehnen, ausbreiten, -spannen’, nl. strekken, afries. strekka, aengl. streccan, engl. to stretch (westgerm. *strakijan) stellt sich (faktitiv?) zu dem unter stracks (s. d.) angegebenen Adjektiv (z. B. ahd. -strac) und bedeutet eigentlich ‘gerade, straff, steif machen’. In fester Wendung die Waffen strecken (‘niederlegen’) als Zeichen der Kapitulation (18. Jh.). – Strecke f. ‘Wegabschnitt bis zu einem Zielpunkt’ (18. Jh.), zuvor (im Bergbau) ‘horizontaler Grubenbau’ (Ende 15. Jh.), ‘Reichweite’ einer Schiffsbrücke, (in der Mathematik) ‘gerade Linie’ (17. Jh.), dann ‘durch zwei Punkte begrenzter Abschnitt einer Geraden’ (19. Jh.), ‘bestimmter Abschnitt einer Verkehrslinie’ (19. Jh.). Vgl. die ältere Zusammensetzung mhd. zilstrecke, dafür nhd. Wegstrecke (17. Jh.), und die Wendung zur Strecke bringen ‘erlegen’ (19. Jh.), wohl zu Strecke im Sinne von ‘reihenweise nebeneinandergelegtes bei einer Jagd erlegtes Wild’ (19. Jh.). niederstrecken Vb. ‘ausgestreckt niederlegen, zu Boden werfen, töten’, ahd. nidarstrecken (9. Jh.), mhd. niderstrecken. vorstrecken Vb. (besonders einen Körperteil) ‘nach vorn bringen, recken’, mhd. vürstrecken; vgl. ahd. forastrecken ‘hinstrecken, niederwerfen’ (9. Jh.). Seit dem 16. Jh. auch ‘vorschießen, leihen’ (von Geld und anderen Dingen). erstrecken Vb. reflexiv ‘umfassen, eine Ausdehnung haben’, mhd. erstrecken ‘ausstrecken, ausdehnen, verlängern’.