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beiern

mhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
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9 in 9 Wb.
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

beiern

Bd. 1, Sp. 731
Wossidia beiern beigern, an der pommerschen Grenze auch beijern die eine Seite der Glocke mit dem Klöppel anschlagen, im Gegensatz zum Läuten, wobei die Glocke selbst bewegt wird und der Klöppel beiderseits anschlägt; am Sonnabend Nachmittag und Sonntag früh eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst wird gebeiert; das Beiern besorgt gewöhnlich ein Mann, alle vier Glocken werden dabei benutzt; um den Takt zu halten, haben die Pulsanten folgenden Merkreim: De Dammer Weg, de Dammer Weg, De Bullen Ort, de Bullen Ort Heim. 3, 92; weitere Merkverse: Morgen is Sünndag, lat 't Arbeiten nu sin, Di hüürn söss Arbeitsdag', de Sünndag is min, is min; De Köster löppt denn' Damm entlang, denn' Damm entlang; Dor krüppt ne Pogg, dort stööwt de Sand, dor stööwt de Sand — de Sand — de Sand Meckl. 7, 55; oder auch: de Köster snitt den Sünndag tau, Dor beiert Köster Stang' Wa. Vor hohen Festtagen pflegten die Dorfbewohner des Nachts zu beiern: 'da das Beyern mit den Glocken des Nachts bei hohen Festtagen ... nicht nur zu allerhand Unordnung Anlaß giebt, sondern auch zum Ruin der Glocken gereicht, indem dieselben mit Hämmern und Steinen geschlagen und dadurch verdorben werden, so soll hinfüro solcher Unfug überall verboten ... und befehliget sein ..., daß bei Festtagen mit den Glocken nicht mehr gebeyert werden solle' (1790) Ges. Strel. 1, 486; trotzdem wurde dieser Brauch noch lange geübt: an den drei Hauptfesten wurde mit den Kirchenglocken von der Dorfjugend gebeiert StaStargard@TriepkendorfTriepk; MaMalchin@RittermannshagenRitt und a. a. O.; Heiligabend bis 12 Uhr beierten alle jungen Leute auf dem Turm, damit wurde de Wihnachtsmann runner beiert, nach 12 Uhr wurde er wieder rup beiert Wa Waren@BuchholzBuchh; in RoRostock@WustrowWustr wurde in der Weihnachts- und Neujahrsnacht von 1 bis 2 Uhr gebeiert und mit der großen Glocke geläutet; dann standen die Leute auf, tranken Kaffee und aßen Semmeln (Stollen) dazu, darauf legten sie sich wieder nieder Bartsch 2, 226; zum Gedächtnis der Toten wurde gebeiert: 'se scholen davor beyern laten des nechsten Mandags na den 4 hilgen dagen tho Paschen' (WiWismar@WeitendorfWeit 1424) D. Schröd. Pap. 2, 1875; 'Hievor scholen de nu sint und noch thokamen mugen my und minen Oldern und miner Hußfruwen und unse Kindere beyern laten alle Jahre' (WiWismar@WeitendorfWeit) Erstl. 353; bei der feierlichen Promotion begab sich der Lehrkörper der Universität nach der Marienkirche, auf deren Turm während des Zuges gebeiert (nicht geläutet) wurde Beitr. Rost. 4, 3, 90; oft auch nur für eine schnellere Art des Läutens: beiern mit der kleinen Kirchenglocke läuten Mi 7a; 'an allen übrigen Sonn- und Festtagen wird vom Küster gebeiert, d. h. die beiden kleinen Glocken werden gezogen, so daß die eine zweimal, die andere nur einmal anschlägt' Horn Selmsd. 1, 233; schnell läuten Jac. 1, 114; nu geiht 't los, seggt Köster Meier, beiert ward nich Aufforderung beim Kartenspiel RoRostock@Nienhagen b. DoberanNienhD; se is as ne Dörpklock, wenn 'n ehr anstött, denn beiert se von einer Schwätzerin Schw; dat bimmelt und beiert Reut. 5, 217; beiern gahn Bri. 5, 174; beiern mit 'n Klingenslag Quitz. 2, 42; wo dat all tum drüdden Mal tau Kark beierte Derb. 2, 54; un beierte höllschen mit sien Klock 209; wenn am Sonnabend gebeiert wurde, stellten die Frauen die Spinnräder bei Seite WiWismar@KirchdorfKirchd; um die Raupen zu vertreiben, ruft man ihnen am Sonnabendabend zu: Rupen maakt Fierabend, de Köster beiert WiWismar@LoizLoiz; um hohen Flachs zu bekommen, muß man in der Silvesternacht nackt dreimal beiern WaWaren@VipperowVipp; die Sage berichtet, daß Vieting jeden Sonnabend mit de Dodenköpp (seiner von ihm getöteten Söhne) beiert hett PaParchim@SpornitzSporn. In Kinderreimen eine Kurzform beier (s. d.): Bimmel, bammel beier, Köster mag keen Eier Wo. V. 3, 425; Bimm, bamm, beier, De Klokken gahn in Steier 428a. Zss.: af- (Sp. 89), in-, utbeiern. — Mnd. beiern. — Dä. 31a; Me. 1, 280; Schu. 83.
3775 Zeichen · 46 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    Beiernst. N.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Beiern , st. N. nhd. Bayern (N.) Q.: Anno (1077-1081), BdN, Bit, Dietr, Eracl, Furstengesl, Frl, Georg, Greg, Kchr, KgvO…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    beiernsw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    beiern , sw. V. Vw.: s. beieren*

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Beiern

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    * Beiern , verb. reg. act. welches nur in einigen Gegenden, z. B. in Niedersachsen, Lausitz, der Mark und Preußen üblich…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Beiern

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Beiern , mit dem Klöpfel an die Glocke schlagen.

  5. modern
    Dialekt
    beiern

    Mecklenburgisches Wb.

    beiern beigern, an der pommerschen Grenze auch beijern die eine Seite der Glocke mit dem Klöppel anschlagen, im Gegensat…

  6. Sprichwörter
    Beiern

    Wander (Sprichwörter)

    Beiern 1. Et beiert 1 esu lang, bes dat et Kermes wê'd. ( Aachen. ) – Firmenich, I, 492, 57; hochdeutsch bei Simrock, 56…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit beiern

7 Bildungen · 6 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von beiern 2 Komponenten

bei+ern

beiern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

beiern‑ als Erstglied (6 von 6)

beiernan

KöblerAe

beier·nan

beiernan , st. V. (3b) nhd. zusammenstoßen, zustoßen, hineinfließen, bedecken E.: s. be, iernan L.: Hall/Meritt 39b, Lehnert 29a

beiern (beigern)

LW

beiern (beigern), sw. v. die eine Seite der Glocke mit dem Klöppel anschlagen (meist in frequentativer Bewegung), bacillare.

beiern II

RhWB

beiern II bājərə Trier ; -E- Mos; -ęi- Sinzig , Westerw schw.: sterben, nur von Juden.

beiern III

RhWBN

beiern III -ājərn Bitb-Beiling schw.: koppen, vom Pferde.

beiern IV

RhWBN

beiern IV -ęi- Wittl-Dörb schw.: dat Kand (Kind) beiert lässt Reste, isst nicht alles auf.

beiern als Zweitglied (1 von 1)