Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
schwul
schwul
schwül Adj. ‘feuchtwarm, drückend heiß, beklemmend’. Im 17. Jh. wird nd. swōl, swūl ‘drückend und ermattend warm oder heiß, drückend oder ängstlich beklommen’ in der md. Form schwul in die Literatursprache übernommen. Unter Einfluß des Antonyms kühl (s. d.) setzt sich gegen Anfang des 18. Jhs. die umgelautete Form schwül durch. Das Adjektiv steht mit nl. zwoel ‘drückend warm’ und aengl. swol n. ‘das Brennen, Hitze’ ablautend zu den unter schwelen (s. d.) angeführten Verben. Ältere Bildungen begegnen in omd. geschwule ‘ängstlich’ (Ende 16. Jh.), obd. gschwilig (16. Jh.), swilch ‘schwül, ängstlich’ (16. Jh.), swilich ‘lau’ (15. Jh.). In der Umgangssprache nimmt die umlautlose Form schwul die Bedeutung ‘homosexuell’ an (um 1900), vgl. die auf einer ähnlichen Vorstellung beruhende Fügung warmer Bruder für ‘Homosexueller’. – Schwüle f. ‘drückende, feuchte Hitze’ (18. Jh.). Schwulität f. ‘Schwierigkeit, Verlegenheit’, scherzhafte latinisierende Bildung der Studentensprache (2. Hälfte 18. Jh.) für ‘heiß machende, beklemmende Verlegenheit’. Heute meist in Schwulitäten (‘in Verlegenheit, in Schwierigkeiten’) sein, kommen.