Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Mosaik n.
Mosaik n.
Mosaik n. auch (heute seltener) f. ‘aus verschiedenfarbigen Stein- oder Glasstückchen zusammengefügtes, Fußboden- oder Wandflächen schmückendes Bild’. Zu etymologisch ungeklärtem griech. Mū́sa (Μοῦσα), lat. Mūsa ‘Muse’ (eine der als Beschirmerinnen der Künste geltenden Göttinnen, daher appellativisch ‘Gesang, Lied, Dichtung, Kunst und Wissenschaft, feine Bildung’; s. Muse) gehört griech. mū́seios, moisá͞ios (μούσειος, μοισαῖος), lat. mūsēus, mūsaeus ‘die Musen betreffend, musisch’; vgl. ferner griech. mūsé͞ion (μουσεῖον), lat. mūsēum ‘Musensitz, Ort für Kunst und Gelehrsamkeit’ (s. Museum). Das griech.-lat. Adjektiv wird in der Verbindung spätlat. opus mūsēum, mūsīum, mūsīvum ‘den Musen gewidmetes Werk’ (zum Nebeneinander der Endungen -īum/-īvum s. Archiv), ebenso substantiviert als Neutrum spätlat. mūsēum, mūsī(v)um, für die besonders zur Ausschmückung von Musengrotten in römischen Gartenanlagen dienenden Bildwerke in Mosaiktechnik geläufig; vgl. die Rückentlehnung spätgriech. mūsé͞ion, mūsī́on (μουσεῖον, μουσῖον) in der Bedeutung ‘Mosaik’. Spätlat. (opus) mūsīvum geht mit Suffixwechsel (vielleicht auf Grund formaler Anlehnung an griech. Mōsaïkós, Μωσαϊκός ‘auf Moses bezüglich’) in mlat. musaicum, mosaicum opus über, das ital. musaico, mosaico m. ‘Mosaik’ ergibt. Von hier aus gelangt der Ausdruck in Berichten über Italien zunächst in ital. Lautgestalt (Ende 15. Jh.), dann in Fügungen wie mit mosaischen Steinen (1572), mosaische, musaische Arbeit, mosaisches Werk (17./18. Jh.) in dt. Texte. Im frühen 18. Jh. wird gleichbed. frz. mosaïque f., das ebenfalls dem Ital. folgt, ins Dt. entlehnt, anfangs Mosaique f., in der 2. Jahrhunderthälfte auch Mosaik, gelegentlich mit neutralem Genus. Außerdem findet sich seit dem 18. Jh. bis in neueste Zeit in gleichem Sinne an spätlat. opus mūsīvum anknüpfendes musivische Arbeit, Musivarbeit. Auf spätlat. mūsīvum (vielleicht vermittelt durch afrz. museu, musé ‘eingelegt, mosaikartig zusammengesetzt’) beruhen wohl auch mhd. muosen, muosieren (md. mūsen, mūsieren), nhd. (bis ins 18. Jh.) musieren ‘als Mosaik einlegen, mit Einlegearbeit schmücken’; dabei ist Einfluß des semantisch entsprechenden Verbs byzant.-griech. mūsiū́n (μουσιοῦν) nicht auszuschließen.