schläfern,
verb. schläfrig sein Adelung. Frisch 2, 186
c. Steinbach 2, 424.
der umlaut hat, wie ältere formen zeigen, keine historische berechtigung und ist wol durch formale vermischung mit dem folgenden entstanden. schlaaferen, schläfferig syn,
dormitare Maaler 354
a,
mhd. slâfern Lexer
mhd. handwb. 2, 954,
ahd. slâferôn Graff 6, 802,
mnd. slaperen, sleperen Schiller-Lübben 4, 229
b.
älterem hd. schlauf, schlaufen,
für schlaf, schlafen (
s. diese)
entsprechend, begegnet im früheren nhd. schläufern,
beleg s. unter 1. 11)
meist unpersönlich und mit acc. der person Steinbach 2, 424. Frisch 2, 186
c. Adelung: inen (
eum) slaferot nicht.
quelle bei Graff 6, 802; dô slâferte den einen bruder gar sêre und sprach 'ich muʒ jô slâfen'.
myst. 1, 82, 26; wan do die samnung deʒ preutigamʒ wart gemacht si sleffert all, und entsleffen.
codex Teplensis Matth. 25, 5 (
ἐνύσταξαν; 1.
gedruckte deutsche bibel: sy schleffert und sy schlieffen,
bei Luther: worden sie alle schlefferig, und entschlieffen); eines mals da was der lieb herr S. Servatius gangen das er müd was und das in ser schläufert.
heiligenleben (1472) 38
a; schlaf ein wienig, so schlefert dich ein wienig.
bibel von 1483 297
b (
spr. Sal. 6, 10,
bei Luther: schlaff noch ein wenig, schlummer ein wenig); und so er lenger schlaffet, so vil schläffert jn schwerlicher. Steinhöwel
Esop (1555) 113
a; ich musz gestehen, dasz mich selbst schläfert.
Plesse 1, 100; mich schläfert schon. Klinger 2, 216; die schöne sprach schlaffert dich. Meyer
u. Mooyer
altd. dicht. 46, 132;
md. er seyt ene fremde mere, byt sie alle slaffern began.
Salom. u. Morolf 16
a, 65
v. d. Hagen u. Büsching; hiemit alde, mich schläffert sehr, wann ich erwach so schreib ich mehr.
Grobianus 75, 2458
neudruck; nun — schlafen? — ja — mich schläfert auch. Werner
Luther 5, 2; mich schläfert's holt nit.
d. knaben wunderhorn 1, 401
Boxberger; mich schläfert. Grillparzer (1887) 4, 230.
mit hungern
und dürsten
verbunden: es solte ihn nicht hungern, schläffern und dürsten. Lohenstein
Arm. 2, 454
a. —
gnomisch: es hungert dürstet schläffert den menschen nicht zu jeder zeit. Lehmann 190. —
mit dat. der person: mnd. em en sal nicht slaperen, de di behut.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 229
b; on (
ihnen) sleperde.
quelle ebenda (
Matth. 25, 5,
vgl. oben die hd. übersetzung der gleichen stelle). 22)
seltener persönlich, nach Adelung
nur in einigen oberdeutschen gegenden üblich, auch in der heutigen schriftsprache ungebräuchlich: kölnisch (15.
jh.) hei ensal neit slaifern noch slaifen.
quelle in Frommanns
ztschr. 2, 452
b.
freier, wie '
schläfrig blicken',
mit adverbialer bestimmung der richtung: sie schläferten, die augenlieder hängend, ihm in's gesicht vielmehr, und gaben blicke, wie ein umwölkter mann dem gegner pflegt, von seinem beyseyn überfüllt und satt.
Shakespeare Heinrich IV. 1, 3, 2 (
but rather drows'd, and hung their eyelids down, slept in his face). 33)
zweifelhaft, ob unter 1
oder 2
gehörig, ist die folgende stelle. Strehlke
wb. zu Göthes Faust 120
b faszt sie unpersönlich: was, ohne haupt, was förderten die glieder? denn schläfert jenes, alle sinken nieder. Göthe 41, 270 (
Faust 10477
Weim. ausg.). 44)
part. präs., substantiviert: ihr werdet, wie schläfernde, die geweckt werden, über mich herfahren. Claudius 5, 87. 55)
substantivierter infinitiv, auf das auge
bezogen: so ist gesunt ze schlaffen, ruwecleichen gar, bis daʒ dein aug werd schlaffrens bar. Wittenweiler
ring 27
c, 21.