Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hungern swV.
1.1 eigentl.
1.2 übertr. ‘(nach etw.) heftig verlangen, sehnsüchtig sein’ (meist mit präp. Erg nâch , seltener ze/ zuo bzw. Pron.-Adv. dâran )
2 ‘jmdn. aushungern, hungern lassen’
2.1 eigentl.
2.2 übertr.: jmdn. ûf etw. (hier Pron.-Adv.) ‘jmdn. auf etw. begierig machen’
1 ‘hungrig sein, hungern’ (unpersönl. mit Akk.d.P.) 1.1 eigentl.: mich hungert, ich isse; mich túrstet, ich trincke Tauler 17,6; gvͦt was der kunic, der sich selbin ê hungirn lîe ê sine schalche [Knechte] Spec 63,12; der ewige lip, der ist so getan: / da nemach daz wip noch den man / gehungeren noch gedursten Wahrh 125; die wîle den menschen hungert, die wîle smacket im diu spîse Eckh 2:290,3; Will 93,10; SalArz 53,28. – selten mit persönl. Subj.: ich hungerote ir gabit mir zezenne JPhys 14,11 1.2 übertr. ‘(nach etw.) heftig verlangen, sehnsüchtig sein’ (meist mit präp. Erg nâch, seltener ze/ zuo bzw. Pron.-Adv. dâran): sælic sint die armen und die dâ hungert und dürstet nâch der gerehticheit Eckh 2:285,6. 2:290,4; in siner alten wise lit er hie rich gefurstet, / den ie nach werdem prise vil sere hat gehungert und gedurstet, / also daz in sin nie genuͤgen wolde JTit 1441,2; daz der svnder iunger / ze gotte wider hunger Martina 197,10; PrBerth 2:5,28 u.ö.; Daniel 2174. – mit Obj.-Satz statt präp. Erg.: als werleich mag disen heiligen hunger niemant gehâben denn von gotez hunger den in seiner suzzen minne hungert, daz du in enpfâest MvHeilFr 8. – mit lâʒen und refl. Akk.: er liez sich stete hungern / nach unsers lieben herren wort Pass I/II (HSW) 32196; sie beitten alle, diz geschach, / und liezen sich dran hungern ebd. 10101 u.ö.; der liez sich nâch in hungern / und nâch irem bluote dursten Ottok 22789. 2616; der gedanc was nie sô schiere chomen, / sô sich der gotes sun hungern lie, / ze diu, daz er in undervie [dem Teufel entgegenträte] / und tet ouch dem Satanât des versuochens stat Aneg 3009; Pass III 232,4. 664,46; Vät 2505. – selten mit persönl. Subj.: dâvon spricht got in dem ewangelio: di mich ezzent die hungernt noch und die di mich trinckent di durstet noch MvHeilFr 8; daz wir alsus nâchvolgen der gerehticheit in der wîsheit und nâch ir hungern und dürsten, daz wir gesetet werden, des helfe uns got Eckh 2:297,10 2 ‘jmdn. aushungern, hungern lassen’ 2.1 eigentl.: man liez dar nieman ingan, / der sie durch gut bedechte / oder in icht spise brechte, / wand man sie hungeren wolde Pass III 120,49; do erparmät die fraw den hüettern des karichers [Kerkers] , das sy sey als pald nicht hüngern wolten Schachzb 63,118. – refl. ‘nichts essen’ die fruo âzen und trunken und in der füll lebten, den geschach nihts. welhe aber sich hungerten, [...], die sturben BdN 112,13 2.2 übertr.: jmdn. ûf etw. ~ (hier Pron.-Adv.) ‘jmdn. auf etw. begierig machen’ diz hat an ummekere / got der vil getruwe / in tugentlicher nuwe / verwandelt an den jungern, / die er druf weste hungern, / daz sie di werlt durch in verkurn Pass I/II (HSW) 10662
MWB 2 1789,59; Bearbeiter: Hansen