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Behagen

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
34 in 19 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Behagen

Bd. 1, Sp. 809
Behagen, verb. reg. act. eine gewisse dunkele und dabey schwache angenehme sinnliche Empfindung erwecken, welche mehr eine dunkele, lebhafte Zufriedenheit mit seinem gegenwärtigen Zustande, als ein Vergnügen oder Wohlgefallen ist. Es wird nur unpersönlich oder in der dritten Person, mit dem Dative der Person gebraucht. Kein Trinken und kein Essen, Ja nichts hat mir behagt, Opitz. Die ihm vor so sehr behagt, Opitz. Vermeint ihr blindes Volk, daß ihr Gott wohl behagt? Opitz. Dem alles auf der Welt ergehet nach Behagen, Opitz. Mir ist nicht unbewußt, daß ihr dein Schmerz behagt, Canitz. Was unserm Fleisch am heftigsten behagt, Canitz. Und weil die Wahrheit auch den Göttern selbst behagt, Günth. Und da den Osten schon ein Kranz von Rosen schmückt, Wird jetzt die Morgenruh uns beyden wohl behagen, Wiel. So auch das Behagen, plur. car. diese dunkele angenehme Empfindung. Der Graf fand Behagen an diesem Besuche. Anm. Behagen ist von je her mit dem Dativ verbunden worden. Das mir wol behagt, heißt es bey dem Stryker; das sie den wisen wol behage, bey Winsbecken, und das im wol behage, bey einem der Schwäd. Dichter. Das Stammwort ist das alte Hug, bey dem Ottfried Hugu, im Isländ. Hugga und Hag, im Schwed. Hog und Hug, welches nicht nur das Gemüth, die Seele und deren Wirkungen, sondern auch Anmuth, Vergnügen, bedeutet. Irhugen kommt daher bey dem Ottfried für erinnern, hugulusti, für Freude, und bihugan, bey eben demselben für bemerken vor. Hugian heißt bey dem Ulphilas denken, gehygan im Angelsächsischen sich erinnern, und noch jetzt gebrauchen die Holländer Heughe und Hoge für das Gemüth. Ehedem war auch das einfache hügen für behagen üblich. Mir ist kommen ein hügender wan Vnd ein wunneklicher trost, Heinr. von Moringe. Haage heißt daher noch im Dänischen belieben, sich hägen, im Niedersächsischen, sich an etwas vergnügen, und nach etwas hagen, sich darnach sehnen. So fern Hug und Haag die Seele, und deren Vermögen zu denken und sich zu erinnern bedeutete, kommt es mit dem Hebr. הגה , meditatus est, dem Gr. ηγενμαι, und dem Latein. cogo, wofür nachmahls das Frequentativum cogito üblicher geworden, überein. Behagen ist in den gemeinen Sprecharten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes noch völlig gangbar. Es druckt eigentlich diejenige sinnliche oder dunkele Zufriedenheit mit seinem gegenwärtigen Zustande aus, welche sich durch ein sanftes Lächeln verräth, und um dieses Nebenbegriffes der Dunkelheit oder Sinnlichkeit willen hat man es vermuthlich in der edlern Schreibart veralten lassen, bis es von einigen neuern Schriftstellern wieder hervor gezogen worden. Wenn es in der philosophischen Schreibart geschiehet, wo es nothwendig ist, einen Begriff zu bezeichnen, für welchen man sonst keinen guten Nahmen hat, so ist nichts dawider einzuwenden; allein in andern Fällen sollte man damit ein wenig sparsamer seyn, indem das Behagen in seiner wahren Bedeutung sinnlichen und uncultivirten Menschen angemessener ist, als aufgeklärten. Eben dieses gilt auch von dem folgenden Behaglich und Behaglichkeit.[]
3040 Zeichen · 38 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    behagenadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +11 Parallelbelege

    behagen adj. , ursprünglich partic. frisch, freudig, stattlich. ir sît beide alsô behagen (: tragen), daʒ iu daʒ wære vi…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    behagen

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +5 Parallelbelege

    be-hagen, mit einer Hecke (einem Hagen) umgeben.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Behagen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Behagen , verb. reg. act. eine gewisse dunkele und dabey schwache angenehme sinnliche Empfindung erwecken, welche mehr e…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    behagen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    behagen 1 gefallen, zusagen; meist mit Dat der Person, mehrf ‘es behagt (jdm)’ a Empfindungen sinnl Wohlbehagens, sinnl …

  5. modern
    Dialekt
    behagen

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Wossidia behagen behagen, gefallen: 'dat behagede velen wol' Slagg. 152; 'so yd gade van hemmele hadde behaghet' 198 b ;…

  6. Sprichwörter
    Behagen

    Wander (Sprichwörter)

    Behagen 1. Das Unsere behaget dem Andern, das des Anderen behaget uns. Bei Tunnicius (376): Dat unse behaget dem anderen…

  7. Spezial
    behagen

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    behagen нравиться / понравиться, устраивать / устроить, (приходиться / прийтись) по душе, (приходиться / прийтись) по нр…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit behagen

32 Bildungen · 7 Erstglied · 23 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von behagen

be- + hagen

behagen leitet sich vom Lemma hagen ab mit Präfix be-.

behagen‑ als Erstglied (7 von 7)

behagenlich

Lexer

behag·enlich

be-hagen-lich adj. was behagt. zwei behagenlichiu cleit Ls. 2,298. 645. s. behegelich;

behagenlîche

BMZ

behagen·liche

behagenlîche , behagenlîchen adv. auf eine wohlgefällige weise. er fuor in die stat behagenlîche Parz. 18,18. behagenlîchen er eʒ ( das ros …

behagenlîchen

Lexer

behagen·lichen

be-hagen-lîche , be-hagen-lîchen adv. BMZ auf wolgefällige weise Parz. Serv. Erinn. 613. Bit. 5918. Rab. 737,6.

behagenlīche

KöblerMhd

behagenlīche , Adv. nhd. prächtig, stattlich, wohlgefällig, auf würdige Weise, auf angemessene Weise Hw.: s. behagelīche, behagenlīchen Q.: …

behagenlīchen

KöblerMhd

behagen·līchen

behagenlīchen , Adv. nhd. prächtig, stattlich, wohlgefällig, auf würdige Weise, auf angemessene Weise Hw.: s. behagenlīche Q.: Serv (um 1190…

behagen als Zweitglied (23 von 23)

wolbehagen?

KöblerMhd

*wolbehagen? , Adj. nhd. „wohlbehaglich“ E.: s. wol (2), behagen W.: nhd. DW-

Unbehagen

RDWB1

Unbehagen n (внутренний) дискомфорт, не по себе sie dachte mit ~ daran - ей было неуютно от мысли, что ...; ей было не по себе от мысли ... …

Wohlbehagen

RDWB1

Wohlbehagen n mit ~ eine Pfeife rauchen - с удовольствием закурить / раскурить / курить трубку, попыхивать трубкой

Familienbehagen

GWB

familie·n·behagen

Familienbehagen Annehmlichkeit, Wohlbefinden im Familienkreis Megara .. wird .. durch Volksübergewicht zerrüttet. Die Besitzenden, Gesittete…

mißbehagen

Pfeifer_etym

miss·behagen

miß- vornehmlich bis ins 18. Jh. (heute nur noch gelegentlich) produktives Präfix zur Bezeichnung des Verschiedenartigen, Abweichenden, Unri…

miszbehagen

DWB

miszbehagen , verb. displicere, aegre ferre. Stieler 728 ; wer ihm selbst behagt, der misbehaget gemeiniglich andern, temneris multis, si tu…

Nervenbehagen

GWB

nerven·behagen

Nervenbehagen zu ‘Nerv,Nerve’ 1b; metasprachl iS selbst erzeugter (schwärmerischer) geistig-seelischer Erregung, anstelle relig Empfindungen…

selbstbehagen

DWB

selbst·behagen

selbstbehagen , n. : er ( graf Borck ) verfährt mit einem gewissen selbstbehagen, welches dem bescheidenen ernst zuwider ist, mit welchem ma…

trennungsunbehagen

DWB

trennung·s·unbehagen

-unbehagen : heraus aus dem trennungsunbehagen, als obs mir ein eiskaltes, aufschreckendes bad gewesen wäre Kolbenheyer Ahalibama (1913) 172…

übelbehagen

DWB

uebel·behagen

übelbehagen , n. , unbehagen: in ihrem ( der Liefländer barone ) übrigens sehr guten deutsch lernte ich ein studentenwort für das übelbehage…

ümmebehāgen

MNWB

uemme·behagen

° ümmebehāgen , swv. : ringsum einhegen, „ de Lake, so nu begrepen und umme behaget is ” (Pratje Altes und Neues 9, 210).

umbehagen

Lexer

umbe·hagen

umbe-hagen swv. vallare Hrd. 190 b . dô was der Bêheime walt allenthalben umbehaget Kchr. 17002 var.

Unbehagen

Campe

unbe·hagen

Das Unbehagen , — s , o. Mz . der Mangel des Behagens, das unangenehme Gefühl da etwas nicht behaget. Vergl. das Mißbehagen . »Es überfiel i…

vollbehagen

DWB

voll·behagen

vollbehagen , n. , grösztes masz des behagens: und schwamm in vollbehagen wie zu der vorzeit tagen W. Hertz ges. dicht. 431 .

wehbehagen

DWB

weh·behagen

wehbehagen , n. bei Rückert von der liebesneigung, die bis zur qual festhält: und dasz ich so in wohl- und wehbehagen, nicht zu, nicht abwär…

wollbehagen

MeckWB

woll·behagen

Wossidia wollbehagen a. Spr. wohl gefallen; subst. wie das Vor. : 'na rade unde na wolbehaghende der selven radmanne' (1330) UB. 8, 122; 'go…

Ableitungen von behagen (2 von 2)

mißbehagen

Pfeifer_etym

miß- vornehmlich bis ins 18. Jh. (heute nur noch gelegentlich) produktives Präfix zur Bezeichnung des Verschiedenartigen, Abweichenden, Unri…

Unbehagen

Campe

Das Unbehagen , — s , o. Mz . der Mangel des Behagens, das unangenehme Gefühl da etwas nicht behaget. Vergl. das Mißbehagen . »Es überfiel i…