gärtlein,
n. zu garte, garten
hortus, mhd. gertelîn, gertel (Lexer 1, 888),
im voc. inc. teut. gertel
ortulus neben gertel
virgula (
s. das vor.) h iij
a,
und noch nhd. bes. bair. gärtel (
s. u. 1).
alem. gärtle Maaler 155
c.
nd. gardelîn
s. 3.
vgl.gärtchen. 11, 1@aa)
im eigentlichen sinne: item das pad (
ein eepad
als eigenthum eines klosters) hat auch neben sein (
sich) und hinter im ain gärtel mit ettleichen phelzern (pfälzer
apfelbaum Schm. 1, 310) und hat auch ain chlaines städel (
s.stadel) ..
in dem gärtlein.
weisth. 6, 167,
bair. vom j. 1439,
die erstere form im 17.
jh. (
wie heute noch)
bair.: der guete formme priester hatte in seinem gärtel ein wenig kraut und gelbe rueben. Reginb. Möhners
reise als feldcaplan im j. 1651
s. 73.
dazu gewürzgärtlein, küchengärtlein
u. a. Stieler 612. 1@bb)
auch ein einzelnes gartenstück in dem ganzen oder groszen garten; so deutlich im folg.: mein freund ist hinab gegangen in seinen garten, zu
den wurzgertlin, das er sich weide
unter den garten und rosen breche. Luther
hoh. lied 6, 1,
vulg. descendit in hortum suum ad
areolam aromatum, ut ibi pascatur in hortis et lilia colligat,
bei Willeram
übersetzt ze demo wurzbette,
im 12.
jahrh. aber zuo den wurzpetten 91, 11
J. Haupt, pluralisch wie bei Luther,
denn es sind die einzelnen stücke, beete gedacht, auf denen die kostbarsten kräuter gebaut werden, vergl. hoh. lied 5, 13 die wachsende wurzgertlin der apoteker Luther (
vulg. areolae aromatum consitae a pigmentariis).
ebenso bei Stieler
wenn er küchengärtlein
mit areola olitoria erklärt, das stück oder beet im garten für die küchenkräuter, noch heute auch das küchengärtchen
genannt, wie auch das blumengärtchen
im groszen garten u. ä.; areola ein bomgertelin (
area die hofstat) Schröers
voc. 6
b;
übrigens scheint auch bei den worten das er sich weide unter (
zwischen) den garten Luther
an die einzelnen stücke eines groszen gartens gedacht zu haben, vgl. den pl. gärten
für park sp. 1394. 1@cc)
blumengärtchen vorm fenster: wurzgarten im scherben, oder gärtlin von blumenwerk für den fensteren,
horti imaginarii (
Plin.). Henisch 1362;
vgl. Göthes gartenzimmer. 22)
bildlich, sinnbildlich. 2@aa)
letzteres besonders im minneleben (
vgl. unter garten
sp. 1398
fg.),
z. b.: ich kam wol in ein gärtelein, darinnen ich entschlief, mir traumet also süsze, wie mein feins lieb gegen mir lief ... Uhland
volksl. 68,
vgl. 70; het mir ein gertlein bawen von viel und grünem kle, ist mir zu frü erfroren ... 129.
besonders auch wurzgärtlein
so, gewiss zugleich im anschlusz an das im hohen liede (
s. 1,
b),
z. b.: ich zeunt mir nechten einen zaun ... wol umb ein freuntlichs wurzgertlein, darinne was freuden vil. Uhland 102,
die geliebte ist darin die frau gertnerin
das. 2@bb)
selbst des herzens gärtlein,
z. b.: in meins herzen gärtlein wächset auf ein blümelein fein ... es ist aller tugend voll ... wie es war gepflanzet fein in meins herzen gärtelein ... Hoffmann
gesellschaftsl. 87; sie (
das tugendsame weib) träget keine lose kräuter in ihres herzens gärtlein ... sondern gute kräuter als mannstreü, keüschbaum ..
Reineke Fuchs Rost. 1650
s. 328.
vgl. in seinem eignen garten gäten,
in se descendere sp. 1396. 2@cc)
wie garten II, 3,
c von ländern, nd. gârdelîn
von Deutschland in einem liede von der wahl Karls V., wo es von der franz. betheiligung an den wahlumtrieben heiszt: Frankrik het wat geseiet (
gesäet, böses) in adelars gardelin. it is noch ungemeiet: it mot all unkraut (
so) sin. Liliencron 3, 236
a.