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ungut

mnd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungut adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1040
ungut, adj. adv. , i. a. gth. v. gut. ahd. mhd. unguot; mnd. ungût; mnl. ongoet (Kilian, sonst nur subst.), nl. ongoed (veraltet). während die n. schriftspr. u. hauptsächlich als gelegenheitsbildung durch bewuszten gegensatz zu gut gewinnt und nachdenkendes sprachgefühl (Breitinger, Campe) u. (nichtgut) als zwischenbegriff zwischen gut und seinem gth. (schlecht, schlimm, böse) einschiebt, kennt die ä. spr. wie die ma. reichere begriffsentwicklung, aus der nur gelegentlich noch etwas der gemeinspr. zu gute kommt; bisweilen haftet älteres in bestimmten syntaktischen bindungen. Stieler verzeichnete u. nicht mehr, Breitinger vertheidigte es gegen einen sächsischen kunstrichter; von Adelung wird es ausdrücklich verworfen, von Heynatz in die spr. des gemeinen lebens und das oberdeutsche verwiesen; Campe widerspricht dem Adelungschen urtheil und findet das wort 'nicht schlechter als alle andere der art'. vgl. unguetsig (Staub-Tobler 2, 546), ungütig, -lich. II. adjectiv. I@11) nicht passend, unangebracht, nicht willkommen, nicht heilbringend: das nicht u. sein solte, ... das ir euch in dem nicht ubereilet Luther 2, 5b Jen.; dem unnützen und unguten (samen) J. Ruoff hebammenb. 4; so gut der tod auch ist dem, der im herren stirbt, so ungut ist er dem, der auszer ihm verdirbt A. Silesius wandersmann 4, 105 ndr., unfähig, untauglich Schmeller cimbr. wb. 189b; vom wetter, lager u. s. w. Staub-Tobler 2, 545; den unguten jahreszeiten Bodmer Milton 2, 167, dazu Breitinger fortsetzung der crit. dichtkunst 208 ff. schriftsprachlich eigentlich veraltet, doch reden wir von einer unguten stilistischen anwendung, stellung, einem unguten gebrauch u. dgl. im sinne Breitingers u. Campes, indem wir nicht eine falsche anwendung u. s. f., sondern nur eine nicht ganz passende, nichtgute, weniger gute nicht empfehlenswerthe u. ä. meinen. I@22) übelschmeckend, unschmackhaft, widrig: oliven ... die ich ... unguot und bitter fandt F. Platter 185; els. wb. 1, 249a, 1; Straszb. stud. 2, 188; Staub-Tobler 2, 545, 6 (auch von gestank, dem munde u. dgl.); ein ungutes tränklein Rosegger II 2, 352; nl. wb. 10, 1692. sonst nicht schriftsprachlich. I@33) sachlich schlecht, schlimm, böse, übel, unglimpflich: Lexer 2, 1895; theologia 89 Mandel; Arndt (1670) 156; werck Sachs 15, 357, 10 G.; vordrungen Stumpf chron. 744a (vgl. ungütlich Staub-Tobler 2, 558); ungutes beginnen Grob versuchg. 5; händel Dentzler 327b; sagen Bräker 2, 106; einen unnützen, unguten, harten satz Novalis 1, lxxxi Minor; zu 4 überleitend: eine ungute art zu lächeln Ebner-Eschenbach 4, 89, ungutes hinbrüten [] Federer berge u. menschen 313; v. geschrei, leben u. s. w. Staub - Tobler 545, 1; Lemke volkstümliches in Ostpreuszen 1, 186; engere bedeutungen wie schädlich, unrecht, unbillig, unheimlich, gefährlich u. a. haften in bestimmten bindungen (s. II, III, IV); vereinzelt u. (nicht gut-) heiszen Guarinonius 778. die n. spr. hat diese bed. i. a. aufgegeben (Novalis beleg ist gelegenheitsbildung aus einem briefe, die von Bräker, M. v. Ebner-Eschenbach und Federer sind von der ma. abhängig) und versteht u. 'weniger als schlecht, schlimm, übel, böse' Campe; eine ungute sache vertheidigen, sein betragen ist u., um es nicht schlecht zu nennen ebda. vgl. 1. I@44) persönlich-sittlich (Otfrid 4, 25, 8), mhd. unfreundlich, übelwollend, böse, schlecht, grausam; inhumanus Dentzler, ungütig; unwillig, ungünstig, unangenehm Adelung; lieblos, kalt u. dgl.: ein unguotts volck Züricher bib. (1531) Baruch 4 B (greulich Luther); seinen unguten (?) vorfahren quelle des 18. jhs. bei Heynatz antibarb. 2, 523; nicht unabhängig von der ma. (s. u.) oder familiär: jemandem im herzen recht ungut seyn Bräker 1, 253; eine reiche und ungute frau M. Meyr a. d. Ries 3, 75; gutmütig spottend: doch darob bin ich diesen hennen nicht ungut Nietzsche Zarath. 246 kr. mundartlich mannigfach abgeschattet, z. b. unwirsch, mürrisch, unverträglich, unfreigebig, schlau Staub - Tobler 2, 545 (auch ein ungutes gesicht, paar augen; ungute augen schelmenaugen ebda; ein ungutes gesicht machen Heyse nov. 4, 379, vgl. 3), ausgelassen, allzu lebhaft Unger-Khull 610b (ähnlich nütgut Staub-Tobler 4, 546), zuwider Lexer Kärnten 128 u. ä. IIII. adverb. wie I: u. beschaffen Weigand-Hirt 2, 733; den regeln der dichtkunst ... thun proben .. der art nicht u. Herder 9, 534; ungerecht Staub-Tobler 2, 546; u. luegen bestürzt drein schauen, nebes u. anluegen etwas anstaunen, u. ufluegen aufwärts starren, u. gen durchfenstern ebda (doch u. schriben fleiszig und viel schr., un IV D); weil sie u. von ihr gedacht Auerbach 7, 85; u. (auf-)nehmen wechselt mit älterem und häufigerem für u. nehmen (s. III 2, vgl. in ungutem, ungütig nehmen): Staub-T. 546; Schwabe tintenfässl 40; Lessing 3, 188, 321 (Nathan 5, 5); O. Ludwig 2, 353; Storm 4, 310; G. Keller 7, 155. IIIIII. am häufigsten erscheint u. in präpositionsverbindungen verschiedener art (s. I, II, IV); es überwiegen die verneinten (vgl.übel th. 11, 2, 19 ff., vergut, verübel u. s. w.). III@11) durch u.: 'ungerechterweise' md. b. d. Maccabäer 269 Helm; Sachs bei Wackernagel kirchenl. 3, 63, mit ungüte zusammenflieszend. vgl. 3 u. durch gut. veraltet. 2) für (vor) u. (vgl. 3; th. 12, 499, vernichtig Schm. 1, 843, bes. für gut). a) für u. haben: Keisersberg bei Martin-Lienhart 1, 249a; Achacius 262a; theatr. diab. vorr. 1; Spreng Ilias 60a; so habts mir niut für unguet Schwabe tintenfässl 132a; Lexer Kärnten 128; Schöpf 220; vgl.übel vor gut han Staub-T. 542; Hartmann volksschauspiele 18, 5. veraltet und mundartlich. b) für u. halten: städtechron. 32, 145; Fronsperger v. geschütz, vorr.; in der arca Noe ... hat keines dem andern etwas vor u. gehalten Lehman floril. 1, 285; Rädlein 984a; Kramer-Moerbeek 367b; Arnim 14, 429; Mittler volksl. 794. veraltet. c) vor u. achten: Barth weibersp. f 3b, es erkennen Biermann trewungsrede d 2, ausmessen Abr. a St. Clara mercks Wien 131; du muszt es nicht für u. deuten, dasz ich .. meinen sinn geändert C. Schlegel 2, 184 Waitz u. dgl., nicht mehr recht schriftsprachlich. d) nicht oder nichts, etwas für u. nehmen, auf-, annehmen: vor u. nemen übelnehmen Lübben - Walther 438b; und bidden darumb, dat min herre der herzoge und si mit (nit?) inwillen vur unguit nemen, dat ... städtechron. 12, 386, 30 (Köln 1463); Faber (1587) 136b; Staub-T. 545; Sallmann Estland 24; zs. f. d. unterr. 21, 573; Dedekind papista conversus B 8b; das weib ... nam sein hinzug hoch für u. auff Megiser annal. Carinthiae 673; Abr. a St. Clara mercks Wien 61; ollap. 252, 19 ndr.; es, etwas nicht f. u. nehmen als ra. des groszen haufens oder gemeinen lebens Adelung, Campe; nimm sies nur nicht [] für u. O. Ludwig 2, 345; Kröger stille welt 282; auch schriftsprachlich u. in gebildeter umgangsspr. nicht selten, meist gemütlich oder charakterisierend: Lichtenberg briefe 2, 336; Miller briefw. 2, 22; Iffland 2, 144; Aurbacher volksb. 160; Raabe hungerpastor 3, 103; G. Freytag 11, 216; G. Keller 8, 45; Lenau 405. e) nichts für (vor) ungut! vgl. niet te ondieft Wander 4, 1461, 11; tag ej illa upp! no harm! no offence! ne vous en déplaise! u. s. w. in ma. weit verbreitet, z. b. Staub-T. 545, els. 1, 249a, Castelli Österreich (1847) 260, Hartmann volksschausp. 115, Wander 1461, 12, Follmann 519b, lux. 316b, Crecelius 846, Schmidt westerw. 88, obers. 2, 599b, Leihener 88a, Brendicke 187a, Woeste 281a, Bauer-Collitz 108a u. s. w. als ra. des meisters Wunderlich von Heynatz antib. 2, 523 nur der spr. des gemeinen lebens zugestanden; Schilling bei Müller-Fraureuth 2, 599a. wie d gemütlich oder charakterisierend, oft in ganz oder halb mundartlicher formgebung: nichts vor ungut. ich musz im reden und schreiben bleiben, wie ich bin Mozart bei O. Jahn 3, 501; Klinger 2, 48; Tieck 3, 13; O. Ludwig 2, 10; Storm 2, 82; Fontane I 5, 75; vorausgehendes (Bettine dies buch 1, 189) oder folgendes (Schiller 13, 418; Spielhacen 1, 44; vgl. das apologische sprichwort) entschuldigend. mit abhängigem satz: nichts vor u., dasz Holtei Lammfell (1862) 5, 54. formel der entschuldigung bes. beim abschied, womit man sich die nachsicht für frei gesprochenes oder gethanes erbittet, Staub-Tobler 545; obers. 2, 599a; adieu, herr vetter, nichts f. u. Castelli 10, 54; G. Keller 5, 163. beliebt im eingang apologischer sprichwörter: Wander 4, 1460 f. 'ohne rücksicht': Bäbi g'schirrete mit allen aus nicht f. u. Gotthelf bei Staub-T. 545. 3) in ungut, ungutem, unguten (ungüt, ungüten, vgl. in gut u. s. w.): richten in ungut injuste Sachs 1, 311, 11 K.; auszerhalb rechtens in ungut nichts fürnehmen (1471) quelle bei Haltaus 1943, vi armata abstinere; wöllet nicht in ungutt annemen, das Carlstadt bei Luther 15, 335 W.; in ungut haben Ayrer proc. 2, 3, vgl. 2; der mit keinem menschen etwas in ungut zu thun hatte Binhardus thüring. chron. 293, häufiger in unguten (lehnsurk. Schles. 1, 442; G. v. Berlichingen 46, 103 B.; Ayrer proc. 189) oder ungutem (relatio ex Parnasso 5; Ayrer proc. 2, 7; Buchholtz Herkuliskus 692) mit einem etwas zu schaffen, schicken, thun haben; in unguten in böser absicht, tückisch Unger - Khull 610b; Haltaus 1943; in ungutem aufnehmen, melden, haben, ausdeuten, vermerken (Breitinger crit. dichtk. 2, 56; 'in der niedrigen sprechart' Adelung), gedenken (des kaisers nicht in ungutem zu gedenken Ranke 4, 325 im anschlusz an d. quelle), in keinem unguten verdenken Winkelmann Oldenb. friedenshandlungen 205a. in umgelauteten formen mit ungüte, f., zusammenflieszend (Sachs 2, 128, 14 K.; 12, 411, 27 K.; 16, 267, 4 G.; Mathesius 2, 86, 6; acta publ. 2, 82 Palm). 4) mit ungute, ungut, ungüt, ungüten: mit gute ... mit ungute gehorsam seyn Luther 19, 198, 34 W.; Schweinichen 61; Haltaus 1943; mit ungut (gs. mit fridt) lassen Ayrer 28, 30 Keller; 362, 8 K.; zerschlagen mit unguten Sachs 18, 217, 6; 348, 31; 15, 221, 28 G. 5) zu ungut, ungute, ungutem, zum unguten: mhd. wb. 1, 590b; im zu ungut 'zum eignen schaden' meisterliederhs. 23, 250; das sich czu ungute czoge (1453), womit ich euch zu nahe träte, acten d. ständetage Preuszens 4, 5; städtechron. 16, 55, 23; zu ungutem erschieszen Parac. 1, 787 b; zu ungut kommen Aymon (1535) c 1a, G. v. Berlichingen 108 B.; mnl. tongoede wb. 5, 762; te ungude kumen unbenutzt zu grunde gehen, von speiseresten Bauer-Collitz 108a; z' unguten geraten miszrathen Staub-T. 545; zu ungutem gedenken Boner Justin. 24b; zum unguten auszlegen, verungütigen Schöpper; Lehman 1, 360, rechnen Amadis 1, 243 K.; vgl. zum unbesten, nl. ten ongoede, Lexer 2, 1895. IVIV. substantivierung, soweit sie nicht schon bei III berücksichtigt ist: der Unguot, ein ritter, weist. 4, 146; die unguten, missethäter Zwingli d. schr. 1, 56; ein unguot, der sich mit anderen nicht vertragen kann Lexer Kärnten [] 128 (vgl. nitguet taugenichts els. 1, 249b); unguot oder schaden paraclesis c 1b; Haltaus 1943; wie ... zu unschönem ungutes sich geselle Voss antisymb. 1, 179; etwas ungutes, böses, unheimliches, gefährliches Staub-Tobler 2, 545 (Gotthelf geld u. geist2 108); ungôd unzeug, ungeziefer Doornkaat-K. 3, 471b; Molema 303b. individuelle bildung: das waldbauerngut, das oft mehr u. als gut gewesen war Rosegger wildlinge 209 (vgl. unheimetli geringes bauerngut. Staub-T. 2, 1284). —
11415 Zeichen · 342 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ungûtadj.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    ungût , ° ungôt (Könemann 315), adj. (flekt. -d- ): böse, schlimm, „ Abymelech de irslok ... sine broder. Daz was eyn mo…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungut

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Ungut , adj. et adv. welches eigentlich der Gegensatz von gut ist, aber nur noch in einigen Fällen der siebenten figürli…

  3. modern
    Dialekt
    ungutadj.

    Lothringisches Wb. · +2 Parallelbelege

    ElsWB PfWB RhWB un-gut [ugùt fast allg.; ogout D. Si. ] adj. in der Rda.: nix fa(r) u. Entschuldigung wenn man jd. etw…

  4. Sprichwörter
    Ungut

    Wander (Sprichwörter)

    Ungut 1. Nichts für ungut, sagt Karoline 1 , und zog dem Prüss den Stuhl unter den Füssen weg. – Kladderadatsch, 1866, N…

  5. Spezial
    ungut

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|gut adj. 1 (schlecht) ri (ri, ria), burt (burc, -a), riat (riac, -a) 2 (unangenehm) desplajor (-s, -a), unert (-rc, -…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungut

11 Bildungen · 9 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungut

un- + gut

ungut leitet sich vom Lemma gut ab mit Präfix un-.

ungut‑ als Erstglied (9 von 9)

ungutheit

DWB

ungut·heit

ungutheit , f. : ungüetheit von mangelhafter beschaffenheit der ware niederöst. weist. 3, 801, 15. —

ungutmütig

DWB

ungut·muetig

ungutmütig , adj. adv. , gth. v. gutmütig. Campe : des alten königs nicht ungutmüthige schwäche Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 221 ; mensche…

Ungutwillig

Campe

ungut·willig

Ungutwillig , adj . u. adv . nicht gutmüthig, nicht gutthätig, nicht gutwillig. Davon die — keit .

ungut als Zweitglied (2 von 2)

Kommungut

GWB

Kommungut wie Kommunenfleck sind die Beschockungs-Quanta der steuerbaren Kommun-Güter auf die Hälfte zu moderieren A(FfA I 26,800,20) CarlAu…

Neungut

DRW

neun·gut

Neungut, n. Gut, von dem das Neunteil entrichtet werden muß die underthanen der grafschafft R. seindt jairlichs von iren gütteren ... die na…