ungut,
adj. adv. ,
i. a. gth. v. gut.
ahd. mhd. unguot;
mnd. ungût;
mnl. ongoet (Kilian,
sonst nur subst.),
nl. ongoed (
veraltet).
während die n. schriftspr. u.
hauptsächlich als gelegenheitsbildung durch bewuszten gegensatz zu gut
gewinnt und nachdenkendes sprachgefühl (Breitinger, Campe) u. (
nichtgut)
als zwischenbegriff zwischen gut
und seinem gth. (
schlecht, schlimm, böse)
einschiebt, kennt die ä. spr. wie die ma. reichere begriffsentwicklung, aus der nur gelegentlich noch etwas der gemeinspr. zu gute kommt; bisweilen haftet älteres in bestimmten syntaktischen bindungen. Stieler
verzeichnete u.
nicht mehr, Breitinger
vertheidigte es gegen einen sächsischen kunstrichter; von Adelung
wird es ausdrücklich verworfen, von Heynatz
in die spr. des gemeinen lebens und das oberdeutsche verwiesen; Campe
widerspricht dem Adelung
schen urtheil und findet das wort '
nicht schlechter als alle andere der art'.
vgl. unguetsig (Staub-Tobler 2, 546), ungütig, -lich. II.
adjectiv. I@11)
nicht passend, unangebracht, nicht willkommen, nicht heilbringend: das nicht u. sein solte, ... das ir euch in dem nicht ubereilet Luther 2, 5
b Jen.; dem unnützen und unguten (
samen) J. Ruoff
hebammenb. 4; so gut der tod auch ist dem, der im herren stirbt, so ungut ist er dem, der auszer ihm verdirbt A. Silesius
wandersmann 4, 105
ndr., unfähig, untauglich Schmeller
cimbr. wb. 189
b;
vom wetter, lager u. s. w. Staub-Tobler 2, 545; den unguten jahreszeiten Bodmer
Milton 2, 167,
dazu Breitinger
fortsetzung der crit. dichtkunst 208
ff. schriftsprachlich eigentlich veraltet, doch reden wir von einer unguten stilistischen anwendung, stellung, einem unguten gebrauch
u. dgl. im sinne Breitingers
u. Campes,
indem wir nicht eine falsche anwendung u. s. f., sondern nur eine nicht ganz passende, nichtgute, weniger gute nicht empfehlenswerthe u. ä. meinen. I@22)
übelschmeckend, unschmackhaft, widrig: oliven ... die ich ... unguot und bitter fandt
F. Platter 185;
els. wb. 1, 249
a, 1;
Straszb. stud. 2, 188; Staub-Tobler 2, 545, 6 (
auch von gestank, dem munde u. dgl.); ein ungutes tränklein Rosegger II 2, 352;
nl. wb. 10, 1692.
sonst nicht schriftsprachlich. I@33)
sachlich schlecht, schlimm, böse, übel, unglimpflich: Lexer 2, 1895;
theologia 89
Mandel; Arndt (1670) 156; werck Sachs 15, 357, 10
G.; vordrungen Stumpf
chron. 744
a (
vgl. ungütlich Staub-Tobler 2, 558); ungutes beginnen Grob
versuchg. 5; händel Dentzler 327
b; sagen Bräker 2, 106; einen unnützen, unguten, harten satz Novalis 1, lxxxi
Minor; zu 4
überleitend: eine ungute art zu lächeln Ebner-Eschenbach 4, 89, ungutes hinbrüten
[] Federer
berge u. menschen 313;
v. geschrei, leben u. s. w. Staub - Tobler 545, 1; Lemke
volkstümliches in Ostpreuszen 1, 186;
engere bedeutungen wie schädlich, unrecht, unbillig, unheimlich, gefährlich u. a. haften in bestimmten bindungen (
s. II, III, IV);
vereinzelt u. (
nicht gut-) heiszen Guarinonius 778.
die n. spr. hat diese bed. i. a. aufgegeben (Novalis
beleg ist gelegenheitsbildung aus einem briefe, die von Bräker,
M. v. Ebner-Eschenbach
und Federer
sind von der ma. abhängig)
und versteht u. '
weniger als schlecht, schlimm, übel, böse' Campe; eine ungute sache vertheidigen, sein betragen ist u., um es nicht schlecht zu nennen
ebda. vgl. 1. I@44)
persönlich-sittlich (Otfrid 4, 25, 8),
mhd. unfreundlich, übelwollend, böse, schlecht, grausam; inhumanus Dentzler,
ungütig; unwillig, ungünstig, unangenehm Adelung;
lieblos, kalt u. dgl.: ein unguotts volck
Züricher bib. (1531)
Baruch 4
B (greulich Luther); seinen unguten (?) vorfahren
quelle des 18.
jhs. bei Heynatz
antibarb. 2, 523;
nicht unabhängig von der ma. (
s. u.)
oder familiär: jemandem im herzen recht ungut seyn Bräker 1, 253; eine reiche und ungute frau
M. Meyr
a. d. Ries 3, 75;
gutmütig spottend: doch darob bin ich diesen hennen nicht ungut Nietzsche
Zarath. 246
kr. mundartlich mannigfach abgeschattet, z. b. unwirsch, mürrisch, unverträglich, unfreigebig, schlau Staub - Tobler 2, 545 (
auch ein ungutes gesicht, paar augen; ungute augen
schelmenaugen ebda; ein ungutes gesicht machen Heyse
nov. 4, 379,
vgl. 3),
ausgelassen, allzu lebhaft Unger-Khull 610
b (
ähnlich nütgut Staub-Tobler 4, 546),
zuwider Lexer
Kärnten 128
u. ä. IIII.
adverb. wie I: u. beschaffen Weigand-Hirt 2, 733; den regeln der dichtkunst ... thun proben .. der art nicht u. Herder 9, 534;
ungerecht Staub-Tobler 2, 546; u. luegen
bestürzt drein schauen, nebes u. anluegen
etwas anstaunen, u. ufluegen
aufwärts starren, u. gen
durchfenstern ebda (
doch u. schriben
fleiszig und viel schr., un IV D); weil sie u. von ihr gedacht Auerbach 7, 85; u. (auf-)nehmen
wechselt mit älterem und häufigerem für u. nehmen (
s. III 2,
vgl. in ungutem, ungütig nehmen): Staub-T. 546; Schwabe
tintenfässl 40; Lessing 3, 188, 321 (
Nathan 5, 5); O. Ludwig 2, 353; Storm 4, 310; G. Keller 7, 155. IIIIII.
am häufigsten erscheint u.
in präpositionsverbindungen verschiedener art (
s. I, II, IV);
es überwiegen die verneinten (
vgl.übel
th. 11, 2, 19
ff., vergut, verübel
u. s. w.). III@11)
durch u.: '
ungerechterweise'
md. b. d. Maccabäer 269
Helm; Sachs
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 63,
mit ungüte
zusammenflieszend. vgl. 3
u. durch gut.
veraltet. 2)
für (vor) u. (
vgl. 3;
th. 12, 499, vernichtig Schm. 1, 843,
bes. für gut). a)
für u.
haben: Keisersberg
bei Martin-Lienhart 1, 249
a; Achacius 262
a;
theatr. diab. vorr. 1; Spreng
Ilias 60
a; so habts mir niut für unguet Schwabe
tintenfässl 132
a; Lexer
Kärnten 128; Schöpf 220;
vgl.übel vor gut han Staub-T. 542; Hartmann
volksschauspiele 18, 5.
veraltet und mundartlich. b)
für u. halten: städtechron. 32, 145; Fronsperger
v. geschütz, vorr.; in der arca Noe ... hat keines dem andern etwas vor u. gehalten Lehman
floril. 1, 285; Rädlein 984
a; Kramer-Moerbeek 367
b; Arnim 14, 429; Mittler
volksl. 794.
veraltet. c)
vor u. achten: Barth
weibersp. f 3
b, es erkennen Biermann
trewungsrede d 2, ausmessen Abr. a St. Clara
mercks Wien 131; du muszt es nicht für u. deuten, dasz ich .. meinen sinn geändert C. Schlegel 2, 184
Waitz u. dgl., nicht mehr recht schriftsprachlich. d)
nicht oder nichts, etwas für u. nehmen, auf-, annehmen: vor u. nemen
übelnehmen Lübben - Walther 438
b; und bidden darumb, dat min herre der herzoge und si mit (nit?) inwillen vur unguit nemen, dat ...
städtechron. 12, 386, 30 (
Köln 1463); Faber (1587) 136
b; Staub-T. 545; Sallmann
Estland 24;
zs. f. d. unterr. 21, 573; Dedekind
papista conversus B 8
b; das weib ... nam sein hinzug hoch für u. auff Megiser
annal. Carinthiae 673; Abr. a St. Clara
mercks Wien 61;
ollap. 252, 19
ndr.; es, etwas nicht
f. u. nehmen
als ra. des groszen haufens oder gemeinen lebens Adelung, Campe; nimm sies nur nicht
[] für u. O. Ludwig 2, 345; Kröger
stille welt 282;
auch schriftsprachlich u. in gebildeter umgangsspr. nicht selten, meist gemütlich oder charakterisierend: Lichtenberg
briefe 2, 336; Miller
briefw. 2, 22; Iffland 2, 144; Aurbacher
volksb. 160; Raabe
hungerpastor 3, 103; G. Freytag 11, 216; G. Keller 8, 45; Lenau 405. e)
nichts für (vor)
ungut! vgl. niet te ondieft Wander 4, 1461, 11; tag ej illa upp! no harm! no offence! ne vous en déplaise!
u. s. w. in ma. weit verbreitet, z. b. Staub-T. 545,
els. 1, 249
a, Castelli
Österreich (1847) 260, Hartmann
volksschausp. 115, Wander 1461, 12, Follmann 519
b,
lux. 316
b, Crecelius 846, Schmidt
westerw. 88,
obers. 2, 599
b, Leihener 88
a, Brendicke 187
a, Woeste 281
a, Bauer-Collitz 108
a u. s. w. als ra. des meisters Wunderlich von Heynatz
antib. 2, 523
nur der spr. des gemeinen lebens zugestanden; Schilling
bei Müller-Fraureuth 2, 599
a.
wie d
gemütlich oder charakterisierend, oft in ganz oder halb mundartlicher formgebung: nichts vor ungut. ich musz im reden und schreiben bleiben, wie ich bin Mozart
bei O. Jahn 3, 501; Klinger 2, 48; Tieck 3, 13; O. Ludwig 2, 10; Storm 2, 82; Fontane I 5, 75;
vorausgehendes (Bettine
dies buch 1, 189)
oder folgendes (Schiller 13, 418; Spielhacen 1, 44;
vgl. das apologische sprichwort)
entschuldigend. mit abhängigem satz: nichts vor u., dasz Holtei
Lammfell (1862) 5, 54.
formel der entschuldigung bes. beim abschied, womit man sich die nachsicht für frei gesprochenes oder gethanes erbittet, Staub-Tobler 545;
obers. 2, 599
a; adieu, herr vetter, nichts
f. u. Castelli 10, 54; G. Keller 5, 163.
beliebt im eingang apologischer sprichwörter: Wander 4, 1460
f. '
ohne rücksicht': Bäbi g'schirrete mit allen aus nicht
f. u. Gotthelf
bei Staub-T. 545. 3)
in ungut, ungutem, unguten (ungüt, ungüten,
vgl. in gut
u. s. w.): richten in ungut
injuste Sachs 1, 311, 11
K.; auszerhalb rechtens in ungut nichts fürnehmen (1471)
quelle bei Haltaus 1943,
vi armata abstinere; wöllet nicht in ungutt annemen, das Carlstadt
bei Luther 15, 335
W.; in ungut haben Ayrer
proc. 2, 3,
vgl. 2; der mit keinem menschen etwas in ungut zu thun hatte Binhardus
thüring. chron. 293,
häufiger in unguten (
lehnsurk. Schles. 1, 442; G. v. Berlichingen 46, 103
B.; Ayrer
proc. 189)
oder ungutem (
relatio ex Parnasso 5; Ayrer
proc. 2, 7; Buchholtz
Herkuliskus 692) mit einem etwas zu schaffen, schicken, thun haben; in unguten
in böser absicht, tückisch Unger - Khull 610
b; Haltaus 1943; in ungutem aufnehmen, melden, haben, ausdeuten, vermerken (Breitinger
crit. dichtk. 2, 56; '
in der niedrigen sprechart' Adelung), gedenken (des kaisers nicht in ungutem zu gedenken Ranke 4, 325
im anschlusz an d. quelle), in keinem unguten verdenken Winkelmann
Oldenb. friedenshandlungen 205
a.
in umgelauteten formen mit ungüte,
f., zusammenflieszend (Sachs 2, 128, 14
K.; 12, 411, 27
K.; 16, 267, 4
G.; Mathesius 2, 86, 6;
acta publ. 2, 82
Palm). 4)
mit ungute, ungut, ungüt, ungüten: mit gute ... mit ungute gehorsam seyn Luther 19, 198, 34
W.; Schweinichen 61; Haltaus 1943; mit ungut (
gs. mit fridt) lassen Ayrer 28, 30
Keller; 362, 8
K.; zerschlagen mit unguten Sachs 18, 217, 6; 348, 31; 15, 221, 28
G. 5)
zu ungut, ungute, ungutem, zum unguten:
mhd. wb. 1, 590
b; im zu ungut '
zum eignen schaden'
meisterliederhs. 23, 250; das sich czu ungute czoge (1453),
womit ich euch zu nahe träte, acten d. ständetage Preuszens 4, 5;
städtechron. 16, 55, 23; zu ungutem erschieszen Parac. 1, 787 b; zu ungut kommen
Aymon (1535) c 1
a, G. v. Berlichingen 108
B.; mnl. tongoede
wb. 5, 762; te ungude kumen
unbenutzt zu grunde gehen, von speiseresten Bauer-Collitz 108
a; z' unguten geraten
miszrathen Staub-T. 545; zu ungutem gedenken Boner
Justin. 24
b; zum unguten auszlegen, verungütigen Schöpper; Lehman 1, 360, rechnen
Amadis 1, 243
K.; vgl. zum unbesten,
nl. ten ongoede, Lexer 2, 1895. IVIV.
substantivierung, soweit sie nicht schon bei III
berücksichtigt ist: der Unguot,
ein ritter, weist. 4, 146; die unguten,
missethäter Zwingli
d. schr. 1, 56; ein unguot,
der sich mit anderen nicht vertragen kann Lexer
Kärnten [] 128 (
vgl. nitguet
taugenichts els. 1, 249
b); unguot oder schaden
paraclesis c 1
b; Haltaus 1943; wie ... zu unschönem ungutes sich geselle Voss
antisymb. 1, 179; etwas ungutes,
böses, unheimliches, gefährliches Staub-Tobler 2, 545 (Gotthelf
geld u. geist2 108); ungôd
unzeug, ungeziefer Doornkaat-K. 3, 471
b; Molema 303
b.
individuelle bildung: das waldbauerngut, das oft mehr u. als gut gewesen war Rosegger
wildlinge 209 (
vgl. unheimetli
geringes bauerngut. Staub-T. 2, 1284). —