verbrennen,
verb. durch feuer zu grunde richten, zu grunde gehen. 11)
in unserm heutigen verbrennen
sind zwei verba, das schwach flectierte verbrennen
und das starke verbrinnen
zusammengefallen; das ahd. scheidet noch streng beide bedeutungen durch die form: farbrinnan,
uri Graff 3, 306, farbrennan,
comburere 3, 308;
im mhd. besteht die scheidung (
vgl. Lexer 3, 82),
im mitteld. nimmt schon früh die schwache form intransitive bedeutung an: wande sî virbranten gar zû koln.
passional 312, 40
Hahn; zwischen zwên bolen în vîl sie. dô verbrant sie tôt.
livländ. reimchron. 8727
Meyer; unde
in demselben füer so vorbrante das barfuszen clostir. J. Rothe 469;
belege für den umgekehrten fall s. unter verbrinnen.
im nhd. verdrängen die schwachen formen die starken immer mehr, die heutige sprache kennt nur noch das schwache zeitwort. das praeteritum zeigt umlaut neben rückumlaut, so schon ahd. ferbrennita
neben ferbranta, ferbranda Graff 3, 308;
mhd. wird die letztgenannte form bevorzugt, so besonders auch in den städtechroniken aus der zeit des übergangs ins nhd. (Königshoven
städtechr. 9, 861, 11. 9, 764, 9
u. s. w.);
nhd. hat Luther verbrand, verbrandte (2
Macc. 12, 6. 12, 9),
daneben ist die nicht umgelautete form in der ältern sprache nicht selten: Jericho, die stat, er bezwang, Ay, die stat, er auch verbrent, gewan, zerschlaifft, das volck zertrent. H. Sachs 1, 49 (1, 211, 15
Keller),
ähnlich 1, 50 (1, 215, 25
Keller). 1, 53 (1, 227, 1
Keller)
u. s. w. Fischart
groszm. 12
neudruck. Schuppius 135.
daneben dringt die form mit rückumlaut immer weiter vor, sie ist in der heutigen schriftsprache die allein übliche. im conjunctiv setzt Luther
den umlaut: nahet sich zur thür des thurns, das er jn mit fewr verbrente.
richter 9, 52;
in älterer zeit auch mit rückumlaut: wer dis gelt also by in liesze und es wider von in neme oder verbrante .. der bessert sime herren .. 20 mark.
städtechron. 9, 998 (
Straszburg).
doppelformen auch im partic. praet., so schon ahd. ferbrennet
neben firpranter Graff
a. a. o.,
mhd. verbrennet, verbrant;
nhd. herscht schwanken: Luther verbrend 6, 76
a, verbrand 4, 72
b; Fischart verbrennt
bienenk. 35,
dicht. 1, 211, 3117
Kurz, groszm. 6
neudr., verbrannt
bienenk. 60; Grimmelshausen verbrendt 3, 24, 4, verbrandt 2, 181, 14.
die umgelautete form gebrauchen z. b. Brant
narr. (13) 79. (82) 29. Th. Platter 12
Fechter. H. Sachs 1, 60 (1, 255, 5
Keller). Opitz 2, 290. Schuppius 761, 158;
in späterer zeit z. b. Frisch 1, 134
c. Steinbach 1, 183.
die form mit rückumlaut ist seit mitte des vorigen jahrh. die schriftgemäsze, aber die mundarten haben die form verbrennt
gewahrt, z. b. in Mitteldeutschland und nd. Frischbier 2, 428. Schütze 4, 301;
wenn Stolberg 11, 265
oder Bürger 122
b die form mit umlaut bringen, so klingt es heute ungewöhnlich. bei der eingetretenen verwirrung des starken mit dem schwachen zeitworte ist aber nicht immer möglich zu bestimmen, ob ein solches partic. dem transitiven oder intransitiven verbum zuzusprechen ist. 22)
transitiv, durch feuer gänzlich vernichten: verbrennen, verprennen,
adurere Dief. 15
a;
nhd. cremo, concremo, ich verbrenn Dasyp. 44; verbrennen,
in cinerem vertere 258;
conflagrare, deflagrare 308
b. 2@aa)
ohne weitere nebenbedeutung, von brennbaren gegenständen: ahd. thaʒ er iʒ (
das korn) filu garauuo in sinu gadum samano, ioh thiu spriu thanne, in fiure firbrenne. Otfrid 1, 27, 68;
mhd. so daʒ man Benevente die stat gar virbrente.
pass. 293, 23
Hahn; nhd. verlemet jre ross und verbrant jre wagen.
Jos. 11, 9; und zoch wider die so seine brüder ermordet hatten und zündet bei nacht den port an, und verbrand die schiff alle. 2
Macc. 12, 16; darumb fiel er auch bei nacht zu jnen ein und verbrandte jnen den port und alle schiff. 9; und wo das were, warzu were die heilige schrifft not odder nucze? lasset sie uns verbrennen und benugen an den ungelereten heren zu Rom.
adel d. nat. 12
neudruck; im sommer würd nichts hitziger sein, dann das fewr und darff die schaubenhüt verbrennen, wann man das fewr darmit anmacht. Fischart
groszm. 5
neudruck; als die fraw den beltz verbrant. 17
neudruck; da sagte ich weiter: haben euch nicht vor ungefähr 18 jahren die reuter euer hausz und hof geplündert und verbrant?
Simplic. 2, 36, 24
Kurz; last uns solchen (
salbeistock) mit der wurtzel .. aus dem grund reuten, damit man selbigen verbrennen möge. 2, 307, 8; aber da vermogte er nit mehr, wan nach und nach ein baar körnlein (
pulver) zu verbrennen. 2, 188, 27; umsonst ergriff der sternkundige Meton die brennenden fackeln, verbrannte im heiligen unsinne sein haus. Lessing 2, 466; ich musz allemal lächeln, wenn ich unter den beichten, die sich busenfreunde, wie wir, in einer geheimen korrespondenz nur unter vier augen abzulegen glauben, die bitte lese, sie sogleich zu verbrennen. Thümmel 4, 211; diese letztern (
die Franzosen) als sie die oberhand behielten, verbrannten mehrere häuser vor der stadt. Göthe 43, 147; korn und wyn halttens hinder sich und anders, das sie werden rich und machen selber jnn ein dür, bisz das der tunder kumbt mit für, so würt verbrent dann korn und schür. Brant
narrenschiff 82, 25; ein schelm darf dir din fenster brechen, hinderwert in mantel stechen, etwas stelen und verbrennen und in der nacht von dannen rennen. Murner
narrenb. 60, 29
Gödeke; o wie hat mich peinigt der hunger, wann sie versperrt mir den brotkalter! lasz mir auch offt darzu den psalter, als ob ich het ein dorff verbrend. H. Sachs 1, 481 (5, 63, 8
Keller); nun hätt er gewiss die schiffe verbrennet. Stolberg 11, 265;
part. praet. mit adjectivischer bedeutung: unter anderm spricht er, habe der
M. Crassus, als Rom mit pest und feur verderbt worden, die schon verbrante oder nahend verbrandte ort oder gebäu gekaufft. Schuppius 761;
das, wodurch etwas verbrannt wird, ist durch präpositionen beigefügt: uberrede deinen man, das er uns sage das retzel oder wir werden dich und deines vaters haus mit fewr verbrennen.
richter 14, 15;
vom höllischen feuer: in desselbigen hand ist die wurffschauffel und er wird seine tennen fegen, und wird den weitzen in seine scheuren samlen, und die spreu wird er mit ewigem feuer verbrennen.
Luc. 3, 17;
von menschen und thieren: das fewr gottes fiel vom himmel und verbrand schaf und knaben und verzehret sie.
Hiob 1, 16;
in anlehnung an diese stelle: bald darauff war das feuer vom himmel herabgefallen und hatte ihm alle seine schaafe und knaben verbrennet. Schuppius 158. 2@bb) verbrennen
als opfer: altar, altar, so spricht der herr, .. sihe es wird ein son dem hause David geborn werden, mit namen Josia, der wird auff dir opffern die priester der höhe, die auff dir reuchern und wird menschenbein auff dir verbrennen. 1
kön. 13, 2;
part. praet. mit substantiver bedeutung: darunter (
unter den opfern) waren etlich die hieszen holocausta, das ist auf deutsch die gantz vorbranten. Luther
jub.-ausg. 1, 194, 23. 2@cc) verbrennen
als beschimpfung und strafe, bücher und schriften, besonders solche ketzerischen inhalts vernichten: er wolle in nit absolviren, er sage im dann zue, das er Martinus bucher alle verbrennen wolle. Kolde
Friedr. d. weise 46; er ist guot bäpstlich, hat derhalben doctor Luthers bücher verbrennen laszen. Schade
sat. u. pasqu. 2, 13, 24; wo ich einiges irthumbs uberweiset würde, so wolte ich alles widerruffen, und der erste sein, der meine büchlin ins fewr werffen, verbrennen und mit füszen treten wolte. Luther 1, 497
b; propositiones .. welche doch indes auff mancherlei weise, von den papisten zurissen, verdampt und verbrand worden. 1, 487; (
der gesetzlose mensch hat) sich nicht geschewet noch entsetzt, die decret und gesetze der allerheiligsten veter, und die geistlichen canones und recht mit einem offen fewer zu verbrennen. 2, 286; und müszt alsdann dr. Luther recht gethan haben, da er das decretenbuch offentlich verbrante. Fischart
bienenk. 30; nur tapffer die heilige schrifft veracht, verdammt, verbotten und verbrent. 35; wir könnten die vier evangelisten aufs maul schlagen, lieszen unser buch durch den schinder verbrennen und so giengs reiszend ab. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 41 (
räuber 1, 2); abgötter in dem tempel sthendt, das gsetzbuch gottes ist verbrendt. H. Sachs 3, 1, 163 (11, 103, 15
Keller); Johann den teuffer tödten liesz, die bücher er verbrennen hiesz. Wackernagel
kirchenl. 3, 151, 4; menschen verbrennen
als strafe für missethäter, z. b. brandstifter, falschmünzer oder ketzer: mhd. do det man stellen noch den knechten (
d. i. falschmünzern), also wurdent ir drige gefangen und verbrant. Königshoven 2, 756, 12 (
städtechr. 9); und derumb wurdent die juden verbrant von dem mer untz in dütsche lant. 2, 760, 9;
nhd. der bapst mit seinen bischoven werden gewunnen schreien, wenn sie uns .. gnug verfolget, gemartert, verbrennet und umbbracht haben. Luther 4, 139; und man schurt das fewr im ofen so seer, das die menner so den Sadrach, Mesach und Abed Nego verbrennen solten, verdorben.
Dan. 3, 22; hetten mögen liden, der Zwinglin were verbrend gesin. Th. Platter 45
Fechter; derhalben auch niemand frembd nemmen soll, dasz die heil. kirch die ketzer laszt verbrennen. Fischart
bienenk. 56
b; ausz diesem grund werden sie als verdampte ketzer .. ermordt und verbrant. 60; man hat inen wol eingetrengt, dan an statt des disputierens wurden sie beide an einem stock und pfal verprent. 12
b; täglich richtet man die mörder ... köpfft todschläger, verbrennet zauberer, strafft meineidige und verjaget aufrührer.
Simpl. 2, 112, 27
Kurz; er wart vol zorn von stunden, gedacht sie zu verbrennen. Wackernagel
kirchenl. 3, 44; die menschen er (
der papst) verbrennet, vil übels er erlaubt. 3, 78; und darnach aber in verbrendt in der rot glüenden rostpfannen. H. Sachs 3, 1, 164 (11, 108, 16
Keller); bringt schwefel, pech, laszt ihn zergliedern und verbrennen. Lohenstein
Agripp. 4, 281; thut nichts! der jude wird verbrannt .. ja wär allein schon dieser wegen werth, dreimal verbrannt zu werden! Lessing 2, 303; sie ward, wie männiglich bekannt, nach vielen abenteuern, zuletzt elendiglich verbrannt zu Ingolstadt in Bayern. Hölty 107
Voss; vom feuer der hölle: alle die davon (
von der katholischen religion) abweichen, müssen wie die dörresten holtzwellen in der hellischen flamm verprant werden. Fischart
bienenk. 10
a; der koch Philipp sei das jubelgeschrei der hölle, wenn ein undankbarer verbrannt wird. Tieck 5, 230. 2@dd) verbrennen
als bestattung der todten: es ist alles hergangen aus dem glauben, wie auch dis begrebnis, welches als ich halte, aus der heiligen schrifft herkomen ist, denn die heiden sonderlich die Römer haben jre todten verbrand. Luther 4, 129
b; den leib oder cörper verbrennen,
corpus igni abolere Maaler 415
c; hier wollte man verbrennen berühmter helden leib. Opitz 1, 62. 2@ee)
das mittel, wodurch die verbrennung stattfindet, durch mit
beigefügt: und welcher erfunden wird im bann, den sol man mit fewr verbrennen mit allem das er hat.
Jos. 7, 15; Abi Melech .. nahet sich zur thür des thurns, das er jn mit fewr verbrente.
richter 9, 52; wir werden dich und deines vaters haus mit fewr verbrennen. 14, 15; darumb haben etliche geschrieben ... das Maran Abrahams bruder in dem lande gestorben sei umb des glaubens willen und mit fewer verbrand. Luther 4, 72
b;
der zustand, in den etwas durch verbrennung versetzt wird, ist mit zu
beigefügt: wenn wir ihn gleich hetten zu asschen verbrant, mit allem das er hat und vermag. 6, 12
b; das ein mensch elendiglich dahin stirbt, zu pulver verbrend (
part.), ins wasser geworffen. 6, 76. 33)
der begriff des vollständigen vernichtens tritt zurück, die schwächere bedeutung '
durch feuer beschädigen'
tritt hervor. 3@aa) hinder dem offen, in der glüenden kachel, da man die füsz verbrennt. Fischart
groszm. 16
neudruck; das maul verbrennen,
os calidiori cibo sive fervente jusculo laedere. Frisch 1, 134; er kostete aus den kochenden töpfen und verbrannte sich das maul. H. Heine 2, 96; er (
der teufel) darff wol nicht mehr treiben können sein handwerck und sein brod gewinnen, weil jm die hend sind gar verbrend. Fischart
dicht. 1, 211, 3115
Kurz; trotz allem ungeheuer, wenn gott erretten wil! dort ist das wilde feuer den dreien männern still, und kan kein haar verbrennen. S.
Dach 943
Öst.; (
die motte) durch ihre unschuld selbst betrogen, umtaumelt sie das licht in immer kleinern bogen und plötzlich ach! verbrennt sie ihre flügel dran. Wieland
Oberon 6, 33;
das part. praet. von durch feuer beschädigten menschen, abgebrannt: was sagt man von den vertriben und verprenten edelleuten? Schade
sat. u. pasqu. 3, 104, 1;
gern im bilde benutzt: die finger woran verbrennen,
imprudentia sua damnum facere Stieler 229; die finger verbrennen,
non impune aliquid attingere Frisch 1, 134
c; er verbrannte sich bei dem frauenzimmer das maul,
gravem se feminae garrulitate sua exhibebat Steinbach 1, 183; ob der bischof wolt regieren übel allem gmeinen nutz, so soll er sprechen: 'bischof drutz! du möcht din hend daran verbrennen, als ich das tuon an dir erkennen!' Murner
narrenbeschw. 71, 35
Gödeke; hat seines donners schlag auf schlag dir nicht ein haar verbrannt? die drohende colonne lag stracks hingestreckt in sand. Gleim 1, 19. 3@bb)
besonders in der kochkunst, etwas durch zu langes braten, kochen verderben: es schmeckt, als ob es verbrent sei,
sapit adustionem Dasyp. 215
a; jetzt verbrenn ich die tauben. Göthe 7, 121; brod verbrennen,
durch zu grosze glut ungenieszbar machen; part. praet.: brachte es soweit, dasz der eierkuchen zwar ein wenig verbrannt war. Thümmel 2, 183; das kaninchen ist verbrannt. Tieck 5, 229. 3@cc) eisen, metall verbrennen,
durch zu grosze hitze verderben lassen: man ist aber noch nit darhinder kommen, wie mans silber vom eisen und zihn bringen solle, wo man die metal anders nicht gar im fewer verlieren oder verprennen wil. Mathesius
Sar. (1562) 41; ein verprent art oder druse. 50
b;
hiermit zu vergleichen das ältere geld verbrennen,
einschmelzen: wer disz gelt also nit by in liesze und es wider von in neme oder verbrante, .. der bessert sime herren .. 20 mark.
städtechron. 9, 998
b (
Straszburg). 3@dd)
an stelle des feuers können andere dinge stehen, die theils brennen, theils einen dem brande ähnlichen schaden anrichten: von der sonne verbrent oder schwartz werden,
colorari sole Maaler 415
c; verbrennen, schwarz machen, als die sonne das gesicht,
atrum facere, solis ardore torreri Frisch 1, 134
c; sie solten mit wein külen nun, was heut verprennet het die sunn. Fischart
glückh. schiff 857; und wir eilten hinzu und fanden die kranken und alten, .. von der sonne verbrannt und erstickt vom wogenden staube. Göthe 5, 240; das landleben hatte die schon lange gebräunte haut seines antlitzes nicht noch mehr verbrannt. Gutzkow
prüfe was sich ewig bindet 113;
part. praet.: er sieht verbrannt und doch bleich aus. Klopstock 8, 30;
gewisse dinge werden dem feuer verglichen: dürre verbrennt das gras; verbrenntes grasz,
gramina quae siti exusta exaruerunt Frisch 1, 134
c; frost verbrennt das getreide; so von allem abgetrennt, was die sehnsucht möchte körnen, schwebend zwischen meer und land, von des durstes gluth verbrennt. Bürger 122
b (
var. von 1789); körperhitze verbrennt das blut,
daher verbrannt bluot, verbrent blut, verprant plut,
colera Dief. 131
a; polei getruncken mit gutem wein, vertreibts verprant gbluot und zipperlein.
Curio conserv. sanit. praecepta 190; ich kan nit ohn gesuffn bleiben, hab heut gessen ein pfefferwurst, davon hab ich bekommen durst, sie will mir gar das hertz verbrennen. J. AyrerF 62
c (2, 2649, 30
Keller);
auf geistige dinge übertragen, mit beibehaltung des bildes: wird unser hertze gleich die schönheitsglut verbrennen Poppeens, die man musz der Römer sonne nennen, wird doch ihr anmuthsstrahl mit zuckersüszer lust, mit balsamreicher gunst beseelen unsre brust. Lohenstein
Agripp. 22, 15; dasz ein einz'ger funken dieser leidenschaft doch unsers hirns so viel verbrennen kann! Lessing 2, 334; es musz mein herz mit seiner letzten kraft dir abgewandt in dieser glut verbrennen. Lenau
neuere ged. (1838) 22;
mit aufgabe des bildes: wer mit frowen hat vil credentz, dem würt verbrennt syn conscientz. Brant
narrensch. (13) 79; und sehe, dasz wir nichts wissen können! das will mir schier das herz verbrennen. Göthe 12, 29;
part. praet. adjectivisch: in dem höhern grade des wahnwitzes schwärmen durch das verbrannte gehirn allerlei angemaszte, überfeine einsichten. Kant 10, 18; ausgeburten der wüsten phantasie eines verbrannten dichtergehirnes. Spielhagen
probl. nat.7 1, 94.
vergl. hirnverbrannt theil 4
2, 1562. 44)
reflexiv, sich durch feuer selbst vernichten: die indischen wittwen verbrennen sich mit der leiche ihrer gatten; in etlichen stetten stieszent die juden ire hüser selber an und verbrantent sich dinne. Königshoven 2, 764, 9 (
städtechron. 9); als Simri sahe, das die stad solt gewonnen werden, gieng er in den pallast .. und verbrand sich mit dem hause des königs. 1
kön. 16, 18; du weiszt also nicht, versetzte er mir, dasz Proteus sich nächstens zu Olympia verbrennen wird? sich verbrennen? rief ich mit verwunderung .. und warum will er sich verbrennen? Wieland 27, 5. 55)
häufiger in der zweiten bedeutung, durch brennen beschädigen: will ich by dem meister gsin bin .. bin ich einest in ein groszen keszel mit heiszer milch .. gfallen und mich dermoszen verbrendt, dasz .. Th. Platter 12
Fechter; das (
licht) stiesz ich also brinnend in ermell, verbrand mich, das ich noch das anmall han. 14; ich verbrenne mich schrecklich, meine schürtze hat sich in den riegel am herd verfangen und ich kann nicht davon. Auerbach
unterwegs 78;
bildlich: potentaten sind gleich feuer, wer ihnen gar zu nahe kömmet, kan sich leichtlich verbrennen. Ernst
confecttafel 1, 40.
der gegenstand, der den schaden verursacht, wird mit an
beigefügt: an dem topfe, an der milch sich verbrennen. 66)
der begriff des brennens durch feuer tritt zurück, sich beschädigen, schaden nehmen, körperlich: diejenigen aber, welche sich etwan an unreinen weibsbildern verbrennt haben, wil es (
das wasser) gar nicht leiden. Opitz 2, 290;
geistig: aber da sie auff Christum auch mit jrem netze wolten fallen, und dachten, ich hab jr so viel gefressen, ich wil diesen auch fressen, da lieffen sie an, und verbrandten sich. Luther 6, 238
a; dasz sie sich nicht verbrennen in der sachen.
briefe 5, 177; sich an jemand, an etwas verbrennen: denn er (
der teufel) hat sich an Christo verbrand, das er nichts mehr wider jn vermag. Luther 5, 525
a; und zeiget den herrn Christum, den er gecreutzigt, aber an jm angelauffen, und sich verbrand hat, das er jm seinen kopff zutritt. 5, 526; sich bei jemand verbrennen,
in jemandes augen (
achtung)
schaden nehmen: dadurch hatt ich mich bei hern Friedrichen abermal sehr verbrant. Schweinichen 2, 124;
part. praet. adjectivisch: alle andere saubere, bestäubte, verbrente kinder. Fischart
groszm. 12
neudruck; ain verprent kind scheucht das feur, komt also feur im auch zu steuer.
dicht. 2, 63
Kurz. 77) verbrennen,
intransitiv, gleich verbrinnen: des von Windecke renner eime enpfiel ein lieht in dem stalle uf der bürge zuo Windecke, das der stal und die burg anegingent und verbrantent. Königshoven 2, 807, 10 (
städtechron. 9); do kam ein groszer ertbideme ginesit meres, das viel stette nider vielent und verbrantent. 2, 861, 11; es mag einer stad abgehen jr handel, bürger weniger werden, heuser verbrennen, ecker, wiesen und alle gründe vergehen .. und bleibt doch der blinde kauff. Luther 1, 196
b; so war der himmel so hell, dasz ich nit weiters hinauff sehen konnte und so hitzig, wann mein diener keine lufft gemacht hette, dasz ich verbrennen müssen.
Faustbuch 56
neudruck; der könig der Salamandrä könne die menschliche corpora zurichten und durch ein edelgestein begaben, dasz sie in keinem feuer verbrennen mö
gen. Simpl. 2, 78, 1
Kurz; ich wollte wetten, dasz in diesem augenblicke mit dem lusthause unserer tante der zweite schreibtisch verbrennt. Göthe 15, 135; unsre leidenschaften sind wahre phönixe. wie der alte verbrennt, steigt der neue sogleich wieder aus der asche hervor. 17, 241; ehr soll der leib zustückt auf lichter glut verbrennen. A. Gryphius 2, 433, 797
Palm; nehme ich dann ein ander weib, als ich hab in meinem sinne, so musz ich in der höllengluth da ewiglich verbrennen.
wunderhorn (1876) 1, 53;
vergl. in der älteren fassung verprinnen Uhland
volksl. 762; suppe kocht und siedet ein, braten will verbrennen. Göthe 1, 153;
bildlich, von liebesglut: ich loder, ich verbrenne! mein abgott, Sophonisb', auf, fürstin, ich erkenne für den gefangenen, für deinen sklaven mich! Lohenstein
Sophon. 25, 171; kurz, ohne dasz mein weib es wissen soll, verbrennen ihm seitdem vor ungeduld die sohlen, ihr einen ganzen käfich voll der schönsten papagein zu holen. Gökingk 2, 150.