pochen,
puchen,
verb. ,
s.bochen,
buchen (
th. 2, 199. 471),
mhd. im 13.
jh. bochen (
s. I, 3,
c),
spätmhd. und md. puchen,
eigentlich wol ein nd. wort (Kluge 257
a),
mnd. puchen, puggen (Schiller - Lübben 3, 383
b),
nd. pukken,
nl. poghen, pochen (
zeitschr. für d. alterth. 8, 366. 375. Kilian 409
a. Kramer 296
b)
und beuken,
wovon auch das veraltete franz. buquer,
anklopfen Diez
4 536,
während poquer
auf pocken, pochen
zurückgeht. Die nachfolgenden belege enthalten auch einige ergänzungen zu der mit b
anlautenden form, wie umgekehrt bei dieser schon einige beispiele für die p-
form aufgeführt sind. II.
intransitiv. I@11)
schlagen, klopfen, dasz es schallt, pulsare Dief. 472
b (
s.bochen 2). I@1@aa)
vom schlage des hammers oder mit dem hammer: im takte pocht der hämmer schlag. Schiller 11, 250; dann ergriff er wieder den hammer und pochte. Freytag
ahnen 1, 160 (er tengelte mit dem schärfhammer die eisen der wurfspeere. 158);
vom hammerschlage eines uhrwerks, vom stunden-, glockenschlage: unglückbringend pocht ihm keine stunde. Schiller 12, 374 (
Wallenst. tod 5, 3).
bergmännisch was erz pochen: im hüttendampfe lasz pochjungen wacker pochen. Rückert
brahm. 5, 92. I@1@bb)
besonders mit dem (
früheren)
thürhammer oder mit dem fingerknöchet an das thor, an die thür pochen,
um einlasz zu begehren, sich drinnen zu melden (
vgl.klopfen II, 1,
c): wer pocht? ei der verwünschte schneider macht mich fast durch sein mahnen toll. Lessing 1, 82; er stürzte mit der thür ins haus! man pocht doch, hört doch erst, wenn man als freund sich naht. 2, 275 (
Nathan 3, 6); man pocht. sieh, wer es ist. Schiller 12, 209 (
Wallenst. tod 1, 1); dieses lockt ihn, pochend einzutreten. Platen 4, 293; sie pochte nun so stark wie ein bauer, und öffnete zugleich die thür. Keller
Seldwyla4 2, 151. pochen an
mit dativ oder accusativ (
s.anpochen): an die tür pochen,
pultare fores Stieler 1463; bald nach dieser unterredung hörte man an der kleinen pforte pochen. Göthe 22, 28; es ist ein wagen vorgefahren; pocht an die thür, als wenn man sie einschlagen wollte. 14, 127 (
groszcophta 1, 1); dagegen pochte eines abends Sintram .. an das thor. Freytag
ahnen 1, 87;
bildlich: ein neues jahr pocht an die thüre. Gotthelf
schuldenb. (1854) 146; lauernd umschleicht es (
das unglück) die häuser der menschen, heute an dieser pforte pocht es, morgen an jener. Schiller 14, 105 (
braut v. Mess. 4, 4); da pocht ans herz die liebe auch in ihrer stillen weise, und pocht und pocht, bis sichs erschlieszt. Geibel
ged. (1882) 240; sie fragte Rudolph, ob er seine eltern noch habe, und das ist ein ton, der plötzlich an die heimlichste herzkammer pocht. Auerbach
ges. schriften 19, 13. I@1@cc)
sonst an, auf etwas pochen: er pochte auf den kasten, da hob sich der deckel und ein kleines häszliches ungethüm ... hob seinen kopf hervor und schnitt gesichter. Freytag
ahnen 1, 89. I@1@dd)
vom pulsieren des blutes als zeichen des lebens, der erregung (
vgl.klopfen II, 6): mein leib trägt deiner liebe frucht, sie pocht, sie will nicht ruhn. Bürger 85
a; seit ich den jungen Damon sah, hebt sich mein herz und pocht geschwinder. Cronegk 2, 256; ungeduldig pocht sein schwellend herz. Wieland
suppl. 2, 139; es pochen die herzen, es sträubt sich das haar. Göthe 10, 260; wie pochte deine brust, wenn man vom tanze sprach. 7, 5; ein empfindlich blut, es pocht, wenn man auch nur halbweg was böses thut. 7, 64; in manchen herzen pocht das blut nach raschen streites übermuth. Körner 1, 65; und sein herz pocht in lauteren schlä
gen. 1, 188; zärtliche augen brannten wilder, sanfte busen pochten stürmischer. Schiller 3, 11 (
Fiesko 1, 1); quälend ungestilltes sehnen pocht mir in empörter brust. A. W. Schlegel
poet. werke 1, 166; im pochenden herzen die reue. Platen 1, 87; pochender herzschlag heimischer lieder. Lenau (1880) 1, 264; du altes herz, was pochst du so sehr. H. Heine
buch der lieder 22
neudruck; nicht bebt, nicht pocht der schönen brust, die ist so kalt wie eis. 19; deine schläfe pochen wie im fieber. Freiligrath (1870) 1, 191.
unpersönlich: dem junker pochts im busen wie ein hammer. Wieland
Klelia u. Sinib. 5, 485; ha! wie pochts mir so bange! Voss
ged. 4, 72.
mit dativ, wie entgegenpochen: Doria, griff an sein herz, das laut dem kühnen entschlusse pocht', und heller flammte sein aug'. Pyrker
Tunis. 4, 450. pochen an: an die rippen pocht das männerherz. Schiller 1, 231; es pochte das männerherz an die brust. Körner 1, 189. I@1@ee)
auch von erregter muskelbewegung: wie stürmete! wie kochte aufrührerisch das scharfgejagte blut! zukt jede senn — und jeder muskel pochte wollüstig in die flut! Schiller 1, 249. I@22)
laut auftreffend, ungestüm widerschlagen: das meer gab nie so starken schall, wann schon alle wellen pochten. Spee
trutzn. 26, 88
B. pochen an: indessen ist die nacht hereingebrochen, die wogen brausend an die klippen pochen. Lenau
Faust 147. I@33)
besonders abstract, vom ungestümen, zornigen, unmutigen, trotzigen, hoffärtigen, prahlerischen, höhnischen auftreten, handeln und reden (
s.bochen 6). I@3@aa)
unabhängig: die trunkenheit macht einen tollen narren noch töller, das er trotzt und pocht.
Sir. 31, 37,
vgl. Ambach
vom zusauffen (1544) B 1
a; ich hoffe, ich wils auch in den euszerlichen stücken, da solche propheten alleine pochen, nicht verderben. Luther 3, 104
a; wie die blinden Türken bochen (
trotzig behaupten). 8, 12
a; so sie doch seer pochen, er (
gott) sei einig. 15
a; er liesz sie alle feindlich scharren und bochen.
Zimm. chron.2 4, 257, 10; er pocht, drewet hart. Henneberger
preusz. landtafel 82; wer pochen und viel wort kan machen, der thut das wenigst zu den sachen. Waldis
Es. 1, 21, 35; wenn mans (
das gesinde) etwas heist arbeiten, so kan es solchs nicht erleiden, sonder wil zörnen, buchn und schnarrn. Ayrer 2816, 19; ohn ablasz bochen, trutzen, rasen. Weckherlin 57; warumb prahlt und pocht der mann?
pers. reisebeschr. 5, 28; was pocht ihr helden? schaut, der tod wil euch das end anmelden. S.
Dach 110
Öst.; ihr toller zorn, der so pocht, würgt und brennet. Gryphius
lyr. ged. 46
P.; er pocht trefflich,
valde gloriosus est. Stieler 1463; sterbliche! was pochet ihr? lasset euren hochmuht sinken. Knittel
poet. sinnenfr. 173; er prahlt, er pocht, er trotzt. Lessing 7, 263; die pochende (
ungestüme, unablässige) zudringlichkeit des bitters. Kant 6, 382; so sehr ihr auch pochet und prachert (
zudringlich bettelt). Bürger 67
a; (
er) spielt, stänkert, pocht und kriecht. Göthe 7, 72 (
die mitschuld. 2, 4); da die dummen eingeengten immerfort am stärksten pochten. 5, 98; wars doch nicht ärger und krauser hier, als der Sachs noch im land thät pochen. Schiller 12, 14 (
Wallenst. lager 1).
tirol. pochen,
sich prahlen, brüsten, jauchzen Schöpf 512. I@3@bb) pochen gegen, wider (
oder mit dativ): so wil ich dir zu trotz .. gegen dich bochen. Luther 3, 394
b; drumb wider in sol niemandt bochen, er laszt kein sünd nit ungerochen.
trag. Joh. M 5; der donner ... meiner faust kan alzeit euch und eurem frevel pochen. Günther 340; stämme wollen gegen stämme pochen, kann doch einer, was der andre kann. Göthe 3, 252; glaubt ihr ungerochen gegen mich zu pochen? Schiller 1, 358; aber ich poche dem tyrannen - verhängnisz. 2, 198 (
räuber, schausp. 5, 2). I@3@cc) mit einem pochen,
schon mhd. im 13.
jahrh.: si wolten mit ein andern sêre bâgen unde bochen.
minnesinger 2, 137
b;
nhd. ob der .. mit inen bochen wölt. Hartfelder
zunftordnungen der stadt Freiburg im Breisgau 1, 24 (15.
jahrh.); eine vermessenheit, die mit gott rechten und pochen wil. Luther 4, 278
a;
Anna. halt ihr mich fur ewer eheweib oder fur ewer hur? das will ich von euch wissen.
Witzel. du soltest noch wol mit mir pochen. Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken J 3
a;
bair. mit einem puchen,
den trotzigen, beleidigten spielen, schmollen Schm.
2 1, 380. — mit etwas pochen,
groszthun, prahlen (
vgl. d): Rom .. hat alwegen mit dem glück gepucht. Aventin. 4, 620, 27; wer allzusehr mit worten pocht. Logau 1, 10, 24. I@3@dd) auf etwas pochen,
trotzig (
gleichsam aufschlagend)
oder hochmütig und mit übertriebenem selbstgefühl oder selbstvertrauen sich worauf stützen, worauf bestehen, es schautragend äuszern (Weigand
synon. nr. 1472): sie haben gepocht auf iren glauben. Luther 4, 62
a; es geht hie nach dem gemeinen sprichwort 'einer pucht (
nämlich drauf), der ander gibt nichts drauf.' Schade
sat. 2, 255, 16; und hoch sie auf ihren speck (
wolhabenheit) bochen. Kirchhof
wendunm. 228
b; die ... zu hoch auf die festung bochten und trutzeten.
disc. milit. 15; und die auf vöstungen und schantzen dorften bochen. Weckherlin 72; was du (
echo) ihnen hast versprochen, drauf hat keiner viel zu pochen. Logau 3, 3, 63; als er horte, wie etliche .. auf iren adel pochten und stoltzirten. Weidner
apophth. 370; pocht, die ihr die welt erschüttert, pocht auf eurer waffen macht! Gryphius
trag. 70
P.; pocht auf eur gold, auf die nichts werthen schätze! pocht, menschen, auf eur nicht beständig gut, auf eure macht.
lyr. ged. 92; niemand poche drauf, wenn es ihm wohl gehet, verzage auch nicht, wenn es ihm übel geht. Stieler 1463; leute, die sonst auf bart und ubung pochen. Günther 453; der darf auf schand und frevel pochen, der auf mitschuldigste sich stützt. Göthe 41, 11; wer wird auf bundsgenossen pochen? 12; das deutsche theater, das ohnehin auf sein repertorium nicht pochen kann. 33, 211; ihr pocht auf ehrlichkeit und exemplarischen wandel. Schiller 2, 104 (
räuber, schausp. 2, 3); pocht ihr auf geerbtes gut? 1, 358; Klopstock .. überspringt die minnesinger und pocht immerfort auf die uralten barden. A. W. Schlegel
vorles. 3, 25, 20
neudruck; fahrende männer, welche jetzt bei uns einliegen, auf das gastrecht pochend. Freytag
ahnen 1, 119; hochmüthig pochten sie auf ihren adel. 4, 31;
bair. auf etwas puchen. Schm.
2 1, 380. IIII.
transitiv. II@11)
schlagen, klopfen, hämmern (
vgl.bochen 3): wann euch der prügel pocht. Logau 2, 3, 59
vers 184; zu ring und kette poch ich (
der goldschmiedsgeselle) dann die feinen goldnen drätchen (drähtchen 1, 35, 6
Weim.). Göthe 1, 37; vor allen dingen werden steine gepocht, dann gezeichnet.
an Knebel 284;
bergmännisch erz pochen, puchen,
mit eisernen stempeln klein stoszen, nasz
oder trocken pochen (
mit oder ohne wasser).
Chemnitzer bergm. wb. 396
a: das man alle ertz wol boche und scheide. Dief.-Wülcker 804 (
vom jahre 1566); den eisenstein musz man puchen, etlichen wescht man auch. Mathesius
Sar. 79
a,
bei Bechius
Agric. auch pauchen 235
neben puchen S 3
b,
es liegt da wol vermischung mit bauchen (
theil 1, 1166)
vor. II@22)
beim pochspiele
zwei, drei marken u. s. w. pochen,
einsetzen, vgl. Günther 1054. Zedler 28, 912
f. II@33) einen aus dem schlafe pochen,
durch klopfen (
an die thür)
aufwecken. Tieck
Macbeth 2, 3. Gotthelf
erz. 2, 48,
vgl.klopfen II, 2,
b; einen auf die finger pochen. Iffland
die spieler 3, 6,
vgl.klopfen II, 5,
d. II@44)
durch pochen
des herzens kund thun, äuszern: aber sein männliches herz pocht rache. Wieland
Cyrus 4, 61; allein, vergebens lauscht' ihr blick, vergebens pochte der busen ungeduld.
Oberon 11, 22; mein lauschend herz hört antwort pochen dein lauschendes herz. Lenau
neue ged. 143; viel tausend herzen pochten raschen schlag. P. Heyse
ges. werke 3, 253. II@55)
nun veraltete bedeutungen. II@5@aa)
was auspochen 3,
plündern (
eigentlich aus dem verstecke klopfen): die sullen Lengenstat puchen.
städtechr. 2, 520, 3 (
vom j. 1450); und haben den mark und mairhoff gepucht.
chron. der stadt Elbogen 158
Schlesinger (
vom jahre 1471); zu uberfallen und pochen den Henserhof. Baumann
quellen 2, 603, bochen 1, 268; auspochen, -puchen: sie haben das dorf .. ausz gepucht.
städtechron. 2, 77, 8 (
vom jahre 1443); und pocheten ein dorf ganz aus. Waissel
chron. (1559) 103
a,
mnd. ûtpuchen Schiller-Lübben 3, 383
b. II@5@bb)
widerstehend überwinden, vernichten: hier ist nichts, was die nacht des todes pochen kan. Gryphius
lyr. ged. 181
P.; man musz das ungelücke besänften mit gedult, dasz man nicht pochen kan. Lohenstein
Cleopatra 1, 217. II@5@cc)
mishandeln, vexieren, plagen (
s.bochen 7
und vgl. poltern 5,
c): die unterthanen pochen.
stücke in Esther 6, 2; wie man sol die puren bochen. Murner
narrenbeschw. 24, 52 und wöllen all da eine festung bawen, darausz sie alle welt pochen können. Mathesius
Sar. 82
b; darümb den koch er schalt und pocht. Schwarzenberg 112
b; das macht, die armut thut in bochen. H. Sachs 11, 365, 22; (
sie) bochen, plogen das gesind. Wickram
pilg. O 2; das du nicht ubels thuost und niemandt pochest. Ambach
vom zusauffen B 1
b; das sie (
Gorgone) die könig äff und geck, die armen aber poch und schreck. Fischart,
archiv für literaturgesch. 12, 524; wie man sie schabet, pocht. Rollenhagen
froschm. II, 4, 4 (J 1
b); und wurde mir der hals gebrochen .. so soll dich auch mein aasz noch pochen. Günther 203. II@5@dd)
mit trotz und hohn behandeln, einem trotzen, ihn herausfordern, verhöhnen, verspotten (
s.bochen 7
und J. Grimm
kl. schriften 2, 192
anm.): noch wollen sie alle ketzer verbrennen und den himmel bochen. Luther 1, 49
a. 4, 135
a; die in gleicher gestalt wolten stoltziren und eine gantze gemein pochen. 4, 529
a; ob sie alle zusammen diesen man .. pochen wöllen? 5, 314
a; das sie den andern son damit anfieng bochen und zu drutzen.
Zimm. chron.2 3, 63, 28; ihr schnarchen, damit sie den herrn pochen wollen. Kirchhof
mil. disc. 213; sie werden unser liebe muter die rö
m. kirch nit pochen. Fischart
bienenkorb (1580) 35
b; was sol dis sein? und willst uns pochn? Hayneccius
H. Pfriem 1691; (
wir, die oft) gepocht den grimmen tod. Gryphius
trauersp. 19
P.; er (
gott), den kein könig pocht. 174; sie pocht den frechen tod. 235
u. öfter; was ists für aberwitz, dasz Cyrtha pocht und höhnt die, die's verhängnis selbst mit .. lorbern krönt? Lohenstein
Sophonisbe 1, 49.