vollmachen,
untrennbar, fertig machen, vollenden, vollkommen machen Lexer 3, 450;
mnd. vulmaken Schiller-Lübben 5, 557
a;
vgl. Verwijs-Verdam 9, 875; fulle machen,
patrare Diefenbach
gl. 416
c; volmachen,
perpetrare 429
a; er selb volmachtz und vestents und sterckts
erste d. bibel 2, 438
lit. ver.; wann du hast volmacht das lob 1, 79; mit der forme, die alle formen in ir tregt und volmacht Tauler
sermones (1508) 89
b; synt in Christo volmacketh, vorgantzet Rotmann
restitution 10
ndr.; fliese sich die gebeu ... zu volmachen Gholtz
lebendige bilder b 6
b (1557). —
das part. praet. (
ohne ge-)
erscheint im sinne von perfectus, vollkommen: vollmacht,
perfettionato Kramer
t.-it. dict. 2, 8
a (1702); umb yr zo helpen volbrengen yre sachen, want sij der alleyne neit en kan volmachen
pilgerfahrt d. träum. mönchs 8401
M. ein anderes im nhd. aufkommendes trennbares verbum: wulmaken,
implere Diefenbach
nov. gl. 211
b; vollmachen,
complere; gestoszen vollmachen, gantz auszfüllen,
refercire Maaler 472
d; vollmachen Schottel 652; vollgemacht,
suppletus Steinbach 2, 6. —
im eigentlichen sinne: füllen ... ist so viel als vollmachen Gueintz
rechtschreibung (1666) 63; vermeinet ich, ich käme über das scheiszhaus, gerieth aber ... über das butterfasz, und habe also wieder vollgemacht was zuvor herausgenommen
schausp. engl. comöd. 95
Cr.; eh als sie unser fleisz kaum hatte vollgemacht (
die scheuern) Lohenstein
Arminius 2, 135; rauben, stehlen, das macht den beutel
voll Hartmann
volksschausp. in Bayern 386. —
in besonderer wendung: derhalben auff du rebendroll, es gilt dir voll ein boll, so würst zeitlich doll, und machst den huot voll (
speiend) Fischart
praktik 21
ndr. — das masz voll machen,
oft in übertragener anwendung (
s. voll 1 p): (
die kinder Israel sollen) nur plage zu lohn haben, bisz sie ihr maasz vollmachten Böhme
schr. (1620) 2, 344; sünden, welche sich von zeit zu zeiten sträflich gehäuffet, und endlich mit dieser mrodthat derselben masz vollgemachet Harsdörfer
secretarius 1, 119; damit es das maasz seiner greuel voll machen möge Jung-Stilling 3, 264
Gr. —
auf eine fläche bezogen: darumb das sie mein land mit den leichen irer abgötterey verunreinigt und mein erbe mit iren greweln volgemacht haben
Jerem. 16, 18; dies (
d. meer) macht, wo schiff und mast die bahn durchschneiden soll, den fast versetzten weg mit sand und steinen voll Pietsch
geb. schr. (1740) 174.
mond: jetzt hat Latona (!) gleich das zweymahl sechste mahl ihr silber vollgemacht Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 890; gott gebe, wann der mond sich zehnmal vollgemacht, dasz dann dein ebenbild in einer wiege lacht Mayer
bei Weichmann
poesie der Niedersachsen (1721
ff.) 2, 101.
papier, geschriebenes (
vgl. voll 1 c): also dasz sie (
reden) ... gar gantze blätter
v. Chr. Weise
polit. redner (1677) 60; ich stoppele aus allen ecken etwas zusammen, mein blatt vollzumachen Schwabe
belustigungen (1741) 1, 256; man müszte sehr unfruchtbar seyn, wenn man nicht ohne alle episoden, fünf aufzüge darnach v. könnte Lessing 17, 39
M.; um mein register über weibliche narrheiten vollzumachen S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 198. —
gezähltes (
vgl. voll i
β): die sechs füsze des hexameters vollzumachen Th. v. Schubert
verm. schr. 2, 90; früher machte er nur die zahl voll Gutzkow
ges. w. 12, 46; drey kinder hatte sie ihm höchst vergnügt gebracht und die gesetzte zahl der liebe vollgemacht H. v. Hoffmannswaldau
u. anderer Deutschen ged. 2, 243 (1697
ff.); und um das kleeblatt vollzumachen, hab ich auch euch, herr graf, hierher beschieden Heine 2, 333
E. auf einen zeitbegriff bezogen: und du — machst diesen tag von gräul und abscheu voll Ayrenhoff
w. (1814) 1, 90.
person: mach mich deines geistes voll S.
Dach 594
Ö.; das herz voll machen (
s. voll 1 o): sieh, ich hab eine quelle gefunden, die mein herze vollmacht und seegnet Schiller 1, 60
G. — voll machen,
ebrium facere Stieler 2390 (
s. voll 9); er seufft zu seer und macht sich zu vol Luther 19, 398
W.; er war nicht eigentlich ein saufbold, vielleicht nur, weil er nicht soviel bezahlen konnte als dazu gehört hätte, ihn vollzumachen H. v. Chezy
erinnerungen 2, 220; sie hetten mich schier gemachet voll (
auf der kirchweih) Eyering
prov. copia (1601
ff.) 3, 331.
häufig in der umgangssprache voll machen,
schmutzig machen, sich voll machen,
besonders von kindern (
s. voll 1 v). —