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umarmen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

umarmen vb.

Bd. 23, Sp. 807
umarmen, vb. , untrennbar, mit den armen umschlieszen. in der dichtung des barock zu (mit den armen) umfangen, umfassen o. ä. gebildet. zuerst bei P. Fleming deutsche ged. 1, 15 lit. ver.; Voigtländer oden (1642) 68; S. Dach (1643) in Königsberger dichterkreis 203 ndr.; Zesen adriat. Rosenmund 21 ndr.; lexikalisch gebucht seit Reyher thes. (1668) 2, 3931. im 17. jahrh. vereinzelt mit -ä-: er ümärmet S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 26; umärmen G. Treuer Dädalus (1675) 1, 408 (neben umbarmen ebda 1, 361). 11) als ausdruck verschiedenartiger inniger verbundenheit zwischen menschen durch liebe, verwandtschaft, freundschaft oder des dankes, der überquellenden freude, der versöhnung u. s. w.; übertragene und bildliche anwendung begegnet sehr häufig: ob sich mancher schon erbarmet und zum possen mich (mägdlein) umbarmet, küsset mich auch auf den mund, gehts doch nicht von hertzen grund Voigtländer oden (1642) 68; dasz sie (das weib) sich nicht solt erbarmen und es (das kind) wiederüm umarmen, wenn es seine händlein ringt G. Neumark lustwäldchen (1652) 14; (gott) wollest mich gnädig ümarmen, ... wollest dich meiner erbarmen Schottel teutsche haubtspr. 903; als es herauskame, dasz beide (streiter) einander unrecht verstanden, so umarmeten sie sich wieder als ein paar vertraute freunde Abraham a s. Clara etwas für alle 2, 7; nichts geht ... über die freude, womit sies (die mutter ihr kind) nach langem suchen ... wie neu gebohren umarmet Herder 15, 318 S.; komm, komm, lass dich umarmen, alles sei vergessen! Schiller 14, 215 G.; ihr (habt) nur einen weg vor euch, ... grade in den schosz gottes zu laufen, der euch mit lachendem herzen umarmen wird Bettine dies buch gehört dem könig 1, 194; alle hörten sie (die nachricht vom friedensschlusz) mit berauschender freude. man umarmte sich gegenseitig wie nach langen leiden Moltke ges. schr. 1, 98; er ... pflückte die beere von ihrem munde fort und umarmte sie und küszte sie Fontane I 5, 147. euphemistisch: dann umarmten sie (die Essäer) dieselben (ihre weiber) nur so viel, als nöthig war, um mit ihnen kinder zu zeugen Zimmermann einsamkeit 1, 144; die alte zeit, wo die götter des himmels ... die töchter der menschen umarmten und mit ihnen zeugten sceptertragende königsgeschlechter Heine 1, 168 E. als bezeugung der huld des höherstehenden oder der ergebenheit und unterwürfigkeit des niedrigerstehenden: mit sonderbarer freundlichkeit umarmte ihn (den Tyridates) der kaiser A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 10; sei unser könig ..., wir unterwerfen uns dir ..., erlaube mir, deinem knechte, dasz ich dich umarme Liscow sat. und ernsth. schr. 381; hier vereinzelt das knie umarmen statt des bis heute üblichen umfassen (s. d.): fallt und umarmt sein (Ibrahims) knie, eh ihr durchs schwert hinfallt Lohenstein Ibrahim (1680) v. 253. bei der begrüszung des ankommenden oder beim abschied: als wir an jenen traurigen abenden um dich voll wehmuth still versammelt da dich umarmten und abschied nahmen Klopstock oden 1, 24 M.-P.; dem günstgen wind gehorcht die flotte schon ... die scheidenden umarmen thränend sich, und von den schiffen, von dem strande wehn die weiszen tücher noch den letzten grusz Göthe 10, 348 W.; häufig brieflich: Hofer (den ich 1000mal umarme) wird ... auch dabei sein Mozart im br. an seine gattin, s. O. Jahn Mozart 3, 483; ich umarme sie, liebster freund, und bin ganz der ihrige Lessing 17, 137 L.-M.; ich umarme dich in gedanken gar vielmal und bitte dich, ja nicht traurig zu sein Jakob Grimm an Wilhelm in briefw. 13; ich (die tochter) umarme dich (die mutter), ich lege mein ganzes herz in ... diese karte Ebner-Eschenbach 4, 128. 22) auch bei sachbegriffen und bei abstracten, die meist personifiziert gedacht sind, schwingt das begleitende gefühl gewöhnlich mit: es ümärmet und erwärmet ihre (der sonne) glut die kalte welt S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 26; in welchem (kreis) gerechtigkeit und friede sich küssen, künste und waffen sich umarmen Lohenstein Arminius 1, b 3 (vorw.), vgl. ps. 85, 11; die wellen selbst umarmen strand und klippen H. v. Hoffmanswaldau u. a. 2, 159 Neukirch; Boreas und Notus die beiden winde, die sich hier oben (auf dem St. Gotthard) von Italien und Deutschland her brüderlich umarmen Heinse 10, 36 Schüdd.; Andreas umarmt und liebkoset sein kreuz mehr, als er es trägt Göthe 49, 330 W.; wo erd und himmel und die frische grüne wie sich umarmend eingeschlossen hielten Tieck 1, 94; eine sage will wissen, dasz Napoleon die Roszbacher schlachtsäule umarmt habe Fr. L. Jahn 2, 388 E.; diese beiden (tugend und egoismus) werden sich nie umarmen Schopenhauer 2, 579 Gris. 33) belege, in denen umarmen ohne jeden gefühlsmäszigen beisinn verwendet wird, stehen ganz vereinzelt. noch im eigentlichen sinne von 'umfassen' (im kampfe): (es) sprengte Hermann an den Eggius hart an, umarmete ihn so feste, dasz sie beide zur erde fielen Lohenstein Arminius 1, 35a; er (der bär) preszt ihn und umarmt ihn, bis er sich nimmer rührt Scheffel 2, 194. entsinnlicht zur bedeutung 'in sich fassen': ... so will ich dein erbarmen beloben, weil ich bin. dich rühmet, was umbarmen der himmel starke heer P. Fleming deutsche ged. 1, 15 lit. ver., doch beachte hier den reim. eigenartige verwendungen, die z. t. aus dem streben nach stilistischer besonderheit hervorgegangen sind, finden sich gelegentlich bei abstracten begriffen, im sinne von 'erfassen, ergreifen, sich annehmen': Orismanes erkiesete lieber den schatten einer traurigen ruh, als er das gemeine heil so vieler völcker umbarmete Lohenstein Arminius 1, 309b; an derselben (wahrheit) statt (wird) die thorheit umbarmet Thomasius vernunfftlehre (1691) 226; nachsichtsvoll gegen die gewissen derer, welche schon andern glauben umarmt hatten Zschokke 33, 166; in anderen belegen ist noch der bildliche sinn durchsichtig: dasz Ingviomer ... sich gezwungen sehen würde, ihre verworfene freundschaft wieder zu umarmen Lohenstein Arminius 2, 1352b; bisz er ... die tugend in ihrer heilsamen und angenehmen gestalt umarmet hat Chr. Weise polit. redner (1677) 44; hier will ich die geduld geduldiget umarmen Neukirch anfangsgründe (1724) 160.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Umármen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Umármen , verb. reg. act. ich umarme, umarmt, zu umarmen, mit den Armen umfangen, umfassen. Einen Freund bey seiner Rück…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    umarmen

    Goethe-Wörterbuch

    umarmen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    umarmen

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    umarmen Band 1, Spalte 1,582

  4. Sprichwörter
    Umarmen

    Wander (Sprichwörter)

    Umarmen 1. Wer zu viel umarmt, drückt nichts (fest) zusammen. 2. Wer zu viel umarmt, wird übel zusammengedrückt. 3. Wer …

  5. Spezial
    umarmen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    um|ar|men I vb.tr. 1 abracé (-cia), tó ti brac, fracé ti brac, strënje ti brac 2 (an die Brust drücken) tigní toch II vb…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit umarmen

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Cotta, M. (2026). „umarmen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/umarmen/dwb
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Cotta, Marcel. „umarmen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/umarmen/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „umarmen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/umarmen/dwb.
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