Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Vulkan m.
Vulkan m.
Vulkan m. ‘durch aus dem Erdinnern an die Oberfläche dringendes Magma entstandener, feuerspeiender Berg’. Der Name des römischen Gottes des Feuers lat. Vulcānus, Volcānus (auch personifizierend für ‘Feuer, Flamme’) gelangt als mythologische Bezeichnung schon ins Ahd. (Notker, um 1000); im Frühnhd. entwickelt er die Bedeutungen ‘Feuerelementargeist’ und ‘Feuerkünstler, Alchimist’ (beide bei Paracelsus, 1. Hälfte 16. Jh., auch verkürzt Vulcan). In der Antike gelten besonders die Liparischen Inseln nördlich von Sizilien (lat. īnsulae Vulcānī), deren südlichste noch heute ital. Vulcano heißt, wegen ihrer starken vulkanischen Aktivität als Sitz des Feuergottes. Auf eine dieser Inseln bezieht sich gleichfalls die Ortsangabe mlat. Vulcanus mons ‘der Berg Vulcanus’ (7. Jh.). Appellativischer Gebrauch des ursprünglichen Eigennamens findet sich im Mittelalter zuerst bei aus dem Lat. stammendem arab. burkān ‘Vulkan’, dann bei mfrz. vulcan, das zunächst jedoch noch auf die feuerspeienden Berge des Mittelmeerraums beschränkt bleibt. Unter dem Eindruck der neuweltlichen Entdeckungen setzt sich im Anschluß an port. (älter) volcão (heute vulcão) im 16. Jh. span. volcán, ital. vulcano, älter volcano, mfrz. frz. volcan als allgemeine Bezeichnung für feuerspeiende Berge durch. Im Dt. begegnet in diesem Sinne seit Ende 16. Jh. die latinisierende Form Vulcanus (von dem Geographen B. Varenius 1650 als nlat. vulcanus terminologisiert), im 18. Jh. wird Vulcan, Vulkan üblich. Metaphorische Verwendung (für verborgene, plötzlich ausbrechende Seelenzustände, dann für auf Veränderung drängende gesellschaftliche Kräfte) kommt Ende des 18. Jhs. auf; vgl. auf einem Vulkan tanzen ‘vor drohender Gefahr die Augen verschließen, mutwillig mit der Gefahr spielen’ (1. Hälfte 19. Jh., frz. être, marcher, danser sur un volcan). – vulkanisch Adj. ‘aus einem Vulkan stammend, auf Vulkanismus beruhend, vulkanartig’, übertragen ‘leidenschaftlich, aufbrausend, explosiv, revolutionär’ (2. Hälfte 18. Jh., vielleicht unter Einfluß von ital. vulcanico, frz. volcanique ‘vulkanisch, feurig, leidenschaftlich’), zuvor ‘dem Gott Vulkan zugehörig, feurig, brennbar’ (1. Hälfte 16. Jh.). vulkanisieren Vb. ‘Rohkautschuk mit Hilfe bestimmter Chemikalien zu Gummi verarbeiten, etw. mit Kautschuk beschichten, Gegenstände aus Gummi reparieren’ (Mitte 19. Jh.), nach gleichbed. engl. to vulcanize (zum Götternamen engl. Vulcan); vorher (2. Hälfte 18. Jh.) ‘durch vulkanische Tätigkeit hervorbringen’ (vulcanisierte Steine), auch übertragen ‘in Unruhe versetzen, in Erregung geraten’.