rinde,
f. cortex. dem goth. altn. mangelnd; ags. starkes und schwaches fem.: rind
und rinde;
mhd. rinde, rinte;
ahd. rinda, rinta.
in den meisten fällen als schwaches fem. erscheinend, doch kommen daneben formen nach der starken decl. seit dem ahd. vor; vgl. Graff 2, 532. diu bitteri der rinde beceichenot die arbeite sinis libis. Wackernagel
pred. 3, 40; ir stam (
der stamm der linde) was gevallen so tiefe in sine (
des buchsbaums) rinde; davon grunt diu linde, daʒ si niht velwet, e ir zit.
altd. wälder 3, 233, 25; Albertus spricht über ain puoch, hât Aristotiles gemacht, von wachsenden dingen, sam paum und kräuter sint, wenn man des paums (
der birke) rind auʒprenn, alsô daʒ waʒʒer dar auʒgêt, sô sei daʒ waʒʒer stinkend und zach. Megenberg 331, 23.
daneben: der paum .. hât ain scharff rinden. 333, 14.
im nhd. hat rinde
das geschick der übrigen fem. getheilt, wie die belege unten zeigen. die schwache form im singular findet sich einmal noch bei Schiller: in seine grüne rinden drückt sich ein nahme leicht. 11, 348.
auswärtige verwandtschaft des wortes läszt sich nicht erweisen; wahrscheinlich ist, dasz es zu rand
im ablautverhältnis steht, und beide zu einem starken verbum goth. *rinþan, ranþ, runþum, runþans
gehören, von dem sich vielleicht noch eine spur erhalten hat: ob dan wohl der corper sehr bleich und fast der erden gleich, auch die wunden so er geschlagen .. gantz schwartz und zugerunden gewesen, so seind doch nicht allein die wunden wieder sobalt frisch roth und fliesend geworden.
protokoll von 1603
bei Vilmar 327.
Bedeutung. 11)
die äuszere, meist trockene und harte umhüllung des baumstammes, von dem eigentlichen holzkörper durch den unter ihr liegenden bast geschieden; die borke, oberd. der ranft. [] alnus haiʒt ain erl. der paum wechst gern an feuhten steten und ist sein holz rôt und diu rind swarz. Megenberg 314, 32; das holcz .. ee es die rinden lesst.
Nürnb. polizeiordn. 306; aber das hab ich gleichwol von etlichen gesehen, die grossen nutz vom holtz genommen, das sie eichen oder ander holtz gefellet, die rinden darvon abgeschelet, und darnach den schustern und schwartzferbern, und andern verkaufft haben. Colerus 2, 212; der eychbaum ... ist aber ein hoher baum, mit einer groben, dicken und rauhen rinden und stammen. Fuchs
kräuterb. 84
a; der bernstein .. tropfe nunmehr, wie fettiges gummi, aus der rauhen rinde der tamariske. Voss
Virgil 2, 413; sam das holz underr rinden, alsame sît ir verborgen.
Iwein 1208; sie (
Pomona) spielt die rinden dâ bî und belzete ein nûweʒ zwî, daʒ daʒ saf emphienge daʒ von dem boume gienge. Albrecht v. Halberstadt 34, 19; ist doch jetzund nichts zu finden als ein' eitle wüsteney; alle bäume stehen frey und ohn laub, ja schier ohn rinden. Roberthin
in den ged. des Königsberger dichterkr. 199 (
neudruck); du sahest oft an hoffnungsvollen bäumen, um rind und stamm, das moos zu häufig keimen. Hagedorn 1, 69; noch dienlicher, wenn ich der hasel sauber die rind' abstreift, und mit ästigem pflocke zusammen heftete. Voss 1, 26; es blüh' um die erde narcissus; schwize wie fett aus der rinde die sumpftamariske den bernstein.
Virgil 2, 385; auch vom cytisus streift' er mit schneidendem zahne die rinde. Stolberg 1, 433; vom felsen reisz' ich farren und ander kraut, dasz ich die fugen stopfe; die moos'ge rinde lasz ich an den sparren; dumpf durch die schlucht dröhnt meiner axt geklopfe. Freiligrath 1, 174; die hände hielten wir stumm gepreszt, da zog ich aus flatternder binde eine blanke nadel, und drückte fest sie, fest in die saftige rinde. A. v. Droste-Hülshoff 159.
in die rinde der bäume werden zur erinnerung gedenksprüche oder die namen geliebter personen eingegraben: tief an des boumes rinden begund er schœne buochstaben mit sînem meʒʒerlîne graben. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 784; nicht weit davon stundt eine linde, viel höher alsz die andern bäum', an esten reich, in derer rinde war ein geschnitten dieser reim: hie liegt der schäfer her begraben den Phyllis nie recht lieb wolt' haben. S. Dach
in den ged. des Königsberger dichterkr. 173 (
neudr.); solt ich billig in den rinden aller hohen bäume nicht schreiben, dasz nicht möcht' verschwinden ob der falschheit dein gerücht. G. K. Schreiber
nachschöszlinge (1664) 62; ja, ich will dir, kühler hayn! hiemit ihren namen weihn, dieser fichte schmuck zu seyn. name, wachse mit den rinden! Hagedorn 3, 60; hegst die zeichen, trauter baum, in der hartgewordnen rinde. Chamisso 1, 119; wohl möcht' ich jene stelle liebend hegen, dort zeichen graben in des baumes rinde. Uhland
ged. 134; ein eigner wald! voll von verschwiegnen gründen! drin hob sich dunkel mal und runenstein! uralte reime standen auf den rinden: die schnitt vordem ein zaubrer wohl hinein. Freiligrath 2, 179; ich schnitt es gern in alle rinden ein, ich grüb' es gern in jeden kieselstein, ... dein ist mein herz, und soll es ewig bleiben. W. Müller
ged.4 1, 11; am brunnen vor dem thore da steht ein lindenbaum; ich träumt' in seinem schatten so manchen süszen traum. ich schnitt in seine rinde so manches liebe wort. 1, 75.
die abgelöste rinde
verschiedener baumarten wird zu mannigfachen zwecken verwandt: zum gerben des leders und zum färben. Jacobsson 3, 420
b;
daher bildlich: [] ich bin gar offt gerennet an, wile ich disz schiff (
das narrenschiff) gezymbertt han, ich soll es doch eyn wenig färben und nit mit eychen rynden gärben, sunder mit lynden safft ouch schmyeren und ettlich ding ettwas glosyeren. Brant
narrenschiff 104, 53.
als heilmittel: die weidenblätter, same, rinden, und safft, ziehen zusamen .. der same ist nützlich denen so blut speien. gleiche wirkung und krafft hat auch die rind, doch ist sie mehr trücknen. Fuchs
kräuterb. 126
d; nimb die rinden von einem jungen aichbaum, die seud in wein, und wasch die wunden damit. Seuter
rossartzney 215; da findet er die göttliche rinde der china. Schiller 1, 157.
als schreibmaterial: (
sie) schreiben auff subtile rinden von beumen. Frank
weltb. 191
b; vor zeiten schreib man auff die rinden, oder bäst der bäum. Dasypodius; gestern fand ich ein stück rinde in der höhlung und auf der innern seite das bild eines rosses eingeritzt. Freytag
ahnen 1, 434; mir, ihr süsze vers, gefielet, euch zu lieb mich hab verspät; und weil nichtes da zu finden, da man euch könnt schreiben auf, nahm ich eine grüne rinden, zeichnet euch mit dörnen drauf. Spee
trutzn. 171
Balke. als baumaterial: sie machten an den stunden von rinden und von loube ûʒ schilfe und uʒ schoube eine hütte grôʒ und wît. Heinr. v. Freiberg
Tristan 3329; die reiter ... sahen vor sich die hütte, welche der sauhirt für den sommer aus stangenholz und rinde zusammengeschlagen hatte. Freytag
ahnen 2, 137.
in einigen gegenden dienen tannenrinden
auch als dachziegel Jacobsson 3, 420
b.
daher im lusernischen rinde
geradezu die schindel. Zingerle
lusern. wb. 47. 22) rinde
bezeichnet aber auch die unter der eigentlichen rinde (
cortex)
liegende weiche haut, den bast (
liber),
wie umgekehrt dieses zuweilen die bedeutung rinde annimmt (
s.bast 1, 1149).
liber, bast, die innerlich rind am holtz. Dasypodius; man sol nemmen die inner rinden von bircken, die wol seubern, und zu kleinen stucken zerschneiden. Seuter
rossartzn. 239.
cortex, die äuszere rinde.
liber, die innere rinde. Frisch 2, 120
b; die auswendige mehrentheils rauhe rinde dienet den baum für dem gewitter zu bewahren. die nächst darunter liegende inwendige zarte rinde ist gleichsam das geäder, durch welches der nahrungssafft aus der wurzel angezogen, und dem baum zu seinem wachsthum mitgetheilet wird.
haushaltungslex. 782.
der bast wird auch als die andere rinde
bezeichnet: lasz die ander rind von lindenbaum inn wasser sieden, und tuncke tücher darinnen, und lege sie uber die brüst. Sebiz
feldb. 90; gelbe ferbet man mit öpffelbeumen rinden, wenn man zuvor die eusserste grawe rinde gar weg geschnitten, und nimpt darnach die andere rinde, und kochet sie mit lauge. Colerus 2, 213. 33)
der ursprüngliche begriff 'rinde
des baumes'
erweitert sich. rinde
wird zur benennung der äuszeren festen schale, die sich um einen weicheren kern schlieszt, verwandt. dem ursprünglichen sinne am nächsten kommt 3@aa) rinde
der pflanzenwurzel: die wurzel ist vollkommener, dicker und schwerer substantz, die rinden auszwendig äschenfarb. Sebiz
feldb. 233.
häufig insofern, als sie als heilmittel in verwendung kommt: die äsch von den rinden der rohrwurtzeln mit essig vermischet wie ein sälblein unnd angestrichen, machet das auszgefallen haar wider wachsen. Tabernaemontanus
kräuterb. 705
f; die rinde von der wurtzel (
des maulbeerbaums) in wasser gesotten und getrunken, lindert den bauch. Fuchs
kräuterb. 198
e.
auch beim rettig: die rinden von rätich nüchterling gessen, bewaren eynen für dem gifft. Sebiz
feldb. 198. 3@bb)
die rinde
an früchten; der gewöhnlichere ausdruck ist hier schale: rinden, cortices, lassen sich eintheilen in rinden, schalen oder schelffen von früchten, und in rinden von den bäumen und wurtzeln. Hübner
handlungslex. 1563.
so: pfersich habent ein dünne rinten. Diemer
arzneib. lv
im mhd. wb. 2, 1, 710
a; die rinden eines granatöpffels. Maaler 333
b; die kern welche am rand, oder zunächst an der rinden inn melonen stehn, soll man zum säyen nicht nemmen. Sebiz
feldb. 203; die rinde von den kürbsen zuo äschen gebrennt, heylet den brandt krefftiglich. Fuchs
kräuterb. 138
f. auch an erdäpfeln. Hunziker 205.
an kernen: man schol si (
die körner in den fichtenäpfeln) des êrsten auf ainen glüenden koln legen und
[] schol si ain wênig verprennen, dar nâch schol man in die rinden abziehen und schol die blôʒen kern in ain waʒʒer legen und schol si gar wol sieden. Megenberg 339, 20; die melonenkernen soll man zusäyen nemmen, welche eyne dicke und harte rinde haben. Sebiz
feldb. 202.
an der nusz bezeichnet rinde
die äuszere grüne schale: ein nuʒ hât driu an ir: rinte, schale, kern. diu bitter rinte bezeichnet daʒ vleisch unsers herren.
spec. eccles. 16. 3@cc)
die rinde
des brotes, die kruste, die die krume umschlieszt. schon ahd.: thaʒ deta druhtin, thaʒ man weiʒ, thô er thia krustun firsleiʒ; thaʒ man thia fruma thar gisah, thô er thia rintun firbrah. Otfrid 3, 7, 32.
mnd. rinde
in pane est crusta. Schiller - Lübben 3, 483
a; daʒ grôʒe brôt hât herte und dicke rinten. Diemer
arzneib. b iii
im mhd. wb. 2, 1, 710
a; als eʒ (
das gericht neunaugen) gar sie gerœst, stôʒ eʒ in eime mörser, und tû dor zû eine swartze rinden brotes.
buch von guter speise 11; und nim eine rinden brotes und ingeber. 12; nimb brot, schneid die rinden davon, und reib die brosam klein. Seuter
rossartzn. 132; eine rinde brot,
crusta panis. Stieler 247; die rinde des brodts gedörrt, wird unter die zahn-pulver genommen. Hübner
handlungslex. 1681; im wässrigen, zu schnell gebackenen brote trennte sich krume von rinde und in den zwischenräumen erzeugte sich schimmel. Göthe 30, 94; nimm nimmer von dem brot die rinden nur allein. J. W. Simler
ged. 210; aber leer sind meine taschen; trockne rinden hab' ich kaum. Kind
ged. 1, 184.
man unterscheidet eine obere
und eine untere rinde: theils legen ihr brod, wann sies aus den ofen nehmen, auf die obere rinden; und glauben, es soll nicht rindhefftig werden oder auffahren. Hohberg 1, 201
a; das brod bestehet aus zwey theilen, der krume nemlich .. und der rinde, so in die obere und untere eingetheilet wird.
öconom. lex. 382; sechs loth obere rinde von schwarzem brod.
frauenzimmerlex. 1, 557.
bei Adelung
gilt rinde
als der edlere, kruste
als der gewöhnlichere ausdruck. 3@dd)
die rinde
am käse: scandisch käsz, die allein die nastropfige weiber machen, und in formen bachen, an deren eim zwen bauren auff mistberen, wie am cananeischen trauben zuketschen haben, und die rinden darvon für tartschen und schantzkörb prauchen. Fischart
Garg. 79
neudr.; der käse hat eine harte rinde. Adelung. 3@ee)
am braten: (
der rinderbraten) musz aber allemal fett begossen werden, so bekömmt er eine rinde, als ob er mit teig überzogen wäre.
frauenzimmerlex. 2, 2885. 3@ff)
überhaupt die rinde,
die sich beim trocknen bildet; auf der wunde, der schorf: die wunde bekömmt eine rinde. Adelung.
auf dem straszenkothe: in heiszen sommertagen bekömmt der gassenkoth eine feste rinde.
ebenda. 3@gg) rinde
von weinstein, die sich in weinfässern absetzt: die jahre setzen um sein bestes herz blut, wie um alten wein eine steinerne rinde,
an. J. Paul
biogr. bel. 1, 101. 3@hh) rinde
von eis: die besonnten hügel grünen, und des eises rinde springt. Schiller 11, 199; zudem der steg, jüngst überschwemmt von aufgelös'ten schnees wogen, mit eises rinde ist umzogen, die sich zu glatten hügeln dämmt. A. v. Droste - Hülshoff 312. 3@ii)
die rinde
von fels oder stein: die mikroscopischen kleinen organismen, welche unsere stehenden gewässer und die verwitternde rinde der felsen bewohnen. Humboldt
kosmos 1, 80; ihrer beschaffenheit nach sind sie (
die meteorsteine) inwendig sandartig und grau, und von auszen mit einer schwarzen, glänzenden rinde überzogen. Hebel
werke 2, 23.
die gase einschlieszende felsrinde: mit dem gezähe hackt er (
der bergmönch) am spalt, bis das schwefelnde wetter im grimm gegen die weichende rinde schwallt. A. v. Droste - Hülshoff 128. 3@kk)
die erdrinde, im geologischen sinne: (
die flüssige masse der erde) fing an hart zu werden, und zwar bei der oberfläche zuerst, die luft und das wasser begaben sich wegen ihrer leichtigkeit aus dem innern der erde unter diese rinde. die rinde sank, und es wurde alles mit wasser bedeckt. Kant 9, 316; die oberste rinde der erde besteht ... aus schichten von verschiedener materie, die sich blätterweise übereinander befinden. 9, 281.
mit anklang an die baumrinde, in die man [] seinen namen schneidet: als der vater einige fusz tief als ein ganz unbekannter mann in die erde einsank und der sohn bedachte, dasz diesz soviel sei, als habe man den mann durch die halbe erdkugel durchgesenkt, besonders da er auf deren rinde keinen eingeschnittenen namen nachgelassen, nämlich im Heiligenguter adreszkalender keinen: so war es ihm, als habe alle welt, nicht blos er, einen vater auf immer verloren. J. Paul
leb. Fibels 54. 3@ll)
in dichterischer übertragung, das fasz als die rinde des weines: einen wein hab' ich erkoren, der im eise hat gefroren. seines phlegmas kaltes nasz, seht, es ist erstarrt im fasz. aber in der kalten hülle glüht des traubengeistes fülle. brüder, schlagt die rind' entzwei! macht die feuerseele frei! W. Müller
ged.4 2, 65. 44) rinde
im bilde und in übertragener bedeutung. hier ist der begriff nach zwei seiten entwickelt. 4@aa) rinde
drückt die äuszere erscheinung im gegensatze zum inneren wesen aus; das bild, das von der baumrinde stammt, erscheint noch völlig durchgeführt in stellen wie: wenn auch .. die glänzende rinde (
die lauten beifallsbezeugungen) nach und nach verwittert, das mark der gunst läszt doch den baum nicht ganz zu grunde gehen.
F. Raimund
werke 4, 324; bliebst du wohl bey mir? um mir? — als christ, als muselmann: gleich viel! im weiszen mantel, oder jamerlonk; im tulban, oder deinem filze: wie du willst! gleich viel! ich habe nie verlangt, dasz allen bäumen eine rinde wachse. Lessing 2, 308; 'viva!' ein könig wird gegrüszt — es fault im mark, die rinde gleiszt. A. v. Droste - Hülshoff 126.
abgeblaszter: substanz und wesen, brots und weins, zum leib sich überleiben; doch brod und wein, von auszen scheints, die zufäll je noch bleiben. geruch, geschmack, farb und gestalt sich frisch noch lassen finden, als wie, vom wesen abgespalt, nur blosze schal und rinden. Spee
trutzn. 245; oft besah er abends vor dem bettegehen seinen lebenden körper so lange, dasz er ihn von sich abtrennte und ihn als eine fremde gestalt so allein neben seinem ich stehen und gestikulieren sah: dann legte er sich zitternd mit dieser fremden gestalt in die gruft des schlafes hinein, und die verdunkelte seele fühlte sich wie eine hamadryade von der biegsamen fleischrinde überwachsen. daher empfand er die verschiedenheit und den langen zwischenraum zwischen seinem ich und dessen rinde tief, wenn er lange einen fremden körper, und noch tiefer, wenn er seinen eignen anblickte. J. Paul
Hesp. 2, 13. 4@bb)
das bild von der überziehenden rinde wird aufs seelische übertragen; man spricht von einer rinde des zweifels, des argwohns
u. s. w., die herz und seele umzieht: der, trotz der rinde, womit ihn seine landwirthliche lebensart überzogen hat, nichts weniger als ohne sinn und empfänglichkeit für die eigenschaften .. ist. Wieland
bei Campe; gelingt es mir .. die rinde von des vaters herzen zu lösen. Kotzebue
dram. spiele 3, 165; wie? hat auch eurer freuden milden genusz die weisheit mir vergällt? schlosz sie mein herz in eine rinde, dasz ich, dem sonst, bey harfenklang, gefühl durch alle nerven drang, nicht diesen zauber mehr empfinde. Gotter 1, 450; ich will ihn tilgen diesen zweifel — will mich hängen an das vaterherz, will reiszen, will mächtig reiszen an dem vaterherzen, bis dieses zweifels felsenveste rinde von diesem herzen nieder fällt. Schiller
Carlos 2, 3; und sahst du ihn, gespannt und stumm, sein ohr dem trüben warner leih'n, so sog es andre kunde ein, als die des herzens rinde bricht. A. v. Droste - Hülshoff 405.
ähnlich: wir ziehen auf meine güter, wo wir so lange bleiben, bis die zeit eine rinde über das vergangene gezogen hat. Schiller 3, 573.