untersasse,
sasz,
m. ,
mhd. undersâʒe, -sæʒe, -seʒʒe;
mnd. undersate;
mnl. ondersate;
nl. onderzaat.
aus der verbindung unter einem sitzen (sitzen 4
c. 1unter II A 1
e γ)
hervorgegangen; vgl. hintersasse und sasse.
spuren des ursprünglichen langen a: ein gehorsamer untersaas
Reinicke fuchs (1650) 406; undersaissen
pilgerfahrt des ritters v. Harff 87
Groote. ohne lautlichen werth untersatz Fischart
bienenkorb 50
a. untersäss Egger
glossar 940
a. untersässe, -sesse (
nur im plural)
: hist. volksl. 2, 236, 138
L.; Stolle
thüring. chron. 192; S. Münster
cosmographie 872; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 284
a; undersösszen Luther 14, 377, 9
W. veraltet. desgleichen die pluralbildungen: die undersäsz Aventin 5, 383, 12
L.; die untersasse Schupp
schr. 385. 11)
eigentlich, von den verschiedensten formen rechtlicher oder obrigkeitlicher abhängigkeit: subditus, subjectus, provincialis, cliens, vasallus; mhd. wb. 2, 2, 342
a; 338
b; Lexer 2, 1795;
nachtr. 384;
mnd. wb. 5, 33
b;
mnl. wb. 5 391;
nl. wb. 10, 1524; Haltaus 1958; Staub-Tobler 7, 1350; Fischer
schwäb. wb. 6, 244; Schmidt
els. wb. 375; Unger-Khull 608
b; Strodtmann
Osnabrück 264; Bauer-Collitz 178; Stürenburg 355
b. 'untersasz
heiszen entweder alle und jede unterthanen ohne ausnahme oder auch insbesondere nur die sonst so genannten lehnsleute oder vasallen'
allg. haushaltungslex. (1749) 3, 612.
s. d. rechtswb.: es mussen etzliche arm sein, etliche reich ... etliche fursten und hern, etliche knechte und undersösszen Luther 14, 377
W.; wer do schendt seyn radts genosz, by den er ist eyn undersosz, syn herren und syn eygen leut, der bleibt ein schelm zuo aller zeit Murner
schelmenzunft 47, 20
ndr.; nicht lang nach diesem zug wirt marggraff R. ... von seinen untersassen erschlagen J. Petersen
chron. (1557) 20; so ordnen und wollen wir, dasz hinfurter kein frembdling in unsern stetten und dorfern ohn unser vorwissen und bewilligung zu einem undersassen angenohmen noch zuo gelassen werden soll
Nassauer forstordnung (1562)
bei Schwappach
forst- u. jagdgesch. 1, 318; als sie nun daselbst umb wanderten, ist eben der schultheisz ... mit seinen untersassen zu raht gangen
volksbücher 308 (
Schildbürger)
Bobertag; Babels untersassen Opitz (1690) 4, 537; S.
Dach 595
Ö.; u.
des hausherrn Hohberg
georgica (1682) 1, 84; es greift der küne tod nach unsers königs sohn und rührt dadurch das herz bey allen untersassen S. E. v. Brenner
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 2, 182; sie schlingen der güter reichliche früchte zusammt den untersassen hinunter Göthe
Reineke fuchs 10, 400; sie waren ... lehensherren ihrer untersassen Schiller 9, 234
G.; Bürger 108
a B.; Ranke 2, 78; der adel hatte über seine untersassen nur beschränkte rechte 35, 248.
attribute: weltlicher, lieber, getreuer, stiftischer, armer
u. s. w. u. Luther 30, 2, 173
W.; Sleidanus
reden 162
B.; Fischart
Garg. 333
ndr.; F. A. v. Brandis
ehrenkränzel (1678) 199; Besser 1, 69
K. zusammensetzung: untersaszgeld
sitzgeld Egger
glossar 940
a;
mnd. undersateschup.
in österr. weisthümern den ingeheusen
entsprechend, ärmeren personen ohne oder mit wenig grund, die man gegen miethe ins haus genommen hat, auch inwohner
überhaupt; Egger
glossar 940
a; 873
a;
sie dürfen erst nach den huebleuten
oder angesessenen
in den wäldern ihren holzbedarf decken österr. weisth. 6, 430, 23.
dasselbe untersässel 5, 2, 580, 40.
von geringen leuten überhaupt (
mnl. wb. 5, 393): die armen leute und untersassen seyn nicht ihr eigenes
Reinicke fuchs (1650) 111; der lechzend untersass mag lauffen, kan er sitzen nicht Logau 172
Eitner; diejenigen büschgen oder höltzergen, so nun alleine in feldern liegen und den untersassen zugehörig Täntzer
jagdgeheimnis 1, 44. 22)
übertragen auf ähnlich aufgefaszte verhältnisse: dan keyn tyran hat nye also geschatzt, undergetrucket, also beschwert und undergebrochen sein undersassen als der teuffel Luther 9, 135
W.; die untersassen dises reychs (
gottes) 15, 731
W., von den gliedern des körpers Alberus
fabeln 43
ndr.; der geitz seine untersassen so hart hält, dasz ... Grimmelshausen
Simplic. 480
Kögel; so hett ihn sie (
d. frau) gemacht zu ihrem untersassen D v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 27, 23. 33)
synonym hintersasse, untertan, untergebener Maasz-Eberhard 6, 27; Weigand 3, 897.
schon zu Adelungs
zeit war das wort nur noch an einigen orten üblich; mit der änderung der gesellschaftsordnung ist es im 19.
jahrh. ungebräuchlich geworden, abgesehen von geschichtlicher darstellung. —