boszen ,
tundere, percutere, die aufstellung dieses alten worts, aus welchem wir im vorhergehenden schon so manches andere herleiteten, hat ihre schwierigkeit. die goth. form bleibt uns aus, wäre aber zu vermuten bautan baibaut,
wie stautan staistaut,
dessen bedeutung sogar ganz nahe liegt. wahrscheinlich ist der nach Byzanz versetzte Bauto
ein goth. Bauta,
propulsor, compulsor, hostes contundens, wie auch altn. Bauti
eigenname war. am vollständigsten und reichlichsten erscheint das ags. beátan, beot,
part. gebeáten;
engl. beat,
part. beaten;
dagegen altn. bauta
nur schwach geht, praet. bautadi, bautasteinn
hiesz der aufs grab geschobne, gewälzte stein. ahd. pôʒan, pioʒ,
part. pôʒan,
obwol im praet. unbelegt, aber wieder nach stôʒan stioʒ stôʒ
an. mhd. bôʒen, bieʒ
noch belegbar: ob ich etewenne korn ûf dem tenne mit drischeln ûʒ gebieʒ.
Helmbr. 317; die kurzen und die grôʒen ze knorren sint gebôʒen.
Ls. 3, 423,
doch galt auch schwaches bôʒen bôʒete,
verberare, klopfen: er bôʒete an daʒ bürgetor.
Er. 6829; bôʒen an die want.
a. Heinr. 1258; die mangen vaste bôʒten.
Servat. 1796.
bei Ben. 1, 190
a wird alles verwirrt durch ein nach Lachmanns
einfall (
zu Nib. 1823)
neben bôʒen bieʒ gebôʒen
angenommnes, [] ganz unbegründetes bieʒen bôʒ geboʒʒen,
da sich die subst. bûʒ, biuʒ, gebiuʒe
und die kürzung boʒʒe, boʒʒen
auch anders deuten lassen. Das nhd. wort ist ziemlich selten und bedeutet 11)
stoszen, schlagen, klopfen, hauen: ein ander turner wart sich haben zwischen eseln und den rossen, die wurden gumpen und auch boszen (
ausschlagen), so ser, dasz niemand gtorst genahen.
ring 9
a, 19; ein zabeln huob sich und ein boszen, dasz die milch ward umb gestoszen. 10
b, 40; und welcher nicht wolt ablaszen, den solt man mit knütteln poszen.
fastn. sp. 120, 5; kum spet oder fru, so wil ich dich ein laszen, und wil dich nicht lang an der tur lan poszen. 1335; ein gschlecht tuot sich rottieren, mördt, brennt, roubt, stilt und boszt, lot niemand für bassieren, was in zuo handen stoszt. Uhland 370. die steine boszen
hiesz hauen, behauen, steinpôʒil
ahd. latomus (Graff 3, 233),
womit die oben entwickelte ursprüngliche bedeutung von bosse,
d. i. bôʒo
genau zusammenhängt. vgl. anboszen,
anklopfen; ausboszen,
ausstoszen, ejicere 1, 834. 22)
anstoszen, angrenzen: wird Hochenzolleren genandt, ligt in dem zollerischen land. an Balingen es oben stoszt, unden an Ofterdingen boszt. Jac. Frischlin
hohenzoll. hochzeit 1599
s. 10. 33)
die kugel stoszen, kugeln beim kegelspiel: boszen oder kugeln,
globare, globisare, globis ludere. voc. 1482 e 2
a,
was oben unter bosseln
und bosselleich
angeführt wurde. wenn aber H. Sachs V, 357
b (
vgl. I, 518
b)
sagt weisz auch ein spiel, das heiszt das bossen, das het ich auch gar weng genossen,
so scheint dem zusammenhange nach ein würfel- oder kartenspiel darunter gemeint, wobei gleichfalls aufgestoszen oder gebocht wurde, vgl. bochen 2.
vielleicht meint auch das unter 1
aus Uhland 370
beigebrachte boszen
ein spiel. 44)
stoszen oder schieben beim tanz, vgl. hernach boszolt: vors künigs disch fin artlich spring, mit danzen bruch schön kunstlich boszen.
trag. Joh. N 7,
wo es sich auch für den pl. des subst. bosse
nehmen liesze. 55) boszen,
dreschen, wie in der mhd. stelle aus Helmbrecht. 66)
so kann man sich boszen
noch in andern bedeutungen des sinnlichen stoszens denken, z. b. aus den unter bosz
angeführten zusammensetzungen ein glocken boszen,
pulsare campanam, ein boszen (
stoszen, franz. fondre)
des falken auf seine beute folgern. Erwägt man nun, dasz wie stautan, stôʒan
das lat. tundere
ist (
denn S
schlägt hier blosz vor und schützt die folgende tenuis),
auch bautan, pôʒan
das lat. fundere
sein müsse; so erscheint der 1, 1051
angesetzte bezug von bautan
auf fodere
ungenau, die 2, 4
und 209
behauptete verwandtschaft zwischen bieten
und fundere
unsicher. deutlich erfüllen tundere: stautan, stôʒan
und fundere : bautan, pôʒan
die regeln der lautverschiebung anlautend und inlautend am genausten, während bei biudan : fundere
der inlaut stört. Noch mehr, bautan
steht zu fundere
fast ganz wie beitan
zu findere
und die ahd. pôʒan
und pîʒan
laufen parallel, nur dasz bautan
wie stautan
redupliciert. erinnert man sich ferner aus 1, 1451. 2, 25,
dasz neben pîʒan
ein pîlan
bestand, so wird die vermutung sich empfehlen, auch neben bautan
könne ein 1, 1745
gemutmasztes biulan
gegolten haben, das vielleicht aufschwellen, stoszen, nicht nothwendig blasen bedeutete. wie aber, wenn dennoch zwischen bautan
und biudan
vermittlung eintreten und beiden ein bezug aufs lat. fundere
nachgewiesen werden dürfte? lieszen sich doch bei boden
fundus zwiespalte der inlaute podam
und potam, podam
und ags. botm,
altn. botn
erkennen (
s. 209).
sollte botm
fundus zu beátan,
altn. botn
zu bauta
gehören? von beodan, bioða
sind sie kaum herzuleiten, welchen umgekehrt beod
und bioðr
mensa zufallen. fundere
ist sowol gieszen als stürzen, im dunkel liegt noch seine berührung mit fendere
und findere,
die analogie hätte zu der von boszen
und bieten.
merkwürdig heiszt es vom stoszenden, schlagenden falken sp. hender,
franz. aber fondre,
während hender
sonst franz. fendre
ist. das merkwürdigste wäre, wenn unser böse,
das vermutete goth. bausis
aus der wurzel bautan
sprösse, wie lat. fensus = infensus
aus fendere.
die zahllosen mischungen von bös
und bosz
in der [] rohen sprache des 16. 17
jh. würden gleichsam dadurch gerechtfertigt. Abseits liegt uns hier die der lautverschiebung spottende höhere verwandtschaft zwischen bautan
und lat. batuere,
franz. battre,
it. battere,
neben der mit fundere
und fendere (
wie sich z. b. bilis
und fel
berühren),
denn alle auf B
anlautenden wörter verwickeln in höhere untersuchungen. auch wie sich boszen
zu bauschen, bausten
und bausen
verhalte, bleibt jetzt unerörtert.