reichthum,
m. f. n. divitiae. 11)
form und geschlecht. die masculine form ist die ursprüngliche, ahd. rîhhituom Graff 2, 394,
mhd. rîchtuom
sind nur männlichen geschlechts, ebenso alts. rîkidom,
ostfries. rikedom,
altn. rîkdômr;
in ags. rîcedôm
zeigt sich neutrales; mnd. rikedom
m., daneben fem. im älteren nhd. finden sich masc. fem. und neutr. neben einander, der reichtum
und das reichtum
auf derselben seite Frölich
Stob. 447. Luther
gebraucht das masc., seltener das neutr., Maaler
kennt kein masc., ob ein fem. die rejchthuomb,
ist zweifelhaft. Stieler 1583 der
und das reichtum; Adelung
und Campe
merken noch das schwanken des wortes zwischen neutr. und masc. geschlecht in oberdeutschen gegenden an. das schwanken des geschlechts im ältern nhd. veranschaulichen eine anzahl beispiele. neutr.: wer sich auff sein reichtum verleszt, der wird untergehen.
sprüche 11, 28; es kam mir aber alles gutes mit jr, und unzelich reichthum in irer hand.
weish. 7, 11; das grosz reichtum bedeckt was iemant schantlichs an ime hat. Frölich
Stob. 444; darumb muosz dasselbig reichthumb schendtlich sein. Agr.
sprichw. 79
b; gute freund pflegte er seinen grösten schatz und höchstes reichthumb zu nennen. Zinkgref
apophth. 66; warum bemühen wir uns so sehr um das schnöde reichthum. Weise
kl. leute 154; mein bedienter muszte mein bündelchen unter den arm nehmen, mein ganzes reichthum. Rabener
briefe 270; reichthum soll man zwar nicht lieben, mag es, wann es kümmt, doch fassen. Logau 3, 222, 21;
als fem.: soll die reichthumb reden. Agr.
sprichw. 106
b; die gröst reichthumb ist, kein gelt begeren. 333
a; es möchte männiglich zu überflüssiger reichtum gedeien. Fischart
correctorium alchym. 6
h; das er die witfraw ... mit groszer reichthumb bekommen.
Zimm. chr. 3, 18, 13; eygne vorgehabte reichtumb. S. Franck
chron. (1531) 376
b; er seye mit groszer mühe zu kleiner und schier mit keiner mühe zu groszer reichthumb kommen. Schuppius 378; und welche reichtumb kan die brust stehts für sorg und verdrusz bewahren? Weckherlin
ged. (1648) 499;
als masc.: und Hiskia hatte seer groszen reichthum und ehre.
2 chron. 32, 27; was bringt uns nu der reichthum sampt dem hohmut.
weish. 5, 8; was der reichtum vermag von der menschen torheit wegen. Frölich
Stob. 447; wirt sie den reichtum an sich ziehen.
das. 452; wer seinen reichthum hat mit wucher eingekarget, dem hilfft ein wucherer offt wiederumb davon. Wiedemann
gefang. mai 64.
als pluralformen treten auf ein starker plur. die reichthume, die reichtum,
ein schwacher die reichthumen,
und ein erweiterter neutraler die reichthümer;
erstere form: ube iu aber rîhtuoma zuogeslungene sî
n. Notker
ps. 61, 11; die rictuome allir wisheite. Wackernagel
pred. 22, 81;
der im älteren nhd. belegte plural die reichtum
könnte auch ein neutraler sein: reychthuomb die zuo kasten geschlagen sind. Maaler 331
b; durch ördentlich haushalten werden die kamer vol, aller köstlicher lieblicher reichthum.
sprüche 24, 4; die reichtumb haben ein hasenhertz. S. Franck
spr. 1, 51
a; gähe reichtumb weren nit lang. 1, 159
a; man gehet aber täglich in die mitte des erdreichs und werden neue reichthumb herausz gegraben. Schuppius 703; ubel und unrecht erlangte reichthumb, haben in die länge keinen bestand. Sattler
orthogr. 307; reichtumb und schetz seind mir bekant. H. Sachs
fastn. sp. 1, 24, 72.
in schwacher form: meinstu die reichtumben seien vorhin nit angeneidet genuog. Herold
von der ee 118
a;
als reichthümer: veychtümmer, reychtumer Dief. 188
c; so ain grosze schare wartet auff den gott der reichtumber. Frölich
Stob. 446; der gebraucht sich der reichtumer recht der in nöten nit sparet. 453; grosze und herrliche reichthümer. Finkelthaus
deutsche ges. L 5
a; und wenn ich auch noch so viele reichthümer besäsze. Gellert 5, 259.
die neuere schriftsprache hat sich entschieden, im singular das m. der reichthum
und im plural die neutrale form die reichthümer
zu gebrauchen. 22)
die bedeutungsentwicklung von reichthum
wurzelt in dem begriffe imperium, gewalt, herrschaft, herrlichkeit: dîn rîcedôm ofer ûs rîxje symble. Wulfst. 125, 9; in themo finftazehenten iâre thes rîhtuomes Tiberii thes keisores.
Tat. 13, 1;
ähnlich nach: Aristotiles spricht, das die reichtumb der bauren und gewalt sei die ärgest in allen steten. H. v. Müglin
Val. Max. (1489) 26
a.
von daher die bedeutung, fülle der irdischen güter, die solche macht verleiht, und fülle, überflusz an etwas überhaupt. 2@aa)
divitiae, opes, sing. und plur., letzterer wird concreter empfunden: rîchtuom guot und grôzer hort.
Barl. u. Jos. 125, 26; also nam er freüntlich urlob von seiner frawen, und ristet sich mit groszer kost und reichtumb auff die fart.
Wilhelm von Österreich 3
b; dazu, das du nicht gebeten hast, hab ich dir auch gegeben, nemlich, reichthum und ehre.
1 kön. 3, 13; also ward der könig Salomo gröszer mit reichthum und weisheit, denn alle könige auff erden. 10, 23; fellet euch reichthum zu, so henget das hertz nicht dran.
ps. 62, 11; das gerücht ist köstlicher denn gros reichthum.
sprichw. 22, 1; zum reichthum hilfft nicht klug sein.
pred. 9, 11; ewer reichthum ist verfaulet, ewer kleider sind mottenfressig worden.
Jac. 5, 2; es ist nicht schwerers dann glück und reichtumb tragen. S. Franck
spr. 1, 118
a; so bsitzt du dein reichthumb mit sorgen. H. Sachs 1, 27, 176; eim anderen gott geben ist schlaffent grosz reichtumb durch sein segen. 1, 87, 169; hab mich aller wolüest verziegen, darzu aller weltlichen er, keiner reichtüm geachtet mer. 6, 96, 26; treibt kain schinterey umb reichtum, helt sich gerecht, aufricht und frum.
hürn. Seufr. 41
neudruck; sie könte von ihren reichthumen zu haus nicht genug aufschneiden.
Simpl. 3, 254, 5
Kurz; wo viel reichthumb seyn, seyn auch viel, die es essen. Schuppius 715; wie wan mir gott meine grosze reichtumb näme. Spee
g. tugendb. 732; ihr armuht ist mein gold und geld, und groszes reichthum in der welt. Neumark
lustwäldl. 85; das sich nicht läszt verzehren, wie irdisch reichtum thut. P. Gerhard 26, 31
Göd.; vom reichtum war immer sein prangen. 6, 45; wie bald kan reichthumb dich verlassen, so bist du elend gnug daran. S.
Dach in den ged. der Königsberger 48; mein reichthum heiszt mein glück, und ist doch meine last. Gellert 2, 16; der weiteste gedanke ist solches reichthums kümmerlichste schranke. Göthe 41, 67; immer läszt es sonst (
das glück) elende ihren reichthum überleben, mit hohlem aug' und falt'ger stirn ein alter der armuth anzusehn.
Shakesp. kaufmann 4, 2; dasz er (
Georg) ... so bescheiden den wirth machte mitten in allem überflusz des reichthums. Freytag
Marcus König 104; leg deinen reichthum nicht all auf ein schiff. Simrock
spr. 451; reichthum sei wie bäckers schurz, nicht zu lang und nicht zu kurz.
das. 450. 2@bb)
in allgemeinerem sinne, werthvoller besitz, dann habe, besitz überhaupt: der beste, köstlichste reichthum, mein ganzer reichthum
u. a.; das were ein gros reichthumb, das unser son bey uns were.
Tob. 5, 27; das allerbeste reichtum ist dem der ain erbar weib uberkummen hat. Frölich
Stob. 361; sich selbs haben ist die gröszt reichtumb. S. Franck
spr. 1, 135
a; gute freund pflegte er seinen grösten schatz und höchstes reichthumb zu nennen. Zinkgref
apophth. 1, 66; sie ist die gröseste reichthumb. Weckherlin
ged. 700; uber disz kunten sie mir meine nothdürfftige unterhaltung nicht wehren, dasz ich also mein gantzes reichthum durchbracht. Chr. Weise
erzn. 44
neudruck; (
die frommen brüder) die, als die andern zwar ihr gold und güter trugen, der eltern süsze last umb ihre schultern schlugen, das reichthum ihrer pflicht. Opitz 1, 33; auch diese börse nehmet hin, sie ist mein ganzer reichthum. Schiller
Turand. 1, 3; mein ganzer reichthum rinne in meinen adern, ich sei edelmann.
Shakesp. kaufmann 3, 2.
übertragen von den schätzen des geistes, des gemüthes, der sprache, den himmlischen gütern im gegensatz zu den irdischen: der (
meister Klügel) sihet es aus groszem reichthum seines geists fur eitel faul, tod gewesche
an. vorr. auf die proph. bei Bindseil 7, 335; weiter hat die recht war innere reichtumb der tugent auch von der euszern disen underscheyd. S. Franck
spr. 1, 137
b; ja ich glaube, dan du hast alles und kanst alles, bist ein abgrund aller unerdencklichen schätz und reichthumben. Spee
g. tugendb. 246; philosophie und arzneiwissenschaft stehen unter sich in der vollkommensten harmonie: diese leihet jener von ihrem reichthum und licht. Schiller 1, 140; er wird sich in sich nur kehren und von auszen nichts begehren, sein gemüt ist reichthums voll. S. Dach
Königsb. dichterkr. 84
Fischer; o wer beschreibt den reichthum mir der dort (
im himmel) ist beygelegt den frommen.
ebenda 228; vor der herrlichen gestalt selbst die sonne matt und kalt, vor dem reichthum des gesichts alles leer und alles nichts. Göthe 41, 217; rechten reichthum stiehlt kein dieb. Simrock
sprichw. 450. 2@cc) reichthümer
im speciellen sinne, kostbare gegenstände. Adelung: und durch dieses einige mittel blieb damals Ninive mit ihren groszen mauren, ihren köstlichen pallästen, ihren trefflichen mobilien und reichthumben stehen wie es stund. Schuppius 400;
schätze, werthvolle erzeugnisse: die reichthümer der erde, des landes, der berge
u. a.; allein die natur ist unerschöpflich an reichthümern, unendlich an gegenständen. Gellert 5, 277. 2@dd)
der zustand des reich seins: und wenn man der sach wil spitzig nachdencken, so ist eben die reichtumb eine dörfftigkeit. S. Franck
spr. 1, 135
b; zwischen armuot und reichtumb ist das best leben. Agr.
sprichw. 315
b; reichthum und armut liegt nicht am gut, sondern am muth. Simrock
spr. 451; wer vil hat, der will han zuo vil, usz richtum ubermuot entspringt, richtum gar selten demuot bringt. S. Brant
narrensch. 67, 74; in herrschafft, reichtumb und gewalt hab ich der freündt gar manigfalt. H. Sachs
fastn. sp. 1, 30, 287
neudruck; der zustand des kostbar seins: der reichthum der kleidung, der bewaffnung
u. s. w. 2@ee)
der begriff wird belebt, als wesenheit gefaszt: das reichtum hat mit den höchsten ehren gemainschaft. Frölich
Stob. 444; wann der thorecht reichtumb den gewalt überkumpt, so machet er auch die zuo narren, die sich für weisz achten. 447; armuot kans alles, reichtumb nicht. S. Franck
spr. 1, 117
a; die armuot ist fromm, die reichtumb dumm und krumm.
das.; die reichtumb bleibet dumm und ein ölgötz darneben. 1, 160
a; reichtumb haben adlers federn, bleiben an keinem ort. Agr.
spr. 318
b; armuot studiert, reichthumb jubiliert. 314
b (banquetirt Pistorius
thes. 2, 38); reichthum mag thorheit wohl leiden. Simrock
spr. 452; reichthum ist allein fromm.
das. 453; gelt einnemen würd disz jar für den reichthumb mehr imb rauch schweben, dann das auszgeben. Fischart
groszm. 25
neudr.; du reichtumb muost fraw armuot han, das sie dir wasch, koch, spül und pach und dir all ding zu notturft mach. H. Sachs
fastn. sp. 1, 34, 406; reichtum wird für gezückt, armut gar unterdrückt. Rebhun
Susanna 2, 263; der reichtumb sag (
imper.), sie hab nie gnug. Weckherlin
ged. 489; der hunger wurde bei den Grichen hinausz, das reichthum eingestrichen. Logau 1, 119, 6; das reichthum, ist die fraw; die tugend, ist die magd. 2, 19, 59; hier geht das reichthumb nicht für armer leute flehen. Opitz 2, 159; der adel ist ohne reichtuhm, das reichthum ohne adel nicht vergnügt. Butschky
Patmos 79; dem reichthum, bleicher sorgen kinde, schleicht stets die bleiche sorge nach. Uz 1, 56; dummheit schlummert bei talenten, reichthum bei dem bettlerstabe. Hölty 54
Halm; die ehre wohnt bei'm reichthum. reichthum übt die gröszte herrschaft über menschenseelen. Schiller 6, 139; denn du bestiegest kaum den thron, so neigen schon, so beugen schon verstand und reichthum und gewalt sich vor der einzigen gestalt. Göthe 41, 216; die dürftigkeit erscheint als reichthum oft, und einfalt brüstet sich als weisheit häufig. Tieck
Octavian. 82. 2@ff)
copia, abundantia: reichthum an etwas, an juwelen, früchten, erzen, metallen, an gedanken, an einfällen, an melodieen
u. s. w.; o welch eine tieffe des reichthums, beide der weisheit und erkenntnis gottes.
Röm. 11, 33; oder verachtestu den reichthum seiner güte, gedult und langmütigkeit. 2, 4; das er euch krafft gebe, nach dem reichthum seiner herrligkeit, starck zu werden durch seinen geist.
Ephes. 3, 16; nach dem reichthum seiner gnade. 1, 7; siegen gleich die alten dichter auch hier in der einfalt der formen .., so kann der neuere sie wieder im reichthum des stoffes .. hinter sich lassen. Schiller 10, 455; das reichthum deiner gaben, darmit der himmel selbst dich hat ihm gleich erhaben, verblendet mein gesicht. Opitz 1, 9; (
hast du) nie vernommen auch Hellas urväterlicher sagen göttlich-heldenhaften reichthum? Göthe 41, 230; dasz er (
der fürst) allein in seinen händen den reichthum alles rechtes hält. Uhland
ged. 100; als du plötzlich deiner locken wilden reichthum losgeschürzt. Geibel
ges. werke 3, 187; einheimischer formen reichthum. 5, 67.