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toben

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

toben verb.

Bd. 21, Sp. 528
toben, verb. 11) intrans. tob (oder wie tob) sein oder werden, demgemäsz sich auslassen, bewegen und handeln, ahd. tobên topên topân und tobôn topôn (furere, delirare, insanire, grassari, debachari Graff 5, 348 f.), mhd. toben; öfter verbunden mit sinnverwandtem rasen, wüten. 1@aa) von lebenden wesen: mhd. toben er began von ungefüegem zorne. Nibel. 191, 3; Wate tobete sêre (zeigte rasende kampflust). Gudrun 1494, 1 u. anm.; dû tobest (bist von sinnen), ode eʒ ist dîn spot. Iwein 1807; mîn frowe mac wænen daʒ du tobst, sît du mich alsô verlobst. Parzival 86, 5; owê danne, sô hân ich getobet (war ich ein thor). Walther 40, 22; nhd. sie schelten und fluochen, wüten und toben gleich den zornigen hunden. Keisersberg seelenp. 155b; aber was frage ich darnach? sie toben oder rasen. Luther 5, 142b; er lies sie toben und wüten. ps. 78, 79; warum toben die heiden? 2, 1; denn sihe, deine feinde toben. 83, 3; da das die völker horeten, tobeten sie (so in den ersten sieben ausgaben nach irati sunt der vulgata, später erbebeten). 2 Mos. 15, 14, vergl. zeitschr. f. deutsche philol. 22, 335; könig Saul wird unsinnig, schreit und tobet. H. Sachs 15, 50, 21; der pfarrer was zornig und dobet fast. Eulensp. 58 (37) neudr.; dasz er anfieng vor rachgiriger boszheit zu ... toben. Fischart Garg. 111b; toben von zorn, furere Maaler 402d; sich selbsten schelten, sich selbsten loben thun kluge selten, thun die, die toben (sinnlos handeln). Logau 2, 5, 31; ich mache mir gedanken, dasz Deutschland immerdar, es tobe, wer da wolle, wird bleiben, was es war. 2, 2, 26. toben mit: dein rachsalig gmüt ... tobt und wüt mit schelten, fluchn, schlahen, mördn. H. Sachs 1, 472, 2; er hat mit morden und brennen grausamlich getobet. Wedel hausb. 127; so haben wir mit höllischen latwergen in diesen thälern, diesen bergen weit schlimmer als die pest getobt. Göthe 12, 58 (Faust 1052 Weim.); oh! ich könnte weinen wie ein weib und mit der zunge toben. Schiller 13, 128 (Macb. 4, 6). toben gegen, wider: sie toben wider gott thürstiglich. Hiob 12, 6. 2 Macc. 7, 19; die torheit eines menschen verleitet seinen weg, das hertz wider den herrn tobet. spr. Sal. 19, 3; wider den bischof soll niemandt doben, auch gegen den er unbillich handelt. Frank weltb. 54a; wenn ihr mich bindet, ... so werd' ich toben gegen meine bande. Schiller 14, 360 (Tell 3, 3). toben durch, in: so sang der wüste schwarm (der wilden jagd) und tobte durch die luft. Schulze Cäcilie 10, 45; die gasse, worin der knabe tobt, rennt, stürzt. J. Paul Levana 3, 4; kindern sagt man nach, dasz sie in ihre gesundheit toben. J. Grimm kl. schriften 1, 199. toben nach, leidenschaftlich wonach verlangen oder jagen: sîn herze ûf freude brinnet und tobt nâch grôʒen êren. warnung 3251; wir tobten niht sô hart nâch guot. Thomasin welscher gast 4177; von übermuot daʒ geschiht, daʒ wir toben nâch hêrschaft. 4181; wie ir herze leides vol nâ dem fürsten tobte. Reinfr. v. Braunschw. 7195; dinge, nach denen so vast alle menschen ... ringen und dringen, toben, wten. Aventin. 4, 622, 8. 1@bb) von heftigen erregungen und leidenschaften, von kampf und streit u. dergl.: du hast ein angefochten hertz, das in begier tobet und wt. H. Sachs 10, 348, 4; wie kumpts doch, das mir tobt mein gmt. Schmelzl verl. sohn 26b; eine hölle von eifersucht tobt unter mir! Göckingk 1, 85; es tobt' ihr jungfräuliches blut, dasz sie sich kaum zu fassen wuszte. Wieland 10, 132; (pein,) die jetzt in ihrem busen tobt. Schiller 5, 2, 180 (don Carlos 1, 5); wir müssen, müssen vorwärts gehn, wie wahn und trug auch toben! Voss ged. 4, 279; es tobt' unermeszlicher aufruhr. Il. 12, 471; und wie des meeres brandung tobt der streit. Körner 39a; übertragen auf elementare kämpfe und kräfte (s. 2): und ob seine (des meeres) wellen schon toben. Jer. 5, 22; die wasser sahen dich und engsteten sich, und die tieffen tobten. ps. 77, 17; es sind auch die winde ein teil zur rache geschaffen, .. und wenn die straffe komen sol, so toben sie, und richten den zorn aus, des, der sie geschaffen hat. Sir. 39, 34; wenn der ergrimmte donner tobt. Mühlpforth leichenged. 3; wie eine losgelaszne hölle tobt der sturm. Schiller 13, 310 (jungfr. von Orl. 5, 1); also .. toben die rasenden winde. Lenz ged. 57 Weinhold; auch der ocean tobt. 60; wo .., von hoher brücke übersprungen, der wilde strom tobt. Göthe 22, 139. 22) tobend partic. adj., furiosus, insanus, rabidus Dief. 253b. 300b. 482b (vgl. tobendig): mhd. er wolte sich ertrenket hân gelîch als ein tobender man. Mai u. Beaflor 135, 8; daʒ mîne sinne erkanden nie ritter mit sô tobendem muot. Virginal 787, 11; ich gevâhe tobende sinne (gerate in wut). Schwabensp. 173, 12 Gengler; der heher wirt dicke tobent ..., also daʒ er sô unsinnig wirt, daʒ er sich erhæht in die zwislegen este auf den paumen. Megenberg 199, 19, vgl. 219, 24; von elementen: si nam daʒ leide veige vaʒ, si truog eʒ dannen und warf daʒ in den tobenden wilden sê. Trist. 11699; (dasz sie) in zugen ûʒ dem tobenden sê. Konrad troj. krieg 14153; daʒ wir sît mohten nie geschiffen ûf daʒ tobende mer. 22441; als in daʒ wilde tobende mer vil manic waʒʒer diuʒet, sus rinnet unde fliuʒet vil mære in diz getihte grôʒ. 236; nhd. die tobende jugend, tobende worte. Stieler 2284; tobender hund. versehung eines menschen 93b; dobende sucht, frenesis Dief. 247a; das ebullirende und tobende geblüt (bei hitzigen krankheiten). Hohberg 1, 313b; der tobend-tolle wind. Weckherlin 342; das tobende meer, mare tumidum Aler 1901b; ich besinne mich, wie die tobende see mein schiff herumwarf, dasz der kiel krachte. Schiller 3, 316 (Fiesco 4, 14); und so legen sich nach und nach die tobenden wellen (ihrer seelenkrankheit). Göthe 25, 281; tobendes schlachtengetümmel. Voss Od. 11, 314; wenn sich im kampfe tobender partheien die stimme der gerechtigkeit verliert. Schiller 11, 401. 33) reflexiv, tobend sich auslassen, betragen: wie eʒ dem ritter nu ergie, der sich sô vaste hât getopt. Reinfr. von Braunschweig 9173; mit angabe der wirkung: es tobten sich im kriege die männer vormals müde. Logau 3, 10, 9. 44) trans., in wilder, tobender weise etwas thun: hott toben, s. töbern; und wird auch kein .. walzer getobt. Göthe 1, 138; mit angabe der wirkung: gewöhnlich flüchtete ich mich ... in die gärten, um in der frischen winterlandschaft das herz wieder muthig zu toben. J. E. Wagner Wackernagels lesebuch 3, 2, 1292b, 5.
6472 Zeichen · 172 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    tobenswv., part. adj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    toben swv. BMZ nicht bei verstand sein, toben, tollen, rasen ( spec. von der rasenden kampflust Gudr. 1494,1 u. Martins …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Toben

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Toben , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Einen hohen Grad des ungestümen Lärmens verursachen. Ein Zorniger…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    toben

    Goethe-Wörterbuch

    toben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    toben

    Bayerisches Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    toben Band 3, Spalte 3,1803

  5. Sprichwörter
    Toben

    Wander (Sprichwörter)

    Toben 1. Lass jn doben, so hast jn geschlagen. – Franck, I, 51 a . 2. Er tobt wie der Schwede. – Tendlau, 432. Erinnert …

  6. Spezial
    toben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    to|ben vb.intr. (lärmen) fá da vera, drumblé (-la), fracassé (-ssëia), fá crabal, fá sciosciüre.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit toben

27 Bildungen · 8 Erstglied · 15 Zweitglied · 4 Ableitungen

toben‑ als Erstglied (8 von 8)

tobend

FWB

1. ›wild, rasend, wütend, entfesselt; von Sinnen‹; auch: ›tosend, wild bewegt (vom Wasser gesagt)‹; 2. ›tollwütig, tobsüchtig (v. a. von Tie…

tobendec

BMZ

tob·endec

tobendec adj. unsinnig, rasend freneticus sumerl. 26,61. alsô tobendic schiet er hin Ulr. 851.

tobendic

Lexer

toben·dic

tobendic adj. BMZ s. v. a. tobic: furibundus, insanus, rabidus Dfg. 253 b . 300 b . 482 a . Ulr. 851. Kirchb. 761,15. tobendiger hunt, canis…

tobendig

DWB

toben·dig

tobendig , adj. , mhd. tobendic, eine weiterbildung des partic. tobend ( wie lebendig von lebend u. s. w. gramm. 2, 304), furibundus, insanu…

toben II

RhWB

toben II das Wort ist Rhfrk u. Mosfrk an der Saar [ et dōwt mer (em Fenger) »es klopft, hämmert im schwärenden Finger« Neuw-Datzeroth ], u. …

tôbenö̂men

MNWB

tobe·noemen

° tôbenö̂men , swv. : zuerkennen, „ unde wat dat gut, dat Hermanne tobenomet is, mer kostet wan tw mark to liende, de kost schal Tileke half…

toben als Zweitglied (15 von 15)

bestoben

KöblerMhd

*bestoben , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „bestoben“ Vw.: s. un- E.: s. bestieben (?) W.: nhd. DW-

abtoben

DWB

abt·oben

abtoben , desaevire, saevire desinere: der sturm hat abgetobt. auch sich abtoben: laszt ihn sich abtoben; wo der jugend ein gewisser zwische…

antoben

DWB

anto·ben

antoben , cum impetu accedere. Stieler 2284 . Voss sagt antobende windsbraut, und: wann gedrängt antobte der sturmwind.

auftoben

DWB

auf·toben

auftoben , anheben zu toben: der sturm tobt auf, tobt von neuem auf.

austoben

DWB

aust·oben

austoben , desaevire: e schaft sich eine mit mutwill krank, umb das si sich etwas gelob und irem fürwitz noch ausztob. Folz bei Haupt 8, 540…

entoben

Lexer

ent·oben

ent-oben swv. refl. sich erheben über Beliand 4175.

ertoben

DWB

ert·oben

ertoben , 1 1) delirare, insanire, ahd. artopên, mhd. ertoben: ich was irtôret und ertobet. Diemer 304, 9 ; diu dës niht tuot diu ertobet. L…

getoben

KöblerMhd

get·oben

getoben , sw. V. nhd. „toben“, großtun mit Q.: HvMelk (1150-1190), Lanc E.: s. ge, toben W.: nhd. DW- L.: Hennig (getoben), LexerN 204 (geto…

irtoben

KöblerMhd

irtoben , sw. V. Vw.: s. ertoben

rintoben

MeckWBN

rint·oben

Wossidia rintoben tobend hereinkommen: mit 'n groten Marach towten se all' in de Stuw rin S. Neum. Märchenfrau 68.

vertoben

DWB

vert·oben

vertoben , verb. , zu toben, mhd. nhd. vertoben mhd. wb. 3, 47 b ; Lexer 3, 270 ; defervere Diefenbach-Wülcker 569 ; Stieler 2283 ; Kramer 2…

übertoben

KöblerMhd

übertoben , sw. V. nhd. übermäßig toben E.: s. über (1), toben W.: nhd. (ält.) übertoben, sw. V., durch stärkeres Toben und Lärmen übertönen…

Ableitungen von toben (4 von 4)

ertoben

DWB

ertoben , 1 1) delirare, insanire, ahd. artopên, mhd. ertoben: ich was irtôret und ertobet. Diemer 304, 9 ; diu dës niht tuot diu ertobet. L…

getoben

KöblerMhd

getoben , sw. V. nhd. „toben“, großtun mit Q.: HvMelk (1150-1190), Lanc E.: s. ge, toben W.: nhd. DW- L.: Hennig (getoben), LexerN 204 (geto…

vertoben

DWB

vertoben , verb. , zu toben, mhd. nhd. vertoben mhd. wb. 3, 47 b ; Lexer 3, 270 ; defervere Diefenbach-Wülcker 569 ; Stieler 2283 ; Kramer 2…

Zertoben

Campe

Х Zertoben , v. rec . s. Zer — zu Ende.