trotten,
vb. ,
traben. trotten '
traben'
ist erheblich jünger bezeugt als trotten '
keltern': wo ich trott (
ausdrücklich als tewczsch
bezeichnet) Oswald v. Wolkenstein 77, 40
Schatz, doch ist die engere bedeutung aus dem zusammenhang nicht ersichtlich. da jeder beleg für ein germ.-ahd. trottôn
fehlt, musz auch für trotten
ebenso wie für 2trott (
s. dort)
mit entlehnung aus dem roman. gerechnet werden, vgl. auch engl. to trot,
das seinerseits aus dem roman. stammt (
seit der mitte d. 14.
jhs. bezeugt),
s. Murray 10, 1, 401
c.
ob dieses roman. trottare,
frz. trotter
seinerseits auf einem ins vulgärlat. gedrungenen germ. *trottôn
beruht, ist zwar nicht völlig sicher, da dies nirgends nachgewiesen ist und auch schwierigkeiten wortgeographischer art bestehen, vgl. Gamillscheg 869
b;
doch ist zu betonen, dasz ein rom. *trottare
ohne jede etymologie ist, ein germ. *trotton
aber nach herkunft und bildung völlig klar wäre, vgl. ags. treddian '
trotten, schreiten',
ahd. tretton '
calcare, conculcare'
sowie Wissmann
nom. postverb. 1, 197.
nach dem bad. wb. 1, 571
wäre 2trotten
mit 1trotten
historisch identisch, und die bedeutung '
mit trabendem schritt gehen'
würde auf rückentlehnung aus dem romanischen beruhen. 11)
von pferden oder anderen reittieren, etwa synonym mit traben,
aber nur selten im engeren reittechnischen sinn dieses wortes (
vgl. dagegen trott 1
und trottieren 1): nicht raste mir (
mein kamel), stampfend den boden zu zu trotten, zu traben, zu laufen, zu jagen schlagen, Rückert (1882) 11, 508.
in ausdrücklicher leichter abgrenzung gegen traben,
vgl.trotten,
trotteln '
corrott. parte da traben,
parte dal suono' Kramer 2 (1702) 1152
b; trotten
wie traben,
ob es gleich eigentlich ein härteres auftreten wie dieses zu bezeichnen scheint Adelung
versuch 4 (1780) 1081.
so erscheint trotten,
besonders im älteren gebrauch, gern in bäurischländlicher sphäre, als bezeichnung eines plumpen, schwerfälligen, langsamen laufens oder reitens (
s. auch u. 3): der (
knecht) auf einer merrhen dahin drottet und über ein wiesen hin hottet Hans Sachs 9, 316
Keller; ein gaul, der fromm, doch unverspottet, zu kranken und zum jahrmarkt trottet J. H. Voss
s. ged. (1802) 6, 137;
darum gern vom esel als reittier: darauf (
auf dem esel) zu trotten auf und ab Hans Sachs 16, 173
K.-G.; der bauer bald sein grauen (
esel) nam, tät nach der statt zu trotten Agyrtas
grillenvertr. (1670) 94; sein esel trottete schwerfällig dahin über das gestein Rosegger
sonnenschein (1902) 408.
in jüngerem gebrauch mehr mit dem nebensinn des gemächlichen, gemütlichen: später saszen beide bereits plaudernd im sattel und trotteten über einen brückensteg hin Fontane I 4, 317; die pferdchen trotten ganz gemütlich durch W.
Liller kriegszeitg. (
sommerlese 1917) 262.
als differenzierung von traben
vielleicht auch im folgenden: die männer und die rotten, die zum turniere traben oder trotten Uhland
ged. 1, 349
E. Schm.-H. von zugtieren: trotteten die gäule ... weiter gegen den ort ... wo sie vorbeiklapperten, fuhren die köpfe ans fenster, um enttäuscht ins dunkel zurückzufallen, dasz es nur eine alte kalesche war W. Schäfer
wendekr. neuer anekdoten (1937) 128.
vereinzelt transitiv '
zum trott antreiben' (
s.traben I A 2 a,
sp. 956),
wohl nur in gelegentlichem reimspiel mit hotten: ist die reitkunst eine rechte adeliche übung, sonderbar wenn sie in denen rechten fundamentalregeln bestehet, nicht aber in hotten und trotten, jucken und drucken, plagen und schlagen Neiner
tändelmarkt (1734) 79. 22)
bei andern tieren bezeichnet trotten,
etwa im sinne von trollen,
ein laufen mit kurzen schritten, besonders die gangart des wolfes und verwandter tiere: nur die wölfe trotteten frech um die dörfer G. Freytag (1886) 10, 122; ein wolf trottete mit gesenktem kopf zwischen den stämmen hindurch ohne plan, ohne ziel, mit der stumpfheit eines unlustigen raubgesellen W. Beumelburg
der strom (1925) 10; sobald sie eine beute gewittert haben, verstummen sie (
die hyänen) und trotten nun näher Brehm
tierl. (1890) 2, 4; Herta (
ein blindenhund) trottete mit tiefem kopf hinter dem möbelwagen Steguweit
d. soldat Lukas (1927) 97.
auch vom schweren gang des herdenviehs: die seuchen, die ... durch die trottenden herden konnten mitgeschleppt werden Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 50; büffel, eng aneinander trottend Meschendörfer
d. stadt im osten (1933) 21. 33)
vom menschen. im älteren gebrauch in etwas schillernder bedeutung, die bald ein plumpes, schwerfälliges auftreten, bald ein mehr schwankendes, torkelndes gehen zu bezeichnen scheint, vgl. drotte synonym für drampe '
plump treten' Seiler
Basler ma. 85
b.
gern in bäurisch derben darstellungen: und hiet ich ainen haiszen schotten (
quark), so wolt ich frischlich umbhin trotten
fastnachtsp. 436
Keller (
Neithartspiel); bist du (
mädchen) beim tanz, sie (
die burschen) thuon dein spotten, der ein spricht: 'schaw, wie geht sie drotten!', der ander sagt, du gangest wacken (
wackelnd) und tragst so schwer an den arsbacken Wickram 4, 53
Bolte; ein gans trottet daher gleich als ein voller (
betrunkener) und toller mann Höniger
narrensch. (1574) 49
b;
auch der jüngere gebrauch ist variiert; vom kurzschrittigen laufen des kindes: meine kleine schwester war hinterher getrottet Klöden
jugenderinner. (1911) 50; er machte schnelle, weite schritte ... und hatte die trabenden kinder hinter sich, nur der junge Balmatz trottete einzeln Hans Grimm
volk ohne raum 1, 69.
als bezeichnung langsamer, schwerer gangart: da kamen schon holzknechte ... und trotteten recht langsam, als wenn es gar nicht eile Rosegger
waldbauernbub (1901) 2, 43.
namentlich aber für ein gleichmäszig beharrliches oder gewohnheitsmäsziges gehen: vergebens sieht man sie (
die ärzte) durch berg und wälder nach kräutern trotten Wieland
w. (1794) 10, 325; täglich todesnachrichten, leichenzüge, links und rechts sinken sie hin, die bekannten — der überlebende trottet seine gewohnten wege Rosegger
sonnenschein (1902) 408; kommen wir hungrige infanteristen durch nacht und wind getrottet
Liller kriegszeitung (
auslese 1915) 2, 210.
damit verbindet sich gern die vorstellung des achtlosen, gleichgültigen: wenn beim zufälligen zurückblicken mir einer meiner alten lieblingsplätze ins auge fiel, wie ich so alle tage dran her trotte, als wärens laternenpfähle oder rebstöcke Annette v. Droste-Hülshoff
br. 300
Cardauns; (
burschen,) die vor dir kein käppchen lüpfend achtlos dir vorüber trotten Rückert (1882) 2, 181. 44)
mit stärkerem hervortreten des akustisch-rhythmischen bedeutungselementes: ich ... hörte es deutlich schnaufen und drunten durch den quergang trotten Storm
w. (1899) 5, 10;
ebda 7, 70.
von der gleichmäszigkeit des taktes her erklärt sich vielleicht auch tirol. trotten '
so dreschen, dasz die in einer reihe stehenden drescher zusammen immer einen streich, und den andern die gegenüberstehenden machen' Schmeller-Fr.
bair. 1, 680.